SPD-Vorsitzende Gabriel will mit Lafontaine reden

Der neue SPD-Chef wünscht sich einen unverkrampften Umgang mit seinem Vorvorvorvorvorgänger. Auch wenn Gabriel gerade viel und zu allem etwas sagt, hier hat er Recht.

SPD-Chef Sigmar Gabriel

SPD-Chef Sigmar Gabriel

In dem vielen, das SPD-Chef Sigmar Gabriel dieser Tage von sich gibt, droht eine wirklich herausragende Positionsveränderung dennoch übersehen zu werden. Gabriel fordert nicht nur den Rücktritt von von Verteidigungsminister zu Guttenberg, er ist nicht nur strikt dagegen, mehr Bundeswehr-Soldaten nach Afghanistan zu schicken. Er will nicht nur Hartz IV korrigieren. Nein, er ist auch bereit, mit Oskar Lafontaine, dem Linken-Chef und Vorvorvorvorvorgänger in der SPD-Führung, zu reden.

Natürlich, sagt Gabriel. Also, das heißt erst einmal, dass die Isolierung aufgehoben ist. Lafontaine soll demnach wie ein ganz normaler Politiker einer anderen Partei behandelt werden, die sich ebenfalls in der Opposition befindet; nicht mehr wie Luzifer, der gefallene Engel des Lichts, was ihm auch immer so etwas Dämonisches gab, von dem manche fasziniert sind. Das zu beenden durch betonte Normalität und ein Ende der Kontaktsperre ist ein richtiger Plan.

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Denn dann wird Lafontaines Bedeutung geschrumpft und er viel eher auf der sachlichen Ebene gestellt werden können, zum Beispiel mit der Frage: Wie hältst du’s mit dem Regieren? Auf diese Frage gibt der Linken-Chef, damit nicht unumstritten in seiner Partei, eine betonsozialistisch wirkende Antwort. Das herauszuarbeiten, verspricht Gewinn.

Ja, Gabriel traut sich was: es mit Lafontaine aufzunehmen. Das erinnert an den Wahlkampf, als er dessen Inanspruchnahme von Willy Brandt mit seinem Wissen um die SPD-Historie konterte. Da schaute auch der Saarländer. Hinzu kommt: Kannst du deinen Gegner nicht besiegen, umarme ihn. So ähnlich lehrte es Mao. Es wird spannend zu sehen sein, wem zuerst die Luft wegbleibt.

Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 21.12.2009

 
Leser-Kommentare
  1. Endlich schafft es die SPD Führung über ihren eigenen Schatten zu springen und mit dieser Diabolisierung der Linkspartei aufzuhören.
    Nicht nur hat das der Linkspartei bisher einseitig sehr genützt, sondern die SPD hat dadurch stets zu leiden gehabt. (Stichbruch Wortbruch)
    Vielen Dank!

  2. 2. Unzeit

    "Gabriel will mit Lafontaine reden. Auch wenn Gabriel gerade viel und zu allem etwas sagt, hier hat er Recht."

    Kein Mensch weiß doch zur Zeit, ob Lafontaine jemals wieder in die Politik zurückkehrt, ob er jemals wieder eine wichtige Funktion bei den Linken haben wird, ob er bei den Linken überhaupt wieder einen Fuß auf den Boden bekommen wird. Lafontaine ist auch bei den Linken nicht unumstritten.

    Warum sollte dann aktuell die Idee eines Gesprächs Gabriel / Lafontaine schlau sein. Am Ende kann sich herausstellen, dass der richtige Gesprächstermin verpasst wurde.

  3. "Es wird spannend zu sehen sein, wem zuerst die Luft wegbleibt."

    Schwarz-Gelb?

    Sollte Gabriel diese Annäherung lediglich aus parteitaktischem Kalkül vollziehen, ohne die SPD wirklich inhaltlich neu auszurichten, wird es ein weiteres böses Erwachen für die SPD geben. Die neoliberale Schröderimpfung wirkt nach.

    Der Tagesspiegel hat noch viel zu lernen.

    MfG
    AoM

  4. .
    Gabriel kann's!

    "Kannst du deinen Gegner nicht besiegen, umarme ihn."

    Die Linke ist eine Seifenblase, sie schillert schön und trotz scheinbar der (politischen) Schwerkraft.

    Sobald man sie berührt: Peng!

    Gabriel macht das Richtige. Lafontaine kommt das ungelegen.

  5. > Nein, er ist auch bereit, mit Oskar Lafontaine, dem Linken-Chef und Vorvorvorvorvorgänger in der SPD-Führung, zu reden. <
    Abgesehen von einer schon wieder angekündigten Korrektur von Hartz IV (wie soll die Korrektur aussehen?), worüber will er mit Lafontaine reden? Über die SPD?
    Ich stimme "Heureka" zu ... > ... ohne die SPD wirklich inhaltlich neu auszurichten, wird es ein weiteres böses Erwachen für die SPD geben. <
    Bisher habe ich jedenfalls absolut nichts konkretes von Gabriel und/oder der SPD gehört.

