McChrystal-Entlassung Schaden für die Kontrolle der Mächtigen
In den US-Medien wird die McChrystal-Affäre nun aus anderer Perspektive beleuchtet. Auch der Journalist habe unverantwortlich gehandelt und Regeln des Metiers gebrochen.
Anfangs war Amerika geschockt über die Welt der Soldaten. Ein Artikel im Musikmagazin Rolling Stone deckte auf , wie abfällig der Oberbefehlshaber in Afghanistan, Stanley McChrystal, und sein Stab über die politische Führung in Washington reden. McChrystal musste gehen.
Nun ist Amerika irritiert über die Welt der Medien. Angesehene Zeitungen wie die New York Times und die Washington Post , die nicht im Ruf besonderer Nähe zum Militär stehen, werfen dem Autor des Artikels, Michael Hastings, vor, er habe die Regeln des Metiers gebrochen. Mehrfach hatte er Zugang zum inneren Kreis um McChrystal, da er für ein Porträt des Generals sehen wollte, wie er im Team agiert. Als der Stab und Hastings wegen der Vulkanaschewolke in Paris festsaßen, durfte der Journalist zur Feier des 33. Hochzeitstags des Generals in eine Bar mitkommen. Es floss viel Alkohol. Dort fielen die meisten der respektlosen Äußerungen. Sie stammen nicht vom General. Es sind Zitate seiner Mitarbeiter, wie McChrystal denke. Sie waren nicht zur Veröffentlichung bestimmt.
Das ist noch kein Grund, den General für das unschuldige Opfer eines außer Kontrolle geratenen Journalisten zu halten. McChrystal und seine Leute bestreiten nicht, dass sie untereinander so rüde über die politische Führung geredet haben. Das allein reicht, um einen Kommandeur zu feuern, hat Generalstabschef Mullen bekräftigt.
Doch aus Sicht mehrerer renommierter US-Journalisten ist ebenso klar, dass Hastings seiner Verantwortung nicht gerecht geworden ist und sein Verhalten die Zugangs- und Informationsmöglichkeiten der Medien beschädigen wird. Herausragender politischer Journalismus beruht auf einer sehr feinen Balance: sich genug Vertrauen zu erwerben, dass wichtige Akteure ehrlich über ihre Handlungsoptionen, Gefühle und Motive sprechen – ohne sich dabei zu deren Kumpanen zu machen. Stets gehört dazu auch das Verantwortungsbewusstsein, dass die Veröffentlichung einer Information manchmal mehr Schaden anrichtet, als sie der Aufklärung nutzt.
Bundeswehroffiziere in Kabul lassen beim Bier nach Dienstschluss auch manchmal ihrer Frustration über die Politik in Berlin freien Lauf. Würde die deutsche Afghanistan-Strategie besser und der Nato-Erfolg wahrscheinlicher, wenn man die Zitate druckt?
Schon heute ist der Zugang der Medien zur Obama-Regierung eng begrenzt. Er wird nun noch schwerer werden. Die McChrystal-Affäre hat der Kontrolle der Mächtigen wohl mehr geschadet als genutzt.
- Datum 27.06.2010 - 18:26 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 11
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weiß man wie es um die s.g. Demokratien bestellt ist.
"Schon heute ist der Zugang der Medien zur Obama-Regierung eng begrenzt."
" Hastings seiner Verantwortung nicht gerecht geworden ist und sein Verhalten die Zugangs- und Informationsmöglichkeiten der Medien beschädigen wird."
Soll dieser Satz heißen, dass Journalisten in der s.g. freien Welt nur Machteliten genehmen Journalismus betreiben, die Antwort kann nach lesen dieses Artikels nur ja sein.
Der Autor spricht von Verantwortungsbewusstsein, dabei impliziert er das Verantwortungsbewusstsein gegenüber den Machteliten und deren Machterhalt und nicht gegenüber dem Volk, was man als Bürger sicherlich als bedenklich einstufen sollte.
und erfordert auf Seiten der Journalisten in der Tat eine große Verantwortung.
Wenn man von einem Journalisten interviewt wird, hat man regelmäßig ein ungutes Gefühl. Der Journalist geht mit einer Idee für einen jounalistischen Beitrag in das Interview, die oft nicht erkennbar ist.
