Trennungen : Dein Profil, meine Sehnsucht

Herzschmerz und kein Ende: Eine Studie zeigt, dass Facebook das Liebesleid vergrößert. Denn viele verlassene Partner sehen ständig nach, was der andere privat macht.

Wenn Beziehungen in die Brüche gehen, ist das selten schön. Doch seitdem es Facebook gibt, ist das "Lass uns Freunde bleiben" keine hohle Phrase mehr. Forscher haben herausgefunden: Tatsächlich bleiben die meisten Facebook-Nutzer auch nach der Trennung mit ihrem Ex-Partner befreundet – allerdings nicht ohne Hintergedanken. Nicht wenige nutzen das Soziale Netzwerk gezielt zum Ausspionieren des Ex-Partners. Doch damit tun sich vor allem die frisch Getrennten keinen Gefallen. Das zumindest legt eine Studie der Brunel University in London nahe.

Darin hat die Psychologin Tara Marshall knapp 500 frisch getrennte Online-Nutzer nach ihrem Facebook-Verhalten und ihrer Gefühlswelt befragt. Die Nutzer sollten unter anderem bewerten, wie stark sie unter der Trennung litten oder wie sehr sich ihr Leben seither verändert hatte. Marshall verglich die Antworten und kam zu einem eindeutigen Ergebnis.

Demnach fiel es Personen, die mit ihrem ehemaligen Partner auf Facebook befreundet blieben, nachweislich schwerer, den Trennungsschmerz zu überwinden. Je häufiger die Probanden das Facebook-Profil ihres Ex-Partners aufsuchten, desto größer war ihr Leid.

Die Sehnsucht nimmt durch die Profil-Aufrufe zu

Facebook hat fast eine Milliarde Nutzer weltweit. Wenn Marshall mit ihren Annahmen richtig liegt, dürfte das Online-Netzwerk für eine Menge dauerhaft gebrochener Herzen mitverantwortlich sein. Kein Wunder also, dass die Studie aus London weltweit Aufmerksamkeit erregte. In einem Interview mit Radio New Zealand beschrieb die Psychologin, was der Facebook-Konsum bei den liebeskranken Nutzern anrichten kann: "Sie haben häufiger negative Gefühle, wie zum Beispiel Wut, Feindseligkeit, Hass und Eifersucht." Auch das sexuelle Verlangen und die Sehnsucht nach dem Ex-Partner nehme durch die unzähligen Profil-Aufrufe zu. Nur wer die Trennung gut verkraftete, schien dem Sog dieser Abwärtsspirale widerstehen zu können. Denn: Diese Nutzer hatten von vornherein weniger Verlangen danach, die Facebook- Seite des Ex-Partners aufzurufen.

Etwa ein Drittel der Probanden tendiert hingegen dazu, den Ex-Partner regelrecht zu stalken, schreibt Marshall in ihrer Studie, an der sich überwiegend junge US-Amerikanerinnen beteiligt hatten. Andere Untersuchungen gehen von weitaus mehr liebeskranken Facebook-Stalkern aus. Die Zahlen schwanken zwischen 50 und 90 Prozent.

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