Leserartikel

Promotion Der weite Weg zum Doktor

Die Würde des Doktortitels sollte nicht unter den jüngsten Skandalen leiden, schreibt Leserin Wiebke Brüggemann. Denn Promovenden arbeiten viel für den Titel.

Doktoranden der Sorbonne warten auf die Verleihung der Promotionsurkunde.

Doktoranden der Sorbonne warten auf die Verleihung der Promotionsurkunde.

Karl-Theodor zu Guttenberg hatte ihn, Silvana Koch-Mehrin hat ihn (noch) und manche Studenten möchten ihn: den Doktortitel. Doch wie bekommt man ihn?

Vor der Verleihung des Doktortitels steht die Doktorarbeit, die Dissertation. Eine schriftliche Arbeit, für die auch schlaue Köpfe Jahre brauchen. Aber bevor der Promovend das Schreiben beginnen kann, hat er meist schon einen weiten Weg hinter sich. 

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Denn wer nicht wie zu Guttenberg aus einer gut situierten Familie stammt oder das Glück hat, an der Universität einen der rar gesäten Job als wissenschaftliche Hilfskraft zu ergattern, der muss Klinken putzen gehen, um die Zeit der Klausur am Schreibtisch zu finanzieren. Meist nicht nur eine Klinke oder zwei, sondern eher zwanzig bis dreißig.

Stiftungen vergeben das nötige Kleingeld für das geplante Promotionsvorhaben, aber verlangen dafür auch viel. Ausführliche Exposés, Gutachten zur Person und zur Arbeit, soziales oder politisches Engagement – oder besser beides – und natürlich ein passendes Profil des Bewerbers sind notwendig. All das muss der Stipendienanwärter aufweisen, belegen und in fünf- bis achtfacher Ausführung einreichen. Ob die zahlreichen Bewerbungen zum Erfolg führen, kann niemand genau sagen. Die Auswahl der Stipendiaten erscheint Bewerbern und auch einigen Doktorvätern fast schon willkürlich. Keiner kann den Anwärtern prognostizieren, ob und wann der erhoffte Geldsegen endlich einsetzt.

Setzt er nicht ein, helfen nur Gelegenheitsjobs, damit der Promovend nicht hungern muss. Alternativ kann der Beginn des Schreibprozesses zeitlich nach hinten geschoben werden. Das bedeutet nicht nur viel Papierkram mit Versicherungen, Finanzamt und Banken, sondern birgt auch die Gefahr, niemals mit dem Schreiben zu beginnen.

Von Einzelfällen abgesehen, hat jeder, der einen Doktortitel trägt, einen langen und steinigen Weg hinter sich. Hoffentlich schaden die aktuellen Skandale der öffentlichen Anerkennung des akademischen Grades nicht. Der Respekt für die Arbeit, die hinter dem Titel steckt, sollte gewahrt bleiben, damit die Würde des Doktortitels keinen Schaden nimmt.

 
Leser-Kommentare
    • wars
    • 18.05.2011 um 10:55 Uhr

    Danke für diesen Artikel. Zu ergänzen wäre, dass es auch Doktoranden gibt, die ihre Dissertation in "jahrelanger mühevollster Kleinarbeit" "neben einem anspruchsvollen Beruf und einer Familie mit kleinen Kindern" schreiben oder - wie in meinem Fall - fertigschreiben, ohne dabei dreist zu schummeln und irgendwelche mildernden Umstände geltend zu machen. Um irgendwann fertig zu werden und trotzdem für meine Kleinkinder da sein zu können, habe ich zum Teil nur Teilzeitjobs angenommen, interessante Positionen ablehnen müssen und einiges Geld in Kinderbetreuung investiert.

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    • Neon
    • 18.05.2011 um 16:08 Uhr

    Ein wahrhaft hartes Schicksal. Mir sind die Traenen gekommen!

    • Neon
    • 18.05.2011 um 16:08 Uhr

    Ein wahrhaft hartes Schicksal. Mir sind die Traenen gekommen!

    • Neon
    • 18.05.2011 um 16:08 Uhr

    Ein wahrhaft hartes Schicksal. Mir sind die Traenen gekommen!

