Wir könnten viel risikofreudiger sein, meint Leser Alexander Jussupow. Aber leider sind Fehler und Niederlagen in unserer Gesellschaft zu sehr verpönt.
Wir leben in einer reichen Gesellschaft. Jeder Mensch, von wenigen Ausnahmen abgesehen, ist gegen die größten Gefahren abgesichert. Also müssten wir doch eigentlich besonders risikobereit sein.
Das sind wir aber nicht. Wir ziehen den Spatz in der Hand der Taube auf dem Dach vor. Denn Scheitern ist verpönt. Dieses Verhalten zieht sich durch unsere gesamte Gesellschaft.
Viele Reformvorhaben in der Politik werden zerredet, bevor sie überhaupt konkrete Formen annehmen. Dabei ist doch häufig eine schlechte Entscheidung besser als gar keine! Oft ist es auch sinnvoller, einen Weg zu gehen, mit dem man nicht einverstanden ist, als auf der Kreuzung stehen zu bleiben und zu blockieren.
In den Bereichen, wo Leistung angeblich so wichtig ist, wird persönliches Scheitern besonders stark geächtet. So zum Beispiel in der Fußball-Bundesliga, wo in der Mitte der Saison Trainer vorzeitig entlassen werden, weil sie nicht die gewünschten Erfolge bringen. Dabei ist jedem Sportler klar, dass Erfolge Zeit brauchen und sich nicht herbeizaubern lassen. Misserfolge gehören zum Sport dazu. Wer siegen will, muss auch lernen, Niederlagen einzustecken.
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Weitere Beispiele finden sich in unserem Alltag. Wie oft kneifen wir vor neuen Möglichkeiten, weil sie vielleicht mit etwas mehr Arbeit verbunden wären oder wir uns der Aufgabe nicht gewachsen fühlen? Wie oft antworten wir auf Vorschläge mit einem zögerlichen "Ja, aber...", obwohl wir wissen, dass der Vorschlag gut und richtig ist? Wie oft sagen wir nicht unsere ehrliche Meinung oder stellen eine Frage nicht, aus Angst, wir könnten uns blamieren? Wie oft lehnen wir Optionen ab, ohne eine Alternative zu nennen? Wem von uns fällt es leicht, Fehler einzugestehen? Wie oft waren wir schon froh, wenn jemand anderes für uns Entscheidungen trifft?
Der Versager steckt in jedem von uns.
Natürlich ist eine gesunde Menge Konservativismus in der Gesellschaft richtig. Nicht jeder sollte immer alles riskieren. Eine Gesellschaft braucht auch vorsichtige Menschen. Ohne diese vorsichtigen Beobachter hätte die Menschheit nicht bestehen können. Doch diese Vorsicht, die früher lebenserhaltend war, ist heute hinderlich.
Einige der wichtigsten Innovationen sind aus sogenannten Fehlern entstanden. Das Erkennen von eigenem Fehlverhalten führt außerdem zur charakterlichen Weiterentwicklung.
Erfolg und Scheitern gehören zusammen. Eine zu große Angst vorm Scheitern verhindert aber den Erfolg.
- Datum 09.05.2011 - 11:54 Uhr
- Quelle Leserartikel
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Ein Risiko einzugehen und eventuell zu Scheitern, diese Haltung ist unserer Gesellschaft nicht mehr vorgesehen, deshalb verlernt sie es auch. Vielmehr ist überall Kontrolle gefragt. Jeder möchte am liebsten jeden kontrollieren. Kontrollierte Sicherheit ist gefragt und wenn es auch nur eine Scheinsicherheit ist.
Zu Erkennen dass das Leben schon ein Risiko ist wird verdrängt; alle haben ja eine Sozialversicherung. Einen Schritt zu tun und für einen Augenblick den Boden unten den Füßen zu verlieren und trotzdem weiter zu gehen ist für viele Menschen nicht mehr möglich. Eventuell sogar voranzugehen, dorthin wo noch keiner war und so eine Spur zu hinterlassen, unmöglich. Lieber bewegt man sich nicht und lässt sich bewegen.
Es fängt allerdings schon bei den Kleinen an. Wie oft hört man tue dies nicht oder das nicht. Klar, jedes Grundstück hat seinen Eigentümer und ist umzäunt von einer dicken Hecke. So steht alle paar Meter ein Schild: „Betreten verboten“. Zum Schluss dürfen wir uns nicht wundern, wenn immer Menschen ohne Erlaubnis keinen Rasen mehr nicht betreten.
