Marie L., 44, ist Angestellte im öffentlichen Dienst und lebt mit ihrer Tochter Léa in München. Mit ihrer Ex-Frau teilt sie sich das Sorgerecht. Sie erzählt:
Vor dreizehn Jahren kam ich mit einer Frau zusammen, bei der mir klar war, dass es die Frau für mich ist.

Zuerst wollte ich ein Kind adoptieren, aber letztlich haben wir uns für einen Samenspender entschieden.
Marie L.

Wir hatten sofort den Plan, eine Familie zu gründen. Es hat dann aber noch lange gedauert, weil das für homosexuelle Paare naturgemäß schwieriger ist als für heterosexuelle. Zuerst wollte ich ein Kind adoptieren, aber letztlich haben wir uns für einen Samenspender entschieden.

Es war nicht leicht, jemanden zu finden. Erst haben wir in Zeitungen inseriert. Als nichts kam, habe ich im Internet gesucht, obwohl mir das eigentlich nicht geheuer war. Zufällig habe ich aber einen Mann gefunden, der schon einmal an eine Familie, die ich kannte, Samen gespendet hatte. Dadurch fiel es uns leichter, eine vertrauensvolle Beziehung aufzubauen. Es ist ja sehr wichtig, dass man sich aufeinander verlassen kann.

Es musste klar sein, dass keine Seite anschließend Ansprüche stellen würde – weder wir auf Unterhaltszahlungen, noch er auf das Kind. Angst hatten wir schon, wussten aber, dass für ihn das Risiko auch hoch war. Meine Freundin sollte das Kind adoptieren, und damit seine Rechte übernehmen. Wir wollten auch, dass das Kind wissen sollte, wer sein Vater ist, auch da hat er eingewilligt.

Wir haben die Befruchtung ohne Ärzte gemacht – zu Hause, mit der Bechermethode. Nach dem vierten Mal war ich schwanger, und wir bekamen eine Tochter, Léa.

Kurz vor der Geburt haben meine Freundin und ich noch geheiratet. Leider hat sich meine Frau danach aber immer mehr von mir entfernt. Es lag nicht am Kind, wir hatten schon vorher Probleme, die sich dann einfach noch weiter verschärft haben.

2007 hat sie Léa noch adoptiert, ein Jahr später hat sie sich in eine andere Frau verliebt und mich verlassen, da war unsere Tochter eineinhalb. Für mich ist damals eine Welt zusammengebrochen. Nicht, weil ich mir ums Materielle Sorgen machte, das konnte ich schon regeln. Aber der Traum von einer Familie fiel in sich zusammen und alleinerziehend wollte ich auch nie sein!