Sexualität : Verträgt die Liebe Hiebe?

Mit "Shades of Grey" wurde harter Sex zur Breitenfantasie. Gut so, sagt Coach Vanessa del Rae. Denn Fesselspiele können eine Bereicherung sein, nicht nur im Bett.

ZEIT ONLINE: Frau del Rae, literarisch gilt der Bestseller Shades of Grey als minderwertig, doch scheint er bei einem breiten Publikum das Interesse an Sexpraktiken, die mit Unterwerfung und Schmerz spielen, geweckt zu haben. Finden Sie das begrüßenswert oder bedenklich?

Vanessa del Rae: Das Thema macht neugierig und es ist gut, wenn darüber gesprochen wird. Ich halte es für begrüßenswert, wenn die Menschen so ihren Wünschen und Fantasien näher kommen. Das Thema an sich ist ja uralt. Durch das Buch ist es nur wieder stärker in unser Bewusstsein gerückt.

ZEIT ONLINE: Wie verbreitet sind denn sexuelle Fantasien, in denen Gewalt und Macht eine Rolle spielen?

del Rae: Aus meiner Praxis weiß ich, dass eigentlich jeder sexuellen Fantasien und Wünschen nachhängt. BDSM kann ein Teil dieser Fantasie sein. Ich glaube, das wachsende Interesse daran bei Frauen ist auch eine Auswirkung der Emanzipation. Selbständige und selbstbestimmte Frauen wollen sich nicht dominieren lassen, zumindest gesellschaftlich gesehen. Aber der Wunsch danach, das ausprobieren zu können, steckt in vielen.

Vanessa del Rae

Vanessa del Rae, 49, arbeitet in Berlin als Sex- und Lifecoach. Sie berät Paare, die ihr Sexleben wiederbeleben möchten ebenso wie Singles, die auf Partnersuche sind. In ihren Seminaren erforschen Frauen und Männer ihre Fantasien und lernen, wie sie einander berühren können.

ZEIT ONLINE: Die emanzipierte Frau träumt heimlich davon, sich dominieren zu lassen?

del Rae: Aber sie hat Angst, dass ihr das als Schwäche ausgelegt wird. Wenn es jedoch im Rahmen eines Rollenspiels, eines Liebesspiels stattfindet, dann tut man es bewusst. Es ist eine Form der Hingabe.

ZEIT ONLINE: Wer dominiert lieber, Männer oder Frauen?

del Rae: Aus meiner eigenen Erfahrung würde ich sagen, das hält sich die Waage. Ich erlebe häufig, dass Frauen davon träumen, Gewalt in der Sexualität zu leben, während sich die Männer nicht trauen, weil sie den Frauen nicht wehtun wollen. Dazu biete ich ein Seminar an, in dem Männer lernen können, wie weit sie mit der Berührung, auch mit der Härte, gehen können.

ZEIT ONLINE: Geht es bei dieser Art von Sex neben dem Lustschmerz nicht vor allem darum, Machtpositionen neu zu verhandeln?

del Rae: Machtausübung spielt schon eine Rolle, aber vor allem kann ich bei dieser Art von Sex Kontrolle abgeben. Und das ist etwas, woran viele leiden. Wir sind sehr damit beschäftigt, unser eigenes Leben und das anderer Menschen zu kontrollieren, das ist unheimlich kraftraubend. Kontrolle abgeben zu können ist etwas sehr Wohltuendes. Beim BDSM kann man das freiwillig tun.

ZEIT ONLINE: Aber es erfordert viel Souveränität, die Kontrolle abgeben zu können.

del Rae: Absolut: die Souveränität, vermeintlich Schwäche zu zeigen. Wir dominieren uns ja im täglichen Leben permanent. Viele Paare leiden darunter, dass sie sich gegenseitig dominieren, ohne dass sie es vielleicht wollen. Dem kann man beim Liebesspiel einen Rahmen geben.

ZEIT ONLINE: Aber wie geht das im Alltag? Mann versohlt Frau den Hintern und sie ärgert sich kurze Zeit später, dass er seine Socken herumliegen lässt?

del Rae: Es ist ein Spiel, bei dem ich in eine Rolle schlüpfe, die nicht meiner Rolle im Alltag entspricht. Das heißt, ich bin als Liebhaberin anders, als in meiner Rolle als Mutter oder als Berufstätige und ich bleibe Zeit meines Lebens auch Kind. Und in jeder dieser Rollen verhalte ich mich anders. Und so kann ich auch in die Rolle der Unterwürfigen schlüpfen, mir den Hintern versohlen lassen und meinem Mann am nächsten Tag trotzdem die Meinung sagen.

ZEIT ONLINE: Muss man das üben?

del Rae: Das muss man sicherlich üben. Ich lerne ja auch zum Beispiel in eine Mutterrolle hineinzuwachsen. Letztlich geht es um die Aufmerksamkeit mir selbst und dem anderen gegenüber. Es schärft im Höchstmaße die Sinne.

ZEIT ONLINE: Das Ausleben dieser Fantasie kann über das sexuelle Vergnügen hinaus etwas bewirken?

del Rae: Man profitiert auf jeden Fall auch im Alltag davon. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass die erlebten Gefühle tiefgreifend sein können. In meinem Fall hatte es fast schon einen therapeutischen Wert. Ich konnte die Kontrolle abgeben, das hat mich unglaublich friedlich gemacht. Und auf diesen Frieden kann ich mich auch im Alltag zurückziehen.

Kommentare

224 Kommentare Seite 1 von 17 Kommentieren

Die Leute...

... die SM praktizieren und von denen ich es weiß, haben meist ein gespaltenes Verhältnis zu sich selbst und haben den Begriff des Genusses nie in seiner eigentlichen Art kennengelernt.

Ich habe es nie nachvollziehen können. Es kann mir egal sein, solange sie sich nicht totprügeln, aber für normal halte ich das Ganze nicht. Eher für recht dekadent und für eine Spielweise entstanden aus der überreizten Gesellschaft.

Wer die sonst überall schon herrschenden Machbeziehungen in der Gesellschaft nun auch noch in Beziehungen tragen möchte, statt einer aufgeklärten Partnerschaft, der ist vollkommen in der Verdinglichung von Menschen angekommen.

Wie sagte Adorno über Sadomasochismus?
"Die Lust geht anstatt mit der Zärtlichkeit mit der Grausamkeit einen Bund ein, und aus der Geschlechtsliebe wird, was sie nach Nietzsche schon immer war, 'in ihren Mitteln der Krieg, in ihrem Grunde der Todhaß der Geschlechter'".
Dialektik der Aufklärung.

Geht's noch vorurteilsbehafteter?

Klar, dass so ein von Klischees triefender Kommentar kommen musste. Weil sie also ein paar Leute kennen gilt es für alle? Ich glaube auch, dass es wie in jedem Bereich Idioten im BDSM-Bereich gibt, besonders jene, die die wichtigsten Regeln der Sicherheit bewusst nicht beachten. Genauso glaube ich, dass viele dieses Spiel und das ist es in erster Linie, wirklich genießen können und sich auf eine andere Art und Weise kennenlernen können. Dekadent sind aus meiner Sicht ganz andere Dinge, besonders dann, wenn involvierte Parteien nicht ganz freiwillig dabei sind. Jedenfalls ist mir ein mit sich zufriedener SMler mit "vielseitigen" Phantasien tausendmal lieber als ein vorurteilsbehafteter Mensch, der von sich stets auf andere projeziert. Ich glaube auch, dass der primäre Reiz dieses Spiels, wenn es wirklich im Grund mit Achtung voreinander praktiziert wird und das wird es in den meisten Fällen, in der Faszination des Unerwarteten liegt. SM (leider ein Sammelbegriff für vieles geworden) hat viel mehr mit Verantwortung, Selbstkenntnis und gegenseitigem Respekt zu tun, als Sie denken!

Paradoxon

Wenn Menschen Verantwortung, Selbstkenntnis und gegenseitigen Respekt erst durch ein gewaltsames "Spiel" lernen, kann ja irgendwas nicht stimmen.

Normalerweise sollte das bei jedem Erwachsenen schon so vorhanden sein. Und das würde dann normalerweise zu Zärtlichkeit und nicht Gewalt führen.

Ich bin eigentlich ein toleranter Mensch, aber Gewalt und Beziehung ist für mich ein Paradoxon. Insofern meine ich das mit der Spaltung schon ernst.

Darüber hinaus bin ich aber der Ansicht, dass jeder das Betreiben sollte, was er für richtig hält, solange er Anderen nicht schadet.

Ich persönlich sehe keinen Sinn in dieser paradoxen Spielart und ich halte sie eher für schädlich, denn als Bereicherung für die Gesellschaft. Machtfantasien sollten durch Aufklärung abgebaut, nicht als Freude inszeniert werden.

Und der seltsamen Theorie, dass jeder in allen Vorlieben unabänderlich prädestiniert ist, kann ich nicht zustimmen. Die Präferenz für ein Geschlecht ist noch immer etwas Anderes, als die Präferenz für Zärtlichkeit oder Gewalt. Letzteres ist wohl eher gesellschaftlich geprägt, oder hat meistens einen psychologischen Hintergrund.

Zusatz

Haben Sie schonmal daran gedacht, woher so ein gespaltenes Verhältnis kommen kann? Vielleicht unter anderem daran, dass es gesellschaftlich lange bzw. immer recht verpöhnt wird, wie hier viele Kommentare belegen? Der Vergleich zum Homosexualismus und seiner gesellschaftlichen Entwicklung hinkt vlt. etwas, im Kern ist es aber dasselbe. Es ist ungewöhnlich, fremd, unverständlich und deshalb abartig. Fertig ist man mit dem Thema.

Naja...

Ich schreibe ja nicht, dass sie Vertrauen etc. erst dadurch erlangen, nur dass es essenziell ist und in gewissen Bereichen geschult wird. Genauso ist mir ihre Definition von Gewalt nicht so ganz klar. Ich sehe das nämlich so:

Mit Gewalt (als Gesamtgröße, nicht als physische) hat SM in dem meisten Fällen, so absurd das klingen mag, erstmal nichts zu tun, solang alle Involvierten aus freien Stücken handeln. Nicht umsonst ist medizinisch mehrmals nachgewiesen wurden, dass Schmerz von Person zu Person sehr unterschiedlich wahrgenommen und interpretiert wird. Wer sind Sie, dass Sie jemanden für dieses andere Empfinden verurteilen und so gesehen als etwas "gespalten" hinstellen? Und wo ist der Beweis, dass SM-Phantasien ein direktes Abbild realer Gewaltszenarien sind, wie sie es schreiben? Ich glaube einfach, dass Sie es sich zu leicht machen mit dem klischeehaften Bild der sich schlagenden Menschen. Desweiteren ermöglichen diverse Spiele sicher auch sehr viele unterhaltsame und lustige Situationen, die mit Gewalt aber rein gar nichts zu tun haben.

Grenzen und Dekadenz

Ich bin einfach anders als sie der Meinung, dass gewisse zwischenmenschliche Grenzen nicht eingerissen werden sollten. Es gibt einfach zu viele Machbeziehungen in der Gesellschaft. Sie sollten abgebaut und nicht noch als notwendig zelebriert werden. Wie ich schon sagte.

Und zum Thema Dekadenz. Haben sie sich schon mal gefragt in welcher Zeit der Urvater dieser Spielart De Sade lebte und in Betracht gezogen, dass er nicht ganz zufällig ein Adeliger war. Es ist sehr wohl dekadente Überreizung.

Es sind doch im Grunde "First World Problems", wenn einem Zärtlichkeiten nicht mehr reichen, und man Schmerzen möchte. Ich glaube nicht, dass Menschen in irgendeinem Kriegsgebiet noch SM ausleben müssen, von Sadismus haben die schon genug. Statt gewaltlose Verhältnisse freudig entgegenzunehmen, müssen einige wohl künstlich solche Verhältnisse "spielerisch" in eine Beziehung integrieren. Soviel zur Dekadenz.

Erstrebenswert ist das nicht.

Entfremdung

Ich sagte nicht es ist künstlich und unecht. Ich sagte, es beruht auf einer seltsamen Entfremdung von der Gewalt.

Wir sehen diese Gewalt kaum noch in unserer Gesellschaft, also wird daraus ein "Spiel", um sie in einem lustigen Ambiente kennenzulernen, statt die Gewaltfreiheit dankend anzunehmen.

Das kann nur in solchen gesättigten Gesellschaften entstehen. Ich bin mir sehr sicher, dass eine statistische Untersuchung darüber, wie oft SM in der gut betuchten westlichen Welt im Vergleich zu Krisengebieten und der dritten Welt zelebriert wird, Aufschluß über die Dekadenz geben würde und über die fragwürdige Notwendigkeit. Langeweile wird da auch ein sehr wichtiges Element sein.

Alles andere sagte ich nicht.

Doch, Sie schreiben:

"... müssen einige wohl künstlich solche Verhältnisse "spielerisch" in eine Beziehung integrieren ..."

Gewalt liegt für mich in einer gesunden BDSM-Beziehung ohnehin nicht vor - Gewalt ist es dann, wenn einer dem anderen etwas gegen dessen Willen aufzwingt, das ist dann Missbrauch. Gilt aber nicht nur für BDSM sondern für jede Art von Sex (heißt dann z.B. Vergewaltigung)

Gewalt

Dann haben sie wohl ein anderes Verständnis von Gewalt. Was zugleich ein Beweis meiner These wäre, dass damit Grenzen verschoben werden.

