Faire ModeShoppen mit gutem Gewissen

Teure Müslimode war gestern! Faire und ökologische Kleidung ist längst zeitgemäß und erschwinglich. Alex Bohn stellt die besten Bio-Labels und Online-Händler vor. von Alex Bohn

Das Streetware-Label Bleed verwendet unter anderem Biobaumwolle und recyceltes Polyester.

Das Streetware-Label Bleed verwendet unter anderem Biobaumwolle und recyceltes Polyester.  |  © Ben Krafft

Drei Vorurteile gibt es gegenüber fair gehandelter und fair produzierte Mode: Sie ist teuer, nicht überall zu haben, und man sieht in ihr aus wie ein typischer Öko.

Faire Mode kostet zwar mehr als Textilien aus dem Discounter. Einen preislichen Unterschied zu konventionell gehandelter und produzierter Mode gibt es aber nicht unbedingt. Beispielsweise zahlt man für einen Kapuzenpulli der Marke Continental Clothing, deren Mode unter geprüft fairen Produktionsbedingungen entsteht, 26,95 Euro. Ein vergleichbarer Pullover aus konventioneller Produktion kostet aktuell bei H&M zwischen 20 und 25 Euro, bei Esprit zwischen 35 und 50 Euro.

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Natürlich gibt es in den Großstädten mehr Geschäfte und Labels für faire Mode als auf dem Land. Aber auch in kleineren Städten erweitert sich das Angebot ständig. Außerdem gibt es die besten Angebote meist online, also für jeden, der Zugang zum Internet und einem entsprechenden Bezahlsystem hat.

Das Klischee von bunt gebatikten Baumwollschals, lila Haremshosen und gewalkten Filzpuschen ist auch schon längst nicht mehr Realität. Das gängigste Kleidungsstück im Repertoire der fairen Mode ist das Baumwoll-T-Shirt – und zwar ein schlichtes, ohne Aufdruck. Ein Modeklassiker also, den jeder im Kleiderschrank hat. Faire Mode deckt mittlerweile die gesamte Palette der typischen Freizeitmoden ab: T-Shirt, Sweatshirt, Kapuzenpullover, Trainingshose, Leggings, ja sogar einfache Laufschuhe.

Biomode-Labels

Modisch interessant sind Labels wie Continental Clothing und Earth Positive. Beide sind in Berlin ansässig und bieten Freizeitmode, die in London entworfen wird. Die Kollektionen zeichnen sich durch ihre modischen Schnitte und die schmale Passform aus. Einzelne Kollektionsteile wie das Women's Speckled Rolled Up Sleeve T-Shirt könnten ebenso gut aus der aktuellen Sommerkollektion der französischen Designerin Isabel Marant stammen. Continental Clothing und Earth Positive verwenden GOTS-zertifizierte Baumwolle (also Baumwolle, die zu mindestens 70 Prozent aus Biofasern besteht) und produzieren sozial abgesichert – es gibt keine Zwangs- und Kinderarbeit, keine exzessiven Arbeitszeiten, stattdessen existenzsichernde Löhne und feste Anstellungsverträge.

Das Streetwear-Label Bleed erinnert an die amerikanische Marke carhartt. Neben Sweat- und T-Shirts gibt es eine kleine und gute Auswahl von Arbeiterjacken, Strickpullovern und Freizeithemden. Zu den Accessoires gehören neben Skateboard-Decks auch iPhone-Hüllen aus Kork und der unvermeidliche Jutebeutel mit dem Spruch I can dance my name. Bleed verwendet hauptsächlich GOTS-zertifizierte Biobaumwolle, Tencel (ein Stoff, der umweltschonend aus Eukalyptus gewonnen wird), Hanf von einer Partnerfarm in China sowie recyceltes Polyester, das mit dem Ökotex Standard 100 ausgezeichnet ist.

Sogar Jeans, die durch ihre aufwendige und umweltbelastende Produktion in Verruf geraten sind, gibt es fair und modisch: Beispielsweise vom Hamburger Label Goodsociety.org, das Hosen für Frauen und Männer in klassischen Passformen und unterschiedlichen Waschungen anbietet, aus GOTS-zertifizierter Baumwolle, die in organischer Wechselwirtschaft (wechselnde Fruchtfolge statt Monokultur) angebaut wird und für deren Waschgänge wiederaufbereitetes Wasser genutzt wird. Hergestellt werden die Jeans in italienischen Familienbetrieben. 25 Prozent des Gewinns spendet Goodsociety unter anderem an die The Sea Foundation, eine Organisation in Nepal und Kanada, die sich gegen Menschenhandel einsetzt.

