Beziehungsweisen"Mein Kind soll verstehen, dass zwei Frauen seine Eltern sind"

In der Serie "Beziehungsweisen" porträtiert Theresa Bäuerlein das Leben jenseits der Normalfamilie. Folge 8: Marie L., 44, ist eine alleinerziehende Mutter. Und lesbisch. von 

Marie L., 44, ist Angestellte im öffentlichen Dienst und lebt mit ihrer Tochter Léa in München. Mit ihrer Ex-Frau teilt sie sich das Sorgerecht. Sie erzählt:
Vor dreizehn Jahren kam ich mit einer Frau zusammen, bei der mir klar war, dass es die Frau für mich ist.

Zuerst wollte ich ein Kind adoptieren, aber letztlich haben wir uns für einen Samenspender entschieden.

Marie L.

Wir hatten sofort den Plan, eine Familie zu gründen. Es hat dann aber noch lange gedauert, weil das für homosexuelle Paare naturgemäß schwieriger ist als für heterosexuelle. Zuerst wollte ich ein Kind adoptieren, aber letztlich haben wir uns für einen Samenspender entschieden.

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Es war nicht leicht, jemanden zu finden. Erst haben wir in Zeitungen inseriert. Als nichts kam, habe ich im Internet gesucht, obwohl mir das eigentlich nicht geheuer war. Zufällig habe ich aber einen Mann gefunden, der schon einmal an eine Familie, die ich kannte, Samen gespendet hatte. Dadurch fiel es uns leichter, eine vertrauensvolle Beziehung aufzubauen. Es ist ja sehr wichtig, dass man sich aufeinander verlassen kann.

Theresa Bäuerlein
Theresa Bäuerlein

Theresa Bäuerlein, 1980 in Bonn geboren, ist Journalistin und Autorin. 2008 erschien ihr erster Roman Das war der gute Teil des Tages. Für ZEIT ONLINE schrieb Bäuerlein 2010 die Kolumne "Gewissensbisse". Sie wohnt in Tel Aviv und Jaibling, Bayern.

Es musste klar sein, dass keine Seite anschließend Ansprüche stellen würde – weder wir auf Unterhaltszahlungen, noch er auf das Kind. Angst hatten wir schon, wussten aber, dass für ihn das Risiko auch hoch war. Meine Freundin sollte das Kind adoptieren, und damit seine Rechte übernehmen. Wir wollten auch, dass das Kind wissen sollte, wer sein Vater ist, auch da hat er eingewilligt.

Wir haben die Befruchtung ohne Ärzte gemacht – zu Hause, mit der Bechermethode. Nach dem vierten Mal war ich schwanger, und wir bekamen eine Tochter, Léa.

Kurz vor der Geburt haben meine Freundin und ich noch geheiratet. Leider hat sich meine Frau danach aber immer mehr von mir entfernt. Es lag nicht am Kind, wir hatten schon vorher Probleme, die sich dann einfach noch weiter verschärft haben.

2007 hat sie Léa noch adoptiert, ein Jahr später hat sie sich in eine andere Frau verliebt und mich verlassen, da war unsere Tochter eineinhalb. Für mich ist damals eine Welt zusammengebrochen. Nicht, weil ich mir ums Materielle Sorgen machte, das konnte ich schon regeln. Aber der Traum von einer Familie fiel in sich zusammen und alleinerziehend wollte ich auch nie sein!

Leserkommentare
  1. Wir wünschen ihnen viel Spaß dabei fremde Lebensweisen zu diskreditieren, zu pathologisieren und als abnormal abzustempeln. Der Stammtisch ist hiermit eröffnet.

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    • Pyr
    • 18. August 2011 10:54 Uhr

    Ich bin ebenfalls schon sehr gespannt auf die dümmlichen Kommentare, insbesondere auf die tiefenpsychologischen Laien-Analysen. Drin bevor: "Wenn sie schon schreibt, dass es nicht am Kind liegt, dann wird es am Kind gelegen haben!"

    Entfernt.Bitte verzichten Sie auf diskriminierende Beiträge und respektlose Äußerungen. Danke, die Redaktion/jz

    Nem die Einladung gerne an. Wär ja auch schade, wenn nur die "Alles ist super!"-Fraktion am Stammtisch sitzen würde.