Gewalt ist für mich jede Schädigung. Ob nun körperlich oder seelisch. Selbst wenn jemand emotional einwilligt, bleibt körperliche Schädigung Gewalt. Wenn jemand Gewalt braucht, damit es seiner Seele gut geht, dann besteht ein psychologisches Problem.

wieder Klischees

Der Urvater war er vielleicht im Zeitalter der aufgeklärteren Lyrik und Epik. Der Adel war es sicher nicht, der es "erfunden" hat. Oder haben Sie stichhaltige Quellen? Flagellantismus war bereits im frühen Mittelalter in allen Schichten vertreten, nur um ein Beispiel zu nennen.

Ich verstehe ein Stück weit, warum sie Unverständnis äußern. Bei Ihren Kommentaren stört mich allerdings nicht, dass sie eine andere Meinung dazu haben, die können Sie natürlich haben. Mich stört, dass Sie in Ihrer Argumentation sehr viele fragwürdige Zusammenhänge und Fazite ziehen.
Woher wollen Sie wissen, dass diese Menschen nicht auch sehr zärtlich sein können, sich genauso danach sehnen? Was hat das mit reichen zu tun? Und wieso nehmen Sie hier den wirklich sehr abstrusen Vergleich mit dritte Welt Ländern, in welchen übrigens diverse Praktiken auch nicht selten weiter verbreitet sind, als man denkt? Korrelation ist nicht gleich Abhängigkeit. Wenn ich sage, dass es ein "Luxusproblem" der reichen Staaten sei,kann ich dann sofort auf Dekadenz und emotionale Verrohung schließen? Sie fahren vlt. Auto, obwohl sie öfters Fahrrad fahren könnten und somit der Umwelt einen Dienst leisten könnten. Sind sie deshalb gleich als dekadent hinzustellen? Der Vergleich hinkt doch hinten und vorn. Es handelt sich in dieser Szene um Personen aus allen Schichten,nicht selten sehr gebildet. Und glauben Sie nicht,dass diese Leute sich damit noch gar nicht auseinandergesetzt haben? Wieso sofort auf Dekadenz schließen?

Beschäftigen sich mal ...

... mit dem Phänomen der Verdinglichung. Der Mensch als Ding. Da gibt es nicht nur in der Philosophie sondern auch in der Soziologie interessante Schriften über den Zusammenhang zwischen Verdinglichung und Kapitalismus.

Und wer den Menschen von oben herab als Ding behandelt, befindet sich in genau dieser Situation.

Adorno hat über das zweckrationale Verhältnis geschrieben, dass über die falsch verstandene Aufklärung sich im dritten Reich, im Kapitalismus und im SM wiederfinden lässt. Die Juden waren für die Nazis Dinge. Die Arbeitskraft ist für die große AG ein Ding. Die Frau in der SM-Beziehung ist es auch. Und das sage nicht ich. Sondern Adorno und einige andere Autoren, um hier mal die Brisanz herauszunehmen.

Ich kann dem zumindest tendenziell zustimmen. Das Gegenteil davon wäre eben eine warme, respektvolle Beziehung, bei der auch der Sex nicht bloß auf solche verdinglichten Aspekte reduziert ist. Adorno hätte auch Pornos kritisch gesehen. Es geht also nicht nur um SM.

Ich stimme nicht allem zu, was Adorno sagt. Aber zumindest ernstnehmen sollte man es.

Wenn Sie sich das vorstellen können,

wäre es hilfreich, wenn Sie es erklären könnten. Ich weiß, dass Marx es so sah, dass der Mensch im Kapitalismus auf seine Funktion als Arbeitskraft reduziert wird -- meinen Sie das? Ja, dann kann ich an Myriaden von Menschen, vor allem Männern denken, die auf der Suche nach schnellem Sex die möglichen PartnerInnen auf ihre Funktion als Objekt hierfür reduzieren. Quer durch alle sexuellen Neigungen und noch mehr.

heiliger zorn

"Die Arbeitskraft ist für die große AG ein Ding. Die Frau in der SM-Beziehung ist es auch. Und das sage nicht ich. Sondern Adorno und einige andere Autoren, um hier mal die Brisanz herauszunehmen."

sag ich doch, sie haben keine ahnung, worüber sie - vermeintlich - reflektieren. wie kommen sie auf "Frau in der SM-Beziehung"? es gibt bei bdsm mindestens genauso viele männer, die den "sklaven" machen (wollen). und nur, weil es adorno sagt, wird es doch nicht richtiger. der hatte vermutlich auch keine ahnung - nur einen heiligen zorn.

[...]

Bitte werden Sie nicht persönlich. Danke, die Redaktion/mo.

Sicherlich...

das Phänomen gehört ebenfalls dazu.

Adorno sieht im SM nochmal einen Höhepunkt dieser Verdinglichungsphantasien.

Er schreibt über De Sades Juliette:
"Juliette [...] verkörpert, psychologisch ausgedrückt, weder unsublimierte noch regredierte libido, sondern intellektuelle Freude an der Regression, amor intellectualis diaboli, die Lust, Zivilisation mit ihren eigenen Waffen zu schlagen."

Er stellte auch fest: "Unter der großen Industrie wird die Liebe kassiert"

Daraus wird schließlich vielmehr eine stümmelhafte Form, die die Machtverhältnisse des Bürgertums und des Kapitalismus in sich enthält, SM.

"[Der Sadist] identifiziert sich mit der Natur, indem er den Schrei, den er selbst nicht ausstoßen darf, in seinen Opfern tausendfach erzeugt."

Da im Kapitalismus und der modernen Gesellschaft der Mensch sich von der Natur und seiner eigenen so entfremdet hat, dass er sie nicht mehr adressieren kann, sucht er sich einen anderen Menschen und sendet durch ihn mit seiner Gewalt diesen unterdrückten Urschrei. Dahinter steckt nach Adorno eine Entfremdung und ein Höhepunkt der negativen Kräfte des Kapitalismus

Man kann davon halten was man will. Es ist aber eine durchaus nachvollziehbare Theorie.

@115 - SOT86 :

Jede große Theorie hat ihre Schwächen.
Da Sie sich ja so gut damit auskennen, wissen Sie sicherlich um die Schwächen der Theorien von Marx, Hegel und hoffentlich auch Freud.

Deshalb sind die Kernideen der Theorien dennoch tw. genial.

Ebenso mit Adorno/Horkheimer.
Das von Ihnen anlässlich herausgesuchte Kapitel der überaus wertvollen Diagnostik ist sicherlich m.E. ein schwacher Seitenstrang.

