Hüte von Rachel Zoe, Temperley London und Saint Laurent Paris (v.l.n.r.) © iMaxTree

Mit einem Tusch hat Marc Jacobs den Schlapphut im letzten Winter zurück auf die Bühne geholt. Die Hüte, entworfen von dem britischen Hutmacher Stephen Jones, waren kein Accessoire unter vielen, sondern überdimensionale, monströse Objekte aus plüschigem Samt, Fell und Federn.  Sie beanspruchten alle Aufmerksamkeit für sich. Ihre Krempen wippten und wogten im Takt der Schritte der Models; fast schien es, als hätten sie ein Eigenleben. Ins echte Leben schafften es nur wenige, sie waren wohl eher show pieces. Ein Gedenken an die Modejournalistin Anna Piaggi, eine Exzentrikerin, die ohne Hut das Haus nicht verließ, und die Marc Jacobs sehr schätzte.

Die Schlapphüte der aktuellen Sommerkollektion, egal ob bei Saint Laurent, Rachel Zoe oder Temperly London, werden es einfacher haben. Sie sind schlicht und tragbar.

Alle erinnern an den ursprünglichen Schlapphut, den es bereits seit der Renaissance gibt und der als Kopfbedeckung der Bauern galt: eine Kopfbedeckung aus weichem Filz, mit breiter Krempe und rundem Kopf.

Ein Hut wirkt geheimnisvoll

Bei Hedi Slimane, dem nach Kalifornien ausgewanderten Designer des französischen Modehauses Saint Laurent, erinnern sie an den glamourösen Hippie-Chic der siebziger Jahre. Es gibt Fotos von Uschi Obermaier, auf denen sie einen sehr ähnlichen Schlapphut trägt: aus schwarzem Filz, weit in die Stirn gezogen. Slimanes Version ist jedoch nicht blumig und farbenfroh, sondern düster, ein bisschen streng und männlich, als würden die Trägerinnen den ganzen Tag psychedelischen Rock hören. Unter der breiten Hutkrempe sind ihre Augen kaum zu sehen. Sind sie gelangweilt? Abwesend? In jedem Fall geheimnisvoll.

Die Schlapphüte von Rachel Zoe sind da harmloser. Sie passen gut in den Fundus der ehemaligen Stylistin, die das geschickte Arrangement von schon Dagewesenem zu ihrem Markenzeichen gemacht hat. Ihre fast klassischen Stroh-Schlapphüte sind formschöne Schattenspender für den nächsten Strandbesuch.