"Einen Schritt zu tun und für einen Augenblick den Boden unten den Füßen zu verlieren und trotzdem weiter zu gehen ist für viele Menschen nicht mehr möglich."
Im Gegenteil, imho passiert das bei vielen und löst massive Existenzängste aus. Ohne stabiles Auffangnetz macht das nicht wirklich Spaß. Einzig positive Erfahrungen können diese Angst überwinden helfen. Imho sind Menschen deshalb auch umso weniger experimentierfreudig:
1) je mehr sie (relativ gesehen) riskieren müssen (wer schon den Spatz hat, riskiert ihn nicht mehr)
2) je härter die Konsequenzen beim scheitern und je schwerer es scheint den Erfolg zu erkämpfen
Will man das ändern, muss man den nötigen Einsatz verringern, bzw. Erreichtes absichern und gleichzeitig das Auffangnetz verstärken.
"Klar, jedes Grundstück hat seinen Eigentümer und ist umzäunt von einer dicken Hecke. So steht alle paar Meter ein Schild: „Betreten verboten“. Zum Schluss dürfen wir uns nicht wundern, wenn immer Menschen ohne Erlaubnis keinen Rasen mehr nicht betreten."
Eine Folge der hohen Besiedlungsdichte in D und der abnehmenden Grundstücksgrößen. Bei uns auf dem Dorf ist das nicht so...
Wer nie die Erfahrung gemacht, dass er etwas gewonnen hat, weil er etwas riskiert hat, bei dem ist die Angst riesengroß, dass man ihm den Spatz in Hand auch noch wegnimmt.
"Einen Schritt zu tun und für einen Augenblick den Boden unten den Füßen zu verlieren und trotzdem weiter zu gehen ist für viele Menschen nicht mehr möglich."
Im Gegenteil, imho passiert das bei vielen und löst massive Existenzängste aus. Ohne stabiles Auffangnetz macht das nicht wirklich Spaß. Einzig positive Erfahrungen können diese Angst überwinden helfen. Imho sind Menschen deshalb auch umso weniger experimentierfreudig:
1) je mehr sie (relativ gesehen) riskieren müssen (wer schon den Spatz hat, riskiert ihn nicht mehr)
2) je härter die Konsequenzen beim scheitern und je schwerer es scheint den Erfolg zu erkämpfen
Will man das ändern, muss man den nötigen Einsatz verringern, bzw. Erreichtes absichern und gleichzeitig das Auffangnetz verstärken.
"Klar, jedes Grundstück hat seinen Eigentümer und ist umzäunt von einer dicken Hecke. So steht alle paar Meter ein Schild: „Betreten verboten“. Zum Schluss dürfen wir uns nicht wundern, wenn immer Menschen ohne Erlaubnis keinen Rasen mehr nicht betreten."
Eine Folge der hohen Besiedlungsdichte in D und der abnehmenden Grundstücksgrößen. Bei uns auf dem Dorf ist das nicht so...
Wer nie die Erfahrung gemacht, dass er etwas gewonnen hat, weil er etwas riskiert hat, bei dem ist die Angst riesengroß, dass man ihm den Spatz in Hand auch noch wegnimmt.
Wie viele Schulabsolventen verzichten auf die Ausbildung, die sie eigentlich interessiert, und sie lernen was aus dem 0-8-15-Standard, weil sie Angst haben, keinen Job zu finden.
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Klar: Wer arm ist, wer von der Hand in den Mund lebt, dem bleibt nichts anderes übrig.
"Viele Reformvorhaben in der Politik werden zerredet, bevor sie überhaupt konkrete Formen annehmen. Dabei ist doch häufig eine schlechte Entscheidung besser als gar keine! Oft ist es auch sinnvoller, einen Weg zu gehen, mit dem man nicht einverstanden ist, als auf der Kreuzung stehen zu bleiben und zu blockieren."
Warum soll ich "Reformen" begrüßen, die letztlich darauf hinauslaufen, einigen wenigen Chancen zu bieten, sich maßlos zu bereichern und die Mehrheit dafür die Risiken tragen zu lassen?
