Es ist schon etwas her: Mit etwa achtzehn Jahren verliebte ich mich in ein Mädchen aus meiner Schule. Sie war für mich der Inbegriff der Schönheit, ich war noch nie zuvor so verliebt. Eines Tages fasste ich mir ein Herz und rief bei ihr an. Ich wagte es, sie ins Kino einzuladen. Ihr kurzes Zögern am Ende des Hörers war qualvoll. Doch ganz unerwartet sagte sie zu! Ich konnte mein Glück kaum fassen.

Meine Freude hielt nicht lange an. Meine Angebetete beantwortete keinen meiner weiteren Anrufe. Es kam zu keinem Date. Ich war am Boden zerstört. Sie ignorierte mich für den Rest der Schulzeit und wechselte nie wieder ein Wort mit mir. Es mag komisch klingen, aber nichts wünschte ich mir damals sehnlicher, als eine echte Abfuhr: "Nein, mein Lieber. Ich will nicht mit dir ins Kino."

Die Erfahrung, die ich damals gemacht habe, hat sich seitdem leider regelmäßig wiederholt. Klare Abfuhren sind bis heute eine absolute Ausnahme geblieben. Ich habe gehört, dass es vielen Männern so geht. Viele kennen es überhaupt nicht anders. Sie tragen ein Adressbuch voller falscher oder nicht vergebener Telefonnummer herum. Wenn sie schon keine Zusage von einer Frau bekommen, dann würden Sie sich wenigstens einmal eine höfliche aber bestimmte Abfuhr wünschen.

Warum gibt es kein klares "Nein"? Ein Grund könnte die Unsicherheit der Frauen gegenüber verletzlich wirkenden Männern sein. Vielleicht haben Frauen auch so wenig Interesse an den betroffenen Männern, dass es nicht mal zu einer kurzen E-Mail reicht. Diese Erklärung überzeugt mich aber nicht. So aufwändig ist eine E-Mail nun auch wieder nicht. Die Frauen müssen hinter ihren Laptops ja nicht einmal fürchten, einen spontanen Wutausbruch oder – noch schlimmer – einen weinenden Mann zu erleben.