Auto-Sicherheit : So viele Rückrufe wie nie

Autos sollen schneller und günstiger gefertigt werden – auf Kosten der Qualität. Forscher rechnen für 2013 mit einer Rekordzahl an Rückrufen.
Autoproduktion bei PSA in Mulhouse (Archivbild) © Sebastien Bozon/AFP/Getty Images

Millionen Autofahrer auf der ganzen Welt waren im Frühjahr aufgerufen, ihre Autos in die Werkstätten zu fahren – weil ein Bauteil einer einzigen Firma fehlerhaft war. Der japanische Zulieferer Takata hatte einen Defekt an seinen Airbags festgestellt, daraufhin mussten Toyota, Honda, Nissan und BMW viele Autos zurückrufen.

Das war teuer und belastend fürs Image – aber hausgemacht. Zu diesem Urteil kommt eine neue Studie. Darin schlägt das Center of Automotive der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach Alarm: Weltweit gab es im ersten Halbjahr 2013 wieder mehr Rückrufe. 

In der Studie dient den Wissenschaftlern der US-Markt als Referenz: Aufgrund seiner Absatzgröße, der scharfen Sicherheitsrichtlinien und des hohen Klagerisikos sei er ein aussagekräftiger Indikator für die Produktqualität der Automobilkonzerne. Die großen Hersteller hatten in den USA in den ersten sechs Monaten dieses Jahres eine Rückrufquote von im Schnitt 142 Prozent. Das heißt, es wurden 42 Prozent mehr Fahrzeuge aus Sicherheitsgründen in die Werkstätten beordert, als im gleichen Zeitraum neue Autos verkauft wurden. Für die Studie wurden nur die Pflichtrückrufe der US-Behörde NHTSA berücksichtigt, bei denen es um riskante Defekte oder verfehlte Sicherheitsstandards geht.

Zahl der Rückrufe mehr als verdoppelt

Demnach könnte 2013 ein neuer Negativrekord erreicht werden. In den USA wurden zwischen Januar und Juni mehr als 11,3 Millionen Pkw zurückgerufen, im gleichen Vorjahreszeitraum waren es 4,8 Millionen. Das ergibt einen Anstieg um 230 Prozent. Im Gesamtjahr könnte der Negativrekord von 2010 mit 18 Millionen zurückgerufenen Autos klar übertroffen werden.

In Deutschland bestätigt sich der Trend, auch hier liegen die Rückrufe auf hohem Niveau. Im vergangenen Jahr leitete das Kraftfahrtbundesamt 162 Rückrufe wegen erheblicher Mängel ein, 824.000 Halter wurden angeschrieben. Seit Beginn der Aufzeichnungen 1998 war 2012 damit das Jahr mit den viertmeisten Rückrufaktionen. Zahlen für das erste Halbjahr 2013 liegen noch nicht vor.

Bei den US-Rückrufen im ersten Halbjahr ging es vor allem um sicherheitsrelevante Mängel an Schutzeinrichtungen für die Insassen (38 Prozent) und elektrischen Baugruppen (29,5 Prozent). 27 Prozent der Mängel entfielen auf den Motor, die restlichen 5,5 Prozent der Fälle verteilen sich auf andere Teile wie die Brems- und die Lenkanlage oder das Fahrwerk.

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Kommentare

7 Kommentare Kommentieren

Schneller und billiger????

Wie jetzt? Es sollte wohl heißen billiger für den Konzern um den Gewinn und die Dividende zu steigern. Selbst Kleinwagen sind doch kaum noch zu bezahlen. Und wenn ich das Auto nicht bezahlen kann ist es mir auch völlig egal ob es 6 Monate später ein neues ebenfalls unbezahlbares Model gibt.