SexualitätStreiten öffnet das Herz und andere Teile der Anatomie
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 Warmer und freundlicher Sex ist kein fauler Kompromiss

Schnarch: Dann werde ich damit leben, dass das Haus nicht so ordentlich aussieht, als wenn ich alleine darin wohnen würde, aber ich werde Mindestanforderungen aushandeln: "Ich möchte wenigstens, dass du deine Unterwäsche nicht auf dem Boden herumliegen lässt, die Wäsche aus dem Trockner räumst und hin und wieder das Bett machst."

ZEIT ONLINE: Was, wenn die sexsuchende Schlampe darauf antwortet: "Dazu habe ich keine Lust."

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Schnarch: Dann sage ich wieder: "Das verstehe ich. Manchmal, wenn du mit Sex anfängst, habe ich auch keine Lust darauf. Aber ich verhalte mich nicht so, als würde ich dir einen großen Gefallen tun, wenn wir dann Sex haben. Ich könnte. Aber das kommt mir gar nicht in den Sinn. Genauso ist es mit deiner Unterwäsche, die herumliegt: Es ist deine Unterwäsche, aber du tust, als würdest du mir einen Gefallen tun, wenn du sie wegräumst. Ich versuche nicht, dich zu kontrollieren, und abgesehen davon möchte ich das auch gar nicht. Ich möchte dir nicht die ganze Zeit sagen müssen: Räum deine Unterwäsche weg! Ich möchte eine Partnerin, die sich selbst kontrolliert." Wenn Sie das einsehen, entsteht freier Raum für beide und es wird sehr viel wahrscheinlicher, dass wir diesen Streit beenden und Sex haben.

Wäre es so einfach, der Seminarraum wäre nicht bis auf den letzten Platz belegt. Offensichtlich scheitern etliche daran, den anderen nicht zu kontrollieren beziehungsweise sich nicht kontrolliert zu fühlen, und weiten diesen Konflikt dann auf ihr Sexualleben aus. Es entsteht ein Patt, denn Sex findet – sofern man nicht mit einem Gorilla zusammen lebt – nur statt, wenn beide es wollen.

Wenke Husmann
Wenke Husmann

Wenke Husmann ist Redakteurin im Ressort Kultur bei ZEIT ONLINE. Ihre Profilseite finden Sie hier.

ZEIT ONLINE: Der Unterschied zwischen einem Streit um Hausarbeit und einem um Sex ist doch, dass man für die Hausarbeit vergleichsweise einfach Kompromisse aushandeln kann. Sex hingegen findet statt – oder eben nicht.

Schnarch: Oh, nein, ganz und gar nicht. Nur weniger entwickelte Paare – ich nenne sie wenig differenzierte Paare – haben entweder Sex oder gar nicht. Stellen Sie sich vor, Sie wollen Sex haben. Wenn ich wenig differenziert bin, werde ich so tun, als würde ich das nicht bemerken. Dann werden Sie entweder aufgeben oder aber offensiver werden, was ich nicht mag. Also sage ich Ihnen, dass ich mich von Ihnen bedrängt fühle. Und wenn ich mich erst mal bedrängt fühle, werden wir nie Sex haben.

Wenn wir aber ein differenziertes Paar sind, werde ich auf Ihre Avancen eher so etwas antworten wie: "Ich merke, was du willst. Ich kenn dich doch." Sie können dann ihre Absichten zugeben: "Ja, in der Tat." Und ich antworte: "Okay, lass es uns tun. Aber erwarte bitte nicht ein Champions-League-Spiel." Sie schrecken etwas zurück und fragen: "Oh, wird das dann Sex aus Mitleid?" Ich aber beruhige: "Nein. Ich versuche nicht, dich zurückzuweisen. Ich bin nur müde und nicht wirklich in Stimmung. Aber es ist ja nicht so, als würdest du mich bitten, Hundefutter zu essen. Du hättest gerne Sex. Das wird schon nett werden."

Ich signalisiere Ihnen, dass ich Sie verstehe. Ich empfinde zwar nicht das Gleiche, aber ich versuche einen Weg zu finden, der für uns beide passt. Es wird kein Sex aus Mitleid werden. Aber auch keine Luftakrobatennummer. Es wird einfach zärtlicher, angenehmer, warmer und freundlicher Sex sein.

Am Ende des Tages strahlt Schnarch sein Publikum an. Er hat ihnen viel Arbeit in Aussicht gestellt, aber auch die Chance zu mehr Intimität. Das Paar auf den Sitzen neben mir hält sich an den Händen.

