SicherheitstechnikIch bremse auch für Elche

Sicherheit hat bei Volvo traditionell hohe Priorität. Bis 2020 soll in neuen Modellen keiner mehr ernstlich verletzt werden. Wie wird das gehen? Von Peter Weißenberg von Peter Weißenberg

Um die Sicherheitstechnik in einem Fahrzeug zu testen, wird auf dem Volvo-Gelände ein Plastikelch eingesetzt.

Um die Sicherheitstechnik in einem Fahrzeug zu testen, wird auf dem Volvo-Gelände ein Plastikelch eingesetzt.  |  ©Volvo

Er kommt aus der Tiefe des Waldes. Er rennt bis zu 70 Stundenkilometer schnell. Er steht plötzlich auf der Straße; in der Dämmerung, eine halbe Tonne schwer, größer als ein Pferd. Der Alptraum vieler Autofahrer in Skandinavien und Nordamerika ist der Elch. Wer den hochbeinigen Koloss auf einer Landstraße rammt, hat vor allem bei höheren Geschwindigkeiten schlechte Überlebenschancen. Aber auch unter den jährlich 200.000 Tierunfällen in Deutschland sind viele gefährliche Kollisionen mit großem Wild.

Diese Zusammenstöße will Volvo künftig reduzieren. Für den Nachfolger des SUV-Modells XC90, der Ende 2014 auf den Markt kommt, wird es als Zubehör eine Tiererkennung geben, die weltweit erstmals selbsttätig für Hirsch, Elch oder Wildschwein auf der Fahrbahn bremst.

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Die Sicherheitstechnik ist Teil eines Paketes, das jetzt in Schweden zum Test bereit stand. Das Ziel: "Bis 2020 soll niemand mehr in einem neuen Volvo ernstlich verletzt oder gar getötet werden", sagt Volvo-Entwicklungschef Peter Martens. Dazu haben seine Mitarbeiter eine neue Generation von Radargeräten und Kameras entwickelt. Sie sollen bei Tag und bei Nacht das Umfeld des Autos nach Gefahren absuchen. Der Volvo warnt dann selbsttätig, bremst oder lenkt.

Im Test mit einem Plastikelch klappt das schon perfekt: Das Bremspedal des Versuchsfahrzeugs vibriert, ein Piepton und eine Warnlampe machen auf das Riesentier in der Dämmerung 200 Meter voraus aufmerksam. Reagiert der Fahrer nicht, bringt der Volvo sich auch allein rechtzeitig zum Stehen.

Ein Segen im Morgengrauen – für Elch und Fahrer. Schließlich geschehen mehr als die Hälfte aller Unfälle nachts oder bei schlechter Sicht. Die neue Generation der Sicherheitstechnik ist auch bereits so feinfühlig, dass sie in der Dunkelheit Fußgänger, Radfahrer oder andere Hindernisse zuverlässig erkennt und öfter als Konkurrenzfahrzeuge allein die Vollbremsung veranlassen kann.

Im Erkennen von Fahrbahnrand und Begrenzungen sind die Schweden ebenfalls Pioniere. Die Sensoren brauchen keine Markierung mehr, anhand der sie das Verlassen der Fahrspur ermitteln; es reicht eine Änderung des Untergrundes. Dann bringt der Computer den Wagen so behutsam wie möglich wieder in die Spur zurück.

Leserkommentare
  1. Ich glaube nicht, dass es so schnell zu einer vollautomatischen Steuerung des Wagens kommt, weil die Leute 1. gerne die Kontrolle haben und viel wichtiger 2. die Automobilindustrie gar kein Interesse daran haben kann. Wer würde dann denn noch den teuren BMW/Mercedes/... kaufen, wenn doch ich wesentlich billigere Autos mich in der gleichen Zeit von A nach B bringen. Nur wegen dem Aussehen außen? Fällt mir schwer zu Glauben...

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    Hervorragender Kommentar! Man sieht zuweilen in den Verkaufsstatistiken der letzten Jahre, dass das Durchschnittsalter der Neuwagenkäufer nunmehr auf 51 Jahre gestiegen ist. Mercedes und Jaguar haben die "ältesten Käufer". Junge Familien werden eher auf die Sicherheit ihrer Kinder und den Preis achten, als auf die PS Zahl und das Aussehen. Wobei man auch bei diesem Punkt immer wieder überrascht wird..

    Quellen:
    http://www.focus.de/auto/news/autokauf-neuwagen-kaeufer-im-schnitt-immer...

    http://www.dradio.de/dlf/sendungen/wirtschaftammittag/2163507/

    schneller von A nach B? In den wenigsten Fällen.

    Sie beantworten also Ihre Frage schon für die Gegenwart falsch. Teure Autos werden gekauft wegen Prestige, Design, Komfort, Platz, Sicherheit. Und aus genau diesen Gründen werden sie auch gekauft werden, wenn man das Auto nicht mehr selbst steuert.