  6. oder hat sich die community seit Einführung des neuen layouts (oder wie das heisst) und den neuen Regeln für das Forum politisch um nahenzu 180% gedreht? Ich verfolge die Beiträge nun seit Jahren und bin sehr sicher, dass ein Schwenk von einer mehrheitlich links- zu einer überwiegend konservativ-liberal- bis deutlich rechtsorientierten community stattgefunden hat-und dies ziemlich abrupt.Seh nur ich das so?Hat jemand dafür eine vernünftige Erklärung?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Sehe ich auch so, habe keine Erklärung. Würde mich aber auch interessieren. Zumal mich neoliberal-konservatives Geschwätz nun wirklich sehr stört.

    es würde mich über meine privaten Misserfolge hinwegtrösten, käme es in den nöchsten vier jahren, bis zur nächsten wahl, einheit zwischen den Grünen, den Roten und den noch Roteren, denn so würde meine Vision eines Deutschlands für Tiere, Umwelt, Realisten und Sozialisten doch noch im Ansatz seine realisietung finden. Jedenfalls ist eine große Koalition genau so großer Mist wie eine Schwarz-Gelbe regierung der Pseudo-Chrsiten und Reichen-in-den-Arsch-Kriecher. Da bleibt eben nur eine Ausrichtung nach Links der grünen un der SPD. und mal ehrlich, das wäre auch das beste für Deutschland, wir brauchen das. Politik muss auf alle Bürger gemünzt sein und nicht nur auf solche die in der privatwirtschaft erfolge vorweisen können. Jede rmuss gut lebenkönnnen, ob er nun etwas besonderes kann oder nicht. Ich sehe das täglich. es gibt so viele unqualifizierte leute, die einfahc keinen Job bekommen, und dann raffen die sich irgend wann auf und arbeiten für Obdachlose in der Suppenküche, in den Aidshilfen und Tierheimen, ohne Bezhalung, Ehrenamtlich. Das sind auch Leistungsträger, nur hat eine Neoliberale Diktatur der privatwirtschaft keinen platz angedacht für die wahren moralischen Leistungsträger. Wir brauchen sozialistische Stränge in einer Gesellschaft genauso wie wir eine deutlich radikalere Demokratisieerung brauchen. Bürgerrechte gehören gestärkt. Bürgerentscheide eingeführt. Wir brauchen Soziale und Gerechte menschen, wir brauchen Rot-Rot-Grün.

    Sehe ich auch so, habe keine Erklärung. Würde mich aber auch interessieren. Zumal mich neoliberal-konservatives Geschwätz nun wirklich sehr stört.

    es würde mich über meine privaten Misserfolge hinwegtrösten, käme es in den nöchsten vier jahren, bis zur nächsten wahl, einheit zwischen den Grünen, den Roten und den noch Roteren, denn so würde meine Vision eines Deutschlands für Tiere, Umwelt, Realisten und Sozialisten doch noch im Ansatz seine realisietung finden. Jedenfalls ist eine große Koalition genau so großer Mist wie eine Schwarz-Gelbe regierung der Pseudo-Chrsiten und Reichen-in-den-Arsch-Kriecher. Da bleibt eben nur eine Ausrichtung nach Links der grünen un der SPD. und mal ehrlich, das wäre auch das beste für Deutschland, wir brauchen das. Politik muss auf alle Bürger gemünzt sein und nicht nur auf solche die in der privatwirtschaft erfolge vorweisen können. Jede rmuss gut lebenkönnnen, ob er nun etwas besonderes kann oder nicht. Ich sehe das täglich. es gibt so viele unqualifizierte leute, die einfahc keinen Job bekommen, und dann raffen die sich irgend wann auf und arbeiten für Obdachlose in der Suppenküche, in den Aidshilfen und Tierheimen, ohne Bezhalung, Ehrenamtlich. Das sind auch Leistungsträger, nur hat eine Neoliberale Diktatur der privatwirtschaft keinen platz angedacht für die wahren moralischen Leistungsträger. Wir brauchen sozialistische Stränge in einer Gesellschaft genauso wie wir eine deutlich radikalere Demokratisieerung brauchen. Bürgerrechte gehören gestärkt. Bürgerentscheide eingeführt. Wir brauchen Soziale und Gerechte menschen, wir brauchen Rot-Rot-Grün.

  7. Da bleibt mir auch die Spucke weg - die SPD wird Anhängsel der Linken, wenn Gabriel sich in seiner Partei durchsetzt.

    Ja, ja, würg' den Oskar, Sigmar! Oder noch besser überhole ihn noch linker, mit Marx, Engels, Lenin.

    Dann versteht eventuell auch Herr piepenkopp, weshalb hier einige auf Rot allergisch reagieren.

    "Es wird spannend zu sehen sein, wem zuerst die Luft wegbleibt." --- Ich denke Gabriel gewinnt, er ist größer,jünger und auch dicker als Lafotaine ;-)

    • xpol
    • 21.12.2009 um 21:23 Uhr

    Aus der PDS-Ecke der LINKEn kam ja schon die Äusserung, dass man sich eine Wiedervereinigung der beiden Parteien durchaus vorstellen könnte.
    Lafontaine steht dem noch im Wege, also muss Gabriel mit ihm sprechen.

    Einen gemeinsamen Namen gäbe es ja schon: SED

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