AutomotorenSparen ohne Strom

Es muss kein Elektroantrieb sein: Die Hersteller haben auch reine Verbrennungsmotoren sparsamer gemacht. Das zeigen neue Modelle auf der bevorstehenden IAA. von Holger Holzer

Auch wenn auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt ab 12. September vor allem Elektroautos das Gesprächsthema sein werden: Der Verbrennungsmotor ist noch lange kein Auslaufmodell. Die Fahrzeughersteller nutzen die Messe, um ihre neuesten Benziner und Diesel vorzustellen. Deren Verbrauchswerte können sich selbst ohne Unterstützung durch Elektromotoren sehen lassen.

Die größte Motorenoffensive läuft zurzeit bei Opel. Nach der neuen Familie von 1,6-Liter-Motoren präsentieren die Rüsselsheimer nun einen frisch entwickelten Dreizylinder. Der ein Liter große Turbomotor mit Direkteinspritzung liefert 85 kW (115 PS) Leistung, das maximale Drehmoment von 166 Nm ist ab 1.800 Umdrehungen pro Minute erreicht. Das Vollaluminium-Triebwerk hat demnächst im Kleinstwagen Adam Premiere.

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Genaue Angaben zum Verbrauch macht Opel noch nicht, der neue Turbo soll aber rund 20 Prozent sparsamer sein als ein 1,6-Liter-Saugmotor mit identischer Leistung. Neben einem geringen Verbrauch verspricht der Hersteller, dass der Dreizylinder leiser ist als ein vergleichbarer Vierzylinder. Dazu sollen eine Ausgleichswelle, eine entkoppelte Einspritzanlage und akustisch optimierte Motorabdeckungen beitragen. Künftig soll der neue Motor nicht nur den Adam antreiben, sondern in weiteren Modellen eingesetzt werden, in anderen Leistungsstufen. Im Adam ist er an ein ebenfalls neu entwickeltes manuelles Sechsganggetriebe gekoppelt.

Volvo verpasst jedem Zylinder einen Sensor

Auch Volvo verfährt nach dem Motto "Weniger ist mehr" und hat seine klassischen Fünfzylindermotoren ausgemustert. Der schwedische Autohersteller ersetzt sie durch eine neue Familie von Vierzylindern. Kurz nach der IAA sollen sie als Diesel und Benziner mit jeweils zwei Litern Hubraum auf den Markt kommen. Die Leistung liegt bei 88 bis 225 kW (120 bis 306 PS).

Die Dieselausführungen weisen zwei Besonderheiten auf. Zum einen gibt es anstelle des zentralen Drucksensors nun einen Sensor pro Zylinder. Die Kraftstoffzufuhr wird also für jede Brennkammer einzeln kontrolliert und geregelt, was den Verbrauch deutlich senken soll. Außerdem arbeitet das Einspritzsystem mit einem Druck von 2.500 bar anstelle der sonst meist üblichen 2.000 bar. Das ermöglicht eine besonders feine Zerstäubung des Kraftstoffs, der dann gleichmäßiger verbrannt wird. Dadurch sinkt laut Volvo der Schadstoffausstoß.

Die neuen Volvo-Benziner wiederum setzen komplett auf Direkteinspritzung, wohl zumindest teilweise in Kombination mit Turboaufladung. Die Topversion T6 verfügt neben dem Abgasturbolader über einen mechanisch angetriebenen Kompressor, der das Turboloch bei niedriger Drehzahl schließt.

Dass man nicht unbedingt brandneue Triebwerke braucht, um spürbare Verbrauchssenkungen zu erreichen, zeigt die S-Klasse von Mercedes-Benz. Die Motoren in der neuen Generation sind die gleichen, die schon während der Laufzeit des Vorgängers angeboten wurden. Dennoch schafft es die neue S-Klasse, den Verbrauch und damit den CO2-Ausstoß deutlich zu verringern. Das gelingt durch aerodynamische Verbesserungen am Fahrzeug selbst und den Einsatz von Leichtbauelementen. Das Ergebnis, an einem Beispiel: Der 190 kW (258 PS) starke V6-Diesel im Modell S 350 kommt auf 100 Kilometer nun mit 5,2 Litern aus. Im Vorgänger waren es noch 6,2 Liter.