    Lieber Leser,
    Volvo ist nicht der erste und einzige Hersteller, der mit Hochdruck am teil- oder gar vollautomatischen Fahren arbeitet. Ich habe mir auch schon die Forschung bei Audi, Mercedes oder BMW angeschaut (und darüber geschrieben). Die Grunderkenntnis ist: Wenn der Fahrer überfordert (Eis, Nebel, plötzliches Hindernis) oder unterfordert (lange Fahrt im zähflüssigen Verkehr) ist, dann reagiert er überdurchschnittlich oft falsch. Tödlich zuweilen.
    Zweite Erkenntnis: Er nimmt gerade in solchen Situationen Hilfe gern an; ABS, Tempomat, ESP, Lane Assist und vieles mehr sind daher voll akzeptiert. Den Stauassistenten hat Mercedes schon, der kommt bald bei vielen Herstellern. Und vieles mehr wäre möglich, wenn der Gesetzgeber mitmachen würde.
    Erkenntnis Drei der Hersteller: Sie wollen diese Systeme - in einem immer dichteren Verkehr und nur noch einem Land auf der Welt ohne generelle Geschwindigkeitsbegrenzung. Denn Kunden, die in ihren Produkten zu Schäden kommen, das ist immer der worst case fürs Image.

  2. System entwicklen das automatisch die Geschwindigkeit auf die jeweils erlaubte limitiert? Wäre technisch nicht sehr aufwendig und würde der Sicherheit enorm dienen und die Radarüberwachung erübrigen.

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    Selbst wenn es technisch möglich ist und wir alle Argumente hinsichtlich Entmündigung des Fahrers beiseite schieben, bleibt ein zentrales Problem:

    In bestimmten Ausnahmefällen - wenn Sie z.B. einen Schwerverletzten ins Krankenhaus bringen - müssen Sie die Möglichkeit haben, eventuelle Geschwindigkeitsbegrenzungen zu übertreten, soweit sich die damit verbundene Gefährdung anderer in vertretbaren Grenzen hält (die Juristen sprechen von "übergesetzlichem Notstand").

    Dies zu beurteilen, schafft keine Maschine. Und wenn Sie nun antworten, dass man das System eben abschalten können muss, so stellt sich die Frage: Warum baut man so etwas überhaupt ein, wenn es der Fahrer ohnehin jederzeit deaktivieren kann?

    Bei dem größten Teil der Unfälle ist zwar überhöhte Geschwindigkeit als Unfallursache benannt, dies hat aber in der Regel nur sehr wenig mit der, in dem Straßenabschnitt zulässigen, Höchstgeschwindigkeit zu tun.

    Ein schlechtes Auto, scharfen Kurven, Unfähigkeit fallen da genauso runter, wie Laub, Regen, Schnee und Eisglätte. Da Kinder generell unschuldig an Verkehrsunfällen sind, kommt auch noch der Ball dazu.

    Wenn man so etwas durch Verkehrschilder regeln würde, wäre überall Schrittgeschwindigkeit angesagt. Nein die Verantwortung muss beim Fahrzeugführer bleiben. Eine der letzten Freiheiten in einer Welt, in der der große Bruder die Bürger immer weiter entmündigt.

    • Pfeife
    • 08. Juli 2013 10:47 Uhr

    Ganz toller Vorschlag - das Folgende passiert regelmäßig: der Überholte gibt Gas beim Überholtwerden. Bei einer Limitierung der Geschwindigkeit kann der kriminelle Gasgeber also nach Belieben jemanden auf der linken Spur verhungern lassen. Wenn er richtig böswillig ist läßt er ihn wirklich links verhungern indem er entsprechend auch abbremst wenn der Überholende wieder hinten einscheren will. Die Folge ist klar....

    Wenn ich schon bei dem Thema bin: bei der "Sicherheit im Straßenverkehr" wird ausschließlich von den "Rasern" gesprochen. Ich bin Vielfahrer (> 50.000 km pro Jahr) und ich bin in 20 Jahren erst einmal von einem zu schnell Fahrenden gefährdet worden (sein Auto kam auf schneeglatter Fahrbahn ins schleudern, ich musste bremsen und ausweichen). Dagegen begegne ich täglich absolut kriminellen Gutmenschen und Erziehern die ungestraft und vom gesellschaftlichen Konsens unkommentiert die kriminellsten Aktionen vom Stapel lassen: Ausbremsen, Gasgeben beim Überholtwerden, usw.. Auch regelmäßig bemerkbar: fährt eine Frau in einem teuren Auto und überholt oder will nur den Reißverschluß regelkonform fahren, bekommt sie quasi sofort obszöne Gesten im 1000 EURO Strafbereich gezeigt (Vogel zeigen, Stinkefinger usw).
    Mit zweierlei Maß messen ist in dieser Gesellschaft wirklich "in".

