Beziehungsweisen "Ich wollte unbedingt ein Kind"

In der Serie "Beziehungsweisen" porträtiert Theresa Bäuerlein das Leben jenseits der Normalfamilie. Folge 6: Anja Ohler, 36, ist schwanger – von ihrem Exmann.

Anja Ohler, 36, Lehrerin (Name von d. Red. geändert), ist gerade dabei, mit ihrem Exmann ein Kind zu bekommen. Die beiden sind kein Paar und leben getrennt. Sie erzählt:
Ich komme aus einer sehr netten, hart arbeitenden, soliden Familie. Meine Eltern sind seit 40 Jahren verheiratet und sehr glücklich. Ich habe nie gedacht, dass ich etwas anderes haben würde. Ich wollte manche Dinge anders machen als meine Eltern, aber nicht ausgerechnet das. Ich wollte heiraten und Kinder kriegen. Aber irgendwie habe ich die Dinge immer ein bisschen anders gemacht, als es normal war, und habe mich auch nie von Männern angezogen gefühlt, die gradlinig und bodenständig waren.

Aber ich wollte unbedingt ein Kind, und ich wollte es sehr gerne von Nils.

Anja Ohler

In Nils habe ich mich mit 22 verliebt. Wir waren fast 14 Jahre lang zusammen und haben schließlich geheiratet. Nach drei Jahren haben wir dann beschlossen, uns endgültig zu trennen. Wir sind aber sehr gute Freunde geblieben, unsere Freundschaft ist sogar sehr stark. Aber es gibt keine sexuelle Anziehungskraft, und auch keine Romantik mehr, dieser Teil unserer Beziehung ist für uns einfach vorbei.

Als wir uns getrennt haben, war ich 35 und wir hatten schon eine Zeit lang versucht, ein Kind zu bekommen. Nach der Trennung habe ich festgestellt, dass ich kein Bedürfnis danach hatte, jemand Neues zu suchen. Aber ich wollte unbedingt ein Kind, und ich wollte es sehr gerne von Nils.

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Theresa Bäuerlein
Theresa Bäuerlein

Theresa Bäuerlein, 1980 in Bonn geboren, ist Journalistin und Autorin. 2008 erschien ihr erster Roman Das war der gute Teil des Tages. Für ZEIT ONLINE schrieb Bäuerlein 2010 die Kolumne "Gewissensbisse". Sie wohnt in Tel Aviv und Jaibling, Bayern.

Wir vertrauen und kennen einander, und ich weiß, dass es zwischen uns keine großen Streits geben wird. Und er war einverstanden. Wir hatten dafür keinen Sex mehr. Für die Befruchtung sind wir zum Arzt gegangen, immer wieder. Er hat es lange vor allem mir zuliebe gemacht, weil er wusste, wie gerne ich schwanger werden wollte.

Nachdem fast zwei weitere Jahre vergangen waren, hätte ich fast aufgegeben. Habe mir gesagt, dass ich einfach einen anderen Mann finden muss, war kurz davor, mein Bild auf irgendeine Dating-Website zu laden. Irgendwie hat das Nils dazu gebracht, dass auf einmal er unbedingt dieses Kind wollte. Er hat mich überredet, es noch einmal zu probieren – und dieses Mal hat es geklappt. Nach vier Jahren!

Meine Familie und engen Freunde wussten sofort Bescheid, ich kann einfach keine Geheimnisse bewahren. Mittlerweile bin ich im fünften Monat schwanger.

Nils und ich wissen noch nicht, wie es weitergeht. Ich habe ihm immer gesagt, dass ich dieses Kind will, und dass er so sehr oder so wenig als Vater präsent sein kann, wie er möchte. Er hat gesagt, dass er sich nach mir richten will. Die Erziehung des Kindes interessiert ihn sehr, ich bin aber nicht sicher, wie sehr ihn das Windelnwechseln fasziniert.

Es ist klar, dass das Kind bei mir aufwachsen wird, und dass ich die Hauptrolle übernehmen werde. Vielleicht werden Nils und ich noch nicht einmal zusammen wohnen. Wir haben nichts geplant, aber wir vertrauen einander wirklich und brauchen keine Regeln.

Natürlich kann es sein, dass es ein bisschen schwierig wird, wenn wir andere Partner haben sollten, weil die eifersüchtig auf meine und Nils' Beziehung werden könnten. Aber ich bin sicher, dass wir eine Lösung finden werden. Nils und ich werden gute Eltern sein, weil wir wirklich Freunde sind. Es gibt bei uns nicht die ganzen Spannungen, die Pärchen haben. Jeder lebt sein eigenes Leben. Aber es gibt eine Verbindung zwischen uns, die immer da ist.

 
Leser-Kommentare
  1. Wenn das halbwegs so stimmt, wie es dasteht: alles im grünen Bereich.

  2. Bitte achten Sie darauf, Ihre Kritik anhand sachlicher Argumente zu äußern und verzichten Sie auf Beleidigungen. Danke. Die Redaktion/lv

  3. Zukunft oder schon Normalität: Frau sucht sich den Besamer aus und der wird in der von Frau gewünschten Nähe oder Distanz gehalten. Sorgerecht bei der Mutter, Unterhaltspflicht beim Vater. Im Zweifel: Erhöhte Erwerbsobliegenheit.

  4. ...ganz ehrlich gesagt, kommt mir diese beziehungsweisen-serie mit jedem mal mehr und mehr konstruiert vor.

    Eine Leser-Empfehlung
    • Hagmar
    • 13.07.2011 um 18:31 Uhr

    ...und Gottseidank sind die meisten Menschen toleranter, als einige der Kommentatoren hier. Ich sehe nicht, warum die hier geschilderte Elternschaft schlechter sein sollte, als die sonst üblichen seriellen Beziehungen/Ehen mit Kindern. Auch geschiedene Eltern schaffen es mit dem nötigen goodwill, vernünftige Beziehungen nicht zuletzt den Kindern zuliebe aufrecht zu erhalten. Ich weiss, wovon ich rede. Das Einzige, was man "den Kindern zuliebe" nicht tun sollte, ist, in einer Ehe/Beziehung zu bleiben, die man ohne Kinder verlassen würde. (Auch hier weiss ich, wovon ich rede.)

  5. ...oder besser: ein Partner, der das Spiel mitmacht, ist emotional 1000x mehr involviert als er zugibt. Und da hat meiner Meinung nach (in diesem Fall) die Frau die moralische Verantwortung, den (Ex-) Mann zu schützen. Und wie hat sie es in Deutschland geschafft, sich als geschiedene Frau einer IV-Behandlung zu unterziehen? Und wer sagt, dass Spannungen (gelegentliche) einem Kind schaden - mehr als ein unterwürfiges Elterteil?

    Eine Leser-Empfehlung
  6. statt eines Anonymus nimmt man sich den lieben Nils als Spender und hält sonst alles offen und ungeregelt.
    Ob der liebe Nils (Von dem sonst ja nicht weiter die Rede ist, dabei geht es doch um Beziehungen und zu denen gehören ja mindestens zwei.) das in ein paar Jahren auch noch so gut findet?
    Die Frau ist clever, allerdings auf einem seltsam unreif erscheinenden Niveau - mehr fällt mir dazu nicht ein.

  7. 8. [...]

    Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich und achten auf Ihre Wortwahl. Des Weiteren bitten wir, Ihre Kommentar und Form und Schrift verständlich für alle zu verfassen. Danke, die Redaktion/se

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