Elektrofahrzeug : Bristol Cars wagt den Neustart mit E-Autos

Die Traditionsmarke Bristol Cars stellt in Großbritannien exklusive Autos her. Nach einem Beinahe-Aus will sie mit einem Hybrid neu starten.
Bristol Fighter © Hersteller

Die britische Rennfahrer-Legende Stirling Moss besuchte in diesem Frühjahr den altmodischen holzgetäfelten Bristol-Showroom in der Londoner Kensington High Street – und erinnerte damit an die glorreiche Epoche der Automarke mit Rennsporterfolgen, etwa in den fünfziger Jahren in Le Mans. Der Besuch des 83-jährigen Moss war Balsam für die stark gebeutelte Bristol-Gemeinde, die nun wieder Mut für bessere Zeiten schöpfte. Die englische Traditionsmarke hatte in den vergangenen Jahren nach dem Verkaufsfiasko des Supersportwagens Fighter schwer gelitten, 2011 musste das Unternehmen Insolvenz anmelden.

2004 hatte Bristol Cars mit dem spektakulären Flügeltüren-Sportwagen eine neue Ära einläuten wollen. Der Fighter sollte neben Ferrari, Lamborghini, Porsche und Mercedes SLS bestehen und Bristols traditionell diskretes Nischendasein beenden. Schon das Basismodell mit einem 530 PS starken Viper V-10 Motor lief 320 km/h und kostete rund 230.000 Euro – aber es war ohne Airbags, ABS und ESP ausgestattet und damit ohne Exportchancen auf dem US-Markt. Das Topmodell Fighter-T mit 1.024 PS war eine Kampfansage an den Bugatti Veyron: rund 430 km/h schnell und etwa 430.000 Euro teuer.

Bristol wolle ein Superauto für anspruchsvolle Puristen bauen, sagte der Fighter-Erfinder Toby Silverton, und auf jeden neumodischen Schnickschnack wie Licht- und Regensensor oder Einparkhilfe verzichten. Mehr als eine Handvoll Wagemutiger bestellte den Fighter jedoch nicht. Die Traditionsfirma geriet in die Existenzkrise, ein Ende war zuletzt nicht mehr auszuschließen.

Letzter britischer Autobauer ohne ausländische Mutter

Ähnlich wie Saab war Bristol ursprünglich Flugzeughersteller und produzierte erst 1946 auf Initiative des Firmengründers Sir George White das erste Automodell, einen Nachbau des sportlichen Vorkriegs-BMW 327 mit Sechszylinder-Motor. Danach entwickelte man sportlich-luxuriöse, exklusive Sechs- und Achtzylindermodelle, die sich schnell das Premium-Etikett "Gentleman's Express" verdienten und auch im Rennsport erfolgreich waren, etwa bei der Mille Miglia oder in Le Mans.

Über die Jahre blieb Bristol eine unauffällige Nischenmarke. In einem Vorort der gleichnamigen Stadt wurden die Automobile in penibler Handarbeit hergestellt, maximal 20 im Jahr. Der typische Bristol-Fahrer sei "ein diskret operierender Hedgefonds-Manager", sagte einmal ein Fan der Marke auf einem Treffen des Owners Clubs. Das unspektakuläre Bristol-Design ist trotz seiner ästhetisch ansprechenden Anmutung nichts für Angeber. Jeder Bristol – den Fighter ausgenommen – ist die Inkarnation britischen Understatements, auch wenn der äußerst publicitysüchtige Virgin-Boss Richard Branson jahrelang Bristol als Dienstwagen fuhr und die Edelmarke für seine Topmanager wählte.

Mit der Existenzkrise nach dem Fighter-Flop schien sich die Geschichte zu wiederholen. Bentley und Rolls Royce, Jaguar, Jensen, Alvis und andere hochkarätige britische Autobauer sind entweder längst untergegangen oder wurden von ausländischen Konzernen wie Volkswagen, BMW und zuletzt Tata übernommen worden. Bristol war die letzte britische Autofirma, die noch nicht von einem Großunternehmen aus dem Ausland geschluckt wurde.

Verlagsangebot

Entdecken Sie mehr.

Lernen Sie DIE ZEIT 4 Wochen lang im Digital-Paket zum Probepreis kennen.

Hier testen

Kommentare

6 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren