Der Stil der Jugend im Jahr 2014. Was ist das eigentlich? Was tragen junge Menschen heute eigentlich so? Gibt es etwas Gemeinsames? Ich glaube nicht. Was auf der Straße und auf den Bildern unzähliger Blogs und Instagram-Accounts getragen wird, wirkt, wie eine Vollversammlung der Modestile der vergangenen 50 Jahre. Es gibt nichts mehr, was nicht geht. Omas Unterwäsche als Hotpants? Geht. Den hundert Jahre alten Mantel aus Bisonpelz auftragen? Geht. Die Kombination aus neongrün, neongelb und neonneon? Geht auch! Und selbst, wenn man sich sicher ist, etwas zu kennen, was gar nicht mehr geht. Etwa, den Schirm einer Baseballkappe in den Nacken zu ziehen – dann merkt man nur ein paar Klicks weiter: Es geht ja doch.

Trotzdem lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Denn darin, wie junge Menschen mit Mode umgehen, zeichnet sich ab, welche Rolle Mode künftig in der Gesellschaft spielen wird – und worauf Modemarken sich in der Zukunft einstellen müssen.

Das Verhältnis der Jugend zur Mode hat sich grundsätzlich gewandelt. Jugendliche beschäftigen sich so intensiv mit Mode wie noch nie, aber ganz anders als früher. Für sie ist Mode nicht mehr vornehmlich da, um im Klub nett auszusehen und von den Freunden akzeptiert zu werden. Für sie ist Mode kein Trenddiktat, nach dem sie sich zu richten suchen, sondern eher eine Art Wühltisch. Man bedient sich der Mode, um am eigenen Selbst zu basteln.

Auch der Raum, in dem Jugendliche Modeerfahrungen sammeln, ist nicht mehr nur die Straße, sondern immer stärker das Netz. Wer mit dem Smartphone ein Selfie, also ein Selbstporträt, von sich aufnimmt und online zeigt, bekommt mit ziemlicher Sicherheit intensivere Reaktionen auf sein Outfit, als würde man sich zum Ausgehen zurechtmachen. Das Netz ist zu einem Raum geworden, in dem sich aufregendere Modeerfahrungen machen lassen, als in der echten Welt da draußen.

Die richtige Jacke, die richtige Frisur und die richtige Marke

Schon das Wort, Selfi, zeigt, dass sich ganz grundlegend etwas verändert hat. In der Jugendkultur geht es nicht mehr um das Wir, sondern um das Self.

Viele der besonders bekannten Jugendkulturen haben ihren Ursprung in den sechziger und siebziger Jahren. In einer Zeit, in der sich die Jugend mit Wucht von der Elterngeneration abgewandt hat. Die Werte der Erwachsenen waren nach zwei Weltkriegen und inmitten eines kalten Kriegs völlig diskreditiert. Die Jugend suchte die völlige Abgrenzung.

Davon ist auch die damalige Mode geprägt: Abgrenzung von anderen Generationen. Abgrenzung auch von anderen Jugendlichen. Von solchen, die reicher oder ärmer sind. Die in anderen Stadtvierteln wohnen oder andere Musik hören.

Um diesen Zweck zu erfüllen, brauchte Jugendmode damals eindeutige, klare Codes, an denen sich ein Wir definieren ließ. Schließlich sollte man schon von Weitem erkennen können, welcher Subkultur jemand anhing. Ob man Punk, Mod, Ted, Rockabilly, Waver, Skater, Surfer, Hiphopper, Popper oder gar Normalo war. Dazu brauchte man die richtige Jacke, die richtige Frisur und die richtige Marke.

Heute hingegen soll die Kleidung das Individuum betonen. Wo früher ein Wir war, steht jetzt ein großes Ich. Die modische Jugend – lebende Selfies: Früher wollte man aussehen wie andere, heute gilt es, so auszusehen wie kein anderer.