Leserartikel

PiroposLästige Komplimente auf Spanisch

Die Sprüche der Männer in Südamerika und Spanien nerven, meint Leserin E. Hofmann. Frauen sind auch ohne die Komplimente von sich überzeugt. Eine Replik auf G. Teufel

Sicher, der Piropo gehört zur Kultur spanischsprachiger Länder, aber macht ihn das wirklich so liebenswert? Gabriele Teufel nennt in ihrem Leserartikel einige halbwegs poetische Beispiele. Es gibt aber auch sehr sexistische und degradierende Piropos. Ein Beispiel hierfür ist "¡Tú con esas curvas y yo sin frenos!", zu Deutsch: "Du mit diesen Kurven und ich ohne Bremsen!". Auch der typische Spruch "¡Que culo tienes!", was nett übersetzt "Was für einen Hintern du hast!" heißt, reduziert Frauen auf ihr Aussehen.

Mir sind Piropos unangenehm. Ich habe diese Komplimente in den meisten Fällen als entwürdigend, ja teilweise als bedrohlich empfunden. Wenn ein dreißig Jahre älterer, angetrunkener Mann einem "¡Ah, qué guapa!" – ach, wie hübsch! – nachruft, dann begreife ich das als Belästigung. Mir ist unverständlich, wie jemand so eine Äußerung als Kompliment empfinden kann.

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Ich habe ein halbes Jahr lang in Spanien gelebt, um dort zu studieren. Dabei habe ich die Erfahrung gemacht, dass es meistens ältere Männer sind, die viel jüngeren Frauen hinterherrufen. Vor allem ausländisch aussehende Frauen werden mit den Piropos überschüttet – vermutlich weil sie spannend und anders aussehen und vielleicht etwas wehrloser sind. Häufig trägt auch Alkohol dazu bei, dass Männer Piropos machen. In Spanien haben meine Mitbewohnerin und ich abends lieber einen kleinen Umweg auf dem Nachhauseweg gemacht. So vermieden wir, an einer Bar vorbeizugehen, vor der wir immer mit Piropos rechnen mussten.

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Problematisch finde ich die Aussage von Gabriele Teufel, Piropos würden das Selbstwertgefühl einer Frau steigern, solange sie charmant formuliert sind. Wenn die Komplimente einem nicht gefallen, solle man sie einfach ignorieren. Dieser Ansatz fördert meiner Meinung nach das traditionelle Rollenbild, nach dem der Mann offensiv agieren darf und die Frau sich passiv zu verhalten hat. In Spanien ist Gewalt an Frauen und besonders häusliche Gewalt immer noch ein großes Problem. Da wünsche ich mir, die Männer würden endlich anfangen, ein modernes Bild der Frau zu entwickeln.

Leider habe ich bis jetzt noch von keinem Spanier gehört: "Wie eigenständig du bist!" oder "Was für ein interessantes Buch du liest!". Das wären Piropos, über die ich mich wirklich freuen würde.

 
Leserkommentare
  1. Und wieder auf ausländisch...

    Danke!
    ;-)

    kassandra

    Eine Leserempfehlung
  2. Ich habe es noch nie verstanden. Soweit ich weiß investieren viele Frauen doch viel Geld und Zeit, um nahezu perfekt und attraktiv aus zu sehen. Und das Ziel soll dann sein, dass die Männer das Ergebnis möglichst ignorieren? Das kann mir doch keiner erzählen. Mit dem ganzen Aufwand wirbt man doch um Aufmerksamkeit. Zudem macht man mit Make-up, einer tollen Frisur und die weiblichen Rundungen betonenden Kleidern nicht gerade auf seinen Charakter, sondern eher auf den Körper aufmerksam. Da sollte man sich nicht wundern, wenn eben dieser auch angesprochen wird.
    Warum freut sich Frau nicht einfach über das kleine Kompliment, schenkt dem Aufmerksamen vllt. noch ein kleines Lächeln als Dankeschön und geht zielstrebig weiter. Die meisten Männer bekommen spätestens jetzt mit, dass sie keine Chance haben. Wenn sie es nicht schon vorher gewusst haben.