    • poetin
    • 24. August 2011 15:13 Uhr

    ... in vorauseilendem Pessimismus über die "Intoleranten" lästern, dann kann da was nicht stimmen. Meta-Trolling?

    • tom1972
    • 18. August 2011 10:40 Uhr

    von einer Frau Schwanger wird, kann die Aussage stimmen. Alles andere ist nachträglich zurechtgebogen und gerechtfertigt. Ich sage nicht, dass dies notwendig ist oder sein muss. Aber ich lebe ja auch mit einer Frau zusmammen umd muss meinem Kind ganz andere Dinge erklären. Ich werde mich auch zukünftig nicht für mein Verhalten rechtfertigen.

    • Pyr
    • 18. August 2011 10:54 Uhr

    Ich bin ebenfalls schon sehr gespannt auf die dümmlichen Kommentare, insbesondere auf die tiefenpsychologischen Laien-Analysen. Drin bevor: "Wenn sie schon schreibt, dass es nicht am Kind liegt, dann wird es am Kind gelegen haben!"

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    Die Kommentatoren die meinen andere als Laienpsychologen abstempeln zu müssen, sind doch wohl keinen Deut besser. Kraft ihrer nicht vorhanden Ausbildung wissen sie offenbar schon, was alles NICHT ist. Für das Kind im oben beschriebenen Artikel gilt vor allem das, was Möchte-gern-nicht-psychologen gerne ignorieren: Gut gemeint ist noch lange nicht gut gemacht.

    • ek.
    • 18. August 2011 10:57 Uhr

    Ich kenne einen Jungen, der zwei Mütter hatte. Er ist nicht mehr und nicht weniger geschädigt als ein Kind anderer Eltern auch. Zu seinen Verletzungen haben übrigens die Kommentare der Klassenkameraden nicht wenig beigetragen...

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    genau und darum hätte man ihm so etwas ersparen sollen.

  2. Die allgemeine Erosion des Verantwortungsbewusstseins im zwischenmenschlichen Bereich, die ich als eine Form der Dekadenz empfinde, macht auch vor gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften nicht halt. (Warum sollte sie auch?)

    War Marie's Frau nicht klar, dass sie durch die Adoption Verantwortung (für Marie und für das Kind) übernahm?

    • carol
    • 18. August 2011 11:01 Uhr
    6. warum?

    warum wird einem kind etwas so gekünsteltes präsentiert?

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    warum wird einem kind etwas so gekünsteltes präsentiert?

    Weil es - in diesem Fall - etwas Gekünsteltes ist. Die Natur hat für die Paarung heterogene Verhältnisse vorgesehen, doch das entspricht ja dann nicht den Gefühlen. Die Natur hat zur Befruchtung Sex vorgesehen, doch auch das ist dann nicht angenehm.

    Ja, das klingt schrecklich konservativ, doch man muss den Tatsachen ins Auge sehen. Homosexuelle/lesbische Beziehungen sind nicht zur Zeugung von Nachkommenschaft geeignet, so wenig wie z.B. Transgender jemals vollständig das andere Geschlecht annehmen können. So sind die Gesetze der Natur. Der Versuch, sich darüber hinweg zu setzen, macht keinen Sinn.

    Aus irgend welchen zurecht fantasierten Notwendigkeiten der sozialen Stellung des Kindes wird dann etwas gezimmert, was angeblich eine Familie sein soll. Diese Verbeugung vor der Gesellschaft ist - pardon - verlogen und meiner Meinung nach auch völlig unnötig.

    Aufrecht wäre es, dieses zusammen gebastelte Bild der "Familie" aufzugeben und die Konstellation einfach als das zu sehen, was es ist: zwei Frauen und ein Mann, die sich in unterschiedlichem Umfang um ein Kind kümmern. Da ist nichts schäbiges dran, auch zahlreiche andere Kinder kommen ohne Familie aus.

  3. Redaktion

    Lieber Cellular Automaton,

    schade, dass Sie den ersten Kommentar nicht dafür genutzt haben, eine spannende Diskussion über den Artikel anzustoßen.

