Eine Zara-Filiale in Spanien: Auch die Mitarbeiter der großen Modeketten machten Druck für mehr Arbeiterschutz. © Susana Vera/Reuters

Nach all den Tragödien der letzten Wochen und Monate ist dieser Tag endlich einmal ein guter Tag für die Arbeiter in Bangladesch. Denn im Kampf für ihre Rechte, ihre Sicherheit und faire Arbeitsbedingungen feiern wir einen historischen Erfolg. Mehr als 25 Mode- und Bekleidungshersteller aus aller Welt, die einen großen Teil ihrer Produkte in Fabriken in Bangladesch herstellen lassen, haben in der Nacht ein verbindliches Abkommen zum Brandschutz und für die Gebäudesicherheit im Land unterzeichnet, darunter H&M, die Zara-Mutter Inditex, C&A, Kik, Tchibo und Primark.

Dass das Abkommen nun zum Stichtag 15. Mai ausreichend Unterzeichner gefunden hat, ist das Ergebnis des langjährigen Bemühens von NGOs wie der Kampagne für Saubere Kleidung und den internationalen Verbänden der Industrie- und Dienstleistungsgewerkschaften und der Arbeitsorganisation der UN, ILO.

Es ist aber vor allem die Folge einer Reihe von schrecklichen Bränden und Gebäudeeinstürzen, bei denen allein in den vergangenen 12 Monaten mehr als 1.800 Textilarbeiter in Bangladesch ums Leben kamen und unzählige weitere zum Teil schwer verletzt wurden. Unter dem Druck der verstörenden Bilder und des öffentlichen Entsetzens waren die Modefirmen jetzt endlich zur Unterzeichnung bereit.

Von den Problemen vor Ort abgelenkt

Warum musste es erst soweit kommen? Bangladesch ist nach China der größte Produzent von Textilien. Die Kampagne für Saubere Kleidung kämpft bereits seit dem Jahr 2005 für besseren Arbeitsschutz vor Ort und auch wir von ver.di fordern seit Jahren ein wirksames Abkommen dazu. Schon im Frühjahr 2012 hatte der neu gegründete internationale Gewerkschaftsverbund IndustriALL das nun gültige Abkommen formuliert und mit dem amerikanischen Modeunternehmen PVH, zu dem unter anderem die Marken Calvin Klein und Tommy Hilfiger gehören, auch einen prominenten Unterzeichner gewinnen können. Daraufhin habe ich im Namen von ver.di weitere Unterzeichner aus dem Textilhandel für diesen konkreten Beschluss gesucht. Unser Augenmerk lag vor allem auf den Branchenführern im Textileinzelhandel: Inditex, mit den Marken Zara, Mango und Massimo Dutti, sowie H&M.

Doch deren Unternehmensleitungen haben das Abkommen abgelehnt. Immer und immer wieder argumentierten sie, dass sie bereits viele eigene Anstrengungen unternehmen würden, von der Aufklärung und Schulung der Näherinnen über Befragungen und der Durchführung eigener Kontrollen. Lange, viel zu lange mussten Menschen sterben. Immer wieder hörten wir gebetsmühlenartig die gleichen Ausreden der Unternehmen: Wir tun schon sehr viel und bemühen uns weiter. So wurde von den Problemen vor Ort abgelenkt, bis die nächste Katastrophe passierte. Es ging mehr um geschönte Nachhaltigkeitsberichte für die Aktionäre als um wirksame Veränderungen für die Beschäftigten.

Trotzdem arbeitete ich, genau wie meine Mitstreiter des Projekts ExChains, beharrlich daran, dem internationalen Abkommen über Brandschutz und Gebäudesicherheit zum Durchbruch zu verhelfen. Neben den Gesprächen mit den Konzernen, hieß das vor allem, politischen Druck aufzubauen, etwa in Gesprächen mit dem Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung, Markus Löning. Doch was uns insbesondere nach den jüngsten Katastrophen in Bangladesch Auftrieb verschafft hat, war die Arbeit mit den Betriebsräten und den Mitarbeitern der betroffenen Unternehmen in Deutschland.