Ich hoffe, Sie verteidigen den Hauptstrang, nämlich den der technisierung der Welt mindestens ebenso vehement, wie den Seitenstrang.

Ferner bin ich der Überzeugung, dass A/H heutzutage weniger die Technisiserung als die Ökonomisierung der Welt anprangern würden (ist prinzipiell auch schon herauszulesen). Diese ist einige Stufen heftiger.
Und ich hoffe, dass Sie im Sinne von A./H. dieser Ökonomisierung der Welt ebenso vehemnt entgegentreten wie Sie sich hier echhaufieren.

mit meinen worten

"Er schreibt über De Sades Juliette:
"Juliette [...] verkörpert, psychologisch ausgedrückt, weder unsublimierte noch regredierte libido, sondern intellektuelle Freude an der Regression, amor intellectualis diaboli, die Lust, Zivilisation mit ihren eigenen Waffen zu schlagen.""

und ich sage es mal mit meinen worten: die leute (beiderlei geschlechts) , die bdsm praktizieren finden das einfach nur befriedigend.

@ edgar

Natürlich habe ich mir nicht nur die SM-Theorie rausgepickt. Ich gehe mit vielem von Adorno d'accord, auch mit seiner Kritik gegen die Ökonomisierung.

Für ihn gehörte ja auch die moderne Kulturindustrie und Hollywood zum Verdinglichungsaspekt.

Ich würde nicht alles so sehen, wie Adorno. Aber sehr vieles. Gibt aber auch moderne Theorien, die ähnlich argumentieren.

Ich habe auch nichts gegen konkrete Personen, die SM ausüben, wie mir hier regelmäßig unterstellt wird, ich habe etwas gegen die gesellschaftlichen Konsequenzen des generellen Phänomens, was mit Shades of Grey ja noch mal als hübsche Spielart kulturindustriell aufbereitet und popularisiert wird.

Die gesellschaftlichen Konsequenzen,

wenn alle Leute erkennen, welche sexuellen Neigungen sie wirklich haben und sich bewusst Partner suchen, die die Antwort darstellen; wenn sie ihre verborgenen Wünsche nicht ausleben, indem sie Unbeteiligte malträtieren wie manche Polizisten, Amtsträger, Ärzte und Pfleger, Lehrer, die Sprüche machen wie "Schmerz erhöht das Denkvermögen", übergriffige Therapeuten, Vorgesetzte, die gern ihre Untergebenen erniedrigen, die ganze Palette verschobener Aggressionen, sich an Kindern zu reiben wie Michael Jackson -- alle diese ungeklärten Ansätze können erkannt und vielleicht therapiert werden, wenn BDSM eine anerkannte und nicht mehr diffamierte Spielart von Sex geworden ist. DAS zu den gesellschaftlichen Konsequenzen.

@ 126 . Das sollten Sie aber noch einmal genauer erläutern:

"die gesellschaftlichen Konsequenzen des generellen Phänomens, was mit Shades of Grey ja noch mal als hübsche Spielart kulturindustriell aufbereitet und popularisiert wird."

welche Konsequenzen
welches generelle Phänomen
was meinen Sie mit "kulturindustriell" ?

M.E. sind solcherlei Spielarten wahrschienlich tatsächlich eine Kulturerungenschaft.
Die Wenigsten denken etwas neues. Sondern bereits Gedachtes setzt sich als Denkbares, als Avantgarde und vielleicht als Trendsetting fort.
Das ist der Gang der Kultur (wo Sie so belesen sind: ELIAS).
Ob man einzelne Entwicklungen für negativ oder positiv hält ist eine zweite Frage.

Hingegen ist m.E. die ins Spiel gebrachte Technologisierung oder Ökonomisierung der Welt eben eine Entwicklung, die den Menschen versucht zum Untertan zu machen.
Dies ist der Punkt von H./A.und sollte auch unser Kritikpunkt an der Ökonomisierung der Welt sein.
SM ist dagegen ein "No-Problem".

Urvater im Sinne von Gründervater war De Sade wohl nicht

Ich empfehle Ihnen das Kamasutra zu lesen, dann werden Sie feststellen dass diverse gewalttätig anmutende und auch gewalttätige Praktiken schon vor sehr langer Zeit einen festen Platz im Repertoire der Liebeskunst hatten. Um fündig zu werden sollten Sie sich aber wahrscheinlich um eine ausführliche Ausgabe bemühen, gerade im Internet findet man häufig nur das Kapitel das diverse Stellungen beschreibt.
Eine kurze Beschreibung des diesbezüglichen Inhalts findet sich auch im Wikipedia-Artikel: http://de.wikipedia.org/w...

Beschäftigen Sie sich erstmal mit meinen Argumenten

Bei allem Respekt, aber irgendwoher kenne ich dieses Zusammenwürfeln von Themen: Nazis, Judenverfolgung, Frauenächtung, Kapitalismus mit reiner Nutzung des Humankapitals... Sie zitieren hier wahllos und zusammenhangslos zweifelsohne teils geniale Leute, ohne sich allerdings wirklich einmal sachkundig und objektiv mit dem Thema zu beschäftigen! Erstens hat SM in unserer heutigen Zeit statistisch gesehen keine eindeutige Geschlechter-Rollen-Verteilung. Es ist nicht klar zu sehen, dass Frauen hier direkt 1:1 ihre, sicherlich auch heute noch bei uns nicht selten benachteiligte Position in vielen Alltagsdingen, mit entsprechender Rolle ausleben. SM beansprucht auch nicht den Stand einer Lebensphilosophie, das können dann nur die Paare für sich entscheiden. Also in tabula rasa sehe ich hier jeden Vergleich zum Naziregime als absurdum at hitlerum und nicht weiter diskussionswürdig. Bitte erklären Sie mir einfach mal Ihre Argumentation und zwar so, dass ich diese nicht sofort mit einem Gegenbeispiel widerlegen kann. Wer SM praktiziert, beansprucht doch erstmal gar keine Wahrheiten für sich. Es bedarf keiner metaphysischen Abstraktion, schon gar nicht auf's Politische projeziert. Die Studie will ich sehen, die mir zweifelsfrei politische Strömungen und Ansichten mit dem Sexleben ins bijektive Verhältnis bringt!Ich finde es fast schon eine Frechheit, wie Sie hier kalte Zitate fast wie ein religiöser Fanatiker bringen und behaupten, SM wäre im Grunde genommen eine phil.soz. Fehlannahme.

@ 81 : Bitte um Belege !

"Auch Kant wäre wieder auf meiner Seite."

