Leser M. Dewald und seine Freundin verbringen oft einen gemütlichen Sonntag zusammen. Und das obwohl sie eine Fernbeziehung führen. Skype und Facebook machen's möglich.
Meine Freundin ist seit drei Monaten über 12.000 Kilometer von mir entfernt in Chile. Zum Glück gibt es hin und wieder Tage, an denen wir es schaffen, einfach nichts miteinander zu tun. Der einzige Haken: Ihr Tag beginnt vier Stunden später als meiner.
Die Gelegenheiten zum gemeinsamen Nichtstun sind selten. Wir müssen ein Zeitfenster finden, in dem wir beide Zeit haben. Dabei ist die Zeitverschiebung meist ein großes Hindernis. Wenn sie an einem gemütlichen Sonntag aufsteht, ist bei mir schon früher Nachmittag. Bin ich verabredet, stehen die Treffen mit Freunden schon bald an.
Was der Mensch in einer Beziehung auf weite Entfernung also braucht, ist Geduld. So sitze ich an meinem Computer und warte darauf, dass der kleine grüne Kreis neben dem Namen meiner Freundin im Facebook-Chat erscheint und sie endlich online ist.
In solchen Momenten wird mir bewusst, wie selbstverständlich es für mich geworden ist, überall und immer Zugang zum Internet zu haben. Meine Freundin hat dies zurzeit nicht. Als sie zu ihrer Reise aufbrach, musste ich lernen, damit umzugehen. Von einem Tag auf den anderen konnte ich nicht mehr jederzeit mit ihr kommunizieren, sondern musste abwarten: manchmal eine, selten auch zwanzig Stunden bis eine Rückmeldung aus Chile kam.
Mittlerweile hat sich ein Rhythmus eingependelt, mit dem wir beide sehr gut leben können. Wir haben sehr viel Kontakt, wissen immer über die Begebenheiten im jeweils anderen Land und Leben Bescheid. Dem Internet sei Dank: Die Weihnachtspost, welche ich Anfang Dezember für 145 Cent mit blauem Priority-Aufkleber losschickte, ist bis heute nicht angekommen.
- Leserartikel auf ZEIT ONLINE
ZEIT ONLINE präsentiert regelmäßig ausgewählte Leserartikel, die unsere eigenen Inhalte um zusätzliche Meinungen, Erfahrungsberichte und Sichtweisen bereichern. Vor der Veröffentlichung nehmen wir mit den Autoren Kontakt auf und sprechen über den Text, anschließend wird der Leserartikel von uns redigiert und bebildert. Auch bei Leserartikeln, die unter Pseudonym veröffentlicht wurden, kennt die Redaktion Namen und Anschrift des Autors. Alle weiteren Informationen finden Sie in unseren Leserartikel-FAQ.
- Leserartikel schreiben
-
Welches Thema brennt Ihnen schon seit Längerem auf der Seele? Was freut, ärgert oder verwundert Sie? Welches Buch, welche Musik oder welchen Film würden Sie gerne einmal auf ZEIT ONLINE rezensieren? ZEIT ONLINE freut sich auf Ihren Leserartikel. In unseren Leserartikel-FAQ finden Sie alle wichtigen Hinweise, wie Sie beim Verfassen Ihres eigenen Artikels für ZEIT ONLINE vorgehen sollten.
- Der ZEIT-ONLINE-Wald
- Als symbolisches Dankeschön pflanzen wir für jeden Leserartikel, den wir veröffentlichen, einen Baum. Dabei arbeiten wir mit iplantatree.org zusammen. Zum Start des neuen Leserartikel-Projekts haben wir schon 1000 Bäume in Berlin Friedrichshagen gepflanzt und hoffen, dass daraus im Lauf der Jahre ein ganzer ZEIT-ONLINE-Wald wird. Mehr Informationen finden Sie in unseren Leserartikel-FAQ.
© BeneA / photocase.com
Kurz nachdem sie bei Facebook online gemeldet ist, kündigt Skype mir auch schon ihren Anruf an. Unsere häufigste Frage lautet zwar in zahlreichen Variationen "wie bitte?", aber im Großen und Ganzen funktioniert die Unterhaltung problemlos. Nach einer halben Stunde sind alle aktuellen Begebenheiten von beiden Seiten erzählt, der eigentlich entspannte Teil des Sonntags kann beginnen.
Wir tun einfach nichts, surfen gemütlich im Internet, schicken uns gelegentlich witzige oder interessante Links. Vor allem freuen wir uns, dass man sich einfach unterhalten kann: Wann immer einem etwas einfällt, kann man es dem anderen gleich erzählen.
