Leserin happyrobot ist über dreißig und Jungfrau. Eigentlich stört es sie nicht. Doch manchmal fragt sie sich, ob sie ein anderer Mensch wäre, wenn sie Sex hätte.
Ich hatte noch nie Sex. Das wäre nicht weiter ungewöhnlich, wenn ich zwischen 13 und 23 wäre. Bin ich aber nicht. Ich bin 33 Jahre alt. Nur ein Mensch weiß davon – naja, und jetzt wohl auch noch Sie. Ein gut gehütetes Geheimnis also.
Ob man es mir ansieht? Ich glaube nicht. Wie es dazu kam? Das ist eine gute Frage.
Auch wenn ich häufig darüber nachdenke, kann ich keine genaue Antwort darauf geben. Vielleicht ist es das Gemisch aus einer unemotionalen, nahezu körperlosen Familie, aus einer Reihe verpasster Gelegenheiten in der Pubertät und aus der Tatsache, dass ich heute ein Mensch bin, der kein Interesse an sexueller Interaktion hat.
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© BeneA / photocase.com
Ich bin mir nicht einmal sicher, ob es mich stört. Trotzdem denke ich in regelmäßigen Abständen darüber nach. Es ist nicht leicht, sich in dieser Welt ohne sexuelle Erfahrungen normal zu fühlen. Dazu ist Sex ein zu großes und allgegenwärtiges Thema.
Das Fernsehen verspricht sogar Erlösung für solche wie mich. Anscheinend haben sie die Dicken, die Verschuldeten und die Bauern durch. Jetzt werden die Jungfrauen auf den rechten Weg geleitet. Derzeit sucht eine Fernsehredaktion männliche und weibliche Jungfrauen für ein neues Reality-Format. Man kann sich am Ende live entjungfern lassen. Das ist doch mal was.
Aber will ich an meiner Situation überhaupt etwas ändern? Das ist eine verdammt schwierige Frage. Die Gewohnheit macht ein Leben ohne Sex normal für mich. Das zu ändern erscheint schwieriger, als es so zu belassen.
Eine Freundin, die bemerkte, dass ich schon lange keine Beziehung habe, hat mich mal gefragt, was das mit einem macht, wenn man nie berührt wird über einen so langen Zeitraum hinweg. Eine ziemlich gemeine Frage. Es war ein Tritt in die Magengrube.
Ich weiß darauf ehrlich gesagt keine Antwort. Ich weiß nicht, was für ein Mensch ich wäre, wenn ich körperliche Berührungen als normal empfinden würde und eine solche Nähe zu einem anderen Menschen zulassen könnte. Ich weiß nicht, wie das ist und was dann möglich wäre.
Macht das was mit einem?
Der Artikel wurde unter Pseudonym verfasst. Der Name der Autorin ist der Redaktion bekannt.
- Datum 15.10.2012 - 15:16 Uhr
- Quelle Leserartikel
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aber bei über 7 Milliarden Menschen kann es nicht von Übel sein, auf Sex zuverzichten.
"Vielleicht ist es das Gemisch aus einer unemotionalen, nahezu körperlosen Familie, aus einer Reihe verpasster Gelegenheiten in der Pubertät und aus der Tatsache, dass ich heute ein Mensch bin, der kein Interesse an sexueller Interaktion hat."
Naja, solange es nicht ständig in der Leiste zwickt und zwackt, kann mann und frau auch ohne Sex zufrieden sein, aber wenn man nicht weiss, worauf man verzichtet, käme es ja mal auf einen Versuch an. Aufhören kann man immer, wenns keinen Spaß macht.
Ich würde das ganze locker sehen, wenn Ihnen mal danach ist, ok und wenn nicht, dann auch. Hautpsache Ihr Leben ist erfüllt und Sie fühlen sich gut dabei. Der Rest ist absolut banal und unwichtig!
Ich glaube, wenn man erst einmal in der Situation ist, ist es ziemlich nebensächlich, ob man es ändern möchte. Erst einmal muss sich überhaupt jemand finden, der damit umgehen kann - und das ist nach meiner Erfahrung die größte Schwierigkeit.
Ich bin auch 33 u. hatte noch nie eine Beziehung (geschweige denn Sex). Aber man kann noch so einen großen Freundeskreis haben, soviel unterwegs sein, oder eine dem Alter entsprechende Lebenserfahrung haben - wenn man keinerlei Erfahrung hat was das Zwischenmenschliche zwischen Mann u. Frau angeht, hat man so gut wie keine Chance jemanden für sich zu gewinnen. Sie wird einfach von anderen erwartet und kann nicht vorgetäuscht werden. Somit ist das ein klassisches Henne-Ei-Problem, dem man nur sehr schwer entrinnen kann.
Ich glaube, wenn man erst einmal in der Situation ist, ist es ziemlich nebensächlich, ob man es ändern möchte. Erst einmal muss sich überhaupt jemand finden, der damit umgehen kann - und das ist nach meiner Erfahrung die größte Schwierigkeit.
