Phil Jones sieht so nett aus, als könnte er kein Wässerchen trüben. Offener, ein wenig schüchterner Blick, kurzes Strubbelhaar, kariertes Hemd und Pulli – ein Naturwissenschaftler, wie er im Buche steht. Und ein wichtiger dazu. Denn der 1952 geborene Jones leitet die Abteilung für Klimaforschung an der Universität von East Anglia im englischen Norwich.

Jones’ Abteilung ist ein echtes Dickschiff der Klimaforschung, der Wissenschaftler selbst einer der Köpfe des Weltklimarates IPCC. Der Schwerpunkt seiner Arbeit ist die Klimaarchäologie, also die Rekonstruktion der klimatischen Vergangenheit.

Kurz vor dem Klimagipfel in Kopenhagen ist Jones – und mit ihm die etablierte Klimaforschung – das Opfer einer Guerillaattacke von Skeptikern geworden. Diese hackten sich in interne Datenbanken seiner Abteilung ein und stellten hunderte vertraulicher E-Mails und Dokumente auf ihre Webseiten.

Und plötzlich wirkt der nette Jones gar nicht mehr so nett – etwa, wenn er einem Kollegen über zwei Studien schreibt, dass er diese aus dem nächsten IPCC-Report heraushalten werde, "koste es, was es wolle – und wenn ich umdefinieren muss, was begutachtete Fachliteratur ist". Am Ende wurden die Untersuchungen trotzdem aufgeführt und diskutiert.

Dennoch sind solche E-Mail-Fetzen Wasser auf die Mühlen der Skeptiker, von denen manche glauben, dass die ganze Geschichte vom menschengemachten Klimawandel eine einzige Verschwörung von Gutmenschen und Forschern ist. Diese Behauptungen hält Jones naturgemäß für "völligen Unfug". Trotzdem lässt er sein Amt nun ruhen, bis eine unabhängige Kommission die Vorgänge um die E-Mails geklärt hat. Der Druck auf Jones muss erheblich sein.

Es ist sehr unwahrscheinlich, dass die Wissenschaft umdenken muss. Die Indizien für einen menschlichen Einfluss auf das Klima sind erdrückend, der Klimawandel real. Die Belege dafür gehen weit über die in den E-Mails debattierten Untersuchungen hinaus. Aber das in England und den USA lebhaft diskutierte "Climategate" zeigt, wie heftig um die Deutungshoheit gerungen wird.

Und je einschneidender die Maßnahmen im Kampf gegen den Klimawandel werden, umso lauter wird gestritten werden. Hoffentlich dann nicht nur über paranoide Komplottbehauptungen, sondern auch über den Weg, wie wir mit dem Klimawandel umzugehen haben. Das ist die eigentlich entscheidende Frage.

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 04.12.2009)