Fashion Week Halber Rock, volle Wirkung

Einst verdarb Margaret Thatcher dem Midi seinen eleganten Ruf. Bei den aktuellen Herbstschauen rehabilitieren die Designer den knielangen Rock mit Spitze und Schlitz. von Alex Bohn

Midi-Varianten von Erdem, Jonathan Saunder und J.W. Anderson, Herbst/Winter 2013

Midi-Varianten von Erdem, Jonathan Saunder und J.W. Anderson, Herbst/Winter 2013  |  © iMax Tree

Der Midi hat in der Mode einen sensationell schlechten Ruf, nämlich: Er sieht schnell unvorteilhaft aus. Trotzdem prägt die Rocksaumlänge, die bis zum Knie oder knapp über das Knie reicht, fast jede Kollektion der laufenden Modewochen. In London eröffnete J.W. Anderson seine Schau mit einem Midi-Kleid aus schwarzem, schwerem Wollstoff. Und schickte Variationen in reinweiß, grau und schwarzem Nappaleder hinterher. Erdem Moralioglu zeigte ebenfalls Midi in schwerem schwarzen Tweed oder dunklem Bordeauxrot, mit Federn, Pailletten oder Seidengaze. Jonathan Saunders, der bereits für den Sommer eine von den späten Fünfzigern und der US-Fernsehserie Mad Men inspirierte Kollektion mit knapp überknielangen Röcken entworfen hatte, lässt auch im Herbst den Saum das Knie umschmeicheln.

Die Tücken der halben Länge zeigen sich selbst an überlangen, zarten Laufstegmodels. Midi verkürzt optisch das Bein und setzt den Fokus auf die breiteste Stelle der Wade. Ohne himmelhohe Schuhe oder eine starke Taillierung sieht man mit einem Midi-Rock schnell aus wie – Margaret Thatcher. Denn die ehemalige britische Premierministerin war es, die den Midi-Look in Verruf gebracht hat.

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Ursprünglich galt Midi als einmalige Verbindung von Eleganz und Pragmatismus. Von Röcken und Kleidern in Bodenlänge befreite sich die Mode schon zur Jahrhundertwende. In den 1930er Jahren pendelten sich die Rocksäume auf Kniehöhe ein. Hier, so wollte es der damalige Zeitgeist, trafen sich das Mindestmaß an Anstand und das Höchstmaß an Bewegungsfreiheit. In den 1940er Jahren wurde die Silhouette dann zusätzlich schmal, was weniger der Mode geschuldet war, als der Notwendigkeit Stoff zu sparen, schließlich herrschte Krieg.

Thatcher machte der Eleganz des Midi den Garaus

In den Sechzigern dann wurde der Midi abgelöst, um schon eine Dekade später sein erstes Comeback zu feiern. Er war ein Kernstück der britischen Kultmarke Biba und der damalige Herausgeber der Women's Wear Daily, John Burr, bewarb den Midi auf den Titelblättern seines Magazins, um den Absatz der Textilindustrie anzukurbeln.

Dann kam Margaret Thatcher an die Macht. Die eiserne Lady trug medienwirksam nichts als Midi; im knielangen Kostüm wurde die matronenhafte Politikerin zur Ikone der Achtziger. Mit dem Sex-Appeal und der Eleganz des Midi war es damit vorbei.

Die Designer, die Midi jetzt wieder auf die Laufstege bringen, wissen um diese Fallstricke. Doch ihre Designs sind clever: Jonathan Saunders steuert mit hohen Schuhen gegen, J.W. Anderson bewahrt die guten Proportionen mit dem hüfthohen Schlitz des Kleids und Erdem Moralioglu arbeitet mit Einsätzen aus transparenter Gaze, sodass Oberschenkel und Knie durchscheinen, obwohl sie bedeckt sind.

Dass der Midi auch abseits der Designateliers eine Lobby hat, beweist Alexandra Shulman, die Chefredakteurin der britischen Vogue. Der Daily Mail sagte sie: "Der Midi stellt endlich die Annahme in Frage, dass wir alle zwanghaft unsere Oberschenkel zeigen wollen."

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Leserkommentare
  1. 1. Billig

    Schlitz auf Teufel komm raus bis unter die Achsel ist billig.

    qed besonders am mittleren Beispiel, wenn das dann auch noch auf die heikle Farbkombi rosa-rot trifft, die frisch vom Lidl-Wühltisch geklaut wirkt. Dazu der Sack im Bild rechts - hätte man keine besseren Beispiele wählen sollen, um von Eleganz und Rehabilitation zu sprechen?

    3 Leserempfehlungen
    • osna
    • 22. Februar 2013 17:42 Uhr

    Mode seit den letzten Jahren so hässlich und unvorteilhaft geworden?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Vielleicht damit man die Haut umspannten Knochen der Magermodels nicht mehr sehen muss?

    • F.K.
    • 22. Februar 2013 19:19 Uhr

    um den viel beklagten Sexismus (schamloses Anstarren)nicht zu provozieren. Da war doch die Mode von der Mitte des 19.Jahrhunderts besser für geeignet.

    Eine Leserempfehlung
  2. Vielleicht damit man die Haut umspannten Knochen der Magermodels nicht mehr sehen muss?

    Antwort auf "Warum ist"
    • keibe
    • 22. Februar 2013 22:42 Uhr

    "Dann kam Margaret Thatcher an die Macht. Die eiserne Lady trug medienwirksam nichts als Midi; im knielangen Kostüm wurde die matronenhafte Politikerin zur Ikone der Achtziger. Mit dem Sex-Appeal und der Eleganz des Midi war es damit vorbei."

    Für mich gewann der Midi durch beautiful Margaret erst an Eleganz und Sex-Appeal.

    Oder geht es hier um ein Schönheitsranking von Frauen?

    • CCL
    • 26. Februar 2013 12:11 Uhr

    Lieber Herr Bohl, Sie haben da leider Ihre Modehausaufgaben nicht gemacht, denn dann hätten Sie gesehen, dass die Models auf den Bildern keine Midi Röcke tragen. Was Sie im Text beschrieben haben ist in der Tat nicht vorteilhaft. Gehen denn die Säume tatsächlich bis zur Wadenmitte? Sie enden eigentlich unterhalb oder überhalb des Knies. Je nach Proportion und Körperlänge ist das die günstigste Saumlänge, da dort das Bein am schmalsten ist und das Auge das so "weiter liest". Nicht umsonst handelt es sich bei der Bleistiftform um einen Klassiker- er hat sich bewährt, bei sehr vielen Körpertypen und macht eine sehr schöne, feminine Silhouette.

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  • Serie Versteckte Klassiker
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Margaret Thatcher | Mode | Rock | Vogue | London
  • Models present creations from the Felder & Felder Autumn/Winter 2013 collection during London Fashion Week, February 15, 2013. REUTERS/Olivia Harris (BRITAIN - Tags: FASHION)

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