    Grüße

    Dulfaen

    5 Leserempfehlungen
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    • shiri2
    • 24.06.2012 um 20:37 Uhr

    Ich glaube, sie missverstehen das "aufbrezeln" von frauen. wir wollen garnicht bei männern gut ankommen u komplimente kriegen -

    wir wollen andere frauen ausstechen.

    :-)

    Moin,

    das mit dem Aufwand, das können sie verstehen wenn Sie bei Kommentar 27 (http://tinyurl.com/88j7uly) zwischen den Zeilen lesen.
    Wenn Der Richtige (TM) kommt dann darf er gucken, nein, soll sogar.
    Der Richtige, damit wir uns richtig verstehen, entspricht bevorzugt allen Klischees von Männlichkeit, als da wären: breite Schultern, markiges Kinn, Knackarsch und die Kleidung verrät teuren(!!!) Geschmack. Die berühmten inneren Werte sind zweitrangig.

    CU

    P.S: Allerdings hat auch Kommentar 67 (http://tinyurl.com/6lqqjvt) was für sich. Man muss einmal bobachten, wie Frauen anderen Frauen hinterhersehen.....

    von ganz bestimmten Männern Aufmerksamkeit bekommen - leider könne sie sich das aber nicht immer aussuchen ;)

    • shiri2
    • 24.06.2012 um 20:37 Uhr

    Ich glaube, sie missverstehen das "aufbrezeln" von frauen. wir wollen garnicht bei männern gut ankommen u komplimente kriegen -

    wir wollen andere frauen ausstechen.

    :-)

    Moin,

    das mit dem Aufwand, das können sie verstehen wenn Sie bei Kommentar 27 (http://tinyurl.com/88j7uly) zwischen den Zeilen lesen.
    Wenn Der Richtige (TM) kommt dann darf er gucken, nein, soll sogar.
    Der Richtige, damit wir uns richtig verstehen, entspricht bevorzugt allen Klischees von Männlichkeit, als da wären: breite Schultern, markiges Kinn, Knackarsch und die Kleidung verrät teuren(!!!) Geschmack. Die berühmten inneren Werte sind zweitrangig.

    CU

    P.S: Allerdings hat auch Kommentar 67 (http://tinyurl.com/6lqqjvt) was für sich. Man muss einmal bobachten, wie Frauen anderen Frauen hinterhersehen.....

    von ganz bestimmten Männern Aufmerksamkeit bekommen - leider könne sie sich das aber nicht immer aussuchen ;)

    • shiri2
    • 24.06.2012 um 20:37 Uhr

    Ich glaube, sie missverstehen das "aufbrezeln" von frauen. wir wollen garnicht bei männern gut ankommen u komplimente kriegen -

    wir wollen andere frauen ausstechen.

    :-)

    6 Leserempfehlungen
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    Kommt dann wohl auf den Kerl an, bei dem "wir andere frauen ausstechen" wollen.

    Bestes Beispiel, der Bachelor, hier im Original:

    http://www.youtube.com/wa...

    Kommt dann wohl auf den Kerl an, bei dem "wir andere frauen ausstechen" wollen.

    Bestes Beispiel, der Bachelor, hier im Original:

    http://www.youtube.com/wa...

    • sauce
    • 24.06.2012 um 20:39 Uhr

    Ich schrieb zu dem Artikel von G.Teufel bereits, daß meine langjährige Erfahrung mit meinem lateinamerikanischen Umfeld derart ist, daß Frauen ein grundsätzliches Recht auf Komplimente haben - alles andere wäre grob unhöflich.
    Das ist nur selten als echte Anmache gedacht (das merkt man aber sofort und kann passend reagieren), natürlich ziemlich oberflächlich - aber ich bin emanzipiert genug, mich trotzdem drüber zu freuen weil ich ganz genau weiß, daß ich keinesfalls über diese Oberflächlichkeiten definiert werde.
    Wie verkrampft muß man eigentlich sein, um sich davon beeinträchtigen zu lassen?
    Hier in Deutschland passiert Anmache doch genauso oft - nur oft weniger poetisch und das poetische macht vielleicht unsicher.
    Auf Zoten reagiere ich hier wie dort genau gleich ... nämlich gar nicht!
    Der Vergleich mit islamischen Ländern und dem oft angeprangerten Frauenbild dort in diesm Zusammenhang ist einfach lächerlich.
    Wer sich in einem Urlaubsland allerdings respektlos deutlich freizügiger als die heimische Bevölkerung kleidet und ggf. noch sichtbar angetrunken seinen nächtlichen Heimweg antritt, muß ganz klar damit rechnen, von den Männern dort ebenfalls keinen Respekt entgegengebracht zu bekommen.

