Leserartikel

PolitikverdrossenheitSenkt das Wahlalter!

Leser Daniel Seidl ist mit 17 Jahren noch zu jung, um bei politischen Wahlen mitzumachen. Ärgerlich, denn für ihn gäbe es viele Gründe, das Wahlalter zu senken. von 

Die Wahlbeteiligung in Deutschland geht zurück, bei der letzten Bundestagswahl 2009 erreichte sie ihren historischen Tiefstand. Politikverdrossenheit ist ein großes Problem, obwohl die verschiedensten Vereine, Initiativen und Parteien schon länger dagegen kämpfen.

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Die Gründe für das geringe Interesse lassen sich nicht ohne Weiteres auf einen Nenner bringen. Was mir jedoch auffällt, ist dass vor allem junge Menschen oft keinen Bezug zur Politik und dem aktuellen Tagesgeschehen haben. Auch das hohe Durchschnittsalter in der Parteien belegt, dass Politik nicht wirklich die Sache von jungen Menschen zu sein scheint: Die Mitglieder der Piratenpartei gehören mit rund 40 Jahren noch mit Abstand zu den jüngsten. Bereits bei den Grünen liegt das Durchschnittsalter bei 46 Jahren. Warum wollen junge Menschen sich nicht engagieren?

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Das Problem ist das Wahlrechtsalter. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es einen jungen, motivierten Menschen ausbremst, wenn er das Gefühl hat, sowieso nichts bewegen zu können und keine Stimme zu haben. Die Altersgrenze ist dabei völlig willkürlich gesetzt. Ab dem siebten Lebensjahr kann man für seine Handlungen (beschränkt) verantwortlich gemacht werden und ab 14 Jahren greift das Jugendstrafrecht. Nur das mit Abstand wichtigste Recht zur demokratischen Mitbestimmung gibt es erst ab 18 – zur gleichen Zeit wie Schnaps und Zigaretten.

Seit Langem gibt es die Forderung, das Wahlrecht auf 16 Jahre zu senken. Dieser Schritt wird von den etablierten Parteien aber in den meisten Fällen verhindert, denn wenn Minderjährige wählen dürften, müssen sie sich ja auch um deren Wählerstimmen bemühen und auf sie eingehen. Dabei ist diese politische Teilhabe für junge Menschen wichtig, denn gerade sie werden am längsten mit den heute getroffenen Entscheidungen leben müssen.

Alleine das Wahlrechtsalter auf 16 herabzusetzen, geht mir allerdings nicht weit genug. Wollen wir nachhaltig etwas gegen die Politikverdrossenheit tun, müssen wir bereits den Jüngsten politische Bildung ermöglichen, sprich Politikunterricht ab der Grundschule einführen.

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Leserkommentare
  1. Wählen darf keine sinnentleerte Veranstaltung sein. Einmal alle 4 Jahre ein Wahlzettel auszufüllen, in der Hoffnung die Parteien würden danach nach den Willen des Souveräns handeln reicht nicht aus.
    Die räpresentative Demokratie, ein Überbleibsel von Zeiten wo die Reise zu den Entscheidungszentren oft Tage benötigte, hat sich als ein Brutkasten für Korruption und Selbstherrlichkeit für so genannte "Volksvertreter" entpuppt.
    So lange sich da systemisch nichts ändert, ist eine Veränderung des Wahlalters nicht zielführend (den man an einer Veränderung der Strafmündigkeit, unter anderem koppeln müsste).

    2 Leserempfehlungen
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    • R_IP
    • 14. November 2012 17:12 Uhr

    "Die räpresentative Demokratie, ein Überbleibsel von Zeiten wo die Reise zu den Entscheidungszentren oft Tage benötigte"

    Das ist schlichtweeg historisch falsch, ganz falsch.

    Die repräsentative Demokratie ist zunächst kein Überbleibsel, sondern eine Konstruktion der Frühen Neuzeit; davor gab es sie schlicht nicht. Dass die "Reise zu den Entscheidungszentren oft Tage" benötigen würde, ist ein Argument gegenüber der direkten Demokratie, hat aber nichts damit zu tun, dass die repräsentative Demokratie ein Überbleibsel ist, wie oben erwähnt, noch wären unsere heutigen Verhältnisse anders beschaffen; oder gab es in der Vergangenheit etwa weniger Menschen?

    • Nest
    • 14. November 2012 12:06 Uhr

    und persönliche Reife ist keine Voraussetzung, wählen zu dürfen.
    Niemand muss nachweisen, dass er Parteinprogramme gelesen, oder sich anderweitig informiert hat, bevor er wählen geht.
    Man muss nicht lesen, schreiben, rechnen können, es gibt kein Mindestmaß an Bildung, Intelligenz oder moralischer Integrität.
    Von daher ist die Altersbegrenzung tatsächlich eine willkürliche Hürde.
    Was soll auch passieren?
    Die Jungen können auch nur die Parteien wählen, die auf dem Wahlzettel stehen, mehr Schaden anrichten als die Alten können sie also nicht.
    Mein Fazit: Lasst sie wählen, wenn sie das wollen!

    5 Leserempfehlungen
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    • R_IP
    • 14. November 2012 17:21 Uhr

    "Alter schützt vor Torheit nicht, und persönliche Reife ist keine Voraussetzung, wählen zu dürfen."

