Die meisten Menschen denken, BDSM sei eklig; Lack und Dominas. Wer das macht, bei dem müsse doch was schiefgelaufen sein im Leben. Reicht normaler Sex nicht?

Ich kannte BDSM schon als Kind, obwohl ich keine sexuellen Kindheitstraumata habe. Kaum fünf Jahre alt, beschloss ich eines Tages, meine Barbies zu fesseln. Ich ließ sie von den Kens herumkommandieren. Mir gefiel das.

Zum Glück kam ich als Teenager relativ schnell damit klar, dass ich eben etwas ungewöhnliche Vorlieben hatte. Ich wollte knien, festgehalten werden. Nachts liefen in meinem Kopfkino Szenen weit jenseits der Bravo-Lovestory ab.

Aber leider werden Menschen immer wieder dafür verurteilt, in Sachen Sex unnormal zu handeln. Sei es, dass die katholische Kirche Homosexualität verurteilt, sei es, dass der Nachbar sexuell selbstbewusste Frauen als Schlampen abstempelt. Oder sei es das verächtliche Gesicht des Kumpels, wenn ein schüchterner Mittzwanziger zugibt, noch Jungfrau zu sein.

Mir hat auf meinem Weg, mich selbst zu akzeptieren, nichts so sehr geholfen, wie auf Gleichaltrige zu treffen, die genauso tickten wie ich. Ich fand sie in einem Verein, der Jugendlichen und jungen Erwachsenen die Möglichkeit gibt, sich angstfrei über BDSM auszutauschen, dem SMJG. Nichts musste mir dort peinlich sein, nichts, was ich tue oder denke, wurde dort als krank abgetan. BDSM – voll normal! Zwar nicht für alle Menschen, aber für uns.

Ich habe die Onlineplattform des Vereins immer als sicheren Hafen empfunden. Doch nun sind wir User außer uns. Wir fühlen uns verletzt, diskriminiert. Denn Jugendschutz.net behauptet, das Angebot sei jugendgefährdend. Dabei wird über BDSM im Forum der Website unseres Vereins ohne Pornographie gesprochen. Wenn tatsächlich explizite Bilder oder Beschreibungen im Forum gepostet werden würden, könnte ich die Forderung zur Sperrung nachvollziehen, aber das ist nicht der Fall.

Doch Jugendschutz.net geht es darum, dass das Thema BDSM an sich entwicklungsgefährdend sei. Besonders weh tut mir die Begründung. Laut aZrael, dem Administrator des Forums von SMJG, nehmen die Prüfstellen BDSM als abweichende und bizarre Sexualität wahr. Sie sei als Facette der sexuellen Identität im Gegensatz zur Homosexualität noch nicht anerkannt.

Dass das, was ich als natürlich empfinde, plötzlich als etwas Bizarres, Abnormes hingestellt wird, hat mich zum Weinen gebracht. Noch nie habe ich mich so hilflos gefühlt. Dass ich anders bin und mich mit Menschen in meinem Alter darüber austauschen will – kann das so abnorm sein, dass es verboten werden muss?