    4 Leserempfehlungen
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    • Thetis
    • 24.06.2012 um 20:57 Uhr

    "Wer sich in einem Urlaubsland allerdings respektlos deutlich freizügiger als die heimische Bevölkerung kleidet und ggf. noch sichtbar angetrunken seinen nächtlichen Heimweg antritt, muß ganz klar damit rechnen, von den Männern dort ebenfalls keinen Respekt entgegengebracht zu bekommen."

    Das soll wohl eine feine Umschreibung dafür sein, daß die Frau in Ihren Augen Freiwild ist und Handgreiflichkeiten "verdient" hat.

    • Thetis
    • 24.06.2012 um 20:57 Uhr

    "Wer sich in einem Urlaubsland allerdings respektlos deutlich freizügiger als die heimische Bevölkerung kleidet und ggf. noch sichtbar angetrunken seinen nächtlichen Heimweg antritt, muß ganz klar damit rechnen, von den Männern dort ebenfalls keinen Respekt entgegengebracht zu bekommen."

    Das soll wohl eine feine Umschreibung dafür sein, daß die Frau in Ihren Augen Freiwild ist und Handgreiflichkeiten "verdient" hat.

  3. Moin,

    das mit dem Aufwand, das können sie verstehen wenn Sie bei Kommentar 27 (http://tinyurl.com/88j7uly) zwischen den Zeilen lesen.
    Wenn Der Richtige (TM) kommt dann darf er gucken, nein, soll sogar.
    Der Richtige, damit wir uns richtig verstehen, entspricht bevorzugt allen Klischees von Männlichkeit, als da wären: breite Schultern, markiges Kinn, Knackarsch und die Kleidung verrät teuren(!!!) Geschmack. Die berühmten inneren Werte sind zweitrangig.

    CU

    P.S: Allerdings hat auch Kommentar 67 (http://tinyurl.com/6lqqjvt) was für sich. Man muss einmal bobachten, wie Frauen anderen Frauen hinterhersehen.....

    3 Leserempfehlungen
    • Thetis
    • 24.06.2012 um 20:50 Uhr

    Sind Sie etwas nicht der Meinung, daß solche zu respektieren und als Bereicherung angesehen werden müssen?

    Antwort auf "in manch ländern"
    • Thetis
    • 24.06.2012 um 20:57 Uhr

    "Wer sich in einem Urlaubsland allerdings respektlos deutlich freizügiger als die heimische Bevölkerung kleidet und ggf. noch sichtbar angetrunken seinen nächtlichen Heimweg antritt, muß ganz klar damit rechnen, von den Männern dort ebenfalls keinen Respekt entgegengebracht zu bekommen."

    Das soll wohl eine feine Umschreibung dafür sein, daß die Frau in Ihren Augen Freiwild ist und Handgreiflichkeiten "verdient" hat.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Entspannt bleiben"
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    • sauce
    • 24.06.2012 um 21:08 Uhr

    Nee..... das ist eine feine Umschreibung dafür, daß ich mich ob der Instinktlosigkeit mancher Touristen unglaublich fremdschäme.

    • sauce
    • 24.06.2012 um 21:08 Uhr

    Nee..... das ist eine feine Umschreibung dafür, daß ich mich ob der Instinktlosigkeit mancher Touristen unglaublich fremdschäme.

  4. Exakt. Uns ermahnt man ständig "Verzichten Sie auf Pauschalurteile" und selbst denkt man gar nicht daran, sich daran zu halten. Verallgemeinerungen, die ins eigene Weltbild passen, sind offenbar erlaubt.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Piropos"

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