Designerin L'Wren Scott : Die strengen Kleider der Grandes Dames

Die Größe zählt doch: Weil ihr als Teenager nichts gepasst hat, begann L'Wren Scott selbst Mode zu machen. Ihre Bleistiftröcke und Samtroben geben Hollywooddiven Würde.
Penelopé Cruz, Sängerin Jennifer Hudson und Nicole Kidman in Entwürfen von L'Wren Scott © Ellen Theo Wargo/Carlos Alvarez/Christopher Polk/Getty Images

Eine echte Dame legt Wert auf Diskretion. L'Wren Scotts Studio in einem alten Backsteingebäude in London Chelsea verrät also nur ein winziges Namensschild an der Tür. Kein Firmenlogo, kein Concierge. Ihre Assistentin holt Scotts Besucher an der Tür ab, geht voran durch schmale Gänge und viele immer gleiche Türen, die einen Fremden in die Irre aber nie in ihr Atelier geführt hätten. Ihre Privatsphäre ist der Stylistin, Modemacherin und langjährigen Partnerin von Mick Jagger heilig.

Auch hier in ihrer Arbeitsstätte an einem normalen Wochentag trägt Scott schwindelerregende High Heels. Die Zehn-Zentimeter-Absätze verleihen der 1,92 Meter großen Amerikanerin eine fast bizarre Höhe. Auf Gruppenbildern mit anderen Berühmtheiten geht L'Wren Scott immer ein klein wenig in die Knie, damit die Proportionen stimmen. War dieser endlos schmale, lange Körper denn nie ein Problem für sie? "Im Gegenteil. So musste ich mir schon als Teenager Sachen selber nähen. Mir passte ja nichts", sagt Scott.

Ihr Körper hat Scott gezwungen, einen eigenen Stil zu finden, als sie noch die dünne Luann Bambrough aus einer mormonischen Familie war, in einer Kleinstadt in Utah. "Mode läuft einem in dieser Gegend nicht zufällig über den Weg. Ich habe aktiv danach gesucht", sagt Scott. Mit Zwölf nähte sie sich ihr erstes Kleid, schwarz und hauteng. Die Eltern seien schockiert gewesen – zu elegant, zu ladylike. Vielleicht kleidet sich Scott deshalb bis heute am liebsten genau so.

L'Wren Scott mit dem CEO des New Yorker Departmentstore Barneys, Mark Lee © Theo Wargo/Getty Images for Barneys New York

Ihr Metier sind die Verführerinnen

Ein glücklicher Zufall spülte das Mädchen Luann dem Modefotografen Bruce Weber vor die Füße. Der schoss in Utah eine Werbekampagne, wurde auf die langbeinige Schöne aufmerksam und riet ihr als Model nach Paris zu gehen. Mit Siebzehn packte Scott ihre Koffer, nutzte den Job als Model als Sprungbrett. Denn tatsächlich sei sie immer nur an den Kleidern interessiert gewesen. "Nach den Anproben blieb ich immer länger im Atelier, um zu helfen, die Kleider fertig zu nähen. Ich habe in der Zeit viele Schnitt- und Nähtechniken gelernt."

Auf dieses Wissen greift sie bis heute zurück, eine Modeschule hat L'Wren Scott nie besucht. "Meine Eltern hätten mir das College bezahlt. Aber eine Modeschule fanden sie unseriös." Seit Anfang der neunziger Jahre arbeitete Scott stattdessen als Stylistin, beriet Hollywood-Diven wie Elizabeth Taylor und Julia Roberts. Scott kleidete Sharon Stone in Diabolique, Nicole Kidman in Eyes Wide Shut und Ellen Barkin in Ocean’s Thirteen. Ihr Metier sind die verführerischen, selbstbewussten, auch verruchten Grandes Dames. Im Jahr 2006 gründete sie auf diesem Erfolg ihre eigene Marke.

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