H1N1
Im Pandemiepalaver hat die Grippe ihren Schrecken verloren
Impfen lassen oder nicht? Wir begegnen der Schweinegrippe mit Alarmismus und Verdrängung. Dabei ist jetzt unser Sinn für das Gemeinwohl gefragt. Tissy Bruns kommentiert.
© Thomas Lohnes/ddp

Kaum Schlangen bei den Gesundheitsämtern: Noch lassen sich nur wenige Deutsche gegen die Schweinegrippe immunisieren
Soll ich hingehen oder nicht? Die zweite Welle der Schweinegrippe rollt, Verunsicherung macht sich breit. Warum stehen die Menschen in Düsseldorf schon Schlange, während in Berlin erst ein paar hundert Arztpraxen ihre Bereitschaft zur Impfaktion erklärt haben, statt der rund 2000, die aus Expertensicht nötig sind?
Tja, die Experten! Wüsste man doch nur, an welchen man sich halten kann. Diverse Institute, Ärzte, Fachleute reden mit – und im Streit über Impfstoffe, Gefahren und Empfehlungen kann man kaum noch erkennen, worin sie sich einig sind. Und selbst wenn! Entscheiden muss doch jeder und jede für sich selbst. Oder nicht?

Was man zur Impfung wissen muss - die wichtigsten Fragen und Antworten (bitte klicken Sie auf das Bild, um zum Artikel zu gelangen)
Die Schwierigkeiten im Umgang mit der Schweinegrippe liegen nicht nur in der Natur des Virus H1N1, sondern weit mehr in der Verfassung einer ebenso sicherheitsgewohnten wie individualisierten Gesellschaft. Zwei Seelen kämpfen in unserer Brust. Sie sind verantwortlich für ein Kommunikationsdesaster um die Impfung, die unweigerlich ihren Zweck verfehlt, wenn nicht eine hinreichende Zahl von Menschen hingeht. Wie groß die sein muss, lässt sich so wenig exakt bestimmen wie die Gefahren einer Erkrankung oder der Impfung selbst.
Fest steht aber: Der erwünschte Effekt, dem Virus den Boden zur Ausbreitung zu entziehen, kann nur erreicht werden, wenn sich genug Menschen impfen lassen. Ausbreitung heißt in diesem Fall: erstens auch auf vorerkrankte Menschen, die das Risiko des tödlichen Ausgangs der Krankheit tragen (man könnte sagen: die Schwächeren). Und zweitens zu einer größeren Wahrscheinlichkeit einer Mutation des Virus zu einem gefährlicheren Krankheitserreger. Die Schweinegrippe verlangt also von uns, dass jeder und jede mehr abwägt als das persönliche Risiko, ein paar Fiebertage im Bett zu verbringen.

Klicken Sie auf das Bild, um zu erfahren, wie die Schweinegrippe zur globalen Gefahr wurde
Wie bei Sars oder BSE hat sich zunächst ein gesellschaftliches Muster wiederholt. Sicherheitsverwöhnt, wie wir sind, begegnen wir unbekannten Gefahren mit einer Kombination aus Alarmismus und Verdrängung, die manchmal wellenförmig aufeinander folgen. Erst aufgeregtes Palaver, dann die erleichterte Erkenntnis, dass es so schlimm ja doch nicht ist.
Bei der Schweinegrippe hat sich diese Sicherheitsillusion von Anfang an mit einer anderen, der Entscheidungsillusion verbunden: Im Pandemiepalaver musste jeder Experte so laut seine Meinung verkünden, dass die Nichtexperten allen Grund haben, ihr persönliches Risiko in den Mittelpunkt ihrer jeweiligen Entscheidung zu stellen. Der Krankheitsverlauf wird als harmlos empfunden, die Pandemie ihren Schrecken eingebüßt. Höhere Autoritäten nehmen wir ohnehin ungern ernst, und erst recht nicht,wenn wir uns halbwegs auf der sicheren Seite fühlen.