Um den Verbrauch noch weiter zu senken, bedarf es im großen Benz dann doch der Elektrounterstützung. Von der S-Klasse gibt es drei Hybridmodelle – das sparsamste ist der S 500 Plug-in-Hybrid, der laut Mercedes dank partiell rein elektrischen Antriebs nur drei Liter auf den ersten 100 Kilometern benötigt. Das funktioniert aber natürlich nur, solange der Akku voll ist.

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Leserkommentare
  1. Im Moment lohnen Sie sich nicht. Wenn der Ölpreis 300 USD kostet, dann sieht die Rechnung vielleicht anders aus. Aber im Moment ist das eine technische Spielerei, und die Autohersteller sind schlau genug, da nicht vorzupreschen, es wäre Geldvernichtung.

    Vor allem, da das technisch wichtigste Teil - die Batterie - eh von Zulieferern kommen wird. Der Teil den Atuohersteller am E-Auto bauen werden ist also weit uninnovativer als man annehmen könnte.

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    • jkluge
    • 01. September 2013 19:18 Uhr

    Es gibt heute schon Autos, die jeden Tag nur 30km zur Arbeit und zurück fahren. Da lohnt sich Elektro für den Eigentümer absolut - wg. geringeren Treibstoffkosten und weil die Wartungskosten nach hinten raus günstiger sind. Es handelt sich dann wahrscheinlich eher um Zweitwagen, aber einige 100.000 werden das schon sein. Für die Luft in der Stadt lohnt es sich sowieso, aber das ist eine andere Betrachtung.

    Damit sie sich wirtschftlich "lohnen" vielleicht schon, wenn Ihnen aber auch daran liegt, mit gutem Gewissen schlafen zu können und nicht ständig die Gesichter verhungender Kinder (wegen Mißernte in Folge der Klimaerwärmung) vor sich zu sehen, dann sollten Sie die Finger von Ölautos lassen!

  2. Nehmen wir einen E-PKW, Anschaffungspreis grob 20.000€.

    Leider ohne Akku!!!
    Das Akku kostet im Leasing um 100€/Monat.
    Akku kann man weder vom PKW-Hersteller noch als " Ersatzteil " kaufen als Privatmensch.

    Ergo: Vielfahrer kommen mit der KM-Leistung nicht aus - Wenigfahrer bezahlen durch das Akkuleasing MEHR als bisher für den Sprit an der Tanke.

    Ach ja, wie verkauft man " sein " E-Auto??? Das ist ja OHNE Akku.....der PKW also schlichtweg gar nicht fahrbereit. Teils gibt es diese Akkus auch gar nicht in anderen Staaten....also wird mein PKW schlichtweg für den Export wertlos.

    Neeee, E-PKW sind sowas von undurchdacht, das muss so gewollt sein durch die Hersteller.

    Nur so am Rande, nebenbei

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    Ach ja, wie verkauft man " sein " E-Auto??? Das ist ja OHNE Akku.....der PKW also schlichtweg gar nicht fahrbereit.

    Das ist natürlich völliger Blödsinn.
    Beim Verkauf eines E-Autos mit Batteriemiete geht der Mietvertrag auf den Neubesitzer über.
    Oder glauben Sie ernsthaft, dass da nachts ein Überfallkommando des Herstellers kommt und den Akku ausbaut?

    Außerdem gibt es auch E-Autos, bei denen der Akku inklusive ist, z.B. der Nissan Leaf. Beim Smart ed kann sich der Kunde entscheiden, ob er den Akku lieber mieten oder kaufen will.

  3. ... verballern wir also zukünftig einfach weniger Sprit, bis der peak oil einsetzt, statt das mal ganz bleiben zu lassen. "Halbherzig" trifft es nicht einmal ansatzweise. Also schön weiter so wie immer. Halt nur etwas langsamer. Damit das schlechte Gewissen nicht ganz so laut wird.