Irgendwann muss sie dann zum Einkaufen auf den Markt. So ist das gemütliche Beisammensein für heute beendet. Aber das macht nichts. Es reicht aus, um die Zeit bis zum nächsten Mal zu überbrücken. Und mit jedem Tag kommt die Zeit näher, auf die wir beide seit drei Monaten warten: Der gemeinsame Urlaub in Südchile, der ihren langen Auslandsaufenthalt in zwei Hälften von aushaltbarer Länge teilt.
Obgleich scheinbar jeder, dem ich meine Geschichte erzähle, auf Anhieb von einer missglückten Fernbeziehung in seinem Bekanntenkreis zu berichten weiß: Zweifel haben wir beide keine.
- Datum 10.01.2013 - 15:44 Uhr
- Quelle Leserartikel
- Kommentare 23
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:









Es ist ja zu begrüßen, wie der Autor und seine Freundin sich mit der Entfernung arrangieren. Das Internet hilft da eben schon enorm weiter. Ich habe selbst auch mehrere längere Aufenthalte im weit entfernten Ausland verbracht und der Partner war in Deutschland (oder umgekehrt). Ich würde nur auf zwei problematische Aspekte hinweisen wollen:
1. Mir scheint es etwas übertrieben, nach gemeinsamem Austauschen von Neuig- und Nettigkeiten den ganzen Tag gemeinsam im Netz abzuhängen. Die ständige Netzverfügbarkeit verleitet dazu, zu sehr in herkömmlichen Mustern zu verharren anstatt die Chance der räumlichen Trennung zu nutzen, mehr außerhalb der Beziehung zu unternehmen. So schnell kommt die Freundin nicht wieder nach Chile und Ausflüge in die Umgebung oder Kontakte zu Leuten vor Ort sollte man nicht unterschätzen. Und man wird mit Dauerkommunikation immer sehr an das erinnert, was man zurückgelassen hat und läuft Gefahr zu wenig Neues aufzunehmen. Eine richtige Umarmung und anderer Körperkontakt ist sowieso nicht drin und die Freude beim realen Wiedersehen umso größer.
2. Das funktioniert nur bei temporären Aufenthalten, würde ich behaupten. Solange es ein paar Monate oder vielleicht ein Jahr sind, wo man sich danach auf eine gemeinsame Zukunft einstellen kann, kann man sich immer mit der Hoffnung auf Zukunft trösten und die zeitweilige Trennung als Horizonterweiterung ansehen. Dauerhaft wird es jedoch nicht klappen, wenn man zuweit entfernt voneinander lebt.
Die Beiden verbringen ja nicht täglich 20 Stunden zusammen im Netz, sondern nur sonntags ein paar Stunden. Da halte ich Ihre Einwände (Nr. 1) für etwas überzogen.
Die Beiden verbringen ja nicht täglich 20 Stunden zusammen im Netz, sondern nur sonntags ein paar Stunden. Da halte ich Ihre Einwände (Nr. 1) für etwas überzogen.
Die Beiden verbringen ja nicht täglich 20 Stunden zusammen im Netz, sondern nur sonntags ein paar Stunden. Da halte ich Ihre Einwände (Nr. 1) für etwas überzogen.
"Von einem Tag auf den anderen konnte ich nicht mehr jederzeit mit ihr kommunizieren, sondern musste abwarten: manchmal eine, selten auch zwanzig Stunden bis eine Rückmeldung aus Chile kam."
Man muss wieder zu lernen zu warten.Und in der Zeit hat die Vorfreude eine Möglichkeit, stetig zu wachsen. Ich schätze das sehr.
Ohne das Internet wäre es für diese zwei Personen sehr schwierig, eine Fernbeziehung aufrecht zu erhalten. Dank Skype können sie sich sehen, soviel miteinander reden wie sie wollen und einfach Zeit zusammen verbringen, was die Trennung im Grunde nur auf den fehlenden Körperkontakt reduziert.
Das wichtigste ist am Ende, dass beide Seiten auf ein Zusammenleben hinarbeiten, unabhängig davon wie lange es dauert. Ich habe eine Fernbeziehung, die als solche angefangen wurde, mittlerweile ein Jahr lang existiert und noch mindestens anderthalb weitere in dieser Form fortdauern wird. Die Distanz ist deutlich kürzer als nach Chile und der Zeitunterschied beträgt auch nur eine Stunde, allerdings ist die Reise weiterhin eine Flugreise mit 3-7 Stunden Dauer, mit anderen Verkehrsmitteln nicht zu bestreiten.
Ohne das Internet und gemeinsam verbrachte Abende (1-6 Stunden täglich) wäre die emotionale Bindung nicht aufrecht zu erhalten. Gemeinsame Mahlzeiten, Spiele oder Filme sind genauso möglich und bei den Besuchen wird die körperliche Nähe umso besser ausgekostet.
Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Wichtig ist, dass beide sich dieses Willens bei sich selbst sicher sind und bei dem des Partners sicher sein können. Dann kommt auch die Aktivität außerhalb der Beziehung nicht zu kurz. Ein tägliches Telefonat, auf das sich beide freuen, kann viel von dem geben, was die Beziehung ausmacht.