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Leserkommentare
    • lonetal
    • 19. November 2012 17:02 Uhr

    /Zitat
    Reizvoll am Ansatz des Sexualforschers aus Colorado ist, dass er es für völlig normal hält, sich in einer Beziehung zu streiten.
    Zitat/

    In den 1960/70ern gab es unter der Überschrift "Konfliktpädagogik"auch bei uns einen breiten Ansatz zur Entwicklung einer weiterführenden sozialen Streitkultur. Er wurde wie so viele andere weiterführende Ansätze unter übelster Polemik bis Hetze - auch durch die ZEIT - publikumswirksam niedergeprügelt.

    Seitdem herrscht in der Öffentlichkeit das Motto "Kinder brauchen Grenzen" in den Familien statt Streitkulurt innerfamiliärer Machtkampf mit 'Siegern' und 'Verlierern': nix mehr mit Öffnung des Herzens und anderer Teile der Anatomie.

    9 Leserempfehlungen
  1. aber die psychologie hat es doch schon aufgegeben in der tiefe die menschen zu harmonisieren und ihre natuerlichen u.a. archetypen auszubauen. stattdessen wird den patienten rucksackweise oberflächliche verhaltenswerkzeuge verkauft

    3 Leserempfehlungen
  2. " Ich-Botschaften hält er nicht viel: Was zum Kuckuck, schnaubt Schnarch, sei denn an dem Satz "Ich denke, du spinnst!" besser als an dem Satz "Du spinnst!" Verletzt fühle man sich nach beiden" - Das Beispiel zeigt ja auch keine Ich-Botschaft. Die wäre eher so gehalten: 'Mich verwirrt dein Gesagtes'. oder 'In dem Gesagten fühle ich mich wie in einem Netz aus vielen Fäden' (um dem Spinnen mal näher zu kommen :D).
    Also die Kurzfassung des Artikeltextes lautet: Kompromiss, weg von der Perfektion, Disziplin/Kontrolle. Oder?
    Aber: der Satz: 'Ich verstehe Dich' impliziert doch echtes Verstehen. Reicht es, den Satz zu sagen oder muss ich echt verstehen, auch wenn ich es nicht verstehe und um der Partnerschaft willen sage, ich verstünde.

    Desweiteren sagt der Artikel, wie andere vor ihm, aus, dass gute Partnerschaft anerzogen werden könnte. Ist dem denn wirklich so? Kann sich jeder selbsterziehen zu dem einen Glück, dass verheißen wird, wenn man sich nur richtig verhielte? Gibt es Ein Richtig?

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    • lonetal
    • 19. November 2012 18:29 Uhr

    Sie schreiben: "'Ich verstehe Dich' impliziert doch echtes Verstehen. Reicht es, den Satz zu sagen oder muss ich echt verstehen, auch wenn ich es nicht verstehe und um der Partnerschaft willen sage, ich verstünde."

    Die Grundvoraussetzung ist Ehrlichkeit und Redlichkeit: Nur Floskeln zu benützen ist bei einem Streit in der Regel destruktiv, es sie denn, sie suchen gezielt eine Brücke, um sich mit dem anderen zu verständigen. Die Technik nennt sich "aktives Zuhören" und kann sehr oft aus einer Sackgasse herausführen.

    Sie schreiben: "Des weiteren sagt der Artikel, wie andere vor ihm, aus, dass gute Partnerschaft anerzogen werden könnte. Ist dem denn wirklich so?"

    Nein, gute Partnerschaft kann nicht anerzogen werden, man kann nur lernen, gute Partnerschaft zu leben. Dafür allerdings gibt es eine Reihe hilfreicher kommunikativer Techniken.

    • Dalim
    • 21. November 2012 23:15 Uhr

    Ich muss gestehen, dass ich sehr positiv überrascht bin! Ja, es wurde noch nicht wirklich bis in die Tiefe geblickt, aber da sehe ich in diesem Fall auch gar nicht die Aufgabe von Frau Husmann.
    Dieser Themenkomplex betrifft uns alle, doch die Mehrheit kommt mit den eigenen Gefühlen nicht klar und hat meist nicht mal eine Ahnung, was genau empfunden wird. Umso amüsanter finde ich es, dass gerade ein Forscher aus den U.S.A., dem Land, in dem so viele noch das Licht beim Sex ausmachen, mit stolzer Brust für seine Erkenntnisse eintritt.
    Ich habe auf der Suche nach (W)AiN kurzerhand einen Blog-Beitrag zu diesem Artikel veröffentlicht und hoffe, dass der ein oder andere vielleicht zu der Erkenntnis kommt, das es durchaus "richtig und falsch" gibt - wenn auch nur subjektiv.

