Liebe 2048: Und ewig lockt das Netzwerk
Im Jahr 2048 ist die Liebe tolerant und pragmatisch. Kompliziert bleibt das Leben trotzdem. Ein Bericht aus der Zukunft
"Sag mal, findest du uns altmodisch?", fragt Milena. Alexander macht ein vages, brummendes Geräusch und vertieft sich wieder in eine Grafik auf seinem Tablet-Computer. Es ist ein Wochenende im Februar 2048, die beiden haben sich zum Lesen ins Wohnzimmer gesetzt. An Tagen wie heute findet Milena, dass Alexis zu viel und zu sorgenvoll an die Arbeit denkt. Andererseits weiß sie, dass sie nicht sonderlich gelassener ist als er. Seit sie vor zwei Jahren Chefin eines mittelständischen Unternehmens geworden ist, spürt auch sie den Druck der Verantwortung. Auch sie sorgt sich manchmal, dass das Geld nicht reicht. Oder etwas anderes Schlimmes geschieht. Was auch immer.
- Geboren 2012 - Die Themenwoche
Wenig fasziniert Menschen so sehr wie die Zukunft. Wie werden wir morgen leben? Wie werden sich unsere Umwelt und unsere Gesellschaft verändern? ZEIT ONLINE wagt den Blick voraus. In zehn Folgen einer Themenwoche fragen wir: Was für ein Leben wird ein Mensch haben, wenn er 2012 geboren wird? Wie wird er lernen, essen, kommunizieren, arbeiten, wie wohnen, lieben, krank werden, regiert werden? Wie wird es schließlich sein, wenn er selbst Kinder bekommt?
Die Antworten, die diese Serie gibt, sind keine allgemeinen. Denn Alexander Geseke, der Held der einzelnen Geschichten, wurde tatsächlich am 3. Februar in Hamburg geboren. Ein echter Mensch also, am Anfang seines Lebens. Geboren 2012 erzählt, was Alexander in seinem Leben begegnen könnte. Allerdings: Alexander ist nicht der richtige Name der Hauptperson. Auch die Namen seiner Eltern wurden geändert, Bilder und Videos der Familie sind nicht mit ihren wirklichen Namen verbunden.- Die Folgen der Serie
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Bisher erschienen:
Zukunftsforschung: Warum wir das Unmögliche wagen
Geboren 2012: Alexanders Zukunft beginnt mit 3.690 Gramm
Lernen 2022: Hausaufgaben sind archaischer Unsinn
Politik 2030: Scheitert die Energiewende an einer Eiche?
Essen 2032: Da sagt der Kühlschrank etwas anderes
Kommunizieren 2037: Ein Holo für den Hemdenschneider
Arbeiten 2042: Gleitzeit für immer
Wohnen 2047: Tomaten aus dem Parkhaus
Lieben 2048: Und ewig lockt das Netzwerk
Im Krankenhaus 2050: Alexander wird durchsichtig
Eltern werden 2052: Was ist ein Baby?
Demografie-Rechner: Wo stehen Sie im Gruppenbild unserer Gesellschaft?
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Denn eigentlich geht es ihnen doch gut. Sie haben sich vor acht Jahren kennengelernt, auf einem Konzert in Hamburg. Nicht im Internet, nicht bei einer Partnerbörse, nicht bei Futurelove – ganz altmodisch. Alexander hat neben ihr im Publikum gestanden und sie angesehen. Als sie ihn anlächelte, hat er ihre Hand genommen. Noch heute findet sie das mutig. Die ständigen, leichtgängigen Anbahnungen im Netzwerk haben die Männer im Alltag mutloser gemacht, findet sie. Milena hat schon den Eindruck, dass sie sich beide noch immer lieben. Was immer das auch für ihn heißen mag. Oder für sie. Ganz sicher ist sie sich da immer noch nicht.
Im Grunde, sagt sich Milena, leben wir heute auch nicht anders zusammen, als es unsere Eltern getan haben. Gut, wir sind beide 36 Jahre alt und nicht verheiratet, das waren zumindest Alexanders Eltern in ihrem Alter schon. Und mit den Kindern warten wir auch noch einige Jahre, so haben wir es besprochen. Der medizinische Fortschritt macht es den Frauen heute leichter, auch mit über 40 noch Kinder zu bekommen. Milenas Mutter sorgte sich schon mit 34, zu spät dran zu sein.
Manche erliegen den Verlockungen des Netzwerkes
Anders als ihre Mutter ist Milena erfolgreicher als ihr Freund, zumindest wenn man nur das Geld betrachtet. Alexander hat sich daran nie gestört. Alexis und sie müssen sich organisieren, um sich regelmäßig zu sehen. Das Netz hilft ihnen. Es verbindet sie mit den Freunden in der ganzen Welt und sie selbst miteinander, ständig, wann immer wir wollen. Andererseits könnte Alexis dort schnell eine andere finden, das Netzwerk ist voll von Frauen, die er haben könnte, und von Männern, die sie haben wollen, und die sie vielleicht haben wollen könnte. Aber das war früher auch nicht anders, die Auswahl war nur kleiner.