    Eine Leser-Empfehlung
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    • Dirac
    • 23.05.2011 um 7:21 Uhr

    Muss man denn in Deutschland ständig für andere Leute arbeiten?! Ich verstehe nicht, wo das Problem läge, hätte der Doktorand die wissenschaftliche Arbeit nur für sich selbst getan. Darum geht es doch: Man sucht seine eigene Erfüllung, da einen das Thema so sehr interessiert, dass man einfach nicht "loslassen" kann. Ist doch schön, wenn jemand freiwillig diese extra Arbeit auf sich nimmt.
    Oder fragen Sie auch Künstler, inwieweit ihre Bilder/Musik/Gedichte der Menschheit nützen?!
    Und genauso, wie auf nahezu unendlich viele Maler oder Poeten ein van Gogh oder Goethe kommt, gibt es unter unzähligen Wissenschaftlern auch mal einen Dirac oder Kant.
    Dabei trägt trotzdem jeder zur Entwicklung bei, ein kleines Puzzle-Teil zum großen Bild.

    • DrNI
    • 23.05.2011 um 14:18 Uhr

    Wozu der Hohn? Der kommt doch bestimmt wieder von jemand, der eine Uni noch nicht von Innnen gesehen hat, aber dennoch über alles was dort läuft genau Bescheid weiß.

    Deutschland ist und bleibt akademikerfeindlich. Das ist nicht der Weg in die Zukunft. Die findet dann eben wo anders statt. Wenn die Gehirne dann alle ausgewandert sind, dann gibt's für die anderen auch keine Jobs mehr. Macht aber nix, denn Schuld sind dann ja wieder die Akademiker, weil sie eben ausgewandert sind.

    Man gewöhnt sich mit der Zeit eine schützende Überheblichkeit an, da man nicht dauernd vom Pöbel beleidigt werden möchte. Nur weil ihr es nicht versteht, heißt es noch lange nicht, dass es unnütz ist. Denkt mal drüber nach.

    • Dirac
    • 23.05.2011 um 7:21 Uhr

    Muss man denn in Deutschland ständig für andere Leute arbeiten?! Ich verstehe nicht, wo das Problem läge, hätte der Doktorand die wissenschaftliche Arbeit nur für sich selbst getan. Darum geht es doch: Man sucht seine eigene Erfüllung, da einen das Thema so sehr interessiert, dass man einfach nicht "loslassen" kann. Ist doch schön, wenn jemand freiwillig diese extra Arbeit auf sich nimmt.
    Oder fragen Sie auch Künstler, inwieweit ihre Bilder/Musik/Gedichte der Menschheit nützen?!
    Und genauso, wie auf nahezu unendlich viele Maler oder Poeten ein van Gogh oder Goethe kommt, gibt es unter unzähligen Wissenschaftlern auch mal einen Dirac oder Kant.
    Dabei trägt trotzdem jeder zur Entwicklung bei, ein kleines Puzzle-Teil zum großen Bild.

    • DrNI
    • 23.05.2011 um 14:18 Uhr

    Wozu der Hohn? Der kommt doch bestimmt wieder von jemand, der eine Uni noch nicht von Innnen gesehen hat, aber dennoch über alles was dort läuft genau Bescheid weiß.

    Deutschland ist und bleibt akademikerfeindlich. Das ist nicht der Weg in die Zukunft. Die findet dann eben wo anders statt. Wenn die Gehirne dann alle ausgewandert sind, dann gibt's für die anderen auch keine Jobs mehr. Macht aber nix, denn Schuld sind dann ja wieder die Akademiker, weil sie eben ausgewandert sind.

    Man gewöhnt sich mit der Zeit eine schützende Überheblichkeit an, da man nicht dauernd vom Pöbel beleidigt werden möchte. Nur weil ihr es nicht versteht, heißt es noch lange nicht, dass es unnütz ist. Denkt mal drüber nach.

  1. ...achja...ich suche übrigens ab 2012 eine Doktoratenstelle. ...Bin mal gespannt, wie auswendig dies wird !!!

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    • khage
    • 18.05.2011 um 21:26 Uhr

    Kein weiterer Kommentar!

    Suchen Sie nun eine "dokorantenstelle" oder eine "Doktoratenstelle"? Meinen Sie nicht, dass ein Rechtschreibkurs an der Volkshochschule vordringlich wäre? Oder ist Ihnen das auch zu "auswendig"? Bei manchen Leuten klaffen Sein und Anspruch schon sehr weit auseinander ...

    • khage
    • 18.05.2011 um 21:26 Uhr

    Kein weiterer Kommentar!

    Suchen Sie nun eine "dokorantenstelle" oder eine "Doktoratenstelle"? Meinen Sie nicht, dass ein Rechtschreibkurs an der Volkshochschule vordringlich wäre? Oder ist Ihnen das auch zu "auswendig"? Bei manchen Leuten klaffen Sein und Anspruch schon sehr weit auseinander ...