Nennen Sie nun bitte nicht die Aussage, dass keiner "Objekt eines anderen" sein dürfe.
Dies wäre die Fehlinterpretation Ihrerseits eines einvernehmlichen SM.
Außerdem hat KANT m.E. diese Aussage bezogen auf die Sexualität relativiert - und dazu gibt es meiner Erkenntnis nach lediglich eine Stelle in seiner Rechtsphilosophie.
Ich lasse mich jedoch gerne belehren.

Im Übrigen scheint mir KANT - auf Grund seiner damaligen Zeit - nicht unbedingt Kronzeuge für Sexualität.
Da hat sich doch im vergangenen Jahrhundert einiges weiter entwickelt.

@126 - wieder die II:

Sie schreiben:

"Ich habe auch nichts gegen konkrete Personen, die SM ausüben, wie mir hier regelmäßig unterstellt wird"

Nun, wenn Sie dies schreiben müssen, sollten Sie sich fragen, warum andere Menschen Sie "regelmäßig" falsch interpretieren.
Vielleicht sollten Sie dann mal Ihre Argumentationsweisen, Wortwahl und Duktus etc. überdenken ...

Es kann nicht nur an den vielen Empfängern liegen, falsch zu verstehen.

Fragen...

... sie das die Menschen die mich offenkundig falsch verstehen möchten.

Alleine auf dieser Seite finden sich wieder 2-3, die Adorno nicht wirklich verstehen (es spielt z.B. keine Rolle ob Mann oder Frau); Kant total ohne Bezug auf seine Inhalte auf seine Sexualpräferenzen reduzieren; Komische Legitimationsstrategien des BDSM, die man auch auf Sex mit Tieren und Kindern anwenden könnte, verbreiten (Post 129); darüber hinaus einige Spezialisten, die mir ob meiner Meinung persönlich kommen möchten mit billigen und dazu noch falschen Klischees, da wird dann auch Freud bemüht und mir unterdrückte Sexualität unterstellt, weil keine weiteren inhaltlichen Argumente mehr vorliegen, oder - ja - an der Philosophie muss es ja liegen, da Vergeistigung. Selten so viel inhaltsleeren apologistischen Dünnpfiff auf wenig Raum gelesen.

Muss wohl an der oberflächlichen Szene liegen.

Für mich ist das Thema hier gegessen. Inhaltliche Diskussion nicht möglich.

Ich denke,

dass ich Ihnen und viele andere hier auch sehr viele sachliche Argumente geliefert habe, auf welche kaum oder gar kein Eingehen zu sehen war. Ich habe in nicht einem Satz von Ihnen lesen können, dass Sie zugeben, sich nicht wirklich objektiv mit dem Thema auseinandergesetzt zu haben, was offensichtlich so ist. Ich habe nicht die Absicht, Ihnen irgendwas zu unterstellen, nur den Willen, teils sehr haltlose Behauptungen ihrerseits nicht einfach kommentarlos im Raum stehen zu lassen.Und diese Behauptungen triefen teils von Vorurteilen.Widerlegt ein anderer eins, kommen Sie mit dem nächsten Argument, ohne auf das widerlegte einzugehen. Ich bezweifle nicht, dass Sie die von Ihnen zitierten Autoren gut "verinnerlicht" haben,aber sie verwenden Zitate dieser einfach in nicht passenden Zusammenhängen.Ebenso fehlten besagten Philosophen wichtige Zuarbeiten aus der Neuropsychologie (Schmerzinterpretation,Kinderhirnentwicklung,Entwicklung primärer, sekundärer Geschlechtsmerkmale),Soziologie, Geschichtsanalyse (die 68er...) und in geringerem Maße der Pädagogik, sodass deren Analyse zu ihrer Zeit sicher wissenschftl. und analyt. ok war, jedoch nicht mehr zeitgemäß ist. Ich kann hierbei einfach niemanden ernst nehmen, der mir Kant im Jahre 2012 im Bereich der Sexualität als ernsthafte Referenz vorgaukeln will, bei allem Respekt zur Kritik der reinen Vernunft und anderen Werken. Selbst Freud gilt in der Psychologie, wenn auch als genialer Vordenker, auf vielen Gebieten als massivst überholt.

äpfel und birnen. beides obst, oder nicht?

Argumente auf Sex mit Kindern und Tieren übertragen? wtf?
weder tiere noch kinder können gemäß unseres moralsystems eine konsensuelle erlaubnis geben-tiere kann man nicht fragen, können nicht einwilligen sind keine gleichberechtigten partner die regeln definieren, ansonsten wäre fix schluss mit schlachthof (was ich nicht schlecht finden würde) und Menschen dürfen ja hier nicht ganz grundlos erst ab 14 straffrei sex haben-wobei man da wieder diskutieren kann inwiefern das alterstechnisch aus handelbar ist- reife macht sich ja jetzt nicht am alter fest.

bei Missbrauch(also ihr genanntes) wird jemandem etwas aufgezwungen. wenn 2 erwachsene partner entscheiden dass Partner A geil wird wenn ihm der arsch versohlt wird und partner B das ebenso mag und A dann definiert an welchem Punkt das für sie/ihn ungeil wird und mit B ein safeword abmacht oder eine klare regel bei welchem verhalten er seine aktion einzustellen hat und B sich daran hält dann ist das prima.

ich halte shades of grey für schund-schon alleine weil vieles darin nix mit bdsm zu tun hat, die sub ist stellenweise dumm wie brot udn lässt sich aus vermeindlicher liebe misshandeln (gürtelszene am ende, benutze safeword nicht obwohl er mehrfacht drauf hinwies und sie es ungeil findet aber nichts sagt), der dom stalkt und übertritt permanent grenzen. das ist KEIN bdsm. (sollte jemand, in den ich mich vor kurzem verknallt hätte mich zuhause und am arbeitsplatz stalken wäre absolut finito. dgrey ist n creeper. kein dom

@137 - SOT86: Jetzt bin ich erstaunt ....

hört Ihre Belesenheit jenseits der Philosophie auf ?

Es gibt so etwas wie Kommunikationswissenschaften:
Sender .... und Empfänger.

Das klappt oftmals nicht so ganz (WATZLAWICK war es m.E, der sagte, es ist erstaunlich, dass Kommunikation in den meisten Fällen dennoch erfolgreich ist).

Fakt ist, dass nun sowohl Sender und Empfänger überprüfen sollten.

Mit meiner Anregung, wenn die meisten Empfänger Sie missverstehen, könnten Sie eventuell einmal bei sich schauen, machen Sie es sich ziemlich einfach:

" ... das die Menschen die mich offenkundig falsch verstehen möchten."

Gewalt braucht ihren Ort

Grade in einer Gesellschaft, die sich der Gewaltfreiheit verschreibt, benötigt diese einen eingegrenzten Ort. Gewalt und Aggression gehört zu unserem Verhalten genauso wie Empathie und Fürsorge. Und sie braucht ihre Ort, wo sie geregelt stattfinden kann grade damit sie sich keine willkürlichen ggf andere zutiefst schädigenden Vetile sucht. Ritualisierte Gewalt kann ihren Ort an vielen Stellen finden. Aber wir brauchen sie. Um die Gewalt kontrollieren zu können müssen wir sie in die Gesellschaft hineinholen. Bloßes Ächten ist da kontraproduktiv.

@ 195 Ich glaube,

ich habe Ihr Problem erkannt: Sie mögen nicht zuhören. Sie mögen nicht wahrhaben, wenn Sie sich nicht auskennen. Sie möchten der sein, der Recht hat und belehrt.

Wir diskutieren hier aber ein Thema, welches Ihnen fremd ist. Und etliche Sachkundige haben Ihnen Erlebnisberichte geliefert. Nun müßten Sie eigentlich was dazugelernt haben.

Aber genau das ist Ihnen zuwider. Sie mögen nicht belehrt werden.

Stattdessen ziehen Sie sich wieder und wieder in Ihren akademischen Elfenbeinturm zurück und dozieren von dort aus lebensfremd vor sich hin, werfen Ihren Diskussionspartnern vor, den gesellschaftlichen Ruin zu betreiben und die Werte der Aufklärung zu verraten usw usw. Was für ein lebensferner Fanatismus.

Tja...

... ihre Ignoranz haben sie mit dem Elfenbeintumstatement bereits dargelegt.

Es mag in ihrer Weltsicht kaum vorkommen, aber man kann weise sein und was erlebt haben. Und das hätten sie verstanden, wenn sie das Zitat von Kant aufmerksam gelesen hätten, was sie natürlich nicht haben. Normalerweise ist das sowieso Allgemeinbildung.

Die interessantesten Persönlichkeiten, die ich kenne sind zu beidem fähig, Reflexion und Erfahrungsschatz. Und sie würden staunen, wie reif einige Philosophiestudenten im Vergleich zu gewissen Alltagsgestalten sind.

Subjektive Erfahrungsberichte sind sicherlich nicht das Nonplusultra zur Bewertung von gesellschaftlichen Problemen. Manchmal ist es ganz gut, nicht irgendwo drinzustecken, damit das Urteilsvermögen nicht getrübt wird und der pure und blinde Genuss vor dem rationalen Denken steht.

Aber ihre systematischen Ablenkungsmanöver sind mittlerweile offenbar geworden. Statt inhaltlich auf Argumente einzugehen, lenken sie und ihre Konsorten alles auf die persönliche Ebene um. Das zeigt mir, welch geistes Kind sie sind.

Ich bin froh, dass ich Menschen kenne, mit denen man ordentlich diskutieren kann, weil sie bereit sind, ein Problem zu verstehen. Da wird es dann auch nicht persönlich und beleidigend. Aber diese Fähigkeiten hat nunmal nicht jeder. Ist ja auch für sich eine Kunst.

Aber ich mache ihnen da keinen weiteren Vorwurf, ich muss ja nichts weiter mit ihnen zu tun haben.

schwer

"Statt inhaltlich auf Argumente einzugehen,..."

da machen sie es anderen aber recht schwer. liefern sie einfach argumente und keine zitate; da könnte der eine oder andere auf diese - die argumente - eingehen. sie können jedoch keine argumente haben, weil sie das thema bdsm nicht kennen, sondern es aus einem heiligen zorn heraus unbesehen ablehnen.

"Ich bin froh, dass ich Menschen kenne, mit denen man ordentlich diskutieren kann,..."

und warum tun sie es dann nicht?

@ 200 Kleiner Nachtrag

Es könnte Ihnen im weiteren Diskurs mit Alltagsmenschen wie auch Elfenbeinturmbewohnern nützen: Die höfliche Anrede wird mit großem Anfangsbuchstaben geschrieben, und die Wendung "welch geistes Kind" existiert nicht. Korrekt heißt es "wes Geistes Kind", wobei "wes" ein archaischer Genitiv ist. Gell, so versteht man's auch!

Sind Sie überhaupt Student? Oder wären Sie's nur gerne? Die Zitate, die Sie vorlegen, sind doch Folklore und belegen kein Fachwissen.

@S0T86

Aggression ist nun mal Teil der menschlichen Natur.
Sie gegenseitig an die Gurgel zu gehen ist zwar nicht dekadent, aber deswegen auch nicht optimal.
Das ist es doch schön, dass wir in der ersten Welt unsere Steinzeittrieben sublimieren und auf ungefährlich, spielerische Weise ausleben können.
Besser dekadente SM Spielchen als gottesfürchtige Hexenverbrennung.
Und ob Sie es glauben oder nicht, auch SM kann zärtlich sein.
Schließlich verprügelt man den Partner nicht, sonder ist bemüht ihm die grösstmögliche Lust zu bereiten.
Das führt unter Umständen zu weit gewaltloseren Verhältnissen als eine unbefriedigende Beziehung, in der der Frust dann auf indirekte, subtile Weise abreagiert wird.

Die Pedanterie und BDSM

Genau genommen ist beides falsch. "Wes Geistes Kind", müsste eigentlich "Wes' Geistes Kind" heißen, was wiederum "Wessen Geistes Kind" heißt. Sie haben also mindestens ein Satzzeichen vergessen. So viel zu Pedanterie, die mich zu einem weiteren Aspekt bringt, weil sie sich hier so oft auf der formalen Ebene gezeigt hat.

Diese Gier festzustellen, dass Adorno nur über Frauen geschrieben hat, aber nicht über Männer (was im Inhalt nichts ändert) und dass Anreden (in Briefen) groß geschrieben werden, bestätigt meine Vermutungen über den Geisteszustand einiger BDSM-Funktionäre: es sind von Formalien besessene Menschen, die größtenteils (Ausnahmen inbegriffen) wunderbar mit Peitschen und Lack-und-Leder und Codewörtern umzugehen wissen, aber nicht den Unterschied zwischen Humanismus und Misshandlungen von Menschen kennen.

Was ich studiere ist auch deshalb vollkommen irrelevant. Es trägt zum Inhalt der Argumentation nichts bei. Ich werde nicht noch einmal den Fehler begehen, ihnen Futter für ihre Formalienrumreiterei zu geben, ihren pedantischen Fetisch.

Es sei ihnen aber gesagt, bei ihrer gierigen Kritik an der Philosophie, wie viele Menschen aus ihrer Szene Nietzsche zur "Legitimation" (auch hier) herbeiholen, ohne seine Aussagen im Kontext zu kennen. Und da darf es auch legitim sein, Adorno herbeizuziehen, der Nietzsche kritisch auseinandergenommen hat.