    Beste Grüße
    Sebastian

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    bestimmt sind auch Sie schon Zeuge des abschätzigen Tonfalls geworden mit dem in den Kommentarspalten dieser Reihe über alternative Lebensweisen geurteilt wird. Ich empfinde es durchaus als Anstoß zu einer Diskussion den Blick von den Beziehungsweisen selbst, auf den sozialen Umgang mit ihnen zu erweitern. Letzten Endes werden die Kommentatoren entscheiden, ob mein Beitrag seine Berechtigung hatte oder nicht.

    Herzlichst

    Cellular Automaton

    Entfernt. Bitte achten Sie auf Ihre Wortwahl und beteiligen Sie sich sachlich und konstrutiv an der Diskussion. Danke, die Redaktion/mk

    • gorgo
    • 19. August 2011 15:00 Uhr

    Entfernt, Doppelposting. Die Redaktion/lv

    • gorgo
    • 19. August 2011 15:00 Uhr

    Lieber Herr Horn, liebe Kommentatoren,
    ich kann den ersten Kommentar gut nachzuvollziehen. Schwule und Lesben oder andere Anders Lebende, die in den - natürlich anonymen - Kommentarspalten direkt angegriffen werden, stehen unter einem ganz anderen Druck als jene, die hier ihre persönliche Lebensweise als "naturgesetztlich" sanktioniert nicht einmal zu verteidigen auf den Gedanken kommen. Der Kommentar, dass man nun wohl wieder auf Beiträge des Stammtisches gespannt sein dürfe, nimmt die Erfahrung des Messens mit doppeltem Maß und das völlige Fehlen von Bewusstsein über die damit verbundenen Verletzungspotentiale einfach vorweg.
    Sie schreiben also von einer "spannenden Diskussion", zu der dieser Beitrag nicht führe. Wenn ich, um mal einen nicht ganz unzulässigen, jedenfalls hilfreichen Vergleich zu nehmen, eine Schweizer Zeitung zur "Deutschenfrage" und dort die z.T. atemberaubend stereotypisierenden Kommentarspalten über "Deutsche" lese (in der Schweiz eine wichtige und nicht wirklich ganz verstandene Minderheit ;-)), dann kann ich emotional bestens nachvollziehen, dass man als "gemeinter" und gemachter Außenseiter nicht auf diese Weise "spannend diskutiert" werden möchte,
    Nachdenkliche Grüße an alle - Gorgo

    • alex.54
    • 21. August 2011 18:04 Uhr

    Lieber Sabastian Horn,

    sie sollten (nein sie müssen) als neutraler Moderator agieren und nicht als offensichtlich heteronormativer Hüter IHRES Weltbildes.

    Ist das auch das Weltbild der Zeit? Denn als dessen repressentant stehen Sie ja wohl hier?

    Alexandra Galle

  4. bestimmt sind auch Sie schon Zeuge des abschätzigen Tonfalls geworden mit dem in den Kommentarspalten dieser Reihe über alternative Lebensweisen geurteilt wird. Ich empfinde es durchaus als Anstoß zu einer Diskussion den Blick von den Beziehungsweisen selbst, auf den sozialen Umgang mit ihnen zu erweitern. Letzten Endes werden die Kommentatoren entscheiden, ob mein Beitrag seine Berechtigung hatte oder nicht.

    Herzlichst

    Cellular Automaton

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Stammtisch?"
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    mit der Aussage "Ich habe zuerst gesagt, dass ich Recht habe, also sind alle die nach mir jetzt nicht meine Meinung vertreten Stammtischproleten" hat keine Berechtigung, weil er kein einziges sachbezogenes Argumente enthält, sondern nur die von Ihnen selbst bemängelte Diffamierung. Was ist denn das für ein Diskussionsstil? Zu allererst einmal die Diskussionspartner beschimpfen.

    "Lieber Sebastian Horn,
    bestimmt sind auch Sie schon Zeuge des abschätzigen Tonfalls geworden mit dem in den Kommentarspalten dieser Reihe über alternative Lebensweisen geurteilt wird."

    Ja, und ich bin auch Zeuge.
    Aber das muss dann doch kein Mensch auch noch mit den Kommentarschreibern genauso machen.

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