Das Gespräch wird nachfolgend dann in einem Beitrag erwähnt, allerdings oft so, dass es in den vorgefassten Plan des Journalisten passt. Hierfür werden vielfach Sätze aus dem Zusammenhang gerissen, verkürzt und durch Interpretation die Aussagen verzerrt.
Wenn man wiederholt solche Erlebnisse hatte ist es kein Wunder, dass man auf Gesprächswünsche der Presse nicht sehr erfreut reagiert und sich jedes Wort, das man äußert, mindestens dreimal überlegt, ob es nicht falsch verstanden werden kann, insbesondere wenn es aus dem Zusammenhang gerissen zitiert wird.
Es ist ein Unterschied, betrunken in einer Bar im engsten Kreise seinem Unmut Luft zu machen oder das in einer Zeitung mit Millionen Lesern zu machen. Und denken Sie mal drüber nach, ob alles, was sie ihren Freunden und Kollegen in solch einer Situation erzählen, auch in der Lokalzeitung gedruckt werden dürfte. Ich tippe auf: nein.
Die andere Seite des Vertrauens: Obama - z.B. - vertraut, dass seine Generäle ihm Bericht erstatten und Beschwerden zu ihm kommen, da er in letzter Konsequenz verantwortlich ist. Und da ist es verständlich, dass er das nicht zuerst im Rolling Stone lesen will.
Wenn wir in unserer Gesellschaft jeden feuern würden, der im privaten (teilweise angeheiterten) Rahmen undifferenziert Kritik an den jeweiligen Chefs äußert (die oft genug wenn auch politisch unkorrekt sogar gerechtfertigt ist), dann würde wohl kaum einer auf seinem Posten verbleiben.
In privater Runde Druck abzulassen ist eine Sache, wissentlich in der Presse eine ganz andere. Kann sich jeder ja mal vorstellen seine eigenen persönlichen Meinungen über Kollegen und Vorgesetzte würden immer gleich in der New York Times veröffentlicht...
und erfordert auf Seiten der Journalisten in der Tat eine große Verantwortung.
Wenn man von einem Journalisten interviewt wird, hat man regelmäßig ein ungutes Gefühl. Der Journalist geht mit einer Idee für einen jounalistischen Beitrag in das Interview, die oft nicht erkennbar ist.
Das Gespräch wird nachfolgend dann in einem Beitrag erwähnt, allerdings oft so, dass es in den vorgefassten Plan des Journalisten passt. Hierfür werden vielfach Sätze aus dem Zusammenhang gerissen, verkürzt und durch Interpretation die Aussagen verzerrt.
Wenn man wiederholt solche Erlebnisse hatte ist es kein Wunder, dass man auf Gesprächswünsche der Presse nicht sehr erfreut reagiert und sich jedes Wort, das man äußert, mindestens dreimal überlegt, ob es nicht falsch verstanden werden kann, insbesondere wenn es aus dem Zusammenhang gerissen zitiert wird.
Es ist ein Unterschied, betrunken in einer Bar im engsten Kreise seinem Unmut Luft zu machen oder das in einer Zeitung mit Millionen Lesern zu machen. Und denken Sie mal drüber nach, ob alles, was sie ihren Freunden und Kollegen in solch einer Situation erzählen, auch in der Lokalzeitung gedruckt werden dürfte. Ich tippe auf: nein.
Die andere Seite des Vertrauens: Obama - z.B. - vertraut, dass seine Generäle ihm Bericht erstatten und Beschwerden zu ihm kommen, da er in letzter Konsequenz verantwortlich ist. Und da ist es verständlich, dass er das nicht zuerst im Rolling Stone lesen will.
Wenn wir in unserer Gesellschaft jeden feuern würden, der im privaten (teilweise angeheiterten) Rahmen undifferenziert Kritik an den jeweiligen Chefs äußert (die oft genug wenn auch politisch unkorrekt sogar gerechtfertigt ist), dann würde wohl kaum einer auf seinem Posten verbleiben.
In privater Runde Druck abzulassen ist eine Sache, wissentlich in der Presse eine ganz andere. Kann sich jeder ja mal vorstellen seine eigenen persönlichen Meinungen über Kollegen und Vorgesetzte würden immer gleich in der New York Times veröffentlicht...
und erfordert auf Seiten der Journalisten in der Tat eine große Verantwortung.
