ZEIT ONLINE: Frau McCartney, während die Berliner Designer ihre Kollektionen gerade schon präsentieren, sind Sie noch mitten in der Kollektionsentwicklung für den Sommer 2014. Mit welcher Frage im Kopf entwerfen Sie Ihre Mode?

Stella McCartney: Ich frage mich vor allem, was Frauen brauchen. Was werden sie in einem Jahr wollen? Und wie können wir uns weiterentwickeln und gleichzeitig unsere eigene Sprache sprechen. Ich will nicht einfach etwas radikal Neues machen, sondern etwas Neues, das trotzdem zu der Frau passt, die meine Arbeit schätzt. Davon abgesehen arbeite ich aus dem Bauch heraus, je nachdem, was mein Gefühl mir sagt.

ZEIT ONLINE: Und was sagt Ihr Gefühl zum kommenden Sommer?

McCartney: Ich werde Ihnen nichts verraten! Keine Chance! Aber ich finde es jetzt schon großartig.

ZEIT ONLINE: Am Anfang Ihrer Karriere wurden Sie aufgrund Ihrer bekannten Eltern misstrauisch beäugt, mittlerweile genießen Sie Anerkennung als eine der besten Womenswear-Designerinnen. Wie nehmen Sie den Aufstieg Ihrer Marke wahr?

McCartney: Wir haben einen wundervollen Rhythmus gefunden, so etwas wie eine innere Schwingung, die uns von Saison zu Saison gleiten lässt. Jede Kollektion ergänzt die vorhergehende. Diese Stabilität strahlen wir auch nach außen aus, der Kunde merkt das, aber auch der Einkäufer, all die Partner, mit denen wir zusammenarbeiten. Ich habe das Gefühl, sehr ehrlich sein zu können in meiner Arbeit, jede Kollektion singt unser ganz eigenes Lied. Und es ist toll, zu sehen, wie die Leute das aufnehmen, sich mit der Marke wohlfühlen und meine Kleider in ihre Schränke lassen.

ZEIT ONLINE: Haben Sie das Gefühl, das erreicht zu haben, was Sie sich am Anfang Ihrer Karriere vorgenommen haben?

McCartney: Wenn man seine eigene Marke gründet, weiß man noch nicht so hundertprozentig, was die Basis ist, wo man seine Füße hat. Ich musste mein Gleichgewicht erst finden. Jetzt arbeite ich in einem guten Rhythmus und habe das Gefühl von Beständigkeit. Das ist wirklich ziemlich schwer zu erlangen in dieser Branche. Die Leute sagen zu mir: "Ich sehe auf den ersten Blick, wenn etwas von Dir ist." Das ist das unglaublichste Kompliment, das man mir machen kann, denn es ist so schwer, eine eigene, wiedererkennbare Stimme zu finden.

ZEIT ONLINE: In Ihrer Mode ging es immer darum, Details aus der Herrengarderobe in die Damenmode zu holen. Ist das noch immer ihr Lied?

McCartney: Unser Vokabular hat sich inzwischen stark erweitert, aber perfekte Schnitte werden immer ein Bezugspunkt sein. Die Maßschneidereien der Savile Row, wo ich zum Teil gelernt habe, werden mir immer ein Vorbild sein, technisch und auch ästhetisch. Wer auf der Suche nach dem am besten sitzenden Blazer der Welt ist, kann immer zu mir kommen. Darüber hinaus arbeite ich viel mit Drucken und Mustern. Ich will Impulse geben für die Art, wie man Muster heute trägt, nämlich Muster auf Muster auf Muster – keine Angst vor einem starken Statement! Und ich bin auch ziemlich stolz auf unsere Taschen. Sie sind tragbar, zuverlässig und trotzdem ein Hingucker.

ZEIT ONLINE: Und vegan! Sie fertigen aus Überzeugung nichts aus Leder. Haben Sie das Gefühl, dass Sie mit dem Erfolg Ihre Luxusmodekollegen zum Umdenken anstiften, gibt es eine Diskussion…

McCartney: …darüber, was akzeptabel ist und was nicht? Ich weiß nicht. Im Luxussegment verdienen Designer und vor allem die Inhaber mehr Geld mit Lederhandtaschen als mit Kleidung, sie verkaufen Pelzmäntel und verwenden PVC – traurig, aber ich habe nicht das Gefühl, dass sich da viel tut.