Das ist ein problematischer Zustand, fast eine Falle. Denn Sicherheit und Humanität unserer Gesellschaft beruhen auch darauf, dass wir uns aus freien Stücken an Entscheidungen halten, die wir nicht selbst getroffen haben. Schutzimpfungen, Läusealarm in der Kita, Schulpflicht – wir fügen uns freiwillig, weil jeder Einzelne auf den Gemeinschaftsgeist des anderen angewiesen ist. Diesen Geist fordert das Virus H1N1 heraus.
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 05.11.2009)
- Datum 5.11.2009 - 15:24 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
- Kommentare 38
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Die Schweinegrippe ist auch nur eine Grippe.
Eine Grippe ist nicht zu unterschätzen!
Nächstes Jahr gibt es dann wieder die normale,
an der ebenso Menschen sterben.
Das einzig besondere an der Schweinegrippe
scheint mir das Wort "Schwein" im Wort.
Erinnert an Rinderseuche und Vogel.....
Die MEDIEN sollten wieder Vernunft annehmen.
Hat schon mal jemand an die armen Tiere gedacht
auf deren Kosten für uns zu Tode fürchten?!
Interessant, dass ausgerechnet die Journalistin Tissy Bruns diesen Artikel verfasst. In Ihrem Buch, Republik der Wichtigtuer prangert sie die Bezugslosigkeit zur Wirklichkeit an (laut Buch Klappentext). Sie fordert eine Abkehr von Sensationsberichtserstattungen und Infotainment.
Frau Bruns wird von Kollegen als erfahrene Journalistin eingestuft. Um so mehr verwundert mich dann doch dieser Artikel.
nicht die "zwei seelen in unserer brust" sind verantwortlich für das Kommunikationsdesaster sondern dumpfbackige politikerInnen, die für sich und die buntewehr adjuvansfreie impfstoffe 'krallen' und für schwangere und allergiker allen expertenempfehlungen zum trotz leiderleider keinen adjuvansfreien impfstoff anbieten können.
und so schlimm soll das dann ja auch nicht sein.
Das Stammtisch-Niveau hier nervt. Der Impfstoff den die Bundesregierung gekauft hat, ist weder besser noch schlechter als der Adjuvans-haltige. Wenn Sie einen Kommentar machen, dann informieren Sie sich doch bitte. Genauso wenig wie die Ull-Dienstwagen Affäre eine Affäre war. Es kann kein Wissenschaftler wissen (ich auch nicht) was besser oder schlechter ist. Gegen die Ausbreitung des Virus ist eine Impfung sicherlich sinnvoll...das scheint aber hoffnungslos zu sein, wenn undifferenzierte Stammtischparolen nur dazu führen, dass die Bevölkerung noch mehr verunsichert wird.
PS...habe ich mich heute MIT adjuvans impfen lassen (Pandemix)
Es ist klar ersichtlich, dass die Autorin für eine Impfung werben will. Sie hat aber kein einziges, sachlich richtiges Argument dafür.
Sie fordert, dass wir unseren "Gemeinschaftssinn" wieder entdecken sollen und setzt dies damit gleich, sich impfen zu lassen.
Wie sie aber selbst bereits festgestellt hat, gibt es viele Meinungen zur wirklichen und vermeintlichen Wirksamkeit der Impfung, aber wenig Fakten. Und von den Fakten, die ich bisher filtern konnte, sprechen mehr gegen als für eine Impfung.
Und da liegt das Problem. Nicht im mangelnden Gemeinschaftssinn. Denn wenn eine Impfung nicht sicher schützt, weil eben alle Grippe Viren bekannt dafür sind, kontinuierlich zu mutieren aber dafür ein Risiko mit sich bringt ernsthaft zu erkranken und bleibende Schäden davon zu tragen, dann mag ich mir eigentlich nicht anhören müssen, kein Verantwortungsgefühl für die Gemeinschaft zu haben, auch nicht von jemandem, der stillschweigend die Wirksamkeit voraussetzt und die Risiken ausblendet.