Richtig: Jedem das Seine - und zwar ohne Zeigefinger

Obsolet ist einzig und allein das Herumpsychologisieren an Menschen, die eine von der "naturgemäßen" oder "normalen" Sexualität abweichende Vorlieben haben, die Suche nach möglichen Ursachen in Kindheit oder Alltag und die Utopie, ohne belastende Erlebnisse (die es übrigens ebenfalls immer geben wird) werde dies als Phänomen schon verschwinden.
Möglicherweise bietet eine solche Neigung dem Einen oder Anderen eine gute Möglichkeit, mit voraufgegangenen Traumata und einem unbefriedigenden Alltag umzugehen, wahrscheinlich aber hat sie bei Vielen aber auch gar nichts damit zu tun.
Es gibt Dinge, die sind einfach Geschmacksfrage, und de gustibus bekanntlich non est disputandum. Hoffnungen auf eine Gesellschaft, in der es Vorlieben, die von der "Norm" abweichen, aber keinem Außenstehenden schaden, einfach nicht mehr gibt, haben etwas Totalitäres, etwas "Brave New World"-mäßiges. Das ist keine Utopie im positiven Sinne, sondern eine Dystopie.

Was BDSM ist und was es nicht ist

Ich habe es nie nachvollziehen können.

Müssen Sie auch nicht. Ich kann auch nicht nachvollziehen, wenn Menschen die goldene Hitparade der Volksmusik rauf unt runter hören, aber ich respektiere es.

Es kann mir egal sein, solange sie sich nicht totprügeln,...

Ich bitte darum, und bin sicherlich nicht allein damit.

...aber für normal halte ich das Ganze nicht. Eher für recht dekadent und für eine Spielweise entstanden aus der überreizten Gesellschaft.

Das ist nicht nur eine Negativwertung, aus der nicht gerade Respekt spricht, sondern auch Unsinn. Es gab immer schon Menschen, die Spiele von Macht und Unterwerfung als besonders reiz- und lustvoll angesehen haben, ohne das freilich zuzugeben - oder ohne sich überhaupt dessen bewusst zu sein (jedenfalls dann, wenn sie als Männer dominant oder als Frauen devot waren, denn diese Rollenverteilung galt als normal).
Als normal galt übrigens auch lange, dass sich eine verheiratete Frau ihrem Mann auch dann hinzugeben hatte, wenn Sie absolut keine Lust hatte, und sie hatte nach einem Urteil von 1966 (!) sogar so zu tun, als hätte sie welche. Die Frau als kostenlose Privathure ihres Mannes - das nenne ich dekadent.
Da wurden die herrschenden Machtverhältnisse in die Beziehung hineingetragen und Menschen (nämlich Frauen) partiell verdinglicht.
BDSM hat nichts damit zu tun, sondern beruht auf Konsens, ggf. wider den äußeren Schein. Bei der "Spießerehe" ist es umgekehrt.

BDSM is not rape

Wenn Menschen Verantwortung, Selbstkenntnis und gegenseitigen Respekt erst durch ein gewaltsames "Spiel" lernen, kann ja irgendwas nicht stimmen.

Das ist ja auch Quatsch. BDSM; setzt Verantwortung, Selbstkenntnis uned gegenseitigen Respekt voraus. Es ist fast noch wichtiger, dass der Top bzw. Dom den Bottom bzw. Sub respektiert als umgekehrt. Unbedingte Vertrauenswürdigkeit seitens des Dom gegenüber dem Sub ist unabdingbar. Anderenfalls hätte das eben nicht mit BDSM zu tun, sondern liefe auf Folter oder Vergewaltigung hinaus. Ebenso wichtig ist und unbedingtes Vertrauen des Sub in den Dom, weil Ersterer sonst Angst hat und sich eben nicht fallen lassen kann.

Ich bin eigentlich ein toleranter Mensch, aber Gewalt und Beziehung ist für mich ein Paradoxon. Insofern meine ich das mit der Spaltung schon ernst.

Ich halte das aus o.g. Gründen für unbegründet. Es mag ein Paradoxon sein, aber als Paradoxon bezeichnet man auch einen Scheinwiderspruch, s. auch Zenons Paradoxa oder das Zwillingsparadoxon der Speziellen Relativitätstheorie.

Die Präferenz für ein Geschlecht ist noch immer etwas Anderes, als die Präferenz für Zärtlichkeit oder Gewalt.

Dominanz schließt Zärtlichkeit keinesfalls aus, und Gewalt ist m.E. der Form nach Bestandteil von BDSM, nicht jedoch dem Inhalt nach wie bei sexueller Nötigung, wie sie auch in "ganz normalen" Beziehungen und Ehen vorkommt und bis 1997 in Deutschland legal war.

Das Dilemma ist wohl

Ich denke mal, dass das Hauptdilemma darin besteht, dass ein Vergewaltiger seine Vergewaltigung damit rechtfertigen kann, dass es sich um einvernehmlichen SM-Sex gehandelt hätte.

Ich habe auch schon Kommentare gelesen in die Richtung: es stand in der ZEIT, dass Frauen Vergewaltigungsfantasien hätten und von Gewalt in Sex träumen, also geben die Männern mit Vergewaltigung nur Frauen, was sie heimlich wollen, sich aber von sich aus nicht trauen.

Und das andere Dilemma ist wohl, dass es auch bei von beiden Seiten SM-Sex passieren kann, dass dass eine Seite im Laufe irgendwas doch zuviel findet und aufhören will, und der Partner merkt das zu spät - das ist zwar nur ein Missverständnis, denn der Partner hat ja das Stopp-Zeichen nicht absichtlich übesehen, solche Grenzverletzung kann aber ggf. trotzdem Spuren hinterlassen. Da muss wohl das gegenseitige Vertrauen da sein, dass man auch solche evtl. auftretende Missverständnisse unter sich klären kann (und dass es z.B. nicht direkt zu einer Vergewaltigungsanzeige kommt).

eher nicht

"Ich denke mal, dass das Hauptdilemma darin besteht, dass ein Vergewaltiger seine Vergewaltigung damit rechtfertigen kann, dass es sich um einvernehmlichen SM-Sex gehandelt hätte"

Kann er in der Praxis nicht. Er müsste die Einvernehmlichkeit explizit beweisen. Z.B. anhand von Mails oder Briefen, in denen sich die Frau zu einem "Vergewaltigungsrollenspiel" einverstanden erklärt. Im Extrembereich der BDSM-Szene gibt es das tatsächlich, so genannte Rape-Spiele, in der Szene selbst sehr umstritten.
Ja, manche Frauen haben "Vergewaltigungs"-Fantasien. Manche Männer übrigens auch, nur, dass das noch mehr tabuisiert ist als bei Frauen.
Nicht unüblich - wenn auch nicht gängige Praxis - ist in der SM-Szene, sich mit Verträgen abzusichern. Denn viele SM-Praktiken erfüllen ganz einfach den objektiven Tatbestand der Körperverletzung und werden juristisch nicht geahndet aufgrund der Einvernehmlichkeit und Einwilligung darin. Analog zu einem Chirurgen, der auch immer Körperverletzung begeht.
Die unsachgemäße Ausführung oder fehlende Einwilligung des Patienten macht sein Handeln zu strafrechtlich relevanter Körperverletzung.
Solche SM-Verträge haben juristisch allerdings auch nur sehr eingeschränkte Bedeutung, da sie vor Gericht in der Regel als "sittenwidrig" und damit "null und nichtig" bewertet werden.

