Beziehungsweisen"Es gibt natürlich Blicke, wenn man zu dritt Händchen hält"

In der Serie Beziehungsweisen porträtiert Theresa Bäuerlein das Leben jenseits der Norm. Folge 4: Felix liebt Sarah, Martin auch – in einer polyamoren Beziehung.

Felix, 23, ist Student. Seit anderthalb Jahren sind er und sein bester Freund Martin, 22, in einer Beziehung mit Sarah, 21. Martin und Sarah wohnen zusammen. Er erzählt:
Zuerst war es ein Dilemma, als mein bester Kumpel und ich uns gleichzeitig in die gleiche Frau verliebt haben. Aber einfach aufgeben und sagen, gut, dann lassen wir es halt, das wollten wir auch nicht.

Wir haben dann immer gescherzt, dass wir es ja auch zu dritt probieren könnten.

Felix

Es hat sicher geholfen, dass wir drei uns schon länger kannten, weil wir zusammen studieren. Wir haben dann immer gescherzt, dass wir es ja auch zu dritt probieren könnten, das schien aber sehr irreal. Irgendwann habe ich dann mal nach solchen Beziehungskonstellationen gegoogelt. Und bin darauf gestoßen, dass sowas Polyamorie heißt und es Leute gibt, die das tatsächlich machen. Das war schon ziemliches Neuland, erstmal. Es hat Monate gedauert, bis wir dafür offen waren. Aber wenn man in der Zwickmühle sitzt, hat man einfach genug Druck, über seinen eigenen Schatten zu springen.

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Nach außen hin gehen wir sehr offen mit unserer Beziehung um. Es gibt natürlich in der Öffentlichkeit, wenn man so zu dritt händchenhaltend durch die Stadt zieht, lustige Blicke. Da machen wir uns einen Spaß draus, das ist einfach ein bisschen Mindfuck für alle Leute, die sowas nicht verstehen. Wenn wir mit Leuten in unserem Umfeld darüber sprechen, finden viele es aber ziemlich interessant. Die Reaktionen sind fast durchgehend positiv, auch wenn jedes Mal der Spruch kommt: Schön, dass es bei euch funktioniert, aber für mich wäre das ja nix.

Theresa Bäuerlein
Theresa Bäuerlein

Theresa Bäuerlein, 1980 in Bonn geboren, ist Journalistin und Autorin. 2008 erschien ihr erster Roman Das war der gute Teil des Tages. Für ZEIT ONLINE schrieb Bäuerlein 2010 die Kolumne "Gewissensbisse". Sie wohnt in Tel Aviv und Jaibling, Bayern.

Wir haben keinen Schlafplan oder so etwas. Wenn wir beide da sind, fragt meine Freundin einfach, bei wem sie schlafen soll, und wir einigen uns dann. Das ist eigentlich ziemlich unkompliziert. Sie kriegt das aber auch wirklich gut hin, das so zu balancieren, dass keiner sich benachteiligt fühlt. Eifersucht lässt sich aber trotzdem nicht komplett ausschalten. Wenn jemand sich also schlecht fühlt deswegen, sprechen wir darüber. Denn es ist okay, diese Gefühle zu haben, das kann man ja nicht steuern.

Aber woher kommt Eifersucht? Man hat Angst, etwas zu verlieren, möglicherweise weil man sich selbst nicht gut genug vorkommt. Dass man im Gespräch merkt, dass es eigentlich keine rationale Basis für diese Befürchtungen gibt, ist wohl die beste Medizin. Ich halte diese Beziehungsform daher nur für möglich, wenn man komplett offen miteinander umgeht, immer die Wahrheit sagt, zwei Leute keine Geheimnisse vor dem Dritten haben.

Ein Vorteil an dieser Beziehungsform ist, dass man bei Streit immer eine dritte Person hat, die gewissermaßen unbeteiligt, aber dennoch komplett über die Beziehung im Bilde ist. Und mit der man sprechen kann, wenn man sich gezofft hat und oftmals feststellt, hey, eigentlich war das gar nicht so schlimm.

Schwierig ist definitiv, dass der Zeitaufwand groß ist. Liebe ist zwar nicht endlich oder teilbar, aber Zeit eben schon. Man muss auch generell mehr auf die Gefühle der anderen achten. Es ist manchmal schon etwas anstrengend. Und meine Freundin hat schon öfter geäußert, dass sie durchaus Angst vor gesellschaftlichen Konsequenzen hat.

