Präsidentenwahl Komorowskis Sieg stärkt das moderne Polen
Bronislaw Komorowski hat die Stichwahl zum Präsidenten Polens für sich entschieden. Sein Erfolg ist ein Gewinn für Europa und Deutschland. Ein Kommentar
Die Polen haben, was sich bei uns eine Mehrzahl wünscht, aber nicht erhalten wird: die Direktwahl des Präsidenten. Bei einer Stichwahl, die notwendig wurde, weil keiner der Kandidaten vor vierzehn Tagen die absolute Mehrheit erhielt, setzte sich nun der Anwärter der als liberal-konservativ geltenden, regierenden Bürgerplattform (PO) durch.
Wer weiß, wie es bei einer Direktwahl zwischen Joachim Gauck und Christian Wulff ausgegangen wäre! Bronislaw Komorowski, bislang Parlamentspräsident, 58 Jahre alt, also sieben Jahre älter als Christian Wulff, hat jedenfalls die Nase vorn. Sein Konkurrent Jaroslaw Kaczyński von der nationalkonservativen Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) hat es nicht geschafft.
Das war zwar abzusehen, aber nicht vollkommen sicher – einmal, weil in den postkommunistischen Staaten die Parteiensysteme sich keineswegs bereits ideologisch ausbalanciert und pragmatisch konsolidiert haben; zum anderen und vor allem, weil Kaczyński die Nachfolge seines Bruders Lech antreten wollte, der bei dem Flugzeugabsturz von Smolensk ums Leben kam. Und das wiederum hieß: Lech Kaczyński, zu Lebzeiten hoch umstritten, wurde im legendären Krakauer Wawel unter den wenigen "Nationalheiligen" des tausendjährigen Polen bestattet, und die einflussreiche katholische Kirche unterließ nichts, um seinen Namen auf diese Weise an den eigentümlichen polnischen Opfer-Mythos anzubinden.
Gefallen für das Vaterland, hieß das, sei dieser Präsident wie einst, 1942, die von den Russen ermordeten Offiziere in Katyn, zu deren Gedenken er nach Smolensk geflogen war. Jaroslaw Kaczyński hoffte, von diesem Mythos und dem Mitgefühl der Polen zu profitieren.
Man muss dies mitdenken, um den Erfolg Komorowskis zu würdigen. Auch er wird ein konservativer Präsident sein, der Kandidat der Linken erhielt vor vierzehn Tagen gerade mal knappe vierzehn Prozent – es gibt, wenn man so will, keine intakte und starke Mitte-links-Politik in Polen.
Und dennoch, da kann man sich sicher sein, wird diese Wahlentscheidung zur Stabilisierung und zum Selbstbewusstsein eines modernen, europäischen Polen beitragen. Das Land übernimmt in der zweiten Hälfte des nächsten Jahres den Vorsitz in der EU, und es hat nun einen erfahrenen und europäischen Präsidenten, an der Seite des Parteifreundes und Premierministers Donald Tusk. Stark genug war Lech Kaczyński, um mit seiner Vetomacht – als vom Volk gewählter Präsident – dem Premier täglich Steine in den Weg zu legen und entscheidende Reformen zu blockieren. Das wird nun anders sein.
- Datum 05.07.2010 - 09:57 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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war Katyn deutsch besetzt. Der Mord wurde 1940 verübt und zwar von den Sowjets, nicht von den Russen.
Ich hate schon befürchtet, das sich Polen aus seinem tiefen aber sehr eigenen Schmerz über die "neuen" Toten von Katyn wieder sich rückwärts wendet. Glücklicherweise haben sich doch die vorwärtsgewandten Kräfte durchgesetzt. Danke. Ich kenne viele junge und außerordentlich gut ausgebildte und engagierte polnische Europäer, die richtigerweise die Zukunkt Ihres Landes nicht mehr im ewigen schwelgen in der Vergangenheit sehen, sondern endlich in enger Zusammenarbeit mit Deutschland zu einem gemeinsamen Europa kommen wollen, das unser aller Zukunt ist, im Wirtschaftskampf gegen die Großmächte China und USA. Denn, trotz aller Probleme, nur in einem gemeinsamen Europa haben wir eine Chance unser Vorstellung von sozialem Ausgleich und Gerechtigkeit durchzusetzten.
"Die Polen haben, was sich bei uns eine Mehrzahl wünscht, aber nicht erhalten wird..."
...eine eigene Währung.
Daran dachte ich sofort. Naja, nach dieser Wahl werden sie die wohl bald nicht mehr haben.