    Es ist so, wie Sie sagen. Dennoch hat ein Wahlrecht ab 18 die Aufgabe, zumindest potentiell dafür zu sorgen, dass hier wahlmündige Personen zur Wahlurne schreiten, auch wenn darunter de facto genug politisch Uninteressierte, Schwachsinnige usw. sein können. Man hat aber bei einem Wahlalter von 18 eher die Gewähr, dass hier mündige Bürger abstimmen, als bei einem Wahlalter von beispielsweise 14, weil mit 18 mehr Menschen zur politischen Reife gelangt sind, als mit 14, unabhängig davon, dass diese im Alter geistig degenerieren können.

    • reineke
    • 14. November 2012 12:11 Uhr

    in Österreich wurde das Wahlrech auf den am Wahltag erreichten 16ten Geburtstag gesenkt,für diese jungen Leute spielt viel das Auftreten und der Populismus des jeweiligen Politikers eine große Rolle
    dazu kommt,dass sich gewisse Herrschaften aus der Politik gezielt über Netzwerke wie Facebook mit den absurdesten Dingen und Imponiergehabe hervortun
    sowas kommt natürlich bei Jugendlichen,die vieles nicht weiter hinterfragen gut an,nach dem Motto,fesch ist er und gut blubbern kann er
    so mancher Bauernfänger hat gute Karten damit

    6 Leserempfehlungen
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    • Anna L.
    • 14. November 2012 13:38 Uhr

    @ reineke

    Mich würde interessieren mit welchen Argumenten das dort eingeführt wurde. Gabs da auf Anhieb breite Zustimmung für oder eher Gezerre und letztlich knappe Mehrheit? Wie wird das heute bewertet?

  2. und Engagement junger Menschen, was unbestritten löblich wäre oder um die Absenkung des Wahlalters bis ins frühe Jugend- (sprich Kinder-)alter, was längst nicht so unbestritten ist.
    Was meinet der Autor bewegen zu können durch seine Stimmabgabe, wenn er gleichzeitig meint sonst nichts bewegen zu können? Nachdem ich einige Male gewhlt habe, darf ich ihm versichern: "Wahlen ändern immer noch nichts"

    • reineke
    • 14. November 2012 12:14 Uhr

    aber die bereits bestehende Altersarmut nicht so ganz in ihr vermeintliches Konzept
    oder welche Alten meinen Sie?

    Eine Leserempfehlung
  3. ##„Was mir jedoch auffällt, ist dass vor allem junge Menschen oft keinen Bezug zur Politik und dem aktuellen Tagesgeschehen haben.“
    Genauso ist es leider. Da gebe ich dem Autor zu 100% Recht. Ebenso, dass Politik früher schon in der Schule unterrichtet werden sollte. Grundschule halte ich jedoch für übertrieben.
    Es ist schön zu lesen, dass auch junge Menschen ein echtes Interesse an Politik haben! Weiter so, Herr Seidl!##

    Ich denke schon, dass ein großer der Teil der Jugendlichen sich für Politik begeistern würde. Sofern es sich denn um Politik handeln würde und nicht um die Beschäftigung mit Machtkämpfen moralisch insuffizienter Karrieristen und Parteien die darum streiten, wer nun bundesweiter Dienstleister fürs Kapital werden darf und wer wieder nur in der Opposition am Katzentisch der Macht sitzen muss.
    Politik ist interessant, wenn gesellschaftlich auch etwas zu gestalten ist.

    Das verbonzte, idealismusfressende, korrumpierende repräsentativ-bürgerliche Parteiensystem, in der politische Partizipation weitgehend darauf beschränkt ist, mehr oder weniger ätzende Stellvertreter zu wählen, die diversen "Sachzwängen" ausgeliefert sind oder sich ausliefern lassen und in Machtpositition parteiübergreifend die gleiche systemkonforme "Realpolitik" betreiben, ist m.E. nur die scheinheilige, theaterhafte Simulation von Politik, und hat mit richtiger Politik, geschweige denn mit Demokratie wenig zu tun.

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  4. Super Forderung, das Wahlrechtsalter auf 16 Jahre zu senken, wenn gleichzeitig 20-jährige Verbrecher immer noch nach Jugendstrafrecht abgeurteilt werden.

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    • Sikasuu
    • 14. November 2012 12:24 Uhr

    Rechte sind was feines. Leider vergessen immer alle, daß Rechte unlösbar mit Pflichten verbunden sind.

    Jemand mit 17 Jahren kann (heute) keine "Geschäfte" über das Taschengeld hinaus alleine tätigen,muss aber dann auch nicht dafür gerade stehen.
    .
    Das trifft auch auf das Wahlrecht zu. Wer wählt, muss auch die Folgen seiner Wahl verantworten können.
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    Unabhängig davon, ob ein 14 oder 17 Jahre alter MENSCH solch eine Wahl vertreten kann müsste die Forderung lauten:
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    Senkt das VOLLJÄHRIGKEISALTER d.h. besser das Alter an dem ein junger Mensch geschäftsfähig und auch strafmündig im Sinne des Erwachsenenstraffrechts wird:-))
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    rechte ohne PFLICHTEN gibt es nicht.
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    Meint Sikasuu
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    Ps. Das senken der Volljährigkeitsalters von 21 auf 18 hatte z.B massiv mit der Bundeswehr zu tun. Knarre in der Hand und damit notfalls schiessen.... dafür aber nicht verantwortlich gemacht werden können ging nicht so gut!
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  • Quelle Leserartikel
  • Schlagworte Grüne | Recht | Bildung | Bundestagswahl | Grundschule | Jugendstrafrecht
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