Man weiß ja nicht, wie das später im Arbeitsleben ist. Ob am Ende andere Eltern im Kindergarten oder der Schule das Jugendamt anrufen und einem am liebsten die Kinder wegnehmen wollen, weil es ja offensichtlich viel besser ist, wenn Kinder weniger Eltern haben.

Ich fände es schön, wenn Polyamorie weniger als 68er-Hippie-Quatsch abgetan, sondern mehr als sinnvolle Lösung angesehen würde. Es ist natürlich keine Patentlösung, die jeden glücklich macht. Aber ich bin in letzter Zeit immer wieder Leuten begegnet, die entweder nur aufgrund einer neuen Liebe mit ihrem alten Partner Schluss gemacht haben, oder eben zwei Partner hatten, die aber nichts voneinander wussten. Das finde ich total bescheuert und wirklich keinen erwachsenen Umgang miteinander.

 
Leserkommentare
  1. Händchenhaltend durch die Stadt zu laufen *kann* besitzergreifend sein, aber auch einfach ein Zeichen für Nähe.

    Toll, wie bei solchen Themen immer wieder die eigenen Maßstäbe für allgemeingültig erklärt werden.

    Dabei ist das einzig Allgemeingültige, dass es für jeden anders ist und anders sein darf, solange alle Beteiligten glücklich damit sind und niemand anderem schaden.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Ist doch schön"
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    "Händchenhaltend durch die Stadt zu laufen *kann* besitzergreifend sein, aber auch einfach ein Zeichen für Nähe."

    Ja, aber vom Signal der Nähe und Zuneigung bishin zum Zugehörigkeits- und Besitzsignal ist es nicht so weit. Meine Überlegungen zielten in die Richtung, warum die öffentliche Wahrnehmung und das stolze Zurschaustellen seiner Beziehungsform so wichtig ist. Es ist ja durchaus in Ordnung - wie im Artikel beschrieben - das man das auch macht, um die anderen etwas zu provozieren und seinen Spaß zu haben. Aber zu erwarten, ernst genommen zu werden, braucht man dabei auch nicht.

    Eine einfach gelebte (polyamore) Beziehung ist für mich glaubhafter als das Posieren in der Öffentlichkeit. Und so wie es hier der Fall zu sein scheint, wird der öffentlich Wahrnehmende die drei entweder belächeln, schief anschauen oder sich wildeste Sexorgien vorstellen, die aber eben real wohl gar nicht vorkommen dürften, da es sich im geschilderten Fall nicht um eine Dreierbeziehung handelt, sondern um Zweierbeziehungen des Mädels mit je einem der Jungs.

    Sorry, aber nicht alles, was man in der Öffentlichkeit tut, *bezieht* sich auf die Öffentlichkeit, die Zuschauer. Wenn meine Frau und ich händehaltend durch die Stadt laufe, bezieht sich das ausschließlich auf sie und mich, alle anderen sind zufällige Zeugen.

    Selbst wenn jemand Spaß an der Reaktion der anderen hat, wenn er zu dritt herumläuft, ist die Reaktion immer noch in den Zuschauern, die selbst dafür verantwortlich sind.

    Wie gern der Autor seine Beziehung der Öffentlichkeit bespricht, zeigt die Tatsache, dass er sie in diesem Artikel ausbreitet.

    "Händchenhaltend durch die Stadt zu laufen *kann* besitzergreifend sein, aber auch einfach ein Zeichen für Nähe."

    Ja, aber vom Signal der Nähe und Zuneigung bishin zum Zugehörigkeits- und Besitzsignal ist es nicht so weit. Meine Überlegungen zielten in die Richtung, warum die öffentliche Wahrnehmung und das stolze Zurschaustellen seiner Beziehungsform so wichtig ist. Es ist ja durchaus in Ordnung - wie im Artikel beschrieben - das man das auch macht, um die anderen etwas zu provozieren und seinen Spaß zu haben. Aber zu erwarten, ernst genommen zu werden, braucht man dabei auch nicht.

    Eine einfach gelebte (polyamore) Beziehung ist für mich glaubhafter als das Posieren in der Öffentlichkeit. Und so wie es hier der Fall zu sein scheint, wird der öffentlich Wahrnehmende die drei entweder belächeln, schief anschauen oder sich wildeste Sexorgien vorstellen, die aber eben real wohl gar nicht vorkommen dürften, da es sich im geschilderten Fall nicht um eine Dreierbeziehung handelt, sondern um Zweierbeziehungen des Mädels mit je einem der Jungs.

    Sorry, aber nicht alles, was man in der Öffentlichkeit tut, *bezieht* sich auf die Öffentlichkeit, die Zuschauer. Wenn meine Frau und ich händehaltend durch die Stadt laufe, bezieht sich das ausschließlich auf sie und mich, alle anderen sind zufällige Zeugen.