Das Stammtisch-Niveau hier nervt. Der Impfstoff den die Bundesregierung gekauft hat, ist weder besser noch schlechter als der Adjuvans-haltige. Wenn Sie einen Kommentar machen, dann informieren Sie sich doch bitte. Genauso wenig wie die Ull-Dienstwagen Affäre eine Affäre war. Es kann kein Wissenschaftler wissen (ich auch nicht) was besser oder schlechter ist. Gegen die Ausbreitung des Virus ist eine Impfung sicherlich sinnvoll...das scheint aber hoffnungslos zu sein, wenn undifferenzierte Stammtischparolen nur dazu führen, dass die Bevölkerung noch mehr verunsichert wird.
PS...habe ich mich heute MIT adjuvans impfen lassen (Pandemix)
wenn sie noch mal nachlesen mögen: ich habe nichts von bessserem oder schlechterem impfstoff geschrieben sondern angemerkt, dass für schwangere und allergiker NICHT empfohlener impfstoff bei unseren 'unverzichtbarsten' eingesetzt wurde und leiderleider nichts für die genannten risikogruppen (mehr?) da ist. so eine dem gemeinwohl verpflichtete 'umsicht', denk ich, darf mensch wohl als dumpfbackig bezeichnen.
der impfstoff heiesst PandRemix.
Pandemix ist vielleicht einer aus asterix&co
wenn sie noch mal nachlesen mögen: ich habe nichts von bessserem oder schlechterem impfstoff geschrieben sondern angemerkt, dass für schwangere und allergiker NICHT empfohlener impfstoff bei unseren 'unverzichtbarsten' eingesetzt wurde und leiderleider nichts für die genannten risikogruppen (mehr?) da ist. so eine dem gemeinwohl verpflichtete 'umsicht', denk ich, darf mensch wohl als dumpfbackig bezeichnen.
der impfstoff heiesst PandRemix.
Pandemix ist vielleicht einer aus asterix&co
...da hat aber einer aufgepasst. der typo ist mir auch aufgefallen. Sorry hiefür. Das Stammtischniveau bleibt dennoch, oder wo nehmen sie ihre hellseherischen fähigkeiten her: "und so schlimm soll das dann ja auch nicht sein."
Mir geht einfach nicht in den Kopf, wie man eine so dezidierte Meinung zu so einem komplexen Sachverhalt hat. Ob es schlimm wird, wissen weder sie, noch ich, noch sonst ein Experte. Eine Impfung erscheint sinnvoll. Wenn Sie in die Zukunft blicken können, dann lassen sie uns doch alle an ihren fähigkeiten teilhaben u. nennen sie uns die lottozahlen der nächsten wochen.....
dann Pandemrix und nicht PandRemix...hat nämlich nichts mit Remix oder sonst wie mit Musik zu tun
der impfstoff heiesst Pandemrix.
PandRemix ist vielleicht was vom letzten Scooda-Album
also: hatte das gefühl "da war doch 'n R drin" und dann nach pandemix gegoogelt - nicht so überzeugend, dann mit pandremix versucht, treffer über treffer - und leider aufgesessen. also zeit98789 hat 100 punkte (früher sternchen :-)), monastrol und ich mickern dann eben mit 0.
zu meinen "hellseherischen fähigkeiten": die gehen wohl gegen null, sonst hätte ich vor den satz mit dem 'nicht so schlimm' noch ein [Ironie An] gesetzt. sie werden also weiter selber für ihre sechs richtigen sorgen müssen. für die nieten allerdings auch...
und jetzt hören sie auf mit den stammtischniveau-stammtischgeschwätz
Mein Sinn fürs Gemeinwohl sagt mir: Mach nicht mit, wenn Regierungsvertreter eine Milliarde ans Steuergeldern (ich denke mal auf Pump) einfach so an die Pharmaindustrier verschenkt, weil diese sie geschickt unter Druck gesetzt hat.
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