Ich bin auch 33 u. hatte noch nie eine Beziehung (geschweige denn Sex). Aber man kann noch so einen großen Freundeskreis haben, soviel unterwegs sein, oder eine dem Alter entsprechende Lebenserfahrung haben - wenn man keinerlei Erfahrung hat was das Zwischenmenschliche zwischen Mann u. Frau angeht, hat man so gut wie keine Chance jemanden für sich zu gewinnen. Sie wird einfach von anderen erwartet und kann nicht vorgetäuscht werden. Somit ist das ein klassisches Henne-Ei-Problem, dem man nur sehr schwer entrinnen kann.
Insofern ist das Leben ohne Sex, wahrscheinlich einfacher, wenn man nie welchen hatte.
...wenn es Ihnen nichts ausmacht bzw Sie nichts vermissen, passt doch eh alles.
Über Sex wird sowieso viel mehr geredet, gezeigt, gesehen, etc. als er tatsächlich stattfindet (sonst müsste man ja nicht darüber lesen, zeigen, sehen etc.:-) )
Was mich zunächst interessiert, ist, ob Sie nun garkeine Zärtlichkeiten, garkeine körperliche Nähe erleben, oder nur keine sexuell aufgeladene? Das ergäbe nämlich wieder zwei verschiedene Themenbereiche. Denn man kann ja durchaus körperliche Nähe, Zärtlichkeiten, auch völlig ohne jede sexuelle Begierde haben! Streicheln Sie niemals etwas Lebendiges oder nehmen es in den Arm? Oder werden von irgendjemandem mal übers Haar gestreichelt oder auf die Stirn oder Wange geküsst? Ich z.B. streichle auch völlig fremden Menschen mal über den Oberarm, wenn ich Mitleid empfinde und ein bisschen trösten will! Sowas meine ich auch damit. sind sie allergisch gegen jegliche körperliche Berührung?
in diesem Artikel zu erläutern, was der Grund für die Sexlosigkeit ist. So viel Platz wäre doch gewesen.
Der Grund ist wohl die ausgefallene sexuelle Orientierung der Autorin. Sie ist weder hetero- noch homo- sondern asexuell. Dafür muss sie keinen Grund angeben. Das ist sicher genauso normal und gesund wie die anderen Varianten, wenn ich auch zugeben muss, dass es mir so noch nicht begegnet ist.
Schade, dass es zu einem Coming Out nicht ganz gereicht hat, das ist aber sehr gut nachzuvollziehen.
"Leider ist es nicht gelungen in diesem Artikel zu erläutern, was der Grund für die Sexlosigkeit ist. So viel Platz wäre doch gewesen."
@ Ingor,
vielleicht weiß sie es ja selber nicht so richtig oder die Gründe sind so vielschichtig, das der Platz doch nicht ausreicht. Ich bin 33 und hatte ebenfalls noch nie Sex. Lange habe ich mich gefragt, was mit mir einfach nicht stimmt, warum alle Flirtversuche ins Leere liefen, warum mich Frauen einfach nicht als Mann wahrnehmen und ich auch selbst so selten aktiv werde, oft einfach ganz allgemein kein Interesse an anderen Menschen habe.
Vor Jahren fand ich im Internet ein Forum für Menschen mit gleichen Problemen (http://forum.abtreff.de/) und war da einige Jahre aktiv. Die Gründe schienen bei uns allen vielfältig zu sein und kaum jemand hatte wirklich eine Erklärung. Die große Gemeinsamkeit ist höchstens das geringe Selbstwertgefühl und überdurchschnittlich viele von uns wurden früher gemobbt, was auch auf mich alles zutrifft.
Sollte sich hier übrigens jemand für den AB-Treff (Das steht übrigens für absolute Beginner) interessieren, da selbst unerfahren, rate ich zur Vorsicht! Als ich dort vor Jahren aktiv war, wimmelte es da nur so von Trollen.
Der Grund ist wohl die ausgefallene sexuelle Orientierung der Autorin. Sie ist weder hetero- noch homo- sondern asexuell. Dafür muss sie keinen Grund angeben. Das ist sicher genauso normal und gesund wie die anderen Varianten, wenn ich auch zugeben muss, dass es mir so noch nicht begegnet ist.
Schade, dass es zu einem Coming Out nicht ganz gereicht hat, das ist aber sehr gut nachzuvollziehen.
"Leider ist es nicht gelungen in diesem Artikel zu erläutern, was der Grund für die Sexlosigkeit ist. So viel Platz wäre doch gewesen."
@ Ingor,
vielleicht weiß sie es ja selber nicht so richtig oder die Gründe sind so vielschichtig, das der Platz doch nicht ausreicht. Ich bin 33 und hatte ebenfalls noch nie Sex. Lange habe ich mich gefragt, was mit mir einfach nicht stimmt, warum alle Flirtversuche ins Leere liefen, warum mich Frauen einfach nicht als Mann wahrnehmen und ich auch selbst so selten aktiv werde, oft einfach ganz allgemein kein Interesse an anderen Menschen habe.