Im vergangenen Sommer bin ich beruflich bedingt nach Vancouver umgezogen. Meine Verlobte wohnt noch in Berlin um ihr Studium abzuschliessen. Eine Fernbeziehung ist nicht einfach, aber wir durften feststellen, dass eine Partnerschaft an solcher einer Herausforderung auch wachsen kann.
Am schlimmsten sind die Mitmenschen. Jene, welche dem Partner ständige Untreue unterstellen und das Ende der Partnerschaft prophezeien, da eine Fernbeziehung auf die Distanz nicht funktioniert. Manchmal würde man sich da einfach nur ein aufmunterndes Wort, ein wenig mehr Einfühlungsvermögen wünschen.
Interessanterweise waren es gerade die Paare, welche eine teilweise mehrjährige Fernbeziehung hinter sich hatten, die uns zu diesem Schritt ermutigt haben.
Wir haben das Abenteuer noch nicht hinter uns, aber ich bin mir sicher, dass wir es meistern werden.
"Am schlimmsten sind die Mitmenschen. Jene, welche dem Partner ständige Untreue unterstellen und das Ende der Partnerschaft prophezeien, da eine Fernbeziehung auf die Distanz nicht funktioniert."
Sie sollten sich schleunigst neue "Freunde" suchen...
Mein Mann und ich leben auch seit etwa zwölf Jahren in einer Fernbeziehung. Immer zwischen drei und fünf Reisestunden voneinander entfernt.
Während meines Studiums und meines Berufslebens war er immer mien Zuhause, mein Basislager. Selbst in Zeiten, in denen wir am selben Ort waren, haben wir uns nicht mehr gestritten, als andere Paare auch.
Kurz nach meiner Hochzeit habe ich eine Stelle fünf Stunden entfernt angenommen. Meine Tante hat damals abfällig geäußert, was das denn für eine Ehe sein. Muss ich erwähnen, dass sie mittlerweile in Scheidung lebt?
Als mein Freund mich damals, am Anfang, in die Ferne ziehen ließ, da gab uns das Brechtwort Mut: "Die Liebe dauert oder dauert nicht an dem oder jenem Ort."
Alles Gute und viel Glück!
"Am schlimmsten sind die Mitmenschen. Jene, welche dem Partner ständige Untreue unterstellen und das Ende der Partnerschaft prophezeien, da eine Fernbeziehung auf die Distanz nicht funktioniert."
Sie sollten sich schleunigst neue "Freunde" suchen...
Mein Mann und ich leben auch seit etwa zwölf Jahren in einer Fernbeziehung. Immer zwischen drei und fünf Reisestunden voneinander entfernt.
Während meines Studiums und meines Berufslebens war er immer mien Zuhause, mein Basislager. Selbst in Zeiten, in denen wir am selben Ort waren, haben wir uns nicht mehr gestritten, als andere Paare auch.
Kurz nach meiner Hochzeit habe ich eine Stelle fünf Stunden entfernt angenommen. Meine Tante hat damals abfällig geäußert, was das denn für eine Ehe sein. Muss ich erwähnen, dass sie mittlerweile in Scheidung lebt?
Als mein Freund mich damals, am Anfang, in die Ferne ziehen ließ, da gab uns das Brechtwort Mut: "Die Liebe dauert oder dauert nicht an dem oder jenem Ort."
Alles Gute und viel Glück!
Dem kann ich mich nur anschließen! Gegenseitiges Vertrauen ist die wichtigste Grundlage!
Wir leben seit 12 Jahren in einer Fernbeziehung - bei einem Zeitunterschied von derzeit sechs Stunden! Wir telefonieren täglich, sehen uns im Internet so häufig wie möglich und sind unterm Strich ca. drei Monate im Jahr zusammen - hier und / oder dort. Sicherlich leben wir die übrige Zeit in zwei eigenständigen Welten, da beide voll im Beruf engagiert.
... aber es funktioniert ... und wir sind keine Zwanzig mehr!
habe eine "Fern"beziehung über 5 Jahre gehabt - danach: im selben Land - und weitere 2 Jahre zusammen - mit derselben Person versteht sich - das zu den Dunkelsehern - a b e r rechtgeben kann ich einigen Bedenken aber schon - bloß, bitte nicht so viel theoretisieren - einfach mal riskieren glücklich miteinander zu sein - das kann auch im selben Dorf hinhauen - oder eben nicht ...
"Am schlimmsten sind die Mitmenschen. Jene, welche dem Partner ständige Untreue unterstellen und das Ende der Partnerschaft prophezeien, da eine Fernbeziehung auf die Distanz nicht funktioniert."
Sie sollten sich schleunigst neue "Freunde" suchen...
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren