Die Schönheit einer Kaffeebohne: Bent Angelo Jensen in seinem Laden in Hamburg

Frage: Herr Jensen, wie geht es Ihnen?

Bent Angelo Jensen:
Ich habe eine sehr anstrengende Woche hinter mir. Am Donnerstag letzter Woche habe ich Insolvenz angemeldet.

Frage: Was bedeutet das?

Jensen: Ich strebe ein Isolvenzplanverfahren an mit dem Ziel, das Unternehmen und die 20 Arbeitsplätze zu retten. Es wird eine Regulierung der Verbindlichkeiten angesteuert. Das Unternehmen ist drei Monate geschützt, es kann kein Mietvertrag gekündigt, kein Konto gepfändet werden. Ich werde mit dem Insolvenzverwalter einen Plan erstellen, um auf die Gläubiger zuzugehen.

Frage: Wie kam es dazu?

Jensen: Es war wie so oft. In den ersten zehn Jahren hat Herr von Eden ein starkes Wachstum hingelegt, von 1998 bis in die 2000er bis zur Finanzkrise. Ich habe mit einer Filiale in Hamburg angefangen, dann eine in Berlin eröffnet, in Kopenhagen, Köln, München und noch eine in Hamburg. Ich bekam einen Haufen Darlehen, die ich bedienen musste. Hinzu kamen deutlich höhere Lieferantenverbindlichkeiten, um die neuen Standorte mit Ware zu versorgen. Einige davon liefen nicht so, wie ich mir das vorgestellt hatte. Allein mit München habe ich 300.000 Euro Verluste gemacht. Ab 2010 mussten wir Filialen schließen.

Frage: Das heißt, seit drei Jahren geht es bergab?

Jensen: Ich versuche seit drei, vier Jahren alles aufzufangen. Die Läden in Köln, Berlin und Hamburg laufen gut, wir haben 2012 ein Plus von rund 150.000 Euro gemacht. Trotzdem können wir die vielen Verbindlichkeiten nicht bedienen, das Finanzamt klopft an, das Gewerbeamt wollte mir sogar meine Gewerbegenehmigung entziehen, Mietverträge drohen, gekündigt zu werden. All das versuche ich mit den drei gesunden Läden aufzufangen. Bevor alles zu spät ist, gehe ich auf die Gläubiger zu. Wenn sie nicht mitziehen, besteht das Risiko, dass es vorbei ist und sie wohl gar nichts bekommen.

Frage: Wie hat sich die Situation entwickelt?

Jensen: Wir haben 2013 einen Umsatzrückgang von 30 Prozent, branchenübergreifend. Und insbesondere lief meine Damenkollektion nicht.

Frage: Man wird am Wachstum gemessen. War das auch bei Ihnen so?

Jensen: Ich finde es wahnsinnig, was verbraten wird, um Kollektionen, Shows zu machen, Lookbooks zu fotografieren, ich steige aus. Ich muss mich jetzt um das Kerngeschäft kümmern und auf meine Kunden hören. Wenn die sich weiße Hemden und dunkelblaue Anzüge wünschen, wie sie Jil Sander 30 Jahre lang gemacht hat, dann bekommen sie die.

Frage: Wer kauft bei Herr von Eden?

Jensen: Ich habe Kunden vom Abiturienten bis zum Herrn von Ende 60. Unsere Anzüge sind eine Alternative zum Massenprodukt, deshalb sehe ich nicht mehr ein, warum ich mit zig gestreiften Hemden und karierten Anzügen am Markt bestehen soll.

Frage: Dem zu widerstehen, ist wahrscheinlich nicht einfach.

Jensen: Wir haben ein Lebensgefühl transportiert mit unseren Kampagnen, aber es ist ein unsinniger Narzissmus, dem ich da unterlegen war. Ich bin Autodidakt, ich wollte gerne als Modedesigner wahrgenommen werden. Ich hatte den Eindruck: Alle anderen machen auch alles. Da gerät man in einen Strudel.