In einer Filiale der US-Modekette Abercrombie & Fitch ©  Tim Boyle/Getty Images

Jahrelang war kaum bekannt, was Michael S. Jeffries da genau gesagt hatte: "Wir wollen unsere Sachen an gut aussehende, coole Leute verkaufen", sagte Jeffries erstmals im Jahr 2006. Die Sachen würden eben nicht jedermann stehen. "Dicke und Alte", darum könnten sich andere Firmen kümmern. Entsprechend gebe es in den Läden auch keine großen Größen. Dass damit viele Menschen ausgeschlossen werden, sei ausdrücklich erwünscht. So wie sich Abercrombie präsentiere, erklärte Jeffries, so sollen auch die Kunden sein: "attraktiv, mit toller Einstellung und vielen Freunden".

Abercrombie & Fitch ist weltweit unter Jugendlichen schwer angesagt. Vor den kürzlich auch in deutschen Großstädten eröffneten Filialen stehen junge Kunden in langen Schlangen an, um einkaufen zu dürfen. Die Musik in den Läden ist laut, die Beleuchtung karg. Verkäufer zeigen sich in nackten, durchtrainierten Oberkörpern. Doch jetzt sind viele Menschen auf ein Interview des Chefs von Abercrombie & Fitch aufmerksam geworden und in den USA kam es zu Protestaktionen.

Die Einschätzung des Autors und Modeanalysten Robin Lewis brachte eine Empörungswelle in Gang. "Abercrombie will den Eindruck vermeiden, dass sich auch arme Leute diese Kleidungsstücke leisten können." Daraufhin riefen Aktivisten in den USA auf, Kleidung von Abercrombie an Obdachlose zu verteilen. Im Netz kursieren nun Videos und Bilder von den Aktionen.

In den letzten 24 Stunden gab es 21.000 Tweets dazu. Auch eine Petition mit Zehntausenden Unterstützern gibt es bereits. Gleichzeitig findet in Blogs eine lebhafte Diskussion darüber statt, ob die Aktion nicht Obdachlose zum Gegenstand des Spotts macht und suggeriert, dass sie mit allem Vorlieb nehmen müssen, auch mit Kleidung einer Firma mit elitären Marketing-Zielen.

Auch Prominente reagierten schon. Die US-Schauspielerin Kirstie Alley kritisierte die Äußerungen Jeffries. Daher werde sie nie bei dieser Marke einkaufen. "Mir haben 30 Jahre lang Menschen gesagt, wie ich auszusehen habe", sagte die 62-Jährige. Alley setzte sich schon länger dafür ein, dass nicht nur schlanke Schauspielerinnen in Hollywood Erfolg haben. So machte sie sich 2005 in der Sitcom Fat Actress selbst über ihr Gewicht lustig.