Leserartikel

Kein Sex bis 39Mit dem kann doch was nicht stimmen

Zu schüchtern, um Frauen anzusprechen, blieb Leser Mike-Uwe Bauer auch als Erwachsener noch lange Jungfrau. Seine Unerfahrenheit wurde ihm als Schwäche ausgelegt. von Mike-Uwe Bauer*

Neulich las ich den Leserartikel einer Frau, die mit 33 Jahren noch nie Sex hatte. Das erinnerte mich an meine eigene Geschichte.

Als Teenager war ich schüchtern und verschlossen. Nach und nach sammelten meine Freunde ersten Erfahrungen mit Frauen, nur ich blieb allein. Während meiner Ausbildung fiel es mir endlich etwas leichter, auf Kollegen und Mitschüler zuzugehen, sogar mit Frauen hatte ich Kontakt. Aber sie alle hatten bereits einen festen Freund.

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Mit 23 Jahren lag ich im Bett meiner Studentenbude und weinte heimlich. Ich fühlte mich wie der einzige Mensch, dem es niemals gelingen würde, seine Hemmungen zu überwinden, eine Freundin zu finden und Sex zu haben.

Mit 28 begann mein Berufsleben, ich zog endgültig von zu Hause aus. Durch Arbeit und Reisen wurde ich immer offener. Doch auch im Urlaub klappte es nicht mit den Frauen. Ich wurde immer verzweifelter und phantasieloser. Schließlich griff ich zum Telefonhörer und wählte 0190er-Nummern – mit erheblichen finanziellen Folgen.

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Ich versuchte über Zeitungsanzeigen und im Internet mein Glück zu finden. Gelegentlich hatte ich ein Date. Die meisten endeten mit dem obligatorischen "Wir telefonieren mal." Besonders schwierig wurden Dates, wenn eine Frau nach meiner letzten Beziehung fragte. Ich wich aus, aber die meisten bohrten neugierig weiter. Auf meine ehrliche Antwort reagierten alle gleich: Erst erntete ich hämische Bemerkungen, dann meldeten sich die Frauen nie wieder. Sie dachten sich wohl: "Ein Mann mit 35, der noch nie eine Freundin hatte – mit dem kann doch was nicht stimmen!"

Eines Tages bekam ich über eine Online-Dating-Plattform eine Nachricht, in der mir mitgeteilt wurde, dass Frauen aus Südamerika Interesse an mir hätten. Der Preis für eine Vermittlung war wahnsinnig hoch. Ohne zu überlegen, willigte ich trotzdem ein. Ich begann einen regen E-Mail-Kontakt und bald schrieb mir eine Frau, sie wolle mich in Deutschland besuchen.

Die Sprachprobleme machten es in den ersten Tagen nicht einfach, wir schliefen in getrennten Schlafzimmern. Auch sie fragte nach meinen letzten Beziehungen, wieder versuchte ich nervös auszuweichen. Mithilfe des Wörterbuches fragte sie so lange weiter, bis die Wahrheit herauskam. Doch zum ersten Mal erntete ich weder Unverständnis noch Häme.

Wir verliebten uns. Im Alter von 39 Jahren unterrichtete mich meine erste Freundin und heutige Ehefrau geduldig und mit großer Freude in Zärtlichkeit und Sexualität. Ich wurde ein neuer Mensch. Aus einem verbitterten Mann machte sie einen glücklichen.

*Dieser Artikel wurde unter einem Pseudonym veröffentlicht. Der volle Name des Autors ist der Redaktion bekannt.

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Leserkommentare
  1. "ausserdem giebt es da noch eine seltsame form des schlechten gewissens die sich meist in ablehnung äussert:
    denn im gegensatz zum autor hatten die meisten ihre prägende jugendliebe, die die einen(oder eine) in wirklichkeit nie mehr losläst, weil man in dieser beziehung all das lernte wie es sein sollte; aber diese rolle für ihn spielen?
    da kommt ein gefühl von verrat zu einem gefühl ungleicher machtverteilung zu einem gefühl eine riesen verantwortung zu übernehmen ohne zu wissen ob man das eigentlich will zu der angst das die heftige prägung die die erste liebe bedeuted einem einen stalker bescheert"

    also dieser Teil ist eher gemein als irgendwas anderes. Hier machen Sie Annahmen über den/die andere, die Sie aus Ihrer Erfahrung im jugendlichen Alter geholt haben.
    Anstatt - und das ist der wichtigere Teil - die Person für das zu nehmen was er/sie ist. Mit solch einer Voraussetzung ist eine Beziehung so oder so nicht möglich. Das liegt dann aber eher an Ihnen und nicht an der Person vor der Sie "Angst" haben.
    Ich hoffe für Sie, dass Sie in Ihren Beziehungen Ihrem/Ihrer Partnerin mehr Freiheiten lassen...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • 2b
    • 09. November 2012 15:54 Uhr

    würde dich schon wollen so wie du bist,
    nur müsstest du dich dann halt ein wenig ändern ...

    Grüße Euch, Ihr Emanzipierten und gereiften Toleranten ;)

  2. "Außerdem ist es so, dass Männer dann auf Frauen "fliegen", wenn diese (unabhängig davon, ob sie die Pille nimmt oder nicht) ihren Eisprung hat..."

    Das sind halt Männer, die (hormongesteuert) potentiell alles mitnehmen, was sich ihnen bietet!

