WebsiteReste einer großen Liebe zu verkaufen

Nach einer Trennung wusste die Amerikanerin Annabel Acton nicht, wohin mit gebuchten Flugtickets – und startete einen Onlineshop für Dinge aus gescheiterten Beziehungen.

Was von einer Beziehung übrig bleibt, ist manchmal nicht mehr als ein Hochzeitsfoto.

Was von einer Beziehung übrig bleibt, ist manchmal nicht mehr als ein Hochzeitsfoto.

Da ist dieses Wochenende an einem Privatsee in Upstate New York. Stolze 10.000 US-Dollar hat jemand, der sich Tjeff nennt, in drei Tage investiert, in denen sich das Ja-Wort gegeben, gefeiert und getanzt werden sollte. Doch bevor es dazu kam, zerbrach die Beziehung und Tjeff blieb auf dem bezahlten Hochzeitstermin sitzen. Oder das Brautkleid von Nicara, die darin einen Mann mit schütterem Haar und schüchternem Lächeln geheiratet hat. Nach einiger Zeit stellte sich heraus: Er war der Falsche und das 4.800-Dollar-Traumkleid hängt nun erinnerungsschwer im Schrank. Bis vor Kurzem hätte Nicara das Kleid wahrscheinlich irgendwann in den Keller verbannt, Tjeff den Termin am See verfallen lassen und beide so neben der Liebe auch noch eine Menge Geld abgeschrieben. Dank Annabel Acton jedoch steht beides jetzt online auf Never liked it anyway zum Verkauf.

Die 28-jährige New Yorkerin Acton war selbst vor nicht langer Zeit in einer ähnlichen Situation: Sie wollte mit ihrem Freund in den Urlaub fliegen, die Tickets waren schon gebucht, da verabschiedete sich der Freund plötzlich auf Nimmerwiedersehen. Mit ihren Freundinnen scherzte Acton, dass es eine Webseite geben müsste, auf der man so etwas verscherbeln kann – und gründete kurzerhand das Onlineportal Never liked it anyway, was bedeutet: Hab’ es sowieso nie gemocht.

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Auf Never liked it anyway verkaufen Menschen Brautkleider, Ehe- und Verlobungsringe, Kuscheltiere und sonstige Liebesreste zum Break-Up-Preis, der oft nicht mehr als ein Viertel des Originalpreises beträgt. Die Geschichten hinter den Angeboten bekommt man gratis dazu. Jeder Verlassene kann angeben, in welchem Gemütszustand er oder sie sich grade befindet: von "ein bisschen zerbrechlich" bis "super wütend". Im moving manual stehen außerdem mehr oder weniger ernst gemeinte Tipps für den Neustart als Single. Die Mischung aus eBay und Selbsthilfegruppe ist seit gut einem Monat online. Seither haben schon siebzig Stücke den Besitzer gewechselt, weitere siebzig sind derzeit im Angebot. Rund drei Viertel aller Verkäufer sind Frauen.

Set aus Verlobungs- und Eheringen, das ein neues Paar Hände sucht.

Set aus Verlobungs- und Eheringen, das ein neues Paar Hände sucht.

Megan Feldman hat auf der Seite eine kleine Goldkette mit einem Diamantenanhänger verkauft. Die 28-Jährige hat die Kette tatsächlich gemocht, weswegen sie sie nach der Trennung noch vier Jahre lang behielt. "Es war das erste Weihnachtsgeschenk meines Ex-Freundes", erzählt sie. Er hatte ihr die Kette aus Frankreich mitgebracht. "Oft bekommt man ja Dinge geschenkt, die man gar nicht mag, aber ich hatte das Gefühl, er würde mich richtig kennen und wüsste genau, was mir gefällt." An eine Freundin wollte Feldman die Kette nicht verschenken, denn dann hätte sie sie ja immer wieder sehen müssen.

Auf Never liked it anyway hat es vier Tage gedauert, bis Megan Feldmans Kette einen neuen Besitzer gefunden hatte. Eine Frau hat sie angeschrieben, die ein Geburtstagsgeschenk für ihre Schwester suchte und ein Mann, der die Kette seiner Freundin schenken wollte. Megan entschied zugunsten des Mannes: "Ich wollte, dass sie weiter geliebt wird", sagt sie. Dem Freund, der ihr die Kette einst geschenkt hat, hat sie nicht vom Verkauf erzählt.

