50/50. Unter diesem Motto steht nun mein Leben, die kommenden 18 Jahre. Mindestens. Denn mein Partner und ich haben uns entschlossen, unser Leben nicht nur miteinander zu teilen, sondern auch alle Aufgaben zu teilen. Wir wollen alle Aufgaben und Notwendigkeiten wie Haushalt und Geldverdienen so verteilen, dass jeder die Hälfte übernimmt.

Bisher war das in unserer Beziehung kein Thema, es war einfach so. Ich verdiente mein Geld, er verdiente seines. Miete, gemeinsame Anschaffungen für die Wohnung oder das Auto teilten wir durch zwei.

Bis ich schwanger wurde. Plötzlich stand unser selbstverständliches Miteinander zur Disposition. Mit Kind würden wir stärker zusammenrücken, eine Lebensgemeinschaft bilden, die Zukunft planen. Wer passt auf das Kind auf, bis wir einen Kitaplatz haben? Wer verdient das Familieneinkommen? Wer hat Zeit, die berufliche Karriere zu forcieren? Viele Paare entscheiden sich an dieser Stelle bewusst oder unbewusst für die klassische Rollenverteilung der Familie, aus der sie selbst stammen: Er bleibt im Beruf und lebt sein Leben mehr oder weniger weiter wie bisher, während sie alles umkrempelt und von nun an 24/7 zu Hause bleibt.

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Aus diesem Grund gelten Kinder in unserer Gesellschaft als der Gleichberechtigungskiller schlechthin. Reihenweise lässt sich beobachten, wie Frauen, die zuvor mit ihrem Partner eine gleichberechtigte Beziehung lebten, angesichts der 52 Zentimeter fleischgewordenen Glücks ihre beruflichen Interessen und finanzielle Unabhängigkeit sehenden Auges in den Wind schießen.

"Ich bleibe zu Hause, weil wir auf sein Einkommen nicht verzichten können", seufzt die eine. "Ich habe doch kein Kind bekommen, um es von jemand anderes erziehen zu lassen", sagt die andere. Klar, es gibt viele Gründe. Er verdient halt mehr, das Kind – vor allem ein Baby – braucht die Mutter. Der Chef übt Druck auf ihn aus, damit er seine Elternzeit auf ein Minimum verkürzt; er hat sich doch nicht jahrelang durchs Jura-Studium gequält, um sich seine Karriere jetzt mit Teilzeitarbeit zu versauen. Ihre Hormone lassen sie zum Muttertier mutieren, sie mochte ihren Job eh nicht so, es gibt keine Kitaplätze in der Gegend…

Wir wollen es anders machen. Beide beides. Kind und Beruf für jeden von uns. Und mit Beruf ist nicht gemeint, dass einer von uns ein bisschen was dazu verdient, während der andere Karriere macht. Oder dass Papa mal zu Hause mit dem Baby hilft, Mama aber die Verantwortung trägt und als einzige weiß, was das bedeutet. Sondern, dass wir beide unsere beruflichen Perspektiven erweitern können, dass keiner von uns gezwungen ist, eine Babypause einzulegen, die so lang ist, dass sie automatisch die Karriere beendet. Gleichzeitig wollen wir beide Bezugsperson für unser Kind sein. Kein Vater oder keine Mutter, die ihr Kind maximal zum Gute-Nacht-Kuss oder am Wochenende sehen.

Weil uns klar war, dass dieses leider immer noch ungewöhnliche Partnerschaftsmodell Konflikte bergen würde, begannen wir  früh zu überlegen, wie wir die Zeit nach der Geburt gestalten wollten. Mir war besonders wichtig, dass mein Freund die Betreuung unseres Kindes von Anfang mit übernimmt. Deshalb sollte er in den ersten acht Wochen nach der Geburt, in denen ich im Mutterschutz war, möglichst auch zu Hause sein. Dahinter steckte der Gedanke: Wenn sich erst mal eingeschliffen hat, dass ich das Kind nicht nur stille, sondern auch sonst rundum versorge, wird es schwieriger sein, das später wieder zu ändern.