Vor Jahren fand ich im Internet ein Forum für Menschen mit gleichen Problemen (http://forum.abtreff.de/) und war da einige Jahre aktiv. Die Gründe schienen bei uns allen vielfältig zu sein und kaum jemand hatte wirklich eine Erklärung. Die große Gemeinsamkeit ist höchstens das geringe Selbstwertgefühl und überdurchschnittlich viele von uns wurden früher gemobbt, was auch auf mich alles zutrifft.
Sollte sich hier übrigens jemand für den AB-Treff (Das steht übrigens für absolute Beginner) interessieren, da selbst unerfahren, rate ich zur Vorsicht! Als ich dort vor Jahren aktiv war, wimmelte es da nur so von Trollen.
Ich würde meschugge werden.
Letztlich ist es aber doch so, wenn Sie kein Bedürfnis danach haben, ist es doch für Sie OK. Wer kann schon sagen, was richtig und was falsch ist? Nur, weil Meisterköche meinen, ein Steak müsse zartrosa sein, nur dann verdient es einen Stern, muss mir zartrosa noch lange nicht schmecken.
Ich denke, der Trieb ist angeboren, unabhängig davon, ob man Sex schon mal hatte oder nicht. Nicht umsonst fängt man ab einem gewissen Alter an, an sich rumzuspielen und will irgendwann auch an anderen rumspielen. Und vielleicht fehlt Ihnen dieser Trieb einfach. Es gibt Asexualität, vielleicht sind Sie asexuell.
Ich bin 21, absoluter Durchschnitt und somit von der Sorte Mensch, an die nach dem Tod noch 40 Jahre ein Grabstein erinnert bevor er weggemacht wird um für neue Tote Platz zu schaffen. Und Jungfrau bin ich auch, die Hälfte meines Freundeskreises ebenfalls, teils ein wenig älter, teils ein wenig jünger. Ich weiß nur, dass Jungfräulichkeit von andern zu einem Problem gemacht werden kann. Zum Beispiel Medien, die einem Predigen: Ein echter Mann ist, wer möglichst viele Frauen gevögelt hat. Dann denke ich an meine Pubertät und frage mich ob ich was verpasst habe? Oder nervende Fragen bei Familientreffen wie: Hast du jetzt schon eine Freundin gehabt? Oder wie? Ich hätte schon gern eine Freundin, aber es ist halt wie es ist. Und ich warte und harre der Dinge. Das einzige, das ich weiß ist, dass nichts Muss.
Ohne ein Experte auf dem Gebiet zu sein und ohne Sie persönlich zu kennen, ist es wahrscheinlich unangebracht, mit Ratschlägen zu protzen, nur weil ich tatsächlich schonmal Sex hatte. Mich würde interessieren, ob sie schon einmal einem fachkundigen Psychologen dieselbe Frage gestellt haben, ob das was mit einem macht und wenn ja, was. Soweit ich mich noch an einen Schulkurs erinnern kann, ist Sex durchaus in der maslowschen Bedürfnispyramide zu finden, wenn auch ganz unten. Etwas höher dürfte man wohl, da sie unter anderem ein Gefühl der Geborgenheit zu erzeugen vermag, die allgemeine körperliche Intimität einordnen, der Sie, wenn ich Sie richtig verstanden habe, ja ebenfalls weitgehend entsagen. Ich denke, dass, salopp gesagt, Menschen ganz unterschiedlich ticken. Es ist für mich schwer greifbar, wie einer sich nach körperlicher Zuwending nicht sehnen kann. Ich vermute aber, wer sich aber nicht nach ihr seht, dem fehlt sie auch nicht. So fad das jetzt klingt, ich würde Ihnen trotzdem zum Versuch raten. Ich glaube, Sie werden damit manchmal glücklicher sein als Sie es jetzt sind. Und manchmal wird es Sie unglücklicher machen. Mit derselben Begründung würde der Dalai Lama Ihnen wohl von dem Versuch abraten. Vielleicht liegt in Ihrem Lebenswandel viel Weisheit. Ich persönlich lass es lieber mal krachen, ins Nirwana kommen wir alle früh genug.
Vielleicht sollten Sie sich etwas genauer mit der Bedürfnispyramide auseinandersetzen. Gemäß Maslow bauen nämlich die verschiedenen Stufen aufeinander auf, d. h. ganz unten finden sich Grundbedürfnisse. Und da es Menschen, wie z.B. die Autorin gibt, die Bedürfnisse der höheren Ebenen befriedigen ohne sich erst um die niederen Bedürfnisse zu kümmern, kann man die Bedürfnispyramide als empirisch widerlegt betrachten.
Vielleicht sollten Sie sich etwas genauer mit der Bedürfnispyramide auseinandersetzen. Gemäß Maslow bauen nämlich die verschiedenen Stufen aufeinander auf, d. h. ganz unten finden sich Grundbedürfnisse. Und da es Menschen, wie z.B. die Autorin gibt, die Bedürfnisse der höheren Ebenen befriedigen ohne sich erst um die niederen Bedürfnisse zu kümmern, kann man die Bedürfnispyramide als empirisch widerlegt betrachten.