    • khage
    • 18.05.2011 um 21:26 Uhr
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    Antwort auf "suche dokorantenstelle"
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    • S.M.N.
    • 16.06.2011 um 18:57 Uhr

    Moin moin,

    ich weiß nicht ob ich Legastheniker, LR-schwach oder LR-gestört bin, jedenfalls bin ich ein Wechselstabenverbuxler.

    Ich habe 4 erlernte Berufe - u.a. bin ich Ingenieur für techn. Informatik und Diplom Mathematiker. Ich habe (noch) keinen Doktortitel - wohl hatte ich ein Angebot einer Begabtenförderungsstiftung für ein Promotionsstipendium
    - aber da ich nach dem Diplom schon 3 Kinder hatte, habe ich vormals familiäre Prioritäten gesetzt.

    Was will ich nun?

    Ich mag zur Aussage "Dann lernen Sie bitte erst die Rechtschreibung!" kommentieren:

    Sehr geehrter "khage",

    ich gehe mal davon aus, daß Sie neben Rechtschreibung auch weitere Fertigkeiten haben, aber offenbar haben Sie
    - was Ihr Kommentar impliziert -
    auch noch etwas dazuzulernen!

    MfG S.M.N. - Hamburg

    P.S.: Ich gebe mir auch nur ein gewisses Maß an Mühe, meine Fehler auszumerzen, da es sich gezeigt hat, daß es nur wenig Effektivität zeigt. Außerdem habe ich mein Berufsleben hinter mir und nehme mir nun - als Alters-Privatie - einfach heraus auch Texte mit potentiellen Fehlern zu veröffentlichen.

    • S.M.N.
    • 16.06.2011 um 18:57 Uhr

    Moin moin,

    ich weiß nicht ob ich Legastheniker, LR-schwach oder LR-gestört bin, jedenfalls bin ich ein Wechselstabenverbuxler.

    Ich habe 4 erlernte Berufe - u.a. bin ich Ingenieur für techn. Informatik und Diplom Mathematiker. Ich habe (noch) keinen Doktortitel - wohl hatte ich ein Angebot einer Begabtenförderungsstiftung für ein Promotionsstipendium
    - aber da ich nach dem Diplom schon 3 Kinder hatte, habe ich vormals familiäre Prioritäten gesetzt.

    Was will ich nun?

    Ich mag zur Aussage "Dann lernen Sie bitte erst die Rechtschreibung!" kommentieren:

    Sehr geehrter "khage",

    ich gehe mal davon aus, daß Sie neben Rechtschreibung auch weitere Fertigkeiten haben, aber offenbar haben Sie
    - was Ihr Kommentar impliziert -
    auch noch etwas dazuzulernen!

    MfG S.M.N. - Hamburg

    P.S.: Ich gebe mir auch nur ein gewisses Maß an Mühe, meine Fehler auszumerzen, da es sich gezeigt hat, daß es nur wenig Effektivität zeigt. Außerdem habe ich mein Berufsleben hinter mir und nehme mir nun - als Alters-Privatie - einfach heraus auch Texte mit potentiellen Fehlern zu veröffentlichen.

  2. Sehr zutreffend, kann ich aus eigener Beobachtung nur bestätigen.
    Leider mit einer Ausnahme, oder eigentlich mit vielen Ausnahmen, nämlich die der Promotionen in der Medizin und der Zahnmedizin. Es ist ein Skandal wie die Fakultäten der gleichen Universität so unterschiedliche Quantität und Qualitätsstandards tolerieren. Es ist höchste Zeit das die Anforderungen in der Medizin und der Zahnmedizin sich an die der anderen Wissenschaften angleichen. Der european research council ist da schon weiter, akademisch unsinnige Bezeichnungen wie Dr. Med. und Dr. Med. Dent, müssen dort ohne die Zusatzbezeichnung PhD. auskommen.
    Kultusminister, bitte übernehmen Sie!

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    • HH7
    • 19.05.2011 um 0:59 Uhr

    ...nach dem Grundstudium mit der Doktorarbeit. Zu dem Zeitpunkt haben sie klinisch noch keine Ausbildung erhalten.

    95% aller Ärzte/Zahnärzte haben einen Doktortitel - bei Chemikern und Physikern ist der Titel eher rar.

    Der Aufwand bis zum Doktorarbeit ist ein völlig unterschiedlicher. Wenngleich Ausnahmen sicher immer wieder das Gegenteil bestätigen.