    Selbst wenn jemand Spaß an der Reaktion der anderen hat, wenn er zu dritt herumläuft, ist die Reaktion immer noch in den Zuschauern, die selbst dafür verantwortlich sind.

    Wie gern der Autor seine Beziehung der Öffentlichkeit bespricht, zeigt die Tatsache, dass er sie in diesem Artikel ausbreitet.

  2. Ihrer Ansicht um eine Projektion handeln oder habe ich den Teil überlesen?

    Ich nehme an die sind alle drei sexuell nicht so fürchterlich bedürftig sonst würde sich das negativ auf die Beziehungsweise auswirken, so oder so...

    Antwort auf "Wer will öfter?"
  3. ist, dass in den Beziehungsweisen immer nur einer der Beteiligten zu Wort kommt (kommen kann, sonst wären das vermutlich zu einem hohen Prozentsatz Ex- Beziehungsweisen).

    Dem erzieherischen Willen der ZEIT kannn sich eben nix entgegenstellen, mainstreaming bis die Taste qualmt. (Man kann nur hoffen dass die Medizin in bälde den Penisersatz in der Lage ist zu verkaufen)

    Mit dem Erfolg dass ein wohl recht launiger aber wenig überlegter Kommentar wie der Ihre mit der selben gleichgültigen Beliebigkeit gleich vielfach empfohlen wird.

    Schadet ja nicht, nicht?

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Der wesentliche Punkt"
  4. Sie "der Prostitution" aber gewaltig unrecht - es gehen eine Menge attraktiver Männer zu Prostituierten weil sich die hübsche daheim ziert wenn er mal seine männlichen Triebe ausleben muss. Ob das auch umgekehrt gilt weiss ich nicht, die Angebote sind da und werden folglich AUCH VON FRAUEN WAHRGENOMMEN, vermutlich sind sogar welche darunter die SIE von der Bettkante schubsen würden.

    [...]

    Prostitution ist der Versuch einer zivilen Antwort auf die Bedüfnisse von Männlein und Weiblein. Dieses Polydingens ist in der Regel ein psychisches Kettensägenmassaker für mindestens einen der Beteiligten.
    [...]

    Gekürzt. Bitte beachten Sie, dass wir auf diese Seiten nicht verlinken möchten. Danke. Die Redaktion/vn

    Antwort auf "Nein."
  5. Ach, was ist das schön hier wieder den Kleinkrieg der "Beziehungsexperten" zu beobachten. Alle reden von Toleranz, nur die wenigsten wollen sie wirklich anwenden. Es ist doch vollkommen egal, wer wie lebt und mit wem. Solange alle aus freien Stücken dabei sind und niemand zu Schaden kommt. Was viele vielleicht vergessen, ist das eine polyamore Beziehung im besten Fall mehr Tranzparenz bietet als die meisten monogamen Beziehungen, weil über die Beziehungen geredet werden muss! Zudem wissen die Partner woran sie sind, da der Stand der Beziehung und ihre Entwicklung regelmäßig reflektiert werden. Klar, man kann vieles auch tot reden, aber lieber so, als aus heiterem Himmel erfahren, dass der Partner in der ach-so-tollen Beziehung seit Jahren fremdvö****. Es braucht Übung, Zeit und Verständnis von allen Partnern, aber es lohnt sich. Und bevor sich hier jetzt wieder irgendwer aufregt: Ja, ich kenne beide Versionen aus persönlicher Erfahrung und möchte weder die eine noch die andere Beziehungsform missen. Letztlich geht es ja um die Menschen in der Beziehung und nicht die Gesellschaft drum herum.

    • Pyr
    • 23.06.2011 um 15:56 Uhr

    Frauen haben Männer, damit sie ihnen das Fahrrad reparieren? Interessant. Ich würde diese sexistische Denkweise mal etwas überdenken, denn weder sind Männer dazu da die Fahrräder zu reparieren, noch sind Frauen unfähig oder nicht willens dies zu tun.

    Die Implikation, dass eine Frau mit zwei Männern diese ja anderen Frauen "wegnimmt", ist auch ganz große Klasse. Stimmt schon, diese ganzen Paare da draußen, nehmen einfach den Singles ihre Partner weg! Und erst die Lesben, die unsere Frauen klauen!

    Antwort auf "Kehrseite beachten!"
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    Langeweile, darf ich?

    Aaalso ob der Kollege Krippenstangel ein sexistisches Stück ist das an den Pranger gehört, weiß ich nicht. Seine anderen Kommenare legen das aber nicht nahe.

