Schnarch: Dann werde ich damit leben, dass das Haus nicht so ordentlich aussieht, als wenn ich alleine darin wohnen würde, aber ich werde Mindestanforderungen aushandeln: "Ich möchte wenigstens, dass du deine Unterwäsche nicht auf dem Boden herumliegen lässt, die Wäsche aus dem Trockner räumst und hin und wieder das Bett machst."

ZEIT ONLINE: Was, wenn die sexsuchende Schlampe darauf antwortet: "Dazu habe ich keine Lust."

Schnarch: Dann sage ich wieder: "Das verstehe ich. Manchmal, wenn du mit Sex anfängst, habe ich auch keine Lust darauf. Aber ich verhalte mich nicht so, als würde ich dir einen großen Gefallen tun, wenn wir dann Sex haben. Ich könnte. Aber das kommt mir gar nicht in den Sinn. Genauso ist es mit deiner Unterwäsche, die herumliegt: Es ist deine Unterwäsche, aber du tust, als würdest du mir einen Gefallen tun, wenn du sie wegräumst. Ich versuche nicht, dich zu kontrollieren, und abgesehen davon möchte ich das auch gar nicht. Ich möchte dir nicht die ganze Zeit sagen müssen: Räum deine Unterwäsche weg! Ich möchte eine Partnerin, die sich selbst kontrolliert." Wenn Sie das einsehen, entsteht freier Raum für beide und es wird sehr viel wahrscheinlicher, dass wir diesen Streit beenden und Sex haben.

Wäre es so einfach, der Seminarraum wäre nicht bis auf den letzten Platz belegt. Offensichtlich scheitern etliche daran, den anderen nicht zu kontrollieren beziehungsweise sich nicht kontrolliert zu fühlen, und weiten diesen Konflikt dann auf ihr Sexualleben aus. Es entsteht ein Patt, denn Sex findet – sofern man nicht mit einem Gorilla zusammen lebt – nur statt, wenn beide es wollen.

ZEIT ONLINE: Der Unterschied zwischen einem Streit um Hausarbeit und einem um Sex ist doch, dass man für die Hausarbeit vergleichsweise einfach Kompromisse aushandeln kann. Sex hingegen findet statt – oder eben nicht.

Schnarch: Oh, nein, ganz und gar nicht. Nur weniger entwickelte Paare – ich nenne sie wenig differenzierte Paare – haben entweder Sex oder gar nicht. Stellen Sie sich vor, Sie wollen Sex haben. Wenn ich wenig differenziert bin, werde ich so tun, als würde ich das nicht bemerken. Dann werden Sie entweder aufgeben oder aber offensiver werden, was ich nicht mag. Also sage ich Ihnen, dass ich mich von Ihnen bedrängt fühle. Und wenn ich mich erst mal bedrängt fühle, werden wir nie Sex haben.

Wenn wir aber ein differenziertes Paar sind, werde ich auf Ihre Avancen eher so etwas antworten wie: "Ich merke, was du willst. Ich kenn dich doch." Sie können dann ihre Absichten zugeben: "Ja, in der Tat." Und ich antworte: "Okay, lass es uns tun. Aber erwarte bitte nicht ein Champions-League-Spiel." Sie schrecken etwas zurück und fragen: "Oh, wird das dann Sex aus Mitleid?" Ich aber beruhige: "Nein. Ich versuche nicht, dich zurückzuweisen. Ich bin nur müde und nicht wirklich in Stimmung. Aber es ist ja nicht so, als würdest du mich bitten, Hundefutter zu essen. Du hättest gerne Sex. Das wird schon nett werden."

Ich signalisiere Ihnen, dass ich Sie verstehe. Ich empfinde zwar nicht das Gleiche, aber ich versuche einen Weg zu finden, der für uns beide passt. Es wird kein Sex aus Mitleid werden. Aber auch keine Luftakrobatennummer. Es wird einfach zärtlicher, angenehmer, warmer und freundlicher Sex sein.

Am Ende des Tages strahlt Schnarch sein Publikum an. Er hat ihnen viel Arbeit in Aussicht gestellt, aber auch die Chance zu mehr Intimität. Das Paar auf den Sitzen neben mir hält sich an den Händen.