Reifenplatzer in SilverstonePirelli hält seine Reifen für unschuldig

Pirelli gibt den Formel-1-Teams eine Mitschuld am Reifen-Desaster von Silverstone. Mit einem Notfallplan reagiert die Fia: Das nächste Rennen ist nur noch Tage entfernt.

Die Formel-1-Rennteams haben nach Ansicht des Reifenlieferanten Pirelli maßgeblich zum Reifendesaster beim Rennen in Silverstone beigetragen. Falsch montierte Hinterräder und ein niedriger Luftdruck – zum Teil unter dem von Pirelli empfohlenen Wert – hätten zu der Serie von Reifenplatzern am vergangenen Sonntag geführt, teilte Pirelli in Mailand mit.

In der Fehleranalyse hebt das Unternehmen hervor, "dass die Reifengeneration 2013 bei korrekter Nutzung in keiner Weise die Sicherheit der Fahrer gefährdet". Die Pneus entsprächen allen vom Automobilweltverband Fia geforderten Sicherheitsstandards. Beim Großen Preis von Großbritannien in Silverstone war am Wochenende an vier Autos der linke Hinterreifen geplatzt. Dabei waren großflächige Gummifetzen durch die Luft geflogen.

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Um nicht noch mehr Öl ins Feuer zu gießen, stellte Pirelli-Motorsportchef Paul Hembery zugleich klar: "In keiner Weise beabsichtigen wir, einen Streit auszulösen oder irgendjemanden zu attackieren." Bei der Formel 1 ist es üblich, dass Teams bewusst die Hinterreifen verkehrt herum montieren – also der linke auf der rechten Seite und umgekehrt. Die Ingenieure hatten festgestellt, dass sich die Leistung so verbessern lässt.

In diesem Jahr hätten die Pneus aber eine asymmetrische Struktur und seien darum nicht austauschbar, teilte Pirelli mit. Man habe das Problem unterschätzt. Als Folge der gefährlichen Reifenplatzer in Silverstone soll der Reifentausch nun ausdrücklich verboten werden.

Fia ändert Regelwerk

Wegen des Reifendruck-Problems bat Pirelli die Fia darum, einen Delegierten einzusetzen, der die Einhaltung der korrekten Werte kontrolliert. Neben dem Radwechsel und dem niedrigen Luftdruck soll nach Angaben von Pirelli auch der "extreme" Radsturz zu den verheerenden Defekten zuletzt beigetragen haben. Dabei geht es um den Winkel, mit dem die Radfläche auf der Strecke aufliegt. Zu guter Letzt führte Pirelli auch noch die besonders "aggressiven" Randsteine in Silverstone in den schnellen Kurven auf.

Die Fia hat nach dem Reifendebakel mit einem Notfallplan reagiert – auch weil Fahrer mit einem Boykott des Rennens am kommenden Wochenende auf dem Nürburgring gedroht hatten. Für den Großen Preis von Deutschland wurde beschlossen, veränderte Reifen einzusetzen. In diesen ist statt eines Stahlbandes eine Kohlefaserstruktur verarbeitet. Pirelli hatte solche Pneus bereits für den Großen Preis von Kanada am 9. Juni vorgeschlagen, die Einführung scheiterte aber am notwendigen einstimmigen Votum der Teams. Diese Regel will die Fia nun ändern.

Jetzt machte die Fia mit Regeländerungen den Weg zu erweiterten Testfahrten frei. Ab dem übernächsten Rennen in Budapest Ende Juli liefert Pirelli ganz neue Reifen mit symmetrischer Struktur. Sie sollen ab dem 17. Juli auf dem Silverstone-Kurs getestet werden, mit den Stammpiloten und in den Rennautos dieser Saison. Hinter den Kulissen wird seit Monaten um die Reifen gestritten, die gefährlichen Reifenplatzer am Sonntag schreckten alle Beteiligten offenbar auf.

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Leserkommentare
  1. 1. StVo?

    Vielleicht hilft es ja auch, wenn die Fahrer zukünftig nach der Straßenverkehrsordnung Rennen fahren...

    Ich kann die Fahrer gut verstehen; irgendwie sind Reifenplatzer nicht so toll.

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  2. Das verringert den Verschleiß der Lauffläche, für die Karkasse hingegen kann das tödlich sein. Man kann Pirelli nicht böse sein: Reifen zu bauen, die schnell verschleißen aber kein Sicherheitsrisiko sind... ist schon an sich ein Widerspruch. Vor allem, wenn man daran denkt, dass die Reifen am Limit gefahren werden und die Teams sich alles ausdenken, noch das letzte Tausendstel herauszukitzeln.

  3. Die Jahre (oder Jahrzehnte ???) zuvor funktionierte es doch auch, egal ob die Reifen von Goodyear, Michelin oder Bridgestone stammten, abgesehen vom Indianapolis-Zwischenfall. Auch letztes Jahr gab es keine Probleme.

    Ich erinnere mich dunkel, dass für diese Saison von bestimmten Personen (ein gewisser Bernie war auch dabei) Reifen gefordert wurden, die nicht so lange halten, damit es mehr Stops gibt und die Rennen interessanter werden. Das ist jetzt das Ergebnis, seit Anfang der Saison sind ja die meisten Teams schon am Meckern. Ich finde 4-Stop Rennen zu konfus, wenn es zwischen 1 und 3 Stops gibt, behalte ich besser den Überblick.

    Mich wundert es übrigens etwas, hier einen Artikel über die Formel 1 zu finden, wird doch normalerweise mit Nichtbeachtung bedacht. Wenn es mit den Reifen so weiter geht und der Sport in der Formel 1 ganz untergeht, übrigens zu Recht, mache ich dann ab nächster Saison nämlich auch.

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    • ZPH
    • 03. Juli 2013 17:22 Uhr

    sich sorgen um seine Alterversicherung macht. Klar bei seinem Alter und nur ein paar Milliarden Privatvermögen. Also liefert Pirelli Reifen, die ein "gute Show" liefern, offenbar ist der Firma dabei sogar egal, dass sie das Image "das sind doch die mit den Schrottreifen in der Formel 1" bekommen.

    • Kladow
    • 04. Juli 2013 12:38 Uhr

    Falsch montiert -in mehreren unterschiedlichen Teams - das ist doch eine klare Beleidigung für alle Monteure, die in der F1 tätig sind.
    Mit welchen obskuren Aussage will Pirelli nun noch vom eigenen Versagen ablenken??

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, mbr
  • Schlagworte Pirelli | Großbritannien | Silverstone | Budapest | Nürburgring
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