    Gegen Post-ident Verfahren kann ich sie aber mit dem Vater zweier Töchter und zufällig auch noch mein Arbeitskollege zusammenbringen. Auf dass der Ihnen bestätige dass er mir just vor zwei Wochen ausführlich sein Leid klagte am Wochendende nach Passau gondeln zu dürfen um dem 21 jährigen (?) Töchterlein das Fahrrad zu reparieren.

    Ich will hier keine der freund-von-nem-Freund- Geschichte erzählen sondern sagen:

    Auch wenn Ausnahmen die Regel bestätigen, stellen sie diese nicht auf den Kopf. Auch wenn Regina Halmich mich umhauen würde, würde ich die meisten Mädels umhauen können.

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Äußerungen, die als frauenfeindlich verstanden werden. Die Redaktion/vn

    ... liebe/r Pyr. In Wahrheit bin ich keineswegs frauenfeindlich, ich habe lediglich Augen im Kopf.

    ;-)

    P.S.: Übrigens heißt der Vorwurf im Original, polygame MÄNNER nehmen anderen Männern die Frauen weg.

    Langeweile, darf ich?

    Aaalso ob der Kollege Krippenstangel ein sexistisches Stück ist das an den Pranger gehört, weiß ich nicht. Seine anderen Kommenare legen das aber nicht nahe.

    Gegen Post-ident Verfahren kann ich sie aber mit dem Vater zweier Töchter und zufällig auch noch mein Arbeitskollege zusammenbringen. Auf dass der Ihnen bestätige dass er mir just vor zwei Wochen ausführlich sein Leid klagte am Wochendende nach Passau gondeln zu dürfen um dem 21 jährigen (?) Töchterlein das Fahrrad zu reparieren.

    Ich will hier keine der freund-von-nem-Freund- Geschichte erzählen sondern sagen:

    Auch wenn Ausnahmen die Regel bestätigen, stellen sie diese nicht auf den Kopf. Auch wenn Regina Halmich mich umhauen würde, würde ich die meisten Mädels umhauen können.

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Äußerungen, die als frauenfeindlich verstanden werden. Die Redaktion/vn

    ... liebe/r Pyr. In Wahrheit bin ich keineswegs frauenfeindlich, ich habe lediglich Augen im Kopf.

    ;-)

    P.S.: Übrigens heißt der Vorwurf im Original, polygame MÄNNER nehmen anderen Männern die Frauen weg.

  6. Langeweile, darf ich?

    Aaalso ob der Kollege Krippenstangel ein sexistisches Stück ist das an den Pranger gehört, weiß ich nicht. Seine anderen Kommenare legen das aber nicht nahe.

    Gegen Post-ident Verfahren kann ich sie aber mit dem Vater zweier Töchter und zufällig auch noch mein Arbeitskollege zusammenbringen. Auf dass der Ihnen bestätige dass er mir just vor zwei Wochen ausführlich sein Leid klagte am Wochendende nach Passau gondeln zu dürfen um dem 21 jährigen (?) Töchterlein das Fahrrad zu reparieren.

    Ich will hier keine der freund-von-nem-Freund- Geschichte erzählen sondern sagen:

    Auch wenn Ausnahmen die Regel bestätigen, stellen sie diese nicht auf den Kopf. Auch wenn Regina Halmich mich umhauen würde, würde ich die meisten Mädels umhauen können.

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Äußerungen, die als frauenfeindlich verstanden werden. Die Redaktion/vn

    Eine Leserempfehlung
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    • Pyr
    • 23.06.2011 um 16:27 Uhr

    ...dass Sarah dann für zwei Männer kochen muss und Sabine von gegenüber für gar keinen. Ist doch auch nett.

    Egal ob mit oder ohne traditionellen/sexistischen Rollenbildern im Kopf, sein Argument macht voll keinen Sinn.

    • Pyr
    • 23.06.2011 um 16:27 Uhr

    ...dass Sarah dann für zwei Männer kochen muss und Sabine von gegenüber für gar keinen. Ist doch auch nett.

    Egal ob mit oder ohne traditionellen/sexistischen Rollenbildern im Kopf, sein Argument macht voll keinen Sinn.

    • Pyr
    • 23.06.2011 um 16:27 Uhr

    ...dass Sarah dann für zwei Männer kochen muss und Sabine von gegenüber für gar keinen. Ist doch auch nett.

    Egal ob mit oder ohne traditionellen/sexistischen Rollenbildern im Kopf, sein Argument macht voll keinen Sinn.

    Antwort auf "@54 Ich hab' gerade"

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