Der spanische Hersteller Natural World hat Turnschuhe für Frauen und Männer aus zertifizierter Biobaumwolle im Programm. In der Produktion kommen keine chemischen Substanzen und Klebstoffe zum Einsatz – die Einzelteile werden durch Vulkanisation miteinander verschweißt. Zu kaufen gibt es die Schuhe beispielsweise in dem Online-Store www.grundstoff.net.

Eine besonderes Konzept verfolgt der Hersteller Manomama (übersetzt "mit den Händen der Mütter hergestellt"). Vom Von der Garn bis zur fertigt Manomama die ganze Jeans in Deutschland. Weil den üblichen Öko-Zertifizierung der Regionalbezug fehlt, hat sich Manomama zudem für eine Kooperation mit Bioland entschieden und fertig seine Textilien nach deren Richtlinien. Neben einer kleinen Auswahl an Jeans gibt es T-Shirts für Damen, Herren und Kinder, mit sehr einfachen, eher wenig modischen Passformen. Gefertigt wird die Kollektion von ehemaligen Langzeitarbeitslosen, darunter zahlreiche Frauen über 50, Alleinerziehende und Menschen mit Handicap. Die Produktion ist transparent gestaltet, die Rohstoffe stammen aus kontrolliert biologischem Anbau.

Leserkommentare
  1. Aus persönlicher Erfahrung kann ich berichten, dass es nach wie vor extrem schwierig ist, klassisch geschnittene Herrenhemden nach GOTS (geschweige denn BEST) zu finden. Der eine Hersteller/Designer (chochuri) scheint nicht mehr nachzufertigen und ich bin froh, dass ich überhaupt noch zwei Hemden übers Netz bekommen habe.

    Fair und ökologisch hergestellte Schuhe zu bekommen, grenzt dann schon erst recht an ein Ding der Unmöglichkeit. Es sei denn, ich lasse mir Maßschuhe anfertigen. Aber 1000+ für einen Leisten habe ich derzeit noch nicht übrig. Es gibt ein paar Hersteller, die in die richtige Richtung gehen (Ekin, Think), aber 100%ig glücklich bin ich auch noch nicht.

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    Der Hersteller brainshirt bietet klassische Oberhemden in diversen Schnitten und Farbvariation an, von weit und locker, bis hin zu modisch und sehr eng und bisher fand ich die Preise angemessen für die Hemdqualität. Den Maßkonfektionsservice habe ich noch nicht in Anspruch genommen, da mir die Hemden auch so sehr gut passen. Was Schuhe besteht auch hier eigentlich kein Problem: NoHarm, Novacas, Noah und die sind allesamt sogar lederfrei produziert. Hochwertige Schuhe aus Leder gibt's dann auch von Trippen sowohl in sehr ausgefallen als auch in klassisch (aber dann auch entsprechenden Preisen).

    Viel interessanter ist doch: wo sind fair und ökologisch produzierte Anzüge? Von tierproduktfreien Anzügen möchte ich ja noch gar nicht erst sprechen, aber ich habe noch keinen hochwertigen Anzug gesehen, der aus unproblematischer Wolle hergestellt wurde und für den in der Produktion faire Löhne gezahlt wurden. Es gibt ein israelisches Unternehmen, dass aus recycleten PET Flaschen Stoffe für Anzüge weben soll, aber die Anzüge habe ich noch nirgends gesehen und ich habe auch keine Informationen zu fairen Löhnen oder der sonstigen Umweltverträglichkeit. Hosen sind ein weiterer Punkt: es ist kein Problem eine Jeans nach entsprechend Standards zu finden oder eine Chino, alles auch in modernen Schnitten, aber eine modische etwas schickere Herrenhose? Pustekuchen!

    Frauenmode ist da wesentlich weiter, da ist alles von sportlich locker bis hin zu High Fashion verfügbar.

    • gwyrll
    • 27. Mai 2013 21:41 Uhr

    Eine große Auswahl an ökofairer Mode gibt es auf
    http://www.zuendstoff-clo...

    @stabilobox: Für Hemden kann ich noch
    http://toodot.de/index2.html
    http://www.knowledgecotto... und
    http://www.brainshirt.eu/
    empfehlen

    Ausführliche Listen aller ökofairen Läden, Labels und Onlineshops in Deutschland findet man dem Grüne Mode-Blog:
    http://http://www.kirsten...

