S. lernte ich einige Monate nach meinem 32. Geburtstag über ein Datingportal im Internet kennen. Er schrieb mich an und wollte mich bald darauf persönlich kennenlernen. Ich ging gespannt zu unserem Treffen und fand ihn auf Anhieb sympathisch. Wir verbrachten einen netten Abend bei Wein und Weinschorle und plauderten über Gott und die Welt.

A.s Telefonnummer wurde mir zugesteckt – mit dem Hinweis, dass er ebenfalls noch ungebunden sei. Ich schrieb ihn an. Seine schnelle Rückmeldung und die netten Kommentare ließen ihn als offenen und sympathischen Mann erscheinen, der sich freute, mich kennenzulernen. Als er mich fragte, ob wir uns auf einen Kaffee treffen wollen, sagte ich zu.

St. lernte ich in einem Club in Berlin kennen. Er sprach mich an der Bar an und unser Gespräch deckte viele Gemeinsamkeiten auf. Er spendierte mir ein Getränk und zog mich auf die Tanzfläche. Als wir auf dem Sofa landeten, ließ ich mich von ihm küssen.

Zu diesen drei Männern gibt es jeweils eine eigene Geschichte zu erzählen. Alle drei sind zwischen 30 und 35 Jahre alt, haben studiert oder befinden sich kurz vor dem Abschluss und arbeiten mit Zahlen bzw. in der Computerbranche. Und alle drei Geschichten endeten, bevor sie richtig begonnen hatten.

S. schrieb mir wenige Stunden nach unserem Treffen, dass er beschlossen habe, sich nicht binden zu wollen. Da ich offensichtlich nichts "Zwangloses" suche, mache es keinen Sinn mit uns.

Als sich A. mehrere Tage lang nicht gemeldet hatte, fragte ich nach, wie es ihm gehe. Er entschuldigte sich - er habe vergessen sich bei mir zu melden, da er gerade sehr viel zu tun habe. Bald wäre die stressige Zeit vorüber, vertröstete er mich. Zwei weitere Male kontaktierte ich ihn noch. Das letzte, was ich von ihm hörte, war: "Jetzt habe ich auch Feierabend."

St. meldete sich nach mehreren Treffen plötzlich gar nicht mehr. Zuvor hatte er sehnsüchtig auf meinen Rückruf gewartet, mich bekocht und fest umarmt und dann – von heute auf morgen gar nichts mehr. Ich rief ihn zwei Wochen später an und fragte ihn nach dem Grund dafür. Ob er sich noch an mich erinnere. Ja, er wisse noch, wer ich sei. Er hätte sich nicht mehr bei mir gemeldet, da er nicht sicher gewesen sei, was ich von ihm erwarten würde. Ob ich eine zwanglose Verbindung suche oder auf mehr aus sei, was er derzeit wahrscheinlich nicht erfüllen könne. Es dauerte zwanzig Minuten, bis er sich bei mir entschuldigte. Ich nahm die Entschuldigung nicht an.

Was ist nur los mit den Männern aus meiner Generation? Wenn ich von meinen Erfahrungen auf alle schließe, verdienen sie wahrlich keine Lorbeeren für ihren Umgang mit Frauen. Sie sprechen viel über sich, fragen aber wenig. Sie ergreifen selten die Initiative und wissen nicht, was sie wollen. Sie suchen Spaß – ohne Verpflichtungen. Wenn sie eine Verbindung auflösen, zeigen sie wenig Anstand, und suchen den Fehler bei der Frau.  So spielt sich im Kleinen ab, was sich auch im Großen vollzieht: Männer sind unsicher geworden. Und damit zum schwachen Geschlecht.