Versteckte KlassikerGar nicht mehr halbseiden

Satin stand lange für Unterwäsche-Wühltische. Nun ist der glänzende Stoff die Wiederentdeckung des Sommers. Eine neue Folge unserer Modeserie "Versteckte Klassiker" von Alex Bohn

Alles Satin! Entwürfe aus der aktuellen Sommerkollektion des Modelabels Celine

Alles Satin! Entwürfe aus der aktuellen Sommerkollektion des Modelabels Celine  |  © iMax Tree

In den vergangenen Dekaden haftete Satin etwas, nun ja, Halbseidenes an. Der fast spiegelnd glänzende Stoff stand für Unterwäsche-Wühltische, aufgerüschte Abiballkleider und das glänzende Bettzeug, das 1980 den nackten Richard Gere in American Gigolo umwickelte.

Doch nun hat ausgerechnet die Celine-Designerin Phoebe Philo, die stets für ihre Modernität gepriesen wird, ihre halbe Sommerkollektion mit Satin bestritten. Satin-Hosen mit geradem, weitem Bein in cremeweiß und schwarz, ärmellose Satin-Tops mit asymmetrischem Schnitt und Wickel-Detail, leicht ausgestellte Satin-Röcke in der neuen Midi-Länge: alle Stücke sind so einfach geschnitten, dass das Augenmerk komplett auf dem nass-glänzenden Material ruht. Noch unmissverständlicher könnte Philo es nicht sagen. Satin ist die Wiederentdeckung dieses Sommers.

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Seidensatin gibt es seit dem Mittelalter. Ursprünglich wurde der Stoff vom Adel bevorzugt und war ihm wegen seines hohen Preises auch vorbehalten. Zum Stoff für die Massen wurde Satin erst in den 1950er Jahren, als er auch mithilfe des deutlich günstigeren synthetischen Polyesters hergestellt werden konnte. Satinwäsche und Ballkleidchen konnte sich nun jede Frau leisten – das war zwar demokratischer, förderte aber nicht eben das Ansehen des Stoffs.

Es ist also kein Wunder, dass der Weg des Satin zurück ins Rampenlicht auf Umwegen verlief. Vor zwei Jahren machten erfolgreiche Rapper wie Chris Brown und Pharrell Williams satinglänzende Baseballjacken populär. Dann griffen große Marken wie Louis Vuitton und Balenciaga die Jacken auf und versahen sie mit auffälligen Mustern. Damit etablierten sie Satin, den Stoff, der bisher mit Weiblichkeit assoziiert war, im Bereich der traditionellen Männermode. Erst dieser Schwenk machte das Revival in der Damenmode möglich.

Trenchcoat mit Satinkragen

Wie es aussieht, ist Satin von nun an für beide Geschlechter salonfähig. In der Männerkollektion des britischen Hauses Burberry Prorsum tragen die Herren satinierte Hosen in Hot Pink und hochglänzende Hemden in Türkis. Selbst den klassischen Trenchcoat hat der Designer Christopher Bailey mit einem gesteiften Satinkragen in babyblau-metallic versehen.

Leserkommentare
    • Moin.
    • 30. August 2013 22:57 Uhr

    Der von Männern geschriebene Song erhielt seinen Titel nach Ankunft eines Wäschepakets. Ob dieses von einer Frau stammte, berichtet die Geschichte nicht...Jedenfalls ein Oldie, und spezifisch männlich ( "letters unwritten" )...

  1. am männlichen Körper, also gut, 2 Ausnahmen:
    als Uniformstreifen an der Naht der Hosen einer englischen Blaskapelle,
    als Futterstoff von Jacken, Blazer, Sacko, Weste nach innen zur Haut hin, denn das fühlt sich cool an, Satin aus echter Seide, keine Frage.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Chris Brown | Christian Dior | Dior | Louis Vuitton
  • Models present creations from the Felder & Felder Autumn/Winter 2013 collection during London Fashion Week, February 15, 2013. REUTERS/Olivia Harris (BRITAIN - Tags: FASHION)

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