Ältere Autofahrer : Fahrstunden als Jungbrunnen

Das Altern lässt sich doch umkehren – jedenfalls für Autofahrer. Eine Studie zeigt, dass über 70-Jährige mit etwas Übung wieder fahren wie 40-Jährige.

Senioren fahren unsicher, sagt man. Sie zuckeln zögernd über die Straßen, behindern den Verkehr. Und sie verursachen Unfälle, weil sie einfach die Übersicht verlieren. Sagt man. Wie viel Wahrheit sich hinter solchen Aussagen verbirgt, darüber wird immer wieder diskutiert. Selten wird aber gefragt, was sich gegen ein eventuell nachlassendes Können älterer Verkehrsteilnehmer machen lässt.

Dass tatsächlich einiges möglich ist, zeigt eine aktuelle Studie. Demnach kurven zuvor verängstigte Senioren nach einigen Übungsstunden wieder durch die Gegend, als wären sie 30 Jahre jünger. Das Forschungsvorhaben trägt den etwas umständlichen Titel "Trainierbarkeit der Fahrkompetenz älterer Kraftfahrer im Realverkehr" – einfach mitten rein ins Geschehen, könnte man das Grundprinzip zusammenfassen.

Man wollte sich nicht mit eventuellen Gebrechen aufhalten, nicht über nachlassende Sehleistung oder die beim Schulterblick knackenden Nackenwirbel diskutieren. Vielmehr sollten alte Menschen sich ans Steuer setzen und den ganz realen Dortmunder Großstadtverkehr bewältigen, erklärt Sebastian Poschadel. Er leitete das Projekt von 2008 bis 2012 im Auftrag des Leibnitz-Instituts für Arbeitsforschung an der TU Dortmund.

Schlechte Fahrer verbesserten sich erheblich

Auf verwaiste Nebenstrecken ausweichen durften die ergrauten Probanden nicht. Welchen Kurs sie auf der Tour durch Dortmund einzuschlagen hatten, war vorgegeben. "Die von uns ausgewählte Teststrecke wies zahlreiche polizeilich erfasste Unfallschwerpunkte älterer Fahrer auf", sagt Poschadel. So gelten Kreuzungsunfälle als eine Hauptunfallursache bei Senioren. Auf der Teststrecke sollten die Testfahrer immer wieder an besonders großen und unübersichtlichen Kreuzungen abbiegen. Zudem mussten sie sich in der Verkehrshektik zurechtfinden und richtig auf immer neue Situationen reagieren.

Anders als im normalen Leben waren die Fahrer und Fahrerinnen jedoch nicht auf sich allein gestellt. Ziel der Studie war ja zu erforschen, wie sich das Können durch Training und Schulung verbessern lässt. Daher begleitete ein Fahrlehrer die Touren. Zusätzlich gab es nach den Testfahrten ein individuelles Feedback. An der Studie nahmen 92 Menschen im Alter von über 70 Jahren teil. Hinzukam eine Vergleichsgruppe von 26 Fahrerinnen und Fahrern zwischen 40 und 50 Jahren, die ohne Schulung und Feedback auf der Strecke unterwegs waren.

Insgesamt absolvierten die Senioren 15 intensive Fahrstunden. Als danach die Resultate ausgewertet wurden, war das Erstaunen groß: Gerade die besonders Schwachen unter den Alten konnten am Ende deutlich besser fahren. "Gute ältere Fahrer wurden durch das Training etwas besser, schlechte Fahrer aber verbesserten sich erheblich", sagt Poschadel. "Tatsächlich fuhren die ursprünglich so schlechten Fahrer hinterher so gut wie die Teilnehmer aus der Gruppe der 40- bis 50-Jährigen."

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