Alexandre Mattiussi stürmt durch die Tür, die unverkennbare rote Zipfelmütze auf dem Kopf. Die Mütze? Ja, die sei inzwischen sein Markenzeichen. Er habe gerne etwas auf dem Kopf und seine Frisur sei schließlich, na ja, so schlimm dann auch wieder nicht. Mattiussi ist charmant und witzig, und am liebsten würde man den ganzen Vormittag hier mit ihm sitzen. Damit ist man dem französischen Modedesigner auch schon auf den Grund gekommen.

Seinen Erfolg hat Mattiussi nicht nur seiner hochwertigen und tragbaren Mode zu verdanken, sondern mindestens ebenso seinem guten Draht zu Menschen. Nicht umsonst heißt sein Label Ami, zu deutsch Freund. Es sind seine Initialen, aber gleichzeitig ist es ein Credo. "Jede Saison mache ich ein Brainstorming mit meinem Team, aber auch mit meinen Freunden, um zu sehen, worauf wir gerade wirklich Lust haben. Jeder von uns hat Ideen, manchmal sogar bessere als ein Designer selbst."

Mit Ami möchte Mattiussi eine "perfekte Garderobe" entwerfen, maskulin, schick, aber auch ein bisschen cool und auf jeden Fall am Boden geblieben. "Ich möchte, dass meine Kleidung von so vielen Menschen wie möglich getragen wird, ich entwerfe für das wahre Leben," sagt der Franzose, der mit seinen 33 Jahren einen beeindruckenden Lebenslauf vorzuweisen hat. Mit Anfang 20 ging er zu Dior, um sich um die Linie 30 Montaigne zu kümmern. Nebenbei startete er ein T-Shirt-Label, das er ebenfalls Ami taufte, nach ein paar Jahren aber wieder aufgeben musste. Denn mit 24 wird er erster Assistent bei Givenchy und begleitet die ersten Kollektionen unter Riccardo Tisci. Eine wichtige Erfahrung, wie er sagt. 

Nicht in Frankreich produziert      

Trotzdem verließ er das Studio auf eigenen Wunsch. Ein mutiger, aber konsequenter Schritt. Tiscis rosa Spitzenkleider waren einfach zu weit weg von Mattiussis eher bodenständigen Vision von Männermode. "Ich habe keinen Designerkomplex. Ich bin glücklich, wenn ich einen klassischen dunkelblauen Doppelreiher mache. Ich muss Mode nicht durch verrückte Kreationen auf die Spitze treiben." Also wechselte Mattiussi zu Marc Jacobs, dessen Mode vergleichsweise tragbar ist. Doch auch hier blieb er nicht lange. "Ich fand es immer befremdlich und frustrierend, Dinge zu entwerfen, die ich mir mit meinem eigenen Gehalt nicht leisten kann. Das ist, als ob ein Koch etwas zu essen macht und sein Gericht nicht kosten darf."  

So kam ihm die Idee einer tragbaren Designermode zu erschwinglichen Preisen. Er fuhr nach Portugal und Tunesien, auf der Suche nach geeigneten Fabrikanten. Denn den Erfolg habe seine Marke ganz wesentlich ihrem Preis zu verdanken, sagt er. Und den könne er nur so anbieten, indem er nicht in Frankreich produzieren lasse. Seine Stoffe beziehe er aus Italien, England oder Japan, sparen könne er leider nur bei der Produktion.