Er kommt aus der Tiefe des Waldes. Er rennt bis zu 70 Stundenkilometer schnell. Er steht plötzlich auf der Straße; in der Dämmerung, eine halbe Tonne schwer, größer als ein Pferd. Der Alptraum vieler Autofahrer in Skandinavien und Nordamerika ist der Elch. Wer den hochbeinigen Koloss auf einer Landstraße rammt, hat vor allem bei höheren Geschwindigkeiten schlechte Überlebenschancen. Aber auch unter den jährlich 200.000 Tierunfällen in Deutschland sind viele gefährliche Kollisionen mit großem Wild.

Diese Zusammenstöße will Volvo künftig reduzieren. Für den Nachfolger des SUV-Modells XC90, der Ende 2014 auf den Markt kommt, wird es als Zubehör eine Tiererkennung geben, die weltweit erstmals selbsttätig für Hirsch, Elch oder Wildschwein auf der Fahrbahn bremst.

Die Sicherheitstechnik ist Teil eines Paketes, das jetzt in Schweden zum Test bereit stand. Das Ziel: "Bis 2020 soll niemand mehr in einem neuen Volvo ernstlich verletzt oder gar getötet werden", sagt Volvo-Entwicklungschef Peter Martens. Dazu haben seine Mitarbeiter eine neue Generation von Radargeräten und Kameras entwickelt. Sie sollen bei Tag und bei Nacht das Umfeld des Autos nach Gefahren absuchen. Der Volvo warnt dann selbsttätig, bremst oder lenkt.

Im Test mit einem Plastikelch klappt das schon perfekt: Das Bremspedal des Versuchsfahrzeugs vibriert, ein Piepton und eine Warnlampe machen auf das Riesentier in der Dämmerung 200 Meter voraus aufmerksam. Reagiert der Fahrer nicht, bringt der Volvo sich auch allein rechtzeitig zum Stehen.

Ein Segen im Morgengrauen – für Elch und Fahrer. Schließlich geschehen mehr als die Hälfte aller Unfälle nachts oder bei schlechter Sicht. Die neue Generation der Sicherheitstechnik ist auch bereits so feinfühlig, dass sie in der Dunkelheit Fußgänger, Radfahrer oder andere Hindernisse zuverlässig erkennt und öfter als Konkurrenzfahrzeuge allein die Vollbremsung veranlassen kann.

Im Erkennen von Fahrbahnrand und Begrenzungen sind die Schweden ebenfalls Pioniere. Die Sensoren brauchen keine Markierung mehr, anhand der sie das Verlassen der Fahrspur ermitteln; es reicht eine Änderung des Untergrundes. Dann bringt der Computer den Wagen so behutsam wie möglich wieder in die Spur zurück.