  3. Dem kann ich mich nur anschließen.

    Streiten ist schön und gut, aber meine Erfahrung ist, dass in einer Beziehung ein Streit oft in einem Machtkampf ausartet. Wenn es so weit ist, dann ist die Beziehung zu Ende.

    3 Leserempfehlungen
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    • ST_T
    • 19. November 2012 18:38 Uhr

    Die Frage ist nur, wie die Partner miteinander dabei umgehen.

  4. "Er widerspricht aufs Schönste dem psychologischen Tipp, Gefühle stets an- und auszusprechen, indem er sagt: "Die Ehe verbessert sich durch die zwei oder drei Dinge, die Sie sich jeden Tag nicht sagen." Auch von den vielbeschworenen Ich-Botschaften hält er nicht viel: Was zum Kuckuck, schnaubt Schnarch, sei denn an dem Satz "Ich denke, du spinnst!" besser als an dem Satz "Du spinnst!" Verletzt fühle man sich nach beiden."

    So gestelzt redet doch, vor allem im Streit, sowieso keiner. Dann kann der Berater immer sagen: "Haben sie etwa gesagt: Du spinnst? Dann konnte aus dem Streit natürlich nichts werden. Der Beratene fühlt sich schuldig, und fragt sich wieso Psychotherapeuten überhaupt Beziehungsprobleme haben, wenn sie doch alles genau wissen.

    Essentiell sind hingegen laut Schnarch ein zugleich solides und flexibles Selbst, innere Ausgeglichenheit und kontrolliertes Verhalten, aber Schnarch verklausuliert es ganz gut, man muss auch aber ein differenziertes Paar sein.

    Deshalb stimmt auch das Spricht wort: 'Dumm f... gut.' nicht. Im Gegenteil, man sollte sogar so differenziert sein, dass man auch nicht auf den Schwindel mit den Ich-Botschaften hereinfällt. Man muss also schlauer sein, als manche Berater.

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    • lonetal
    • 19. November 2012 18:22 Uhr

    Sie schreiben: "Im Gegenteil, man sollte sogar so differenziert sein, dass man auch nicht auf den Schwindel mit den Ich-Botschaften her-einfällt."

    Wenn sie Ich-Botschaften für einen Schwindel halten, werden sie sich schwer tun, mit Streiten. Ohne Ich-Botschaften wird fast jeder Streit sehr schnell zu einen Machtkampf, der am Ende nur Verlierer und einen Scherbenhaufen zurück lässt.

    Der Satz "Ich denke, du spinnst" ist übrigens keine Ich- , sondern eine Du-Botschaft. Ich-Botschaften sagen etwas aus über die eigene Befindlichkeit, nicht über die des Anderen. Du-Botschaften wirken meist verletzend, immer aber kontraproduktiv.

    Ohne einen Zusammenhang zu kennen, könnte eine situationsangemessene Ich-Botschaft etwa lauten: "Ich bin jetzt völlig verwirrt und weiß nicht, was du meinst" - nur, um den Unterschied zu verdeutlichen.

    Doch, so kann man sich auch in einem Streit ausdrücken, wenn man mal den Unterschied kapiert hat. Übrigens behält man dabei zusätzlich auch noch die Kontrolle - zumindest über sich - und verletzt den anderen nicht.

    • TDU
    • 19. November 2012 17:27 Uhr

    Zu seiner Verletzlichkeit und Wut stehen, "böse" sein können, nicht den verletzten Gockel mit den sauberen Händen zu spielen als Mann. Auch mal bitten können. Wenn Frau liebt, lässt sie das nicht unberührt.

    Richard Burton und Elisabeth Taylor wären wohl die besten Lehrer, glaubt man den Klatschspalten.

    • wauzi
    • 19. November 2012 17:35 Uhr
    7. [...]

    Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/ls

    2 Leserempfehlungen
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    ...es lohnt sicht.

    Das größere Hindernis, sind die 500-600 Seiten von "Psychologie der Leidenschaft". Aber wie gesagt. Es lohnt sich ;)

    Entfernt. Der Kommentar, auf den Sie sich beziehen, wurde entfernt. Die Redaktion/ls

  5. ...es lohnt sicht.

    Das größere Hindernis, sind die 500-600 Seiten von "Psychologie der Leidenschaft". Aber wie gesagt. Es lohnt sich ;)

    Eine Leserempfehlung
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