    @2: richtig erkannt. Ein PKW ist Luxus. Das gilt, global gesehen, aber auch jetzt schon.

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    Wieso ist ein PKW Luxus?

    Es gibt teurere Pferde oder Kamele als PKWs!!! Auch in den Unterhaltskosten dürften Pferde wie auch Kamele nicht unbedingt billiger sein wie PKWs.

    Selbst per Sänfte mit 4 Trägern dürften Sie global gesehen mit dem PKW noch immer billiger wegkommen falls Sie Tiere auch ablehnen sollten.

    Gruss

    • Alaric
    • 01. September 2013 21:45 Uhr

    Es gibt doch heute schon Erd-/ Biogasfahrzeuge, die eine echte Alternative sind.

    - Reichweite: mein VW Passat EcoFuel fährt ca. 400 km weit mit Gas, und wenn es eng wird, kommt man weitere 350 km mit Benzin. Tanken dauert ca. 5 Minuten.
    - Tankstellen: das Netz ist noch nicht so dicht wie LPG, aber VIEL dichter als das Angebot für E-Ladestation, geschweige denn Wasserstofftankstellen.
    - CO2: Mit fossilem Erdgas verursacht man chemisch bedingt ca. 20% weniger CO2 als ein vergleichbarer Benziner, mit Biogas fährt man CO2-neutral.
    - Vorräte: Die Erdgasreserven reichen lange nachdem Peak Oil erreicht wird, und Biogas kann man theoretisch unbegrenzt herstellen.
    - Kosten: das o.g. Auto kostet ca. 2650 EUR mehr als ein vergleichbarer Benziner, danach fährt man für ca. 5 EUR/100 km, sprich nach ca. 30.000 km hat es sich amortisiert.
    - Verfügbarkeit: Die Autos gibt's heute schon. Wie war das nochmal mit Brennstoffzellenautos? Seit 30 Jahren heißt es, die kommen in 10 Jahren! Warum? Geiler Wirkungsgrad, aber horrende Kosten und null Infrastruktur; ich kann mir nicht vorstellen, dass die auf dem freien Markt jemals gegen Erd-/Biogasfahrzeuge behaupten werden können. Viel Spaß, Jungs...
    - Alltagstauglichkeit: 1:1 wie ein Benziner, außer dass man für 20 EUR voll tanken kann.

    Ich fahre ein solches Auto und bin hell auf begeistert. Diese Technologie ist heute schon günstig, klimafreundlich und alltagstauglich, und ist aus meiner Sicht einer der wichtigsten Zukunftstechnologien.

  4. Wieso ist ein PKW Luxus?

    Es gibt teurere Pferde oder Kamele als PKWs!!! Auch in den Unterhaltskosten dürften Pferde wie auch Kamele nicht unbedingt billiger sein wie PKWs.

    Selbst per Sänfte mit 4 Trägern dürften Sie global gesehen mit dem PKW noch immer billiger wegkommen falls Sie Tiere auch ablehnen sollten.

    Gruss

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    Antwort auf "Oh, super..."
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    ...die hinken nicht mehr, sondern sind schon im Rollstuhl.

    "Es gibt teurere Pferde oder Kamele als PKWs!!! Auch in den Unterhaltskosten dürften Pferde wie auch Kamele nicht unbedingt billiger sein wie PKWs."

    Es gibt auch deutlich ungesündere Nahrung als Burger von McDonalds, das macht Fastfood aber auch nicht besser.

    Fakt ist: wir wissen um die Ölknappheit ebenso wie wir wissen dass das spritbetriebene Auto als Fortbewegungsmittel eine Sackgasse ist. Und wir wissen das auch nicht erst seit gestern. Etwas dagegen unternehmen mag dann aber aufgrund der eigenen Bequemlichkeit (fast) Niemand.

    Und wenn ihnen nicht klar ist, warum PKWs Luxus sind, kann ich ihnen wirklich nicht helfen.

