In den vergangenen Dekaden haftete Satin etwas, nun ja, Halbseidenes an. Der fast spiegelnd glänzende Stoff stand für Unterwäsche-Wühltische, aufgerüschte Abiballkleider und das glänzende Bettzeug, das 1980 den nackten Richard Gere in American Gigolo umwickelte.

Doch nun hat ausgerechnet die Celine-Designerin Phoebe Philo, die stets für ihre Modernität gepriesen wird, ihre halbe Sommerkollektion mit Satin bestritten. Satin-Hosen mit geradem, weitem Bein in cremeweiß und schwarz, ärmellose Satin-Tops mit asymmetrischem Schnitt und Wickel-Detail, leicht ausgestellte Satin-Röcke in der neuen Midi-Länge: alle Stücke sind so einfach geschnitten, dass das Augenmerk komplett auf dem nass-glänzenden Material ruht. Noch unmissverständlicher könnte Philo es nicht sagen. Satin ist die Wiederentdeckung dieses Sommers.

Seidensatin gibt es seit dem Mittelalter. Ursprünglich wurde der Stoff vom Adel bevorzugt und war ihm wegen seines hohen Preises auch vorbehalten. Zum Stoff für die Massen wurde Satin erst in den 1950er Jahren, als er auch mithilfe des deutlich günstigeren synthetischen Polyesters hergestellt werden konnte. Satinwäsche und Ballkleidchen konnte sich nun jede Frau leisten – das war zwar demokratischer, förderte aber nicht eben das Ansehen des Stoffs.

Es ist also kein Wunder, dass der Weg des Satin zurück ins Rampenlicht auf Umwegen verlief. Vor zwei Jahren machten erfolgreiche Rapper wie Chris Brown und Pharrell Williams satinglänzende Baseballjacken populär. Dann griffen große Marken wie Louis Vuitton und Balenciaga die Jacken auf und versahen sie mit auffälligen Mustern. Damit etablierten sie Satin, den Stoff, der bisher mit Weiblichkeit assoziiert war, im Bereich der traditionellen Männermode. Erst dieser Schwenk machte das Revival in der Damenmode möglich.

Trenchcoat mit Satinkragen

Wie es aussieht, ist Satin von nun an für beide Geschlechter salonfähig. In der Männerkollektion des britischen Hauses Burberry Prorsum tragen die Herren satinierte Hosen in Hot Pink und hochglänzende Hemden in Türkis. Selbst den klassischen Trenchcoat hat der Designer Christopher Bailey mit einem gesteiften Satinkragen in babyblau-metallic versehen.

Cocktailkleid oder Negligé?

Der Belgier Raf Simons, der für Dior schneidert, nutzt Duchesse-Satin für seine Interpretation des Erbes von Christian Dior. Für die jüngste Haute-Couture-Kollektion hat er einen knöchellangen Rock aus metallisch schimmerndem Satin entworfen, der mit großen abstrahierten Blüten bedruckt ist. In Kombination mit einem eng anliegenden langärmeligen Top aus schwarzem Kaschmir und spitzen giftgrün glänzenden Pumps entsteht das messerscharfe Design, für das Simons bekannt ist.

Auch Mary-Kate und Ashley Olsen, die mit ihrem Label The Row immer mehr als ernst zu nehmende Designerinnen und immer weniger als durchschnittliche Schauspielerinnen wahrgenommen werden, geben sich dezenter. In ihrer Sommerkollektion – die wie immer dem Ideal einer eleganten und modernen Frau gilt – dominieren die Farben Nachtblau und Schwarz. Zu den schönsten Entwürfen zählen ein weich-fließendes Kleid mit Pompon-Details und ein in der Taille gebundener Hosenanzug.

Unnötig zu betonen, dass ihr Satin nicht aus synthetischen Fasern gewebt wurde, sondern aus echter Seide.