Wenn man von einem Journalisten interviewt wird, hat man regelmäßig ein ungutes Gefühl. Der Journalist geht mit einer Idee für einen jounalistischen Beitrag in das Interview, die oft nicht erkennbar ist.
Das Gespräch wird nachfolgend dann in einem Beitrag erwähnt, allerdings oft so, dass es in den vorgefassten Plan des Journalisten passt. Hierfür werden vielfach Sätze aus dem Zusammenhang gerissen, verkürzt und durch Interpretation die Aussagen verzerrt.
Wenn man wiederholt solche Erlebnisse hatte ist es kein Wunder, dass man auf Gesprächswünsche der Presse nicht sehr erfreut reagiert und sich jedes Wort, das man äußert, mindestens dreimal überlegt, ob es nicht falsch verstanden werden kann, insbesondere wenn es aus dem Zusammenhang gerissen zitiert wird.
Es ist ein Unterschied, betrunken in einer Bar im engsten Kreise seinem Unmut Luft zu machen oder das in einer Zeitung mit Millionen Lesern zu machen. Und denken Sie mal drüber nach, ob alles, was sie ihren Freunden und Kollegen in solch einer Situation erzählen, auch in der Lokalzeitung gedruckt werden dürfte. Ich tippe auf: nein.
Die andere Seite des Vertrauens: Obama - z.B. - vertraut, dass seine Generäle ihm Bericht erstatten und Beschwerden zu ihm kommen, da er in letzter Konsequenz verantwortlich ist. Und da ist es verständlich, dass er das nicht zuerst im Rolling Stone lesen will.
Warum hat man ein ungutes Gefühl, das kommt doch nur auf, wenn man etwas zu verbergen hat und nicht will das die Wahrheit ans
Licht kommt. Denn hätte man als Politiker nichts zu verbergen, wäre es für den Journalisten vollkommen uninteressant die Aussage zu verdrehen, wobei es natürlich einschliesst, dass allen Bürgern alle Informationen zur Verfügung stehen.
Bei ihrer Schlussfolgerung geht es um den Machterhalt, wie man z.B. an der Reaktion auf die Äußerungen des Bundespräsidenten a.D.
gut sehen konnte, er hat die Wahrheit gesagt, was natürlich den Machteliten nicht Recht war und hat den Preis dafür bezahlt, imho
in vollem Bewußtsein.
#3
Die Antwort ist nicht nein sondern ja. Das aber auch etwas damit zu tun, dass ich immer meine, was ich sage, auch auf die Gefahr
hin den Preis dafür zu bezahlen, was ich übrigens schon mehrmals getan habe. Bin aber auch so erzogen worden.
Ich bin der Meinung, dass in einer Demokratie (leider leben wir in keiner) alle Information jedem Bürger unzensiert zur
Verfügung stehen sollte, nur so ist es möglich sich ein Bild zu machen, das eventuell auch Wahlen und Machtgefüge beeinflussen kann.
Und warum kommen denn die Generäle nicht zu Obama, weil sie wissen das es unter den Teppich gekehrt wird. Da dem Volk nicht zu getraut wird, sich eine Meinung zu bilden oder man Angst hat, dass es sich eine eigene Meinung bildet und anfängt zu denken.
Imho hat es E. Bernays in seinem Werk "Propaganda", wenn auch mit einer anderen Intention beschrieben.
Zunächst mal befassen sich Journalisten nicht nur mit Politikern. Wahrscheinlich kann man McChrystal nicht als solchen bezeichnen.
Das Hauptproblem ist, dass der Journalist eine Story haben will, die die Leute interessiert.
Nehmen wir mal exemplarisch die Bildzeitung: Wer will da eigentlich lesen, dass etwas der Wahrheit entspricht und vertretbar und ordnungsmäßig gelaufen ist?
Gefragt sind Knüller, Offenbarungen, Schlagzeilen.
Der Journalist hat also die Wahl, seine Arbeitszeit als verschwendet anzusehen, weil die Veröffentlich eines Artikels in dem drinsteht, dass die Welt in Ordnung ist praktisch unverkäuflich ist, oder doch noch irgendwie den Knochen abzunagen, der ihm hingeworfen wurde.
Natürlich sind Bild-Reporter zum Glück nicht der Maßstab für alle Zeitungen, aber die Versuchung besteht auch bei seriöseren Medien.
Zunächst mal befassen sich Journalisten nicht nur mit Politikern. Wahrscheinlich kann man McChrystal nicht als solchen bezeichnen.
Das Hauptproblem ist, dass der Journalist eine Story haben will, die die Leute interessiert.
Nehmen wir mal exemplarisch die Bildzeitung: Wer will da eigentlich lesen, dass etwas der Wahrheit entspricht und vertretbar und ordnungsmäßig gelaufen ist?
Gefragt sind Knüller, Offenbarungen, Schlagzeilen.
Der Journalist hat also die Wahl, seine Arbeitszeit als verschwendet anzusehen, weil die Veröffentlich eines Artikels in dem drinsteht, dass die Welt in Ordnung ist praktisch unverkäuflich ist, oder doch noch irgendwie den Knochen abzunagen, der ihm hingeworfen wurde.
Natürlich sind Bild-Reporter zum Glück nicht der Maßstab für alle Zeitungen, aber die Versuchung besteht auch bei seriöseren Medien.
Stimme dem Beitrag völlig zu, aber möchte dabei dennoch daran erinnern, dass man davon ausgehen kann, dass dies ein Stück weit von Mc Chrysler geplant war.
Ihn als Opfer schlechter Medienarbeit zu betrachten, würde ihn keineswegs richtig beschreiben.Ich muss daher leider nochmal in die Sprüchekiste greifen.
Es gibt in jeder Branche schwarze Schafe- aber ich persönlich kan mir gut vorstellen, dass der Ex-General diese eben für sein Vorhaben (den Schauplatz Afghanistan ohne Gesichtsverlust zu verlassen) gefunden hat.
Denn letztenendes verliert bei diesem Fauxpas des Authors im wesentlichen der Präsident (abgesehen vom Ansehen der Medien).
Der Umgang mit den Medien ist tatsächlich nicht unproblematisch: Die suchen die News, the Bad News. Das wissend, kann man sie benutzen - das negierend kann tödlich sein, denn selbst in besten Tagen liefert jeder Stoff für schlechte Vemutungen.
McChrystal wollte weg. Die Situation war eh nicht günstig, zudem drohte Obamas Abzugsdatum näher zu kommenein, ein Datum, welchesn den Gegner mobilisiert und die eigen Kräfte schwächt. Muß man dabei sein?
interesting times!
Zunächst mal befassen sich Journalisten nicht nur mit Politikern. Wahrscheinlich kann man McChrystal nicht als solchen bezeichnen.
Das Hauptproblem ist, dass der Journalist eine Story haben will, die die Leute interessiert.
Nehmen wir mal exemplarisch die Bildzeitung: Wer will da eigentlich lesen, dass etwas der Wahrheit entspricht und vertretbar und ordnungsmäßig gelaufen ist?
Gefragt sind Knüller, Offenbarungen, Schlagzeilen.
Der Journalist hat also die Wahl, seine Arbeitszeit als verschwendet anzusehen, weil die Veröffentlich eines Artikels in dem drinsteht, dass die Welt in Ordnung ist praktisch unverkäuflich ist, oder doch noch irgendwie den Knochen abzunagen, der ihm hingeworfen wurde.
Natürlich sind Bild-Reporter zum Glück nicht der Maßstab für alle Zeitungen, aber die Versuchung besteht auch bei seriöseren Medien.
Wenn wir in unserer Gesellschaft jeden feuern würden, der im privaten (teilweise angeheiterten) Rahmen undifferenziert Kritik an den jeweiligen Chefs äußert (die oft genug wenn auch politisch unkorrekt sogar gerechtfertigt ist), dann würde wohl kaum einer auf seinem Posten verbleiben.
In privater Runde Druck abzulassen ist eine Sache, wissentlich in der Presse eine ganz andere. Kann sich jeder ja mal vorstellen seine eigenen persönlichen Meinungen über Kollegen und Vorgesetzte würden immer gleich in der New York Times veröffentlicht...
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