Verkäuferin Kcthree wünscht sich, dass ihr Kleid einer anderen Braut mehr Glück bringt.

Verkäuferin Kcthree wünscht sich, dass ihr Kleid einer anderen Braut mehr Glück bringt.

Annabel Acton ist nicht die erste mit der Idee, einen Onlineservice für Menschen mit Herzschmerz anzubieten. Vor rund vier Jahren startete die Seite Your Ex-Boyfriends Jewelry, wo man allerdings nur Schmuck verkaufen kann. Das Museum of Broken Relationships stellt online Beziehungsreste aus den unterschiedlichsten Ländern aus und in Deutschland bieten Die Liebeskümmerer Urlaub inklusive Seelsorge an.

Auf Never liked it anyway geht es nicht allen Verkäufern nur darum, Gegenstände loszuwerden. Manch einer scheint sich auch rächen zu wollen. Wie zum Beispiel die Frau, die das Lieblingskissen ihres Exfreundes anbietet. "Es hat einst seiner verstorbenen Tante gehört. Er hat damit immer gekuschelt und reingeheult. Ich habe ihn mit einer anderen Frau im Bett erwischt, das Kissen war auch dabei", schreibt sie, die Statusanzeige auf "super wütend" gesetzt.

"Man darf auch in der Enttäuschung nicht vergessen, dass man keine vierzehn mehr ist", sagt Silvia Fauck, die in Berlin eine Praxis für Liebeskummerkranke betreibt. Denn den Anderen störe es meist wenig, was man mit den alten Dingen tut. Aber sich selbst und seine potenzielle Überreaktion müsse man jeden Tag ertragen. Prinzipiell sei es gut, sich von den alten Sachen zu trennen, sagt Fauck, aber erst, wenn man die Trennung tatsächlich überwunden hat. Der Schmerz werde nicht weniger, nur weil man etwas weggibt oder wegwirft. Es ist umgekehrt: Je weniger einem ein Mensch noch bedeutet, desto weniger bedeuten auch die Erinnerungsstücke. Und dann kann man sie irgendwann weggeben. "Die meisten Menschen, die sich in der ersten Verletztheit von Dingen trennen, bereuen es später", sagt Fauck. Denn sie vergäßen, dass die Dinge auch Teil des eigenen Lebens sind. Der Verlobungsring ist die materialisierte Zuneigung nicht nur des Partners, sondern auch die eigene.

Von Rache will auch Never liked it anyway-Gründerin Acton nichts wissen, die Website soll Spaß macht. Deswegen überprüft sie jede Geschichte und jeden Gegenstand und hat auch schon Angebote gesperrt, weil sie ihr unpassend erschienen: "Die Leute sollen hier keinen Rosenkrieg austragen." Sie selbst ist ihre Flugtickets damals nicht losgeworden, konnte aber glücklicherweise umbuchen und hat sich einen faulen Lenz bei Freunden in Argentinien gemacht. Alleine.
 

 
Leserkommentare
  1. 1. Liebe

    Interessante Idee für Verkäufer - aber wer außer Edelmetallhändler hat denn ernsthaft Interesse an den Dingen?

  2. Flugtickets sind immer namensgebunden/personalisiert (wegen der Sicherheit) und deshalb "so wie sie sind" unverkäuflich, da der Käufer damit nicht an Bord gelassen sind.

    Ein Name Change kostet i.d.R. richtig viel Gebühren und die Differenz zum meist höheren Jetztpreis (Erstattung falls es jetzt billiger ist gibts selbstverständlich nicht!).

    Warum? Weil die Fluggesellschaft den Preis der Tickets selbst kontrollieren möchte und verhindern will dass andere mit ihren Tickets Geschäfte/Gewinn machen den sie lieber selbst machen würden - und dass man sein Ticket verfallen lassen muss anstatt es an jemanden anderen weiter zu verkaufen falls man doch nicht fliegen kann/will- Dann kann die Fluggesellschaft den gleichen Sitzplatz auch zwei Mal verkaufen (overbooking) und zwei Mal verdienen...

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