Rechtssicherheit wäre gut

Entsprechende Urteile würden mich interssieren.

Bei normalem Sex muss die Staatanwaltschaft beweisen, dass der Sex unfreiwillig war.

Eine sehr vereinfachte Darstellung eines Grenzfalls:

http://www.derwesten.de/s...

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Die unsachgemäße Ausführung oder fehlende Einwilligung des Patienten macht sein Handeln zu strafrechtlich relevanter Körperverletzung.
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Das schon. Allerdings geht es dann um Körperverletzung (welche man auch fahrlässig begehen kann) und keine Vergewaltigung (welche man nicht fahrlässig begehen kann).

Eines schickt sich nicht für alle!

Es ist wie mit dem Schwulsein: Man kann es denen, die so veranlagt sind, nicht verbieten, ohne dass sie leiden. Und man kann die, die nicht so veranlagt sind, nicht dazu zwingen.
Ganz genau so BDSM: Es haben nicht alle das Talent! Und Schmerz in Lust zu verwandeln ist ein Talent, das nicht jeder hat. Die Märtyrer der christlichen Tradition zeigen zum Teil, wie man aus Leiden Endorphin brennt. Wer dazu nicht die Neigung hat, sollte die Finger davon lassen.
Ich fand die Leseprobe von "Shades of Grey" extrem langweilig. Seit 1989 gibt es in den SCHLAGZEILEN bessere Geschichten und intelligente Reflexionen über die Subkultur noch dazu. Es ist eine eigene Welt, an der irgendwann jeder abperlt, der es nicht in sich hat. Und das ist gut so.

Lustig....

aber andererseits wird EXPLIZIT im Artikel angesprochen, dass die Chance, damit beim Partner eine offene Tür einzurennen, so um 50:50 stehen dürfte. Durch aufmerksames Lesen hätte man also erfahren können, dass Sie völlig normal sind, aber eben nur zu der einen Hälfte der Menschheit gehören.

Wie ich darüber denke, das steht natürlich auf einem anderen Blatt. Ich wollte nur anmerken: Lesen bildet. Ansonsten, wie schon in der Überschrft angedeutet: lustiger Kommentar

aussagekräftige Überschrift

Erwachsene Menschen sollen miteinander tun, was immer sie für richtig halten solange alle Beteiligten es freiwillig tun. Und BDSM ist im Jahr 2012 für halbwegs aufgeklärte Menschen (auch ohne persönliches Interesse daran) nun wirklich kein Skandal mehr oder irgendwie wahnsinnig exotisch (auch wenn der Kommentator in der #2 sich darüber offenbar lustig machen muss aber solche Leute wird es immer geben).

Allerdings frage ich mich, ob sich die ZEIT dem Thema wirklich auf diese Weise widmen muss. Ein Interview wie aus einer dieser schlimmen Frauenzeitschriften und natürlich heißt die Erika Berger des Bürgertums auch wieder "Coach" - denn neben einem solchen für Karriere & Berufsleben (Hallo her Wehrle) braucht der moderne Mensch auch zum erfüllten Sex erstmal professionelle "Guidance" vom "Lifecoach". Nix gegen BDSM für den der's mag und das gleiche gilt für entsprechende Aufklärung aber bitte nicht in dieser wahnsinnig coolen Managementsprache und schon gar nicht aus Anlass eines verklemmt-spießigen Schundbuchs.

@ 3 Einspruch

Was heißt hier "verklemmt-spießiges Schundbuch"? Wenn Sie sich über die flache Zeichnung der Wunschwelt oder die ausdrucksarme Sprache mokieren wollten, könnte ich Ihnen ja folgen. Aber verklemmt und spießig ist es sicher nicht - die Sexszenen sind überraschend, sinnlich, ansprechend. Und die Beobachtung der Seelenzustände ist so spannend wie überzeugend. Daher der Erfolg! Ohne diese Stärken wäre das Buch ein 0815-Langweiler aus der Pilcher-Schublade. Auch mir hat das Schundbuch deutlich mehr Spaß gemacht als [setzen Sie einen beliebigen Titel Ihres Geschmacks ein].

oberfläche....

Hmm...

Insgesamt belibt das Gespräch doch sehr oberflächlich. BDSM ist also ein bissel Fesseln. Ein klein wenig Kontrolle abgeben. So für ne Stunde oder so. Das tut dann auch gut.
Das S steht im übrigen für Sadismus. Als für das Lustempfinden am Quälen von anderen Menschen. Wird man eigentlich als Sadist geboren? Oder welche Entwicklung lässte einen zum Sadisten werden, und kann man das wirklich glaubwürdig "spielen", oder geht das nicht etwas tiefer in die Persönlichkeitsstruktur ein? Oder wie sieht es mit dem M aus, den Masochisten? Warum "genießen" offensichtlich so viele Menschen Bestrafung und Demütigung? Was sagt dies über eine Gesellschaft aus, in der dies entstehen kann?

Vielleicht sollte man dies mal thematisieren, und nicht so mittelschichtsmäßig darüber hinweghuschen!

Seh ich genauso!

Musste auch bei der Frage schmunzeln:
"Geht es bei dieser Art von Sex neben dem Lustschmerz nicht vor allem darum, Machtpositionen neu zu verhandeln?"

Ähm, meiner unmaßgeblichen Meinung nach nicht (zumindest nicht automatisch)! Es geht einfach darum, dass es manche Leute wahnsinnig erregt. So, wie andere eben auf Satinbettwäsche stehen, ohne dass sich darin kryptofrancophile Gesellschaftstendenzen offenbaren. ;)

so isses

Was haben eigentlich so viele Leute davon, anderen, wenn sie Vorlieben haben, die nicht den eigenen entsprechen, vor zu werfen, sie seien dekadent oder gar krank?

Ich glaube, das, worauf man steht ist zu einem erheblichen Teil angeboren - genauso wie man es sich nicht aussucht, ob man schwul oder hetero ist. Wir sollten endlich aufhören, uns selbst oder noch schlimmer anderen, das zum Vorwurf zu machen. So lang alles im gegenseitigen Einverständnis passiert, sehe ich kein Problem.