    Eine Leser-Empfehlung
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    • Glawen
    • 19.05.2011 um 8:58 Uhr

    Das was sie schreiben stimmt nicht ganz. Bei den Chemikern haben fast 85% den Doktortitel. Das liegt daran, dass man ohne Doktortitel um einiges schlechtere Berufsaussichten hat und Dipl Chemiker irgendwie kaum noch als vollständige Berufsausbildung angesehen wird(es ist zwar natürlich eine aber die meisten Arbeitgeber verlangen nun einmal einen Dr rer nat). Deshalb hängen fast alle Dipl Chemiker noch 3-4 Jahre Laborarbeit an ihr Studium. Dafür bekommt man dann teilweise nur ein halbes Stipendium von ca 1000€ und eine 1/4 Hiwi-Stelle um die 250€. Mittlerweile geht es so wie ich gehört habe dann sogar so weit, dass die BASF teilweise einen Postdoc verlangt. Naja da gibt es dann aber wenigstens schon mal ein bisschen mehr Kohle.

    Dem Artikel stimme ich im übrigen zu. Viele arbeiten wirklich hart für ihren Doktortitel wobei es schon immer genug gab, auch außerhalb des Dr med (wobei es da ja auch wissenschaftliche Promotionen gibt), die ihren Doktor für ein Jahr Literaturrecherche neben dem Job bekommen haben. Wobei das bestimmt auch anstrengend ist aber dann doch schlecht mit 3-4 Jahren jeden Tag 9h im Labor stehen oder wie die Physiker gleich 5 Jahre zu vergleichen ist. Aber dafür gibt es dann ja die Anhängsel hinterm Dr.

    • Glawen
    • 19.05.2011 um 8:58 Uhr

    Das was sie schreiben stimmt nicht ganz. Bei den Chemikern haben fast 85% den Doktortitel. Das liegt daran, dass man ohne Doktortitel um einiges schlechtere Berufsaussichten hat und Dipl Chemiker irgendwie kaum noch als vollständige Berufsausbildung angesehen wird(es ist zwar natürlich eine aber die meisten Arbeitgeber verlangen nun einmal einen Dr rer nat). Deshalb hängen fast alle Dipl Chemiker noch 3-4 Jahre Laborarbeit an ihr Studium. Dafür bekommt man dann teilweise nur ein halbes Stipendium von ca 1000€ und eine 1/4 Hiwi-Stelle um die 250€. Mittlerweile geht es so wie ich gehört habe dann sogar so weit, dass die BASF teilweise einen Postdoc verlangt. Naja da gibt es dann aber wenigstens schon mal ein bisschen mehr Kohle.

    Dem Artikel stimme ich im übrigen zu. Viele arbeiten wirklich hart für ihren Doktortitel wobei es schon immer genug gab, auch außerhalb des Dr med (wobei es da ja auch wissenschaftliche Promotionen gibt), die ihren Doktor für ein Jahr Literaturrecherche neben dem Job bekommen haben. Wobei das bestimmt auch anstrengend ist aber dann doch schlecht mit 3-4 Jahren jeden Tag 9h im Labor stehen oder wie die Physiker gleich 5 Jahre zu vergleichen ist. Aber dafür gibt es dann ja die Anhängsel hinterm Dr.

  3. Ich glaube, dass die Affäre von zu Guttenberg die Wissenschaft wirklich weitergebracht hat. Wie das?
    .
    Ich durchsuchte vor einiger Zeit für einen Seminarvortrag (Fach Statistik) die UB nach Literatur zum Thema, auch eine Reihe Doktorarbeiten, die, wie ich hoffte, Material zu meinem Thema enthalten könnten. Die meisten der Arbeiten, die ich durchsah, kamen aus den Wirtschaftswissenschaften.
    .
    Jetzt mal ehrlich - wenn alle die Autoren da "einen langen und steinigen Weg hinter sich" haben, dann hab ich mit meinem Vortrag ein Ticket nach Stockholm gelöst! Nee, das war nix, Leute! Da habt ihr euch ein' abgebrochen, um schneller die Karriereleiter hoch zu fallen. Mit wissenschaftlichem Anspruch haben die meisten dieser Arbeiten wenig am Hut!
    .
    Zu Guttenbergs Affäre hat hier für ein bisschen mehr Bescheidenheit gesorgt, denn fortan gilt nicht mehr automatisch jeder als Gelehrter, der ein "Dr." vor dem Namen trägt.

  4. Der Doktor war als wissenschaftliche Qualifikation (Fähigkeit zum selbstständigen wissenschaftlichen Arbeiten) gedacht. Ein grosser Teil des Problems kommt von denen, die den Titel für die "Würde", die Haustür und zur Beschleunigung einer nicht-wissenschaftlichen Karriere (als Politiker, Rechtsanwalt...) anstreben ohne sich eigentlich für Forschung zu interessieren.

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