    Nach dem, was ich bisher darüber gehört und gelesen habe, können nur die Frauen erschnuppern, ob sich ein Partner genetisch eignet oder nicht.
    Und es reicht ja auch, wenn eine(r) von beiden es kann.

    Ansonsten sollte man nicht argumentieren: "Das habe ich ja noch nie gehört, also kann es nicht stimmen.", denn irgendwann ist immer das erste Mal.
    (Oh weh, schon wieder ein erstes Mal!)

    Antwort auf "Hormone und Eisprung"
  3. 59. Gedanke

    @Psy03
    Warum ist es im Winter unhygienisch im Minirock rumzulaufen aber im Sommer nicht?
    Im Winter überleben die Bakterien doch wesentlich schlechter, da sie nun mal auf Temperaturen um die 37°C stehen.
    Und dass sich diese Frau im Minirock ne schmerzhafte Blasenentzündung holten kann, ist doch dann ihr Problem. Sie ist alt genug um zu wissen was sie tut.
    Was mich noch wundert. Es scheint sie geradezu anzuekeln, wenn sie eine Frau im Minirock sehen. Sie wissen aber schon dass Sex den Austausch von Körperflüssigkeiten beinhaltet. Ob das nun nur ein Zungenkuss ist oder oraler Verkehr.

    Vielleicht sehe ich das auch zu eng. Für mich jedenfalls gehört Geruch und Geschmack genauso zu einer Frau wie das Aussehen.
    Oder wie mal Bryan Adams gesungen hat:
    "You've gotta breathe her, really taste her
    Til' you can feel her in your blood"

    • 9587
    • 09. November 2012 15:32 Uhr

    http://science.orf.at/sto...

    (mit weiterführenden Links, u.a. auch zu der Studie http://www.sciencedirect.... )

    http://www.spiegel.de/wis...

    ---
    Die Nase spielt eben im Beziehungs- und Paarungsanbahnungsleben unbewusst eine größere Rolle als es der Homo sapiens heute wahr haben will.

    Antwort auf "Hormone und Eisprung"
    • 2b
    • 09. November 2012 15:54 Uhr

    würde dich schon wollen so wie du bist,
    nur müsstest du dich dann halt ein wenig ändern ...

    Grüße Euch, Ihr Emanzipierten und gereiften Toleranten ;)

  4. Ich finde das Ausweichen auf die Beziehungsfrage falsch. Es kommt tatsächlich besser an, wenn man selbstbewusst sagt, dass sich bisher noch nichts ergeben habe und/oder die Richtige noch nicht dabei war. Das ist absolut nichts falsches und nichts, wofür man sich schämen müsste. Warum sollte man denn auch eine Beziehung mit jmd eingehen wollen, wenn man merkt der/die ist nicht der Partner fürs Leben.

  5. 63. bitte

    einfach genauer lesen. Die Behauptung auf die sie eingehen, stammt nicht von mir.

  6. Als ebenfalls noch "unberührter" 45jähriger Mann kenne ich die Leiden und Sorgen der "Absolute Beginners" - so werden sie allgemein bezeichnet - nur zu gut! Und auch aus einer losen, aber nicht in allen Beziehungen erfüllenden halben Partnerschaft, die teils erdrutschartigen Veränderungen des plötzlichen "Begehrtwerdens" und Erlebens von körperlicher und seelischer Nähe. Und die Verzweiflung und innerliche Folter von Verklemmtheit, Ausgrenzung und ewig erscheinender Kälte und Einsamkeit. Ich wünsche niemandem ein solches Schicksal, ich bin mittlerweile Frührentner und ein zuhause dahinvegetierendes Wrack mit manisch-depressiven Zügen und Hang zu Suchtmißbrauch verschiedener Art. Ich finde es beschämend, daß es in einer modernen Industriegesllschaft solche Schicksale gibt, bedenkt man dabei noch, wieviele unbefriedigt, mißbraucht und teils unter Gewalt in Partnerschaften leben! "Wir" haben teils mehr zu bieten, aber niemanden interessiert es! Nur mal so zum nachdenken...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Ich finde es beschämend, daß es in einer modernen Industriegesllschaft solche Schicksale gibt,"

    Es ist genau umgekehrt. Nur in unserer modernen Gesellschaft gibt es solche Schicksale.

    In einer traditionellen Gesellschaft (z.B. im Japan des 19.Jh.) hätte man beizeiten, ohne dass es Ihrer Zustimmung bedurft hätte, eine Frau und eine Hochzeit für Sie arrangiert.

    Bei freier Partnerwahl ist es immer möglich, dass die Zuordnung nicht ganz aufgeht. Sie zahlen also sozusagen den Preis der Freiheit. (Auf die unsere Gesellschaft nicht mehr verzichten möchte.)

    Aber auch in traditionellen Gesellschaften in denen Hochzeiten arrangiert werden, gab und gibt es immer welche, die nicht zugeordnet werden (können).
    In diesem Fall wüssten Sie allerdings den Grund.
    Vielleicht zu wenig Geld oder zu wenige Äcker, oder der Bruder hat den Hof geerbt.

    Ich kannte sogar einen Mönch, der als Kind von seinen Eltern an das Kloster gestiftet worden war. Bei so vielen Kindern kam es auf den einen offenbar nicht an, und die Eltern hatten sicher geglaubt, damit eine gute Tat vollbracht zu haben.

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  • Quelle Leserartikel
  • Schlagworte Alter | Arbeit | Ausbildung | Autor | Beziehung | Geschichte
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