ZEIT ONLINE: Herr Jelinek, in Ihrem Buch geht es um Affären, die die Welt bewegten . Was hat Sie an diesem Thema interessiert?

Gerhard Jelinek: Mein Buch ist eigentlich ein Geschichtsbuch. Die 24 Affären sind nur die Einstiegsdroge in die historischen Ereignisse, um die es in Wahrheit geht. Ich habe einen "Seitensprung durch die Geschichte" geschrieben, bei dem man in vergnüglichen Häppchen etwas lernt.

ZEIT ONLINE: Lässt sich Geschichte leichter vermitteln, wenn man sie in Romanzen verpackt?

Jelinek: Es sind nicht alles Romanzen. Manche Beziehungen sind brutal. Andere wären heute strafrechtlich relevant. Es geht um Vergewaltigung, Verführung Minderjähriger, Abhängigkeiten. Liebe kommt nicht in allen Episoden vor. Sex schon eher.

ZEIT ONLINE: Ihr Buch beginnt jedoch mit einem mythologischen Paar: Adam und Eva.

Eine Besucherin betrachtet das Gemälde "Adam und Eva" (1508-1510) von Lucas Cranach der Ältere in Paris. © Francois Guillot/AFP/Getty Images

Jelinek: Genauer gesagt mit Adam und Lilith. Denn vor Eva, so steht es in der Kabbala, schuf Gott Lilith.

ZEIT ONLINE: Die Urfrau, die für Feministinnen ein Symbol der Emanzipation ist.

Jelinek: Die Geschichte von Mann und Frau beginnt als gleichberechtigtes Verhältnis. Lilith ist jedoch nicht bereit, sich dem Mann unterzuordnen und wird über die Jahrtausende nicht nur aus der Geschichte gedrängt, sondern auch dämonisiert. Sie wird zur bösen Frau. Ich finde es interessant, wie schon damals, 6000 Jahre vor Christus, das Rollenbild geprägt wurde . Es gibt ein Kabbala-Zitat von Lilith: Sie sagt ihm, dass sie nicht immer unter ihm liegen will – sinngemäß. Adam ist jedoch kein emanzipierter Mann und sieht nicht ein, warum er beim Sex auf Wünsche seiner Partnerin eingehen soll. Lieber fragt er bei Gott nach einer neuen Frau.

ZEIT ONLINE: Führt dieser mythologische Einstieg nicht zu weit weg von der realen Geschichte?

Jelinek: Es geht mir um die Wahrheit dahinter. Nehmen Sie zum Beispiel Cäsar und Kleopatra. Deren Verhältnis wird heutzutage gern als orientalische Liebesgeschichte dargestellt. Sie ist die geheimnisvolle Frau, die mit sexuellen Qualitäten ausgestattet ist, die andere nicht haben. Er ist der Herrscher über ein mächtiges Reich. Da steckt jahrhundertealte Propaganda drin. Die erste Geschichte über die beiden wurde etwa 160 Jahre nach ihrer Begegnung aufgeschrieben. Wie nahe diese an die Realität herankam, wage ich nicht zu sagen.

ZEIT ONLINE: Wer waren die beiden denn laut Ihren Recherchen wirklich?

Jelinek: Sie war zwar eine ägyptische Königin, stammte aber aus einer griechischen Familie. Sie war Ptolemäerin, knapp 21 Jahre alt, sprach nur Griechisch und als sie um Cäsar warb, befand sie sich im Exil und hatte kaum Handlungsspielraum. Er war doppelt so alt und mit einem Heer angereist – welche Alternativen hatte sie? Damals war der übliche Umgang mit Gegnern, diese zu töten. Also unterwarf sie sich, auch sexuell.

ZEIT ONLINE: Und Cäsar?

Jelinek: Cäsar kam, verglichen mit der Zwei-Millionen-Stadt Alexandria, aus einem Kuhdorf. Das prächtige Rom entstand erst in den Jahrhunderten danach. Es muss eine große Versuchung für diesen alternden Konsul gewesen sein, einfach in diesem luxuriösen, großen Palast in Ägypten zu bleiben und seinen Herrschaftsbereich in den Nahen Orient zu verlegen. Stattdessen hat er Kleopatra mit zurück nach Rom genommen – was sicher auch einer der Gründe für seine Ermordung war.