Über den modischen Appeal eines Tarnmusters kann man streiten. Aus der Mode wegzudenken ist Camouflage nicht mehr, seit Mitte der achtziger Jahre Andy Warhol die braun-grün-beigen Flecken in leuchtend bunten Farben nachmalte und damit aus ihrem militärischen Kontext riss.

Heute gibt es neben jedem erdenklichen Kleidungsstück auch Bettwäsche und Klopapier mit Tarnmuster. Jede mittelgroße Stadt hat mindestens einen Armee-Shop, in dem sich nicht Soldaten einkleiden, sondern gewöhnliche Zivilisten Combat-Hosen anprobieren. Sie wundern sich nicht über das gleichzeitige Angebot von T-Shirts mit Friedenstauben oder Che Guevara-Konterfei.

Seit die Mode die Tarnfarben in ihre Farbpalette aufgenommen hat, gilt die alte Zuschreibung nicht mehr. Wer sie trägt, ist nicht zwingend Pro-Bundeswehr, Pro-Waffeneinsatz oder Ähnliches. Ihm gefällt vielleicht einfach das Muster.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war das noch anders. Nur Soldaten trugen damals Camouflage, und zwar nicht nur, um beim Einsatz im Gelände nicht entdeckt und getötet zu werden, sondern auch, um selbst als unsichtbare Angreifer besser töten zu können.

Knallige Farben als Zielscheibe

Die Idee für die Tarnkleidung hatten die Franzosen, deren Soldaten bis zum Ersten Weltkrieg in Uniformen mit blauen Jacken, goldenen Knöpfen und knallroten Hosen in den Kampf zogen. Das war elegant, aber nicht hilfreich, denn die leuchtend roten Hosen waren im Krieg regelrechte Zielscheiben.

Um herauszufinden, wie sich Soldaten an den Kriegsschauplätzen besser tarnen konnten, beauftragten die Franzosen Künstler. Die sogenannten Camoufleurs begleiteten die Soldaten an die Front und entwarfen Muster, die das jeweilige Gelände imitierten. Mit den organischen Formen und der Art, wie sie Farben einsetzten, nahmen Künstler wie Grant Wood und Jacques Villon alle zeitgenössischen Kunstrichtungen auf: Den Post-Impressionismus, den Kubismus und den Pointillismus.