Sie entwirft Kleider für die extravagante Bier-Erbin Daphne Guinness, Kostüme für die extrovertierte Sängerin Björk und die Schauspielerin Tilda Swinton. Eine Auswahl von Frauen, in der die Designerin Iris van Herpen sich selbst spiegelt, ein bisschen außerirdisch eben. Van Herpen ist sehr groß, sehr schlank, trägt sehr langes, blondes Haar, ihre Haut ist fast transparent und sie spricht so leise, dass man mindestens zweimal nachfragen muss. "Dies ist mit Abstand meine komplizierteste Kollektion", sagt van Herpen nach ihrer Couture Schau. Ein Dutzend Elfen in Silikonschuhen und Kleidern aus Drachenhaut schickte sie über den Laufsteg, die ausnahmslos von einem 3D- Drucker hergestellt wurden.

Die 29-jährige Holländerin betreibt kein klassisches Modeatelier, sondern ein Labor in dem sie mit Architekten und Wissenschaftlern zusammenarbeitet. Bei den Haute-Couture-Schauen in Paris zeigte van Herpen das erste nahtlose Silikonkleid, hergestellt mit einem 3D-Drucker. Sie ist die erste Modedesignerin, die sich dieser Technik bedient. Unterstützt von der Firma Materialise, die von der EU gefördert wird und Marktführer in Sachen 3D-Drucktechnologie ist.

Was das bedeutet? Der Entwurf wird direkt am Computer erstellt und dann mithilfe der Materialise-Software für den 3D-Druck optimiert. Angefertigt wird der Entwurf durch Mammut-Stereolithographie, einer additiven Fertigungstechnik, durch die Objekte Schicht für Schicht erzeugt werden. Das Design wird von UV-Lasern in Flüssigkunstharz eingescannt, das bei Berührung mit dem Laserstrahl aushärtet.

Was sehr technisch klingt, kann erstaunlich zart aussehen. Eines der Kleider aus der aktuellen Couture-Kollektion beispielsweise ist aus unzähligen Silikonfasern gemacht, so fein, dass die Fasern bei jedem Schritt vibrieren, als wären es Federn.

Was trägt Frau von Welt diesen Winter? Bilder von den Pariser Haute-Couture-Schauen © Charles Platiau/Reuters

Für eine Modenschau wirkt das fantastisch. Aber was kommt danach? Wie lassen sich diese wunderschönen, aber sehr statischen Entwürfe in tragbare Kleider übersetzen? Vom Preis ganz zu schweigen, der aufgrund der 3D-Technik so hoch liegt, dass die Kleider nicht mal ausgepreist werden. "Daran arbeite ich jetzt", sagt van Herpen. Im März dieses Jahres präsentierte sie ihre erste Prêt-à-Porter-Kollektion in Paris, deren Entwürfe für den kommenden Winter auch ohne 3D-Technik überzeugten.

Van Herpen, die im holländischen Arnhem studierte und später für Alexander McQueen arbeitete, will sich zwar nicht von ihrem wissenschaftlichen Designansatz entfernen, hat sich aber vorgenommen, eine auch wirtschaftlich erfolgreiche Marke aufzubauen. Dieser Ansatz hat ihr eine Nominierung für den Andam Modepreis eingebracht, eine hochdotierte Förderung der französischen Modewirtschaft. Sie wird nur an Designer vergeben, deren Kleider so angelegt sind, dass sie sich auch verkaufen lassen.

In diesem Punkt ist Paris sehr streng. Die Entscheidung, ob van Herpens 3D-Mode durch den renommierten Preis gefördert wird, fällt an diesem Donnerstag. Es könnte eine kleine Richtungsentscheidung sein für die Modestadt Paris: Bekommt van Herpen die Chance, zu beweisen, dass technische Innovation und Tragbarkeit Hand in Hand gehen können? Oder verlässt man sich auch in Zukunft noch lieber auf Nadel und Faden.