Schon komisch, wie wenig sich in den vergangenen dreißig Jahren getan hat. Die feste Zweierbeziehung ist zwar etwas seltener geworden, aber es gibt sie noch. Einige ihrer Freunde ziehen ein Netzwerk von Freunden vor, mit denen man zusammen wohnen und manchmal auch Sex haben kann. Manche sind den Verlockungen des Netzes noch stärker erlegen als früher und wechseln ständig ihre Partner. "Alles kann, nichts muss" – lautet die Devise, wobei Alexis scherzt, es müsse eher heißen: "Alles muss, nichts kann." Über die Phase sind sie wohl hinaus.
Wie werden wir morgen leben? Bitte klicken Sie auf das Bild, um zum Schwerpunkt Zukunftsforschung zu gelangen.
Eine Sensation ist das alles nicht mehr. Es geht leiser und unaufgeregter zu, wie immer, wenn etwas Mainstream wird. Die neuen tolerierten Liebesformen haben das Leben komplizierter gemacht, aber auch pragmatischer. Neue Beziehungsformen gelten weniger als gesellschaftlich anstößig; das nimmt den Druck auf jene, die die Norm nicht erfüllen. Das Treueversprechen wird nicht mehr so ernst genommen – und Verstöße dagegen nicht mehr so streng sanktioniert. Die Kritik an der reinen romantischen Liebe ist längst nicht mehr nur feministischen Kreisen vorbehalten, zu denen auch Milenas Mutter zählte. Insgesamt reden die Menschen vorsichtiger von Liebe. Auch wenn es natürlich nichts Wichtigeres gibt.
Noch etwas fällt Milena ein: Die Statistik weist aus, dass Paartherapien in den vergangenen Jahren weniger werden. Vielleicht, denkt Milena, sind wir des ewigen Stroms an Wörtern einfach überdrüssig geworden, die nötig waren, um die Ursachen des Liebesleidens der nuller und zehner Jahre zu beschreiben. So richtig weiter gebracht hat uns das Gerede schließlich auch nicht.









Wenn die es wirklich so machen sollten, wie im Text beschrieben, dann wäre das definitiv die letzte Generation!
"Der medizinische Fortschritt macht es den Frauen heute leichter, auch mit über 40 noch Kinder zu bekommen."
Ja meinen die denn, sie hätten andere Gene als die Menschen der letzten 10.000 Jahre?
Aber schon klar: erfolgreicher als ihr Freund, Chefin, Akademiker, Gesellschaftsklasse, Spitzen der Unternehmen, ökonomische Macht, ... das ist natürlich alles viel wichtiger als eine kinderfreundliche Gesellschaft!
Ich kann nur hoffen, dass Herr Faigle sich zu 100% irrt.
PS: Leben in der Kommune wie zu Zeiten der 68er als Fortschritt zu verkaufen, ist natürlich auch nett!
"Das Treueversprechen wird nicht mehr so ernst genommen – und Verstöße dagegen nicht mehr so streng sanktioniert." - oh bitte.... die Hölle könnte nicht heißer brennen, als die Rache einer verschmähten Frau. Nehmen Sie sich das zu Herzen. Es wird aus Eifersucht schließlich immer noch getötet;)
die Gehirnwäsche einer christlich geprägten Erziehung nicht hinter sich gelassen haben. Aber ich habe starke Hoffnung, dass sich das in Zukunft in Richtung einer natürlicheren Einstellung zu Beziehung und Sex verändern wird. ;o)
die Gehirnwäsche einer christlich geprägten Erziehung nicht hinter sich gelassen haben. Aber ich habe starke Hoffnung, dass sich das in Zukunft in Richtung einer natürlicheren Einstellung zu Beziehung und Sex verändern wird. ;o)
Der Mensch bleibt Mensch mit seinen Gefühlen, da ändert auch
die menschengemachte Veränderung nichts daran. Egal was gerade schick ist.
diese beiden Menschen? Auf einen anderen Planeten oder in der Biosphäre2 ? Vielleicht im Museum des Homo sapiens?
...es wird wesentlich mehr Beziehungen zwischen reiferen Männern und jungen Frauen geben :-)
Da hat Jemand aber Hoffnung :D
Da hat Jemand aber Hoffnung :D
Der x-te Hippster-leben-taffer-Artikel, den ich zu dem Thema lese und besser werden sie nicht. Zudem wage ich zu bezweifeln, dass man Motivationen von Menschen derart vorhersagen kann. Vielleicht kommt alles auch ganz anders und eine wieder steigende Anzahl an Menschen ist diese inhaltleere Beliebigkeit leid, die man uns versucht, als "modern" einzureden. Lediglich der Wunschtraum der Industrie nach einer Welt aus möglichst vielen Einzelkonsumenten und vielen Trennungen, da das Umsatz bedeutet, würde natürlich dann enttäuscht werden.
so wie sie hier beschrieben wird ist die wahre "Generation Blöd".
Probleme die keine sind und deshalb auch nicht gelöst werden können, immer unter der rosaroten Annahme, dass man keine echten Probleme hat.
Das Netzwerk ist voll von Frauen die er haben kann? Nein ist es nicht, das Netzwerk ist bestenfalls voll "könnte".
Wer sagt uns denn, dass der hypergestresste Internetjunkie überhaupt noch kann? Aber das Netzwerl liefert auch dafür eine Lösung.
angesichts der politischen und sozialen Entwicklungen (national, international und global) in unserer Gegenwart bzw. Wirklichkeit.
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