Die meisten meiner Freunde und Bekannten sind in Beziehungen. Schon ewig, obwohl wir alle noch relativ jung sind, Mitte 20. Viele wohnen schon zusammen und wenn nicht, findet die gesamte Tagesplanung trotzdem nur in Abstimmung mit der des Partners statt. Wir, wir, wir. Die meisten behaupten, glücklich damit zu sein. Ich glaube ihnen meistens.

Ich bin 23 und Single. Ich bin zufrieden damit. Meistens. In fast jeder Frauenzeitschrift lese ich, wie unglücklich man als Single sei, während man auf den Mann wartet, der einen aus der unerträglichen, schmerzlichen Einsamkeit rettet. Oder man liest von der wilden, emotionsgeladenen Jagd nach dem Richtigen, die einen von One-Night-Stand zu One-Night-Stand führt. Man fühlt sich fast schlecht, wenn man ohne großes Drama abwartet, ob es passt oder nicht. Der Eindruck entsteht, dass man einen Partner haben muss.

Der Beziehungsstatus spaltet ganze Freundeskreise. Singlefreunde und Pärchenfreunde passen selten zusammen. Pärchen und Pärchen, das passt besser. Ich als Single fühle mich in meinem Pärchenfreundeskreis eher unwohl. Als Single wird man begutachtet. Man wird gefragt, wen man denn so kennen gelernt hat und warum es denn mal wieder nicht geklappt hat.

Keine Ahnung, warum es bei mir bisher noch nicht geklappt hat. Vermutlich, weil ich lieber noch suche, mich noch umgucken will. Weil ich ausprobieren will, wer zu mir passen könnte und wer nicht. Weil ich erkunde, was eigentlich eine gute Beziehung für mich ausmacht, was Liebe ist, und was ich von Treue halte.

Vor Kurzem hörte ich in der U-Bahn ein Mädchen sagen, die sechs Wochen zwischen ihrem 16. und 22. Lebensjahr, in denen sie Single war, waren die schlimmsten ihres Lebens. Sie sei so einsam gewesen, so alleine. Die vier Jahre zwischen meinem 16. und 23. Lebensjahr, in denen ich Single war, habe ich nicht so empfunden. Ich würde sagen, das waren die lehrreichsten. Wann, wenn nicht dann, wenn man alleine ist, kann man sich weiter entwickeln, seinen Horizont erweitern und sich selbst kennen lernen? Alleine, aber dafür mit sich im Reinen.

Letztendlich ist es doch besser, in Sachen Liebe immer wieder auf die Nase zu fallen, wenn man noch jung ist, als sich aus Angst vorm Alleinsein in eine Beziehung zu flüchten oder in einer zu verharren, die einem nur geradeso ausreicht. Ich weiß inzwischen ganz gut, was ich mag, was ich nicht mag, was ich kann, was nicht, wo ich ungefähr hin will. Weil ich es mit mir selbst abgerungen habe. Alleine glücklich sein zu können, ist ein großer Vorteil. Auch wenn das nicht immer schön ist und nicht immer glücklich macht. Wer mit dem Ich zufrieden ist, kann auch als Wir zufrieden sein.