Warum müssen durch raffgierige Banken, Energiekonzerne, etc.. ganze Volkswirtschaften in Geiselhaft genommen werden, die im Zweifelsfall die Risikofreude von Managment-Hasardeuren ausbaden müssen?
Nichts anderes erleben wir mit jeder neuen, "alternativlosen" Reform unserer 5 plutokratischen Einheitsparteien im Bundestag.
Wir können ja gerne ein vernünftig dimensioniertes bedingungsloses Grundeinkommen einführen, dass schafft genug Sicherheit für jede Menge Mut zum Risiko.
Aber hey, dass wird in nächster Zeit nicht passieren.
Alle Versuche, die Gesellschaft progressiv, gerecht und nachhaltig, zu reformieren, scheitern an den jetzt profitierenden Eliten die um den Status Quo fürchten.
Folgendes habe ich vor Jahren gelesen und mir als Ziel vorgenommen: "Ich will unter keinen Umständen ein Allerweltsmensch sein. Ich habe ein Recht darauf,
aus dem Rahmen zu fallen, wenn ich es kann. Ich wünsche mir Chancen, nicht Sicherheiten. Ich will kein ausgehaltener Bürger sein, gedemütigt und abgestumpft, weil der Staat für mich sorgt. Ich will dem Risiko begegnen, mich nach etwas sehnen und es verwirklichen, Schiffbruch erleiden und Erfolge haben. Ich lehne es ab, mir den eigenen Antrieb mit einem Trinkgeld abkaufen zu lassen. Lieber will ich den Schwierigkeiten des Lebens entgegentreten, als ein gesichertes Dasein führen, lieber die gespannte Erregung des eigenen Erfolges, statt die dumpfe Ruhe Utopiens. Ich will weder meine Freiheiten gegen Wohltaten hergeben, noch meine Menschenwürde gegen milde Gaben. Ich habe gelernt, selbst für mich zu denken und zu handeln, der Welt gerade ins Gesicht zu sehen und zu bekennen, dies ist mein Werk.
Das alles ist gemeint, wenn wir sagen: Ich bin ein freier Mensch." (Albert Schweitzer)
Mir geht es heute besser, nicht materiell, aber mit der Gewissheit, weniger fremdbestimmt und abhängig zu sein, dafür "Risiko" einzugehen, für mich zu entscheiden. Es liegt mir fern, mich mit Albert Schweitzer vergleichen zu wollen. Vorher jedoch wollte ich die Welt ändern und es veränderte sich nichts - Ich änderte mich und auch die Welt veränderte sich. Jeder von uns will MEHR und profitieren und steht deshab der Gerechtigkeit im Wege.
Sie bestätigen ja den Artikel.
Denn die Frage nach dem Mut zum Risiko gehört ja auch den Banken, Energiekonzernen gestellt. Offenbar fehlt denen das in erheblichem Maße, da sie sich vor Angst vor dem Untergang an den Staat/Steuerzahler klammern.
Folgendes habe ich vor Jahren gelesen und mir als Ziel vorgenommen: "Ich will unter keinen Umständen ein Allerweltsmensch sein. Ich habe ein Recht darauf,
aus dem Rahmen zu fallen, wenn ich es kann. Ich wünsche mir Chancen, nicht Sicherheiten. Ich will kein ausgehaltener Bürger sein, gedemütigt und abgestumpft, weil der Staat für mich sorgt. Ich will dem Risiko begegnen, mich nach etwas sehnen und es verwirklichen, Schiffbruch erleiden und Erfolge haben. Ich lehne es ab, mir den eigenen Antrieb mit einem Trinkgeld abkaufen zu lassen. Lieber will ich den Schwierigkeiten des Lebens entgegentreten, als ein gesichertes Dasein führen, lieber die gespannte Erregung des eigenen Erfolges, statt die dumpfe Ruhe Utopiens. Ich will weder meine Freiheiten gegen Wohltaten hergeben, noch meine Menschenwürde gegen milde Gaben. Ich habe gelernt, selbst für mich zu denken und zu handeln, der Welt gerade ins Gesicht zu sehen und zu bekennen, dies ist mein Werk.