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    brainshirt ist mir bereits bekannt. Hat aber nichts, was meinen Vorstellungen und Erwartungen entspricht: Elegantes Herrenhemd, slim fit, OHNE Brusttasche, schwarz, mindestens nach GOTS produziert. Killer Feature: verdeckte Knopfleiste. Und wie ich gerade sehe, haben auch die anderen Seiten derartiges nicht im angebot.

    Da wird die Wahl echt eng :)

    • ASasse
    • 27. Mai 2013 21:52 Uhr

    Hess Natur wurde 2012 von Capvis gekauft, einer Private-Equity-Gesellschaft.

    Als ehemalige Kunden von Hess Natur behaupteten, dass einer der Capvis-Investoren die Private-Equity-Gesellschaft Harbourvest sei, die ihr Geld unter Anderem mit Rüstung verdiene, ging ein wüster Reschtsstreit los, der allerdings nicht zur Aufklärung beigetragen hat.

    Leider wollte oder konnte Hess Natur die Behauptung nie widerlegen, seitdem bleiben viele Kunden von Hess Natur fern.

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  2. Das schöne an Second Hand ist, dass man auf keinen Fall zur Nachfrage nach billiger Kleidung beiträgt. Natürlich unterstützt man aber auch keine faire Produktion.
    Habe letzte Woche das erste mal in einen Oxfam Shop reingeschaut, und wahnsinnig günstig ein S.Oliver Hemd erstanden. Die Auswahl ist natürlich klein (gerade für Männer) aber dafür gibts für kleines Geld ein gutes Gewissen. Schön.

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  3. 5. Danke

    brainshirt ist mir bereits bekannt. Hat aber nichts, was meinen Vorstellungen und Erwartungen entspricht: Elegantes Herrenhemd, slim fit, OHNE Brusttasche, schwarz, mindestens nach GOTS produziert. Killer Feature: verdeckte Knopfleiste. Und wie ich gerade sehe, haben auch die anderen Seiten derartiges nicht im angebot.

    Da wird die Wahl echt eng :)

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    hier könnten sie fündig werden:

    aluc.eu

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  5. Ein wunderschönes Modelabel möchte ich euch empfehlen: GLIMPSE! Indische Mädchen, die in die Prostitution gezwungen worden waren und aus dieser herausgeführt wurden, nähen mit fairer Bezahlung und ökologischen Stoffen trendige Mode. Ein Modekauf, mit dem du Gutes tun kannst und hübsch aussiehst: http://www.glimpse-clothi.... Ab Herbst kommt die erste Kollektion auf den Markt: Ich freu' mich darauf ;-)

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  6. Genau genommen ist es ökologischer möglichst wenig zu konsumieren.
    Abgesehen von der Mode wäre das auch einfach. Gute Kleidung hält ja ewig. Aber Arbeiter in
    Entwicklungsländern profitieren von der Enthaltsamkeit sicher nicht.

    Was mir in dem Artikel fehlt, sind genaue Zahlen: Wenn ich 50 Euro statt 10 Euro
    für ein Hemd ausgeben soll, würde ich gern wissen, wieviel Geld von den 40 Euro
    Mehrkosten die Näherin bzw die Arbeiter bekommen. Schön wäre es, wenn es 30 Euro wären, aber ich füchte, es sind keine 3 Euro. Dann würden 37 Euo von anderen eingesteckt. Mir wäre das zuviel

    Jedenfalls wäre ich dankbar für Aufklärung

    5 Leserempfehlungen
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    Kann ich Nudies Jeans empfehlen. Sie sind bei ca 119 Euro fuer eine Jeans zwar eher im oberen Preissegment (fuer Diesel oder Lewis etc. wuerde man aber noch mehr ausgeben), aber sie produzieren mit Bio Baumwolle und Recyclingfasern, mit natuerlichen Farbstoffen und haben ein tolles Recyclingmodell: die Jeans halten sehr lange (mein Mann traegt eine bereits seit 5 Jahren), wenn sie irgendwo durchgescheuert ist oder sonstige Schaeden hat, kann man sie fuer eine Pauschlae von 20Euro einschicken und erhaelt sie perfekt ausgebessert zurueck und wenn gar nichts mehr geht (das ist allerdings bisher bei uns noch nicht vorgekommen), kann man sie zum Recycling zurueckschicken und erhaelt eine kleine Gutschrift auf eine neue Hose. Die alten Hosen werden dann geschreddert und als Material fuer die neuen verwendet.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Mode | Karstadt | Jeans | China | Berlin
  • Models present creations from the Felder & Felder Autumn/Winter 2013 collection during London Fashion Week, February 15, 2013. REUTERS/Olivia Harris (BRITAIN - Tags: FASHION)

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