Steuergeräte-Reparatur : Wenn die Elektronik das Auto lahmlegt

Motorschaden war gestern – heute setzt defekte Elektronik das Fahrzeug außer Gefecht. Doch oft geht es auch ohne den teuren Austausch des Steuergeräts.

Verwirrte Elektronik legt den Motor still, gewöhnt dem Antiblockiersystem das Stottern ab oder bringt die Elektronische Stabilitätskontrolle ESP ins Schleudern. Heutzutage sind es vor allem defekte Steuergeräte, die den Wagen lahmlegen. Der Schaden ist zwar schlimm, doch das Gute daran: Neue Techniken bringen auch neue Reparaturmethoden mit sich. Während der altgediente Kfz-Meister das defekte Gerät einfach gegen ein teures neues tauschen will, spüren Spezialisten mit Messtechnik den Fehler in der defekten Elektronik auf und beseitigen ihn für vergleichsweise wenig Geld.

Zu tun haben sie genug: Häufig geben Steuergeräte bereits kurz nach Ende der Neuwagengarantie den Geist auf. Das zeigt etwa die Entwicklung bei RH Electronics im oberbayerischen Mammendorf. 2010 wurden dort rund 2.500 Steuergeräte repariert, ganz schön viel für den vergleichsweise kleinen Betrieb. Doch diese Zahl ist ein Witz im Vergleich zu dem, was inzwischen anfällt: "Zuletzt sind wir auf mehr als 10.000 Geräte im Jahr gekommen", sagt Inhaber Rainer Hutterer.

Der wesentliche Grund für den Anstieg ist klar: Im Auto arbeiten immer mehr Steuergeräte und wachen über unzählige Funktionen. Das wäre halb so schlimm, würde die Qualität stimmen. Was aber laut Hutterer längst nicht immer der Fall ist: "Es ist halt Elektronik, und die lassen die Autohersteller irgendwo billig fertigen." Häufig sind allerdings auch die Fahrzeughalter selbst schuld am Versagen der Technik, etwa wenn sie bei der Motorwäsche mit dem Dampfstrahler Steuergeräte unrettbar überschwemmen.

Besser nicht selbst Hand anlegen

Zunehmend entdeckt Hutterer auch einen wiederkehrenden Mut zur Eigenreparatur. Lange galt Elektronik als etwas, das der Laie nicht anfasste. Mittlerweile öffnet mancher das Gehäuse eines muckenden Steuergerätes mit der Flex, um zu sehen, was sich darin verbirgt. Hutterer zählt täglich bis zu zehn solcher Reparaturdesaster, die sein Team retten soll. Nach dem grobmotorischen Eingriff der Eigner ist das aber kaum mehr möglich.

Im Normalfall ist die Chance, das defekte Teil zu retten, deutlich größer. "80 bis 90 Prozent aller von uns geprüften Geräte lassen sich reparieren", sagt Hutterer. Wichtig ist dabei der Begriff geprüft: Immer wieder stellen die Fachleute beim ersten Check vor einer geplanten Reparatur fest, dass das Gerät vollkommen in Ordnung ist, der Fehler am Auto also woanders zu suchen ist.

Liegt es doch am Steuergerät, hat die Instandsetzung nichts mit Kabellöten in Heimwerkermanier zu tun. Allein für das Öffnen der stabilen Gerätehüllen sind spezielle CNC-Fräsen notwendig. Den Spezialisten steht insgesamt ein Maschinenpark im Wert von mehreren Hunderttausend Euro zur Verfügung.

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Kommentare

32 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Nur richtig, wenn...

Das stimmt aber nur, wenn die Teile des Altgeräts wirklich recycelt werden. Denn das Altgerät ist Elektronikschrott und muß entsprechend entsorgt werden. Ansonsten entsteht langfristig ein volkswirtschaftlicher Schaden. Und ich bezweifle, dass es derzeit bereits wirtschaftlich ist, die Teile fein säuberlich in ihre "Elemente" zu zerlegen. Das funktioniert nur Dank der reichlich fließenden Subventionen.