Nachdem H&M und C&A angekündigt haben, Kleidung mit Angora-Wolle aus ihren Geschäften zu nehmen, fordern Aktivisten, dass auch andere Geschäfte aufhören, Angora-Produkte zu verkaufen. "Allerdings ist es für den klassischen Modehändler wahrscheinlich schwierig zu reagieren", sagte der Sprecher des Bundesverbands des Deutschen Textileinzelhandels (BTE), Axel Augustin. Die meisten Händler wüssten nicht, welche ihrer Produkte Angora-Wolle enthalten.

Die Tierschutzorganisation Peta hatte Anfang der Woche ein Video veröffentlicht, in dem zu sehen ist, wie lebenden Angora-Kaninchen das Fell vom Leib gerupft wird. Peta habe zwischen Juni und September in zehn chinesischen Betrieben gefilmt, sagte der Sprecher der Tierschutzorganisation Ben Williamson. Demnach seien auf fünf der Farmen Tiere gequält worden. 90 Prozent aller weltweit verwendeten Angora-Wolle würde aus China kommen.

Die schwedische Modekette H&M hat schnell auf das skandalöse Video reagiert. "H&M akzeptiert nicht, dass Tiere schlecht behandelt werden", sagte eine Sprecherin des Unternehmens. H&M habe mit sofortiger Wirkung aufgehört, Produkte zu produzieren, die Angora-Wolle enthalten. In den kommenden Wochen solle die gesamte Produktionskette überprüft werden, um sicherzustellen, dass alle Kleidungsstücke, die Angora-Wolle enthalten, ethisch korrekt produziert werden. H&M-Kunden könnten gekaufte Angora-Pullover umtauschen.

Der Modekonzern C&A will vorerst ebenfalls keine Angora-Produkte herstellen lassen. "Uns lagen bis zum jetzigen Zeitpunkt keine Erkenntnisse über Verstöße gegen Tierschutz bei den im Auftrag unseres Unternehmens gefertigten Angora-Produkten vor", sagte ein Sprecher. Demnach produziere C&A Angora-Produkte nicht selbst.

In Deutschland würden nur wenige Modehändler selber produzieren oder produzieren lassen, sagte Verbandssprecher Augustin. Dies sei der Grund dafür, dass Händler nicht zentral erfassen, aus welchen Bestandteile die Kleidungsstücke bestehen. "Sofern ein Pullover nicht als reiner Angora-Pullover beworben wird, ist es schwierig für den Händler." Dieser könne zwar die Etiketten aller Kleidungsstücke durchsehen. Das sei aber unrealistisch, sagte Augustin.

Weiter Angora-Produkte verkauft auch der Online-Händler Amazon. Dort seien am Freitagnachmittag mehr als 3.000 Produkte gelistet gewesen, die Angora-Wolle enthalten, schrieb die Tierschutzorganisation Rock the Nature auf ihrer Facebook-Seite. Die Aktivisten forderten Amazon dazu auf, alle Angora-Produkte aus dem Sortiment zu nehmen.