    • nik--
    • 01. September 2013 23:35 Uhr

    Weil Individualverkehr Luxus ist. Und auch wenn ein Saphirring teurer ist, ist ein Goldring trotzdem Luxus. Also was sollen die dämlichen Gleichnisse?

  5. Also wenn ich lese:

    "Der ein Liter große Turbomotor mit Direkteinspritzung liefert 85 kW (115 PS) Leistung, das maximale Drehmoment von 166 Nm ist ab 1.800 Umdrehungen pro Minute erreicht."

    finde ich das technisch nicht berauschend. Wahrscheinlich rappelt die Kiste noch, stinkt und benötigt evtl. sogar noch ein Getriebe mit Lastwechselreaktionen.

    Ich fahre emmissionsfrei mit 220 Nn ab 100 Umdrehungen mit dem Komfort einer S-Klasse. Das hat Stil und ist fahrtechnisches High-End.

    Und für High-End hatten die Menschen ja immer schon etwas mehr Geld über.

    Gruß

    2 Leserempfehlungen
  6. ...die hinken nicht mehr, sondern sind schon im Rollstuhl.

    "Es gibt teurere Pferde oder Kamele als PKWs!!! Auch in den Unterhaltskosten dürften Pferde wie auch Kamele nicht unbedingt billiger sein wie PKWs."

    Es gibt auch deutlich ungesündere Nahrung als Burger von McDonalds, das macht Fastfood aber auch nicht besser.

    Fakt ist: wir wissen um die Ölknappheit ebenso wie wir wissen dass das spritbetriebene Auto als Fortbewegungsmittel eine Sackgasse ist. Und wir wissen das auch nicht erst seit gestern. Etwas dagegen unternehmen mag dann aber aufgrund der eigenen Bequemlichkeit (fast) Niemand.

    Und wenn ihnen nicht klar ist, warum PKWs Luxus sind, kann ich ihnen wirklich nicht helfen.

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    Antwort auf "@Aurora borealis"
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    Ich fahre einen umgebauten " Pöl-PKW ", kann also tatsächlich mit altem Frittenfett fahren was nicht in eine Fabrik zur Aufbereitung erst muss. Auch kein Lebensmittel mehr ist.
    Daher trifft mich ihre Angst for dem Öl-Peak nun nicht wirklich.

    Auch sind andere Alternativantriebe durchaus bekannt. Vom guten alten Holzvergaser über Pressluftantrieb.

    Wirtschaftliche Betrachtung war aber der Kritik- bzw. Knackpunkt im Artikel.
    " Luxus " ihr Hebelpunkt.

    Und nu?

    Gruss

  7. Ich fahre einen umgebauten " Pöl-PKW ", kann also tatsächlich mit altem Frittenfett fahren was nicht in eine Fabrik zur Aufbereitung erst muss. Auch kein Lebensmittel mehr ist.
    Daher trifft mich ihre Angst for dem Öl-Peak nun nicht wirklich.

    Auch sind andere Alternativantriebe durchaus bekannt. Vom guten alten Holzvergaser über Pressluftantrieb.

    Wirtschaftliche Betrachtung war aber der Kritik- bzw. Knackpunkt im Artikel.
    " Luxus " ihr Hebelpunkt.

    Und nu?

    Gruss

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Es gibt Vergleiche..."
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    Ich fahre einen umgebauten " Pöl-PKW ", kann also tatsächlich mit altem Frittenfett fahren was nicht in eine Fabrik zur Aufbereitung erst muss. Auch kein Lebensmittel mehr ist.
    Daher trifft mich ihre Angst for dem Öl-Peak nun nicht wirklich.

    Sicher?
    Der Peak Frittenöl wird lange vor dem Peak Erdöl kommen, denn soviel Fritten können wir alle gar nicht in uns reinstopfen damit genug Altöl für den MIV übrigbleibt.

    In Einzelfällen aber keine schlechte Lösung.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Opel | Mercedes-Benz | Diesel | IAA | Motor
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