  3. Selbst wenn es technisch möglich ist und wir alle Argumente hinsichtlich Entmündigung des Fahrers beiseite schieben, bleibt ein zentrales Problem:

    In bestimmten Ausnahmefällen - wenn Sie z.B. einen Schwerverletzten ins Krankenhaus bringen - müssen Sie die Möglichkeit haben, eventuelle Geschwindigkeitsbegrenzungen zu übertreten, soweit sich die damit verbundene Gefährdung anderer in vertretbaren Grenzen hält (die Juristen sprechen von "übergesetzlichem Notstand").

    Dies zu beurteilen, schafft keine Maschine. Und wenn Sie nun antworten, dass man das System eben abschalten können muss, so stellt sich die Frage: Warum baut man so etwas überhaupt ein, wenn es der Fahrer ohnehin jederzeit deaktivieren kann?

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    • dth
    • 07. Juli 2013 18:40 Uhr

    Das Problem gibt es auch in anderen technischen Bereichen (bspw. im Eisenbahnwesen). Gelöst wird das, indem der entsprechende Schalter verplombt wird. Eine Aktivierung wird zusätzlich protokolliert oder löst gleich irgend ein Warnsignal aus.
    Dann kann man immer noch im Notfall fahren, wie es die Umstände erfordern. Da das aber nachweisbar ist, muss man das dann auch rechtfertigen können.
    Dass das nicht gemacht wird, liegt daran, dass die Technik evtl noch nicht zuverlässig genug ist, und dass es politisch nicht durchsetzbar ist. Schon eine Höchstgeschwindigkeit ist ja nicht durchsetzbar, eine automatisch erzwungene wird es erst recht nicht sein.

  4. Hervorragender Kommentar! Man sieht zuweilen in den Verkaufsstatistiken der letzten Jahre, dass das Durchschnittsalter der Neuwagenkäufer nunmehr auf 51 Jahre gestiegen ist. Mercedes und Jaguar haben die "ältesten Käufer". Junge Familien werden eher auf die Sicherheit ihrer Kinder und den Preis achten, als auf die PS Zahl und das Aussehen. Wobei man auch bei diesem Punkt immer wieder überrascht wird..

    Quellen:
    http://www.focus.de/auto/news/autokauf-neuwagen-kaeufer-im-schnitt-immer...

    http://www.dradio.de/dlf/sendungen/wirtschaftammittag/2163507/

    Antwort auf "Unglaublich"
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    Schauen Sie sich doch einmal die steigenden KW-Zahlen bei den Neuzulassungen an.

    Mittlerweile wird jede, noch so lausig konstruierte, Gurke mit über 100PS angeboten.

    Gerade bei den SUV's kommen wir dort zu sehr ungünstigen Konstellationen: Schlechtes fahrerisches Können, Überschätzung der Fahrzeugsicherheit, das "Panzergefühl", gepaart mit konstruktionsbedingt schlechten Fahreigenschaften und hoher KW-Leistung.

  5. Bei dem größten Teil der Unfälle ist zwar überhöhte Geschwindigkeit als Unfallursache benannt, dies hat aber in der Regel nur sehr wenig mit der, in dem Straßenabschnitt zulässigen, Höchstgeschwindigkeit zu tun.

    Ein schlechtes Auto, scharfen Kurven, Unfähigkeit fallen da genauso runter, wie Laub, Regen, Schnee und Eisglätte. Da Kinder generell unschuldig an Verkehrsunfällen sind, kommt auch noch der Ball dazu.

    Wenn man so etwas durch Verkehrschilder regeln würde, wäre überall Schrittgeschwindigkeit angesagt. Nein die Verantwortung muss beim Fahrzeugführer bleiben. Eine der letzten Freiheiten in einer Welt, in der der große Bruder die Bürger immer weiter entmündigt.

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  6. Schauen Sie sich doch einmal die steigenden KW-Zahlen bei den Neuzulassungen an.

    Mittlerweile wird jede, noch so lausig konstruierte, Gurke mit über 100PS angeboten.

    Gerade bei den SUV's kommen wir dort zu sehr ungünstigen Konstellationen: Schlechtes fahrerisches Können, Überschätzung der Fahrzeugsicherheit, das "Panzergefühl", gepaart mit konstruktionsbedingt schlechten Fahreigenschaften und hoher KW-Leistung.

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    Antwort auf "Sehr richtig!"
  7. schneller von A nach B? In den wenigsten Fällen.

    Sie beantworten also Ihre Frage schon für die Gegenwart falsch. Teure Autos werden gekauft wegen Prestige, Design, Komfort, Platz, Sicherheit. Und aus genau diesen Gründen werden sie auch gekauft werden, wenn man das Auto nicht mehr selbst steuert.

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    Nach der Argumentation des Kommentators müssten Menschen, die sich einen Fahrer leisten können in Opelautos durch die Gegend fahren.

    • Sven88
    • 07. Juli 2013 13:12 Uhr

    Ich persönlich hab mehr Angst vor Tieren, die plötzlich ausm Feld gelaufen kommen und dann entweder vorm Auto oder in der Seite landen...

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Volvo | Auto | Fahrzeug | Sicherheitstechnik
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