Das alles ist gemeint, wenn wir sagen: Ich bin ein freier Mensch." (Albert Schweitzer)
Mir geht es heute besser, nicht materiell, aber mit der Gewissheit, weniger fremdbestimmt und abhängig zu sein, dafür "Risiko" einzugehen, für mich zu entscheiden. Es liegt mir fern, mich mit Albert Schweitzer vergleichen zu wollen. Vorher jedoch wollte ich die Welt ändern und es veränderte sich nichts - Ich änderte mich und auch die Welt veränderte sich. Jeder von uns will MEHR und profitieren und steht deshab der Gerechtigkeit im Wege.
Sie bestätigen ja den Artikel.
Denn die Frage nach dem Mut zum Risiko gehört ja auch den Banken, Energiekonzernen gestellt. Offenbar fehlt denen das in erheblichem Maße, da sie sich vor Angst vor dem Untergang an den Staat/Steuerzahler klammern.
... das richtig. Wenngleich ich mich nicht dazuzähle :-) und ich außerdem glaube, dass wir jede Menge *schlechte* (politische) Entscheidungen gesehen haben, wo *keine* wahrscheinlich besser gewesen wären. Dummerweise lernen Menschen. Wenn etwas oft schiefgeht, meidet man eben mehr.
Wovor Menschen Angst haben, ist außerdem eine endgültige Niederlage (etwa das abrutschen in eine Sozialsituation) wenn man etwa als Unternehmer scheitert. Und gerade dieses Risiko ist eher gestiegen, zusammen mit dem Zynismus gegenüber den Verlierern. Entsprechend werden Privilegien mit Händen und Füßen verteidigt.
"Einen Schritt zu tun und für einen Augenblick den Boden unten den Füßen zu verlieren und trotzdem weiter zu gehen ist für viele Menschen nicht mehr möglich."
Im Gegenteil, imho passiert das bei vielen und löst massive Existenzängste aus. Ohne stabiles Auffangnetz macht das nicht wirklich Spaß. Einzig positive Erfahrungen können diese Angst überwinden helfen. Imho sind Menschen deshalb auch umso weniger experimentierfreudig:
1) je mehr sie (relativ gesehen) riskieren müssen (wer schon den Spatz hat, riskiert ihn nicht mehr)
2) je härter die Konsequenzen beim scheitern und je schwerer es scheint den Erfolg zu erkämpfen
Will man das ändern, muss man den nötigen Einsatz verringern, bzw. Erreichtes absichern und gleichzeitig das Auffangnetz verstärken.
"Klar, jedes Grundstück hat seinen Eigentümer und ist umzäunt von einer dicken Hecke. So steht alle paar Meter ein Schild: „Betreten verboten“. Zum Schluss dürfen wir uns nicht wundern, wenn immer Menschen ohne Erlaubnis keinen Rasen mehr nicht betreten."
Eine Folge der hohen Besiedlungsdichte in D und der abnehmenden Grundstücksgrößen. Bei uns auf dem Dorf ist das nicht so...
Wer nie die Erfahrung gemacht, dass er etwas gewonnen hat, weil er etwas riskiert hat, bei dem ist die Angst riesengroß, dass man ihm den Spatz in Hand auch noch wegnimmt.
Ohne risikofreudige Menschen hätte sich wenig in unserer Gesellschaft verändert. Sogar Amerika wäre unentdeckt geblieben, wir würden weiterhin an Pocken sterben und kein Flugzeug den Himmel kreuzen.
Wer etwas wagt, kann verlieren, wer jedes Risiko scheut, hat schon verloren. Wichtig bleibt dabei, dass grobe Fehler nur einmal gemacht werden (siehe AKWs, Nationalsozialismus, Kapitalismus).
Erfahrung ist die Summe der Fehler, aus denen man gelernt hat.
Aber ich finde diese Diskussion in gewisser Weise banal, wie sollen Kinder z.B. lernen, dass Herdpatten HEISS sein können ? ....
Man kann aus der kleinsten Blüte Honig saugen, man muß nur seinen Rüssel tief genug hinein stecken
Man kann aus der kleinsten Blüte Honig saugen, man muß nur seinen Rüssel tief genug hinein stecken
keine Entscheidung zu treffen, ist eine Entscheidung.
Wer beginnt zu ahnen, dass er/sie bereits, wie schon lange gewohnt, meilenweit neben der Kapp marschiert, macht nix falsch, wenn der/die dem Misstrauen zunehmend freundlicher begegnet.
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