Eine Teilnehmerin des Londoner Tweed Run Cycle Ride im April 2013 mit einem Smartphone © REUTERS/Luke MacGregor

Die will ich! Genau diese roten Kopfhörer mit den weißen Marienkäfer-Punkten. Ich habe nur ein Problem: Die Hörer sitzen nicht auf einem Styroporball in der Technikmarkt-Filiale meines Vertrauens, sondern auf dem Kopf einer anderen Frau im Bus, die nicht so aussieht, als wolle sie sie hergeben. Oder als könne man sie danach fragen, wo sie die her hat. Sie hört ja schließlich Musik. Und ich bin schüchtern.  

Also recherchiere ich zu Hause online. Ich finde viele rote Objekte mit weißen Punkten, aber die Kopfhörer, die ich suche, sind nicht dabei. Für mich ist das ärgerlich, weil ich Zeit verschwendet habe. Weil ich zwar weiß, was ich will, aber nicht, wie ich es kriegen kann. Und für die Wirtschaft ist es ärgerlich, weil ihr ein williger Kunde entgangen ist.

Die einen nennen so etwas eine verpasste Gelegenheit. Die anderen sehen eine Marktlücke. Besonders Apps auf dem Smartphone eignen sich, um mit neuen Service-Angeboten dafür zu sorgen, dass zwischen einen beiläufigen Kaufimpuls und der entsprechenden Kaufmöglichkeit in Zukunft kein Blatt mehr passt.  

Shazam ist der US-Anbieter einer gleichnamigen App, die im Alltag Musik erkennt und speichert. Mit diesem Service hat es Shazam auf Platz drei der weltweit meistgenutzten Gratis-Apps geschafft, nur Facebook und ICQ sind auf noch mehr Smartphones zu Hause. Nun will Shazam einen ähnlichen Service für Produkte anbieten, die in Fernsehshows und Serien zu sehen sind. Wer wissen will, was ein Moderator trägt, lässt die App mitlaufen und online nach den in einer Datenbank zur Show hinterlegten Brands suchen. 

Private Möbelstücke verlinkt in den Onlineshop des Herstellers

Einer ähnlichen Idee ist das Fashion Car entsprungen, das der Online-Schuhhändler Zalando auf dem Genfer Autosalon vorgestellt hat. Mithilfe eines iPads fotografiert es die Outfits von Passanten ab und kann entsprechende Kleidungsstücke bei Zalando bestellen. Die Lieferung soll dann per Kurier direkt zum aktuellen Standort des Autos erfolgen.  

Auch andersherum geht's: Der Service Swirl zeigt iPhone-Nutzern auf einem Stadtplan, wo sie die online gefundenen Jeans in ihrer direkten Umgebung kaufen können. In der iPad-Version des Wohndesign-Blogs Freunde von Freunden, das Kreative in ihrem Wohn- und Arbeitsumfeld zeigt, sind ausgewählte private Möbelstücke direkt mit dem Onlineshop des Herstellers verlinkt. 

Über die Befriedigung, Dinge zu besitzen

Viele dieser Funktionen holpern noch, müssen nutzerfreundlicher und treffsicherer werden. Einige sind nur in den USA verfügbar oder zeigen, wie das Zalando-Mobil, Zukunftsträumerei. Aber die Richtung ist klar.

Ganz egal, wo ich etwas sehe, ob zu Hause beim Blättern in Magazinen, im Fernsehen, im Netz, ob bei Freunden, im Urlaub oder auf dem Weg zur Arbeit: Wenn ich den Wunsch verspüre, irgendeine Entdeckung selbst besitzen zu wollen, soll der nicht unbefriedigt bleiben.

Dank spezialisierter Apps vergeude ich also in Zukunft nicht mehr Stunden mit der erfolglosen Suche nach gepunkteten Kopfhörern, und die Unternehmen bekommen mein Geld. Eine Win-win-Situation? Wenn jeder Mensch zum Model, jede Wohnung zum Möbelhaus und jede volle U-Bahn zum Showroom wird – was macht das mit uns?