"Die Polen haben, was sich bei uns eine Mehrzahl wünscht, aber nicht erhalten wird..."
...eine eigene Währung.
Daran dachte ich sofort. Naja, nach dieser Wahl werden sie die wohl bald nicht mehr haben.
Mir wäre es lieber, wenn in die Wahlentscheidungen anderer Völker nicht so viel hineininterpretiert würde. Sobald Deutschland von konkreten Dingen berührt wird, kann Ihre Zeitungen noch immer loben oder kritisieren. Dass der Präsident der Regierung Steine in den Weg legen kann, versteht sich bei einer unmittelbaren Wahl des Präsidenten von selbst. Herr Gauck hätte sich nicht beworben, wenn es sich beim dt. Präsidenten um ein wirkliches politisches Amt in diesem Sinne handeln würde.
"Die Polen haben, was sich bei uns eine Mehrzahl wünscht, aber nicht erhalten wird..."
...eine eigene Währung.
Daran dachte ich sofort. Naja, nach dieser Wahl werden sie die wohl bald nicht mehr haben.
an Prädident Komorowski und Glückwunsch auch an Europa:
unser Nachbar hat einen umgänglichen neuen Präsidenten.
Das freut uns als Nachbarn.
happy loser
Ich kann mit dem Namen Komorowski nicht so viel anfangen. Aber ich habe dennoch gehofft, dass Kaczynski verliert. Wer nur mit rückwärts gewandten, ängstlichen Parolen agiert, verliert zu Recht.
Mag sein, dass das "ältere, östliche, ländliche" Polen mit seinen Ängsten auch seine Daseinsberechtigung hat. Wer aber ein modernes, europäisch orientiertes Polen möchte, muss diese Ängste verringern bzw. beseitigen. Kaczynski hat sie geschürt, um (mit ihnen als Vorwand) sagen zu können: "Wir bewegen uns lieber nicht Richtung Europa. Wir haben nur Angst, und so muss es bleiben".
Außerdem mag ich seine Anti-Deutschland-Haltung nicht. Man muss die Verbrechen, die Nazi-Deutschland in Polen verübt hat, im Gedächtnis behalten - aber das alleine ist kein Wegweiser in die Zukunft. Genau das wollte (und will) Kaczynski aber glauben - mit der Begründung: "Ich darf das, ich war bei Solidarnosc".
Aber zum Glück war die Mehrheit der polnischen Wählerschaft so klug, ihn nicht zu wählen.
dass Komorowskis Sieg nur von Vorteil für Polen und die EU ist.
Um zukunftssicher zu agieren MUSS Polen die EU akzeptieren und darf sich auf keinen Fall als ihr Gegner darstellen.
Wovor sollten die Polen auch Angst haben? Bisher hat die EU den meisten Mitgliedern nur Vorteile gebracht.
Erst das Bewußtsein dessen was wirklich geschah hilft die Zusammenhänge richtig einzuschätzen und zu verstehen. Ultrakonservative Teile des polnischen Klerus haben sogar noch am Wahlsonntag in vielen Kirchen massiv für Kaczyński agitiert und die Gläubigen einzuschüchtern versucht, die Stimmabgabe für Komorowski "wäre eine Todsünde"... Einige Geistliche verstiegen sich sogar zu der Behauptung, Komorowski wäre gar der Teufel selbst!
Städte mit über 20t Einwohnern stimmten dennoch mehrheitlich für Komorowski, wobei er mit steigender Einwohnerzahl im Schnitt eher bessere Ergebnisse bekam: so in Posen 72.3%, in Danzig 67.8%, in Breslau 64.6%, in Łódź 63.9%, in Krakau 60.1%. Komorowski erreichte in Warschau 63.4% der Stimmen, wobei Kaczyński jeden einzelnen der 18 Stadteile verlor (!!) und nur zwischen 28.9% der Stimmen in Ursynów und 44.1% in Praga-Północ bekam. Für Kaczyński stimmten überwiegend Leute mit geringem Bildungsstand, mit Berufsschul- oder Grundschulabschluß, diejenigen mit Abitur oder mit Hochschulabschluß votierten mehrheitlich für Komorowski. Kaczyński konnte nur in ländlich-traditionell geprägten Gebieten im Osten und Südosten Polens richtig absahnen, wo die Bevölkerung eher konservativ und fromm ist und das Wort "liberal" vielen ein Schimpfwort ist. Allerdings votierten auch die in Polen lebenden litauischen, weißrussischen und ukrainischen Minderheiten fast geschlossen gegen den nationalkonservativen und dauernd Streit mit den Nachbarn suchenden Kaczyński.
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