Partnerwahl Wiederholungstäter in der Liebe
Fallen manche Menschen tatsächlich immer auf denselben Typ herein? Keineswegs, sagen Psychologen: es gibt viel mehr Wandel als Konstanz in der Partnerwahl
Boris Becker ist natürlich das Parade-Beispiel. Seine Partnerinnen sahen sich so ähnlich, dass man richtig aufschreckte, als er sich auf einmal mit einer Blondine zeigte. Dass Menschen optisch auf einen gewissen Typ "fliegen" oder sich von bestimmten charakterliche Eigenschaften angezogen fühlen, beobachtet man auch im eigenen Bekanntenkreis. Und stellt sich in manchen Fällen die bange Frage: Warum macht er oder sie eigentlich immer den gleichen Fehler? Wird man aus Erfahrung denn niemals klug?
Doch, wird man, sagt Manfred Hassebrauck, der seit über 20 Jahren Paarbeziehungen an der Bergischen Universität Wuppertal ergründet. "Es gibt viel mehr Wandel als Konstanz in der Partnerwahl", sagt der Sozialpsychologe. "Das sogenannte Boris-Becker-Phänomen, nach dem wir ein bestimmtes und konstantes 'Beuteschema' verfolgen, ist eine Ausnahme. Es fällt uns nur auf, weil es sich um Boris Becker handelt." Empirische Nachweise für dieses Verhalten gebe es nicht.
Die Regel ist vielmehr, dass sich der neue Partner vom vorhergehenden deutlich unterscheidet. "Wir suchen uns Partner, die uns in unserer eigenen Entwicklung voranbringen", sagt Wolfgang R. Hantel-Quitmann, Professor für Klinische und Familien-Psychologie an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg. "Im Wesentlichen bedeutet das, dass die ungelösten Fragen der Vergangenheit gelöst werden müssen."
Beziehungen werden nach Sicht des Psychologen von sogenannten Lebens- und Liebesthemen bestimmt, die den Partnern oft selbst gar nicht bewusst sind. Dabei würden viele Partnerschaften nur aufgrund einer bestimmten Thematik eingegangen. Bei jungen Menschen sei das zum Beispiel die Loslösung vom Elternhaus. Wenn diese Abnabelung geschafft ist, stellt sich häufig die Frage: Brauche ich den Partner noch? Ist eine weitere Entwicklung in der Beziehung möglich oder hat sie weitgehend ihre Funktion verloren?
Liebesbeziehungen sind dazu da, Korrekturen im Leben herbeizuführen, sich von alten Mustern zu lösen, neue Erfahrungen zu sammeln, Ängste zu überwinden und Sehnsüchte zu erfüllen, sagt Hantel-Quitmann.
Zwar belegen zahlreiche Studien, dass man sich in der Regel zu Menschen hingezogen fühlt, mit denen man eine gewisse Ähnlichkeit in Bezug auf Herkunft, Bildungshintergrund und Wertevorstellungen hat. Für den Zeitpunkt des Kennenlernens sei das sicher richtig, sagt der Psychologe. Entwicklung erführen die Partner allerdings durch ihre Unterschiedlichkeit.
Die kann beispielsweise im Umgang mit dem jeweiligen Lebensthema liegen. Sehr häufig sind Nähe-Distanz-Konstellationen - also etwa zwischen einem Mann, der Angst vor Nähe hat und einer Frau, die Abgrenzung und Verlassenwerden fürchtet. So ein Paar praktiziere häufig eine Art Arbeitsteilung, sagt Hantel-Quitmann: "Sie sorgt für Nähe, er für Distanz. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass jeder Partner den Teil lernt, den er nicht kann." Das heißt, der "Distanz-Mann" muss sich selbst darum bemühen, Nähe herzustellen und darf das nicht seiner Partnerin überlassen und umgekehrt. Beide müssen herausfinden, wie viel sie davon jeweils brauchen und zulassen können.
Im Idealfall lernen die Partner in einer Beziehung voneinander. Aber was soll man Menschen raten, die immer wieder in die gleichen Strickmuster verfallen? "Wer in seinen Partnerschaften stets auf ähnliche Weise scheitert, muss sich fragen, an welchem Lebens- oder Liebesthema er sich eigentlich abarbeitet", sagt Hantel-Quitman. "Eine Frau, die beispielsweise noch nie das Gefühl hatte, richtig geliebt zu werden, wird immer die gleichen Partnerschaftsmuster eingehen." Sie versuche, jemanden zu finden, mit dem sie beweisen kann, dass sie doch liebenswert ist. "Diesen Beweis kann sie jedoch nur bei einem Mann antreten, der sie erst einmal nicht liebt. Dabei verfängt sie sich in einem unbewussten Widerspruch: zwischen dem großen Wunsch, geliebt zu werden und dem Drang, allen bisherigen Bezugspersonen 'Recht' zu geben, dass sie eben doch kein liebenswerter Mensch sei."
Es lohnt sich also durchaus, so Hantel-Quitmann, bei der Partnerwahl mal die Blickrichtung zu ändern. Denn letztendlich gehe es in Wirklichkeit gar nicht darum, nach der oder dem "Richtigen" Ausschau zu halten, sondern zu erkennen, warum man einen bestimmten Menschen gewählt hat und welche Themen man mit ihm angehen muss.
- Datum 29.10.2009 - 13:43 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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...von einem italienischen Psychologen, der "Giulio Cesare Giacobbe" heisst. Der Titel des Buches ist "Alla Ricerca delle Coccole Perdute" auf Italienisch. Leider weiss ich nicht, ob es auch auf Deutsch erhältlich ist.
Der Autor teilt das Leben des Menschen in drei Abschnitte ein, in "Kind", "Erwachsener" und "Elternteil". Mehr als zeitliche Abschnitte sind es Reifegrade, für deren erreichen bestimmte Bedingungen notwendig sind. Um den Abschnitt "Kind" erfolgreich durchlaufen zu können, muss man beispielsweise viel Liebe der Eltern erhalten. Sonst wird man nur äusserlich erwachsen und neurotisch.
Kann das Buch, das lustig geschrieben aber vom Inhalt her sehr ernst, nur allen empfehlen, die Zweifel an sich haben.
Ich glaube Sie meinen die Transaktionsanalyse, die u.a. von Eric Berne (Spiele der Erwachsenen) entwickelt wurde, und keine Entwicklungsstufen nach Erickson.
Die TA geht davon aus, das sich ein Individuum in 3 verschiedenen Zuständen befinden kann: Kind, Eltern-Ich und Erwachsenen-Ich.
http://de.wikipedia.org/w...
Ebenfalls empfehlenswert: Thomas A. Harris: „Ich bin o.k. Du bist o.k.“
Ich glaube Sie meinen die Transaktionsanalyse, die u.a. von Eric Berne (Spiele der Erwachsenen) entwickelt wurde, und keine Entwicklungsstufen nach Erickson.
Die TA geht davon aus, das sich ein Individuum in 3 verschiedenen Zuständen befinden kann: Kind, Eltern-Ich und Erwachsenen-Ich.
http://de.wikipedia.org/w...
Ebenfalls empfehlenswert: Thomas A. Harris: „Ich bin o.k. Du bist o.k.“
Ich glaube Sie meinen die Transaktionsanalyse, die u.a. von Eric Berne (Spiele der Erwachsenen) entwickelt wurde, und keine Entwicklungsstufen nach Erickson.
Die TA geht davon aus, das sich ein Individuum in 3 verschiedenen Zuständen befinden kann: Kind, Eltern-Ich und Erwachsenen-Ich.
http://de.wikipedia.org/w...
Ebenfalls empfehlenswert: Thomas A. Harris: „Ich bin o.k. Du bist o.k.“
Der IMHO überzeugendste Ansatz zur Partnerwahl findet sich in der Imago-Theorie von Hendrix & Hunt - kann man sehr schön nachlesen unter http://arbeitsblaetter.st...
Jede Beziehung ist demnach eine Art Therapie für Verletzungen in der Kindheit.
Es kann sein, dass bestimmte Theorien auch 8 oder 10 Stufen beschreiben, ich denke die Entwicklung des Menschen ist beliebig verfeinerbar.
Vielleicht gerade deswegen hat besagter Autor 3 grosse Bereiche gewählt, diese logisch beschrieben und aufgezeigt, wie sich Neurosen durch fehlenden Abschluss einer der 3 Phasen entwickeln und dann in der Partnerschaft auswirken können.
Es ist aus meiner Sicht weniger wichtig, ob man 8 oder 15 oder 3 Phasen nimmt, wichtig ist vielmehr die Beschreibung der Phasen und der Bedingungen um diese Erfolgreich abschliessen bzw. leben zu können. Und das gelingt dem Autor aus meiner Sicht in hervorragender Weise.
Als nicht neurotisch beschreibt er jene, die beliebig, je nach Situation, zwischen den Phasen wechseln können. So können sie beispielsweise wie Kinder mit dem Partner scherzen und spielen, aber im nächsten Moment die Kinder wie Eltern schützen und verantwortliche Entscheidungen treffen zum Wohl der Kinder.
Neurotische Menschen bleiben hingegen in einer Phase "gefangen". Neurotische "Kinder" stampfen dann z. B., wenn der Partner etwas nicht tun will, was sie wollen, während neurotische "Eltern" auch jenen ständig Weisungen geben, die ohne Weisungen besser zurecht kommen würden. Das Buch ist dabei sehr logisch aufgebaut und unterhältlich geschrieben, es ist sogar witzig, obwohl das Thema sehr ernst ist und auch so dargestellt wird.
Ich bin ja generell kein Freund von Verallgemeinerungen durch Stufenmodelle oder sonstiges, ganz besonders nicht in der Partnerschaft. Ich kenne genügend Leute, die sich in ihren Eigenschaften perfekt ergänzten und deren Beziehungen trotzdem scheiterten oder auch bei welchen, die gegensätzlicher hätten nicht sein können. Liebe kennt ja bekanntlich keine Regel